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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fünfteln bis fünfthalerstück (Bd. 4, Sp. 576 bis 577)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fünfteln , von fünftel abgeleitet, taucht erst in der zweiten hälfte des 18. jh. auf, ist aber auch da noch so wenig gäng und gäbe, dasz es nur von Bauer in sein deutsch-lat. lex. aufgenommen wurde und dann zu anfange des 19. jh. von Haas in sein deutschlat. handwb., während es der gleichzeitige Scheller in seinem deutsch-lat. lex. und später Campe, Heinsius und selbst Heyse in ihren deutschen wörterbüchern noch unbeachtet lassen. Die bedeutungen sind
1) in fünf theile (fünftel) theilen. a) trans., mit acc. der sache: ein stück land fünfteln, es in fünftel zerlegen. aber b) auch und zwar bei Bauer 1079 intr., ohne acc., quinque partes facere, per quinque partes, quinque partibus dividere, was Haas 209b noch bestimmter durch »rem quintam accipere« ausdrückt; also: zu fünfen theilen, so dasz jedem ein fünftel zukommt. bei einer erbschaft mit andern fünfteln. er musz fünfteln, quinta pars ad eum pervenit. Bauer a. a. o.
2) durch wegnahme des fünften theiles um so viel verringern. (der fürst als vormund der kinder seines seneschalls) kümmert sich ... nicht um sie, sobald er ihre haabe unter seinen händen hat, sondern nur darum, wie er diese wacker zehnteln, ja fünfteln könne. Veit Weber sagen der vorzeit 4, 274.
3) zur tilgung von schulden um ein fünftel des gehaltes verkürzen. trans., mit acc. der person: auf andringen der gläubiger hat ihn das gericht gefünftelt, ausgesprochen dasz er an jene zur allmählichen deckung seiner schulden ein fünftel seines jährlichen gehaltes abgeben musz. er hat nicht seinen vollen gehalt, er ist gefünftelt. er war bisher gefünftelt, aber seine schulden sind jetzt alle bezahlt.
 
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fünftelsaft, m. das feinste, vortreflichste, edelste, geistigste einer sache. zuerst in einem in dem Göttinger musenalm. 1774 s. 164—166 abgedruckten liede von Bürger, der ohne zweifel an quinta pars nectaris bei Horaz od. 1, 13, 16 dachte und danach das wort bildete:

minnesold ist aller freuden,
aller freuden fünftelsaft. s. 165, vgl. werke 118a.

nach Bürger setzt es dann Blumauer, indem er damit quintessenz verdeutscht:

der mensch verschlingt den fünftelsaft der erde
und nützt er so, wie du (das schwein)? ged. 2, 211.

aber später scheint es, das auch nur im hinblick auf jene horazische stelle verständlich ist, von Bürger wieder aufgegeben worden zu sein, da er, wie sich in den sämmtlichen werken 17a zeigt, in aller

[Bd. 4, Sp. 577]


freuden mark und saft änderte, und im 19. jh. ist es nur noch selten gebraucht. der fünftelsaft, buchstäblich genommen, befriedigt durchaus nicht. C. A. Böttiger Amalthea 1, 23, wo der erwähnte horazische ausdruck nicht eben gebilligt und von einer fünfmal höheren süszigkeit, als der nectar ist, verstanden wird.
vgl. unten fünftheil, dann fünftes element und fünftes wesen unter der ordinalzahl fünfte 1).
 
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fünftelthaler, m., s. DWB fünftel.
 
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fünften, in fünf abtheilungen ordnen. so ist das wort mit wahrscheinlichkeit zu verstehn, wenn Luther zu gerüstet 2 Mos. 13, 18 am rande bemerkt ebreisch gefünfftet. was das sey, lassen wir andere suchen. obs sey, das (dasz) sie bey funff hauffen gezogen, oder bey funffen neben ander gangen sind, oder was solch funffe sey. denn von der funfften rieben (rippe), so das harnasch erreicht am leibe (wie die jüden klügeln), verstehen wir nichts.
 
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fünftengeben, n. die pflichtmäszige abgabe des fünften theiles vom naturertrage. durch zehnden-, ja fünfftengeben gesegnete güter. Olearius pers. rosenth. 7, 20. vgl. DWB fünfte 2) d).
 
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fünftens, adv. in aufzählender reihenfolge an fünfter stelle. fünfftens, zum fünfftenmahl, quinto, quintum, quinta vice. Kirsch (1723) 2, 123b. fünftens. Steinbach 1, 528. Frisch 1, 307a (wo durch druckfehler fünftes). Nieremberger Ccc 4c. es ist von fünfte der adverbial gewordene gen. sg. masc. oder neutr. schwacher form mit zugetretenem s wie bei bogens, glaubens, namens, herzens u. s. w.
 
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fünfter, m. quinarius numerus, quinio. Weismann (1715) 2, 135a, während 1, 451a fünffer. hiernach bedeutet das wort
1) die fünf augen auf dem würfel. zweiter spieler. die würfel her. — wer hält dis klümpchen? Faust. ich! zweiter spieler. drei fünfter — paszirt —. Friedr. Müller 2, 83 = Fausts leben 86. auch sagt man der fünfter der karte.
2) die die zahl fünf bezeichnende ziffer.
Nur im gemeinen leben, der Wetterau, der Pfalz u. s. w., aus welcher letzten auch das wort bei Friedr. Müller hergenommen ist, der, ein Kreuznacher, aus der sprache seiner heimat reichlich schöpfte.
Der hochdeutsche ausdruck in beiden fällen ist fünfer, s. DWB fünfer 1) und 2).
 
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fünftest, adj. was fünfte in stärkerer bezeichnung: verfluchten den keiser in die fünftest höll. Fischart bienenk. 1588 141b (2, 10). es soll wol so viel sagen als »in die tiefste hölle«. denn fünftest ist superlativ, freilich ein unerhörter, von der ordinalzahl fünfte, dessen t ohnedies schon superlativische bedeutung hat (vgl. gramm. 3, 640). vgl.funfzehntest.
 
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fünftgeboren, adj. der geburt nach der, die oder das fünfte. Rädlein 311a. der fünftgeborne sohn, der fünfte.
 
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fünfthalerschein, m. ein papiergeldschein, der fünf thaler gilt. ein preuszischer fünfthalerschein. vgl. fünfguldenschein. sprichwörtlich hört man einem einen fünfthalerschein zu wechseln geben. Sandvoss 312, = einem eine ohrfeige geben, die mit fünf thalern bestraft wird. Zu betonen fünfthálerschein.
 
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fünfthalerstück, n. eine goldmünze die fünf thaler gilt oder doch gelten soll. ein preuszisches fünfthalerstück, ein Friedrichsdor, welcher aber im werthe höher als fünf thaler steht. ein braunschweigisches fünfthalerstück, ein Karlsdor. ein französisches fünfthalerstück, ein Louisdor, ein Napoleondor. Zu betonen fünfthálerstück.

 

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