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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fünftehalb bis fünftelsaft (Bd. 4, Sp. 575 bis 576)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fünftehalb, adj. vier und ein halb. mit ausstoszung des e kürzer fünfthalb. mhd. vünftehalp flectiert:

si wâren vil unmüeʒecwol vümphtehalben tac. Nib. 1210, 1.

[Bd. 4, Sp. 576]


nhd. in der bedeutung: vier und ein halbes mehr. fünftehalb, quinque cum dimidio. Steinbach 1, 668. fünfthalb, quatuor et dimidium quinti. Frisch 1, 307a. es steht hier unflectiert, sein subst. aber, falls dieses nicht als benennung eines maszes unverändert bleibt, im pl.: fünfthalb tage, jahre, ellen. Adelung. er ist fünftehalb jahre oder, wie ahd. und mhd., ohne endung jahr alt. das sind fünfthalb ellen zeug. fünfthalb thaler sind für ihn keine kleine ausgabe.
Ostfries. wird mit fîftehalv, fünftehalb, eine 2 gute groschen = 4 stüber geltende münze bezeichnet. Stürenburg 55a.
 
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fünftehalbhundert, vier und ein halbes hundert, kürzer fünfthalbhundert.
 
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fünftehalbjährig, adj. vier und ein halbes jahr alt, kürzer fünfthalbjährig. ein fünfthalbjähriges kind.
 
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fünftehalbmal, 4 mal, quater cum dimidio. Scheller (1805) 1027. kürzer fünfthalbmal.
 
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fünftehalbstündig, adj. vier und eine halbe stunde dauernd oder während. kürzer fünfthalbstündig. nach fünfthalbstündiger discussion wurde zur abstimmung geschritten.
 
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fünftehalbtausend, vier und ein halbes tausend. kürzer fünfthalbtausend.
 
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fünftel, n. das fünfte theil eines ganzen, quinta pars. Stieler 2274. Steinbach 1, 528. Frisch 1, 307a. abgeschwächt aus fünftheil (s. d.).

ja, und diese achttausend pferd,
die man nach Flandern jetzt begehrt,
sind von der armee nur der kleine finger.
läszt man sie ziehen, ihr tröstet euch,
wir seyen um ein fünftel nur geringer?
Schiller 327a.

ein fünftel eines centners, zusammengesetzt ein fünftelcentner, 20 pfund. ein fünftel eines preuszischen thalers, ein fünftelthaler, sechs silbergroschen. s. auch DWB fünftelsaft.
 
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fünftelcentner, m., s. den vorigen artikel.
 
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fünftelloos [fünftellosz], n. eins von den fünf theilen eines looses, in die es abgetheilt worden ist.
 
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fünfteln , von fünftel abgeleitet, taucht erst in der zweiten hälfte des 18. jh. auf, ist aber auch da noch so wenig gäng und gäbe, dasz es nur von Bauer in sein deutsch-lat. lex. aufgenommen wurde und dann zu anfange des 19. jh. von Haas in sein deutschlat. handwb., während es der gleichzeitige Scheller in seinem deutsch-lat. lex. und später Campe, Heinsius und selbst Heyse in ihren deutschen wörterbüchern noch unbeachtet lassen. Die bedeutungen sind
1) in fünf theile (fünftel) theilen. a) trans., mit acc. der sache: ein stück land fünfteln, es in fünftel zerlegen. aber b) auch und zwar bei Bauer 1079 intr., ohne acc., quinque partes facere, per quinque partes, quinque partibus dividere, was Haas 209b noch bestimmter durch »rem quintam accipere« ausdrückt; also: zu fünfen theilen, so dasz jedem ein fünftel zukommt. bei einer erbschaft mit andern fünfteln. er musz fünfteln, quinta pars ad eum pervenit. Bauer a. a. o.
2) durch wegnahme des fünften theiles um so viel verringern. (der fürst als vormund der kinder seines seneschalls) kümmert sich ... nicht um sie, sobald er ihre haabe unter seinen händen hat, sondern nur darum, wie er diese wacker zehnteln, ja fünfteln könne. Veit Weber sagen der vorzeit 4, 274.
3) zur tilgung von schulden um ein fünftel des gehaltes verkürzen. trans., mit acc. der person: auf andringen der gläubiger hat ihn das gericht gefünftelt, ausgesprochen dasz er an jene zur allmählichen deckung seiner schulden ein fünftel seines jährlichen gehaltes abgeben musz. er hat nicht seinen vollen gehalt, er ist gefünftelt. er war bisher gefünftelt, aber seine schulden sind jetzt alle bezahlt.
 
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fünftelsaft, m. das feinste, vortreflichste, edelste, geistigste einer sache. zuerst in einem in dem Göttinger musenalm. 1774 s. 164—166 abgedruckten liede von Bürger, der ohne zweifel an quinta pars nectaris bei Horaz od. 1, 13, 16 dachte und danach das wort bildete:

minnesold ist aller freuden,
aller freuden fünftelsaft. s. 165, vgl. werke 118a.

nach Bürger setzt es dann Blumauer, indem er damit quintessenz verdeutscht:

der mensch verschlingt den fünftelsaft der erde
und nützt er so, wie du (das schwein)? ged. 2, 211.

aber später scheint es, das auch nur im hinblick auf jene horazische stelle verständlich ist, von Bürger wieder aufgegeben worden zu sein, da er, wie sich in den sämmtlichen werken 17a zeigt, in aller

[Bd. 4, Sp. 577]


freuden mark und saft änderte, und im 19. jh. ist es nur noch selten gebraucht. der fünftelsaft, buchstäblich genommen, befriedigt durchaus nicht. C. A. Böttiger Amalthea 1, 23, wo der erwähnte horazische ausdruck nicht eben gebilligt und von einer fünfmal höheren süszigkeit, als der nectar ist, verstanden wird.
vgl. unten fünftheil, dann fünftes element und fünftes wesen unter der ordinalzahl fünfte 1).

 

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