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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
füllensack bis füller (Bd. 4, Sp. 512 bis 513)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) füllensack, m. Hugo von Trimberg sagt im Renner 9035 vom päpstlichen hofe:

Lærenbiutel und Füllensac
pflëgent dës hoves naht und tac,

und bezeichnet in dem beigelegten ersten eigennamen einen der, um sich zu bereichern, ungetreu und räuberisch andern den beutel leert, in dem zweiten dagegen einen der in gleicher absicht und weise andrer gut und geld an sich nimmt und sich so den sack füllt, einen räuber. s. mhd. dën sac vüllen in dem sinne von »rauben« unter füllen I 1) a). beide lebendige und treffende namen übrigens sind durch zusammenziehung ganzer redensarten gebildet, in welchen das verbum im imperativ steht, aus mhd. lære dën biutel, leere den beutel, und fülle (vülle) dën sac, fülle den sack. vgl. gramm. 2, 962, auch W. Wackernagel in Pfeiffers Germ. 5, 292. 301.
 
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füllenstall, m. ein stall, in welchen die von ihren müttern genommenen füllen gebracht werden und von den andern pferden gesondert bleiben, bis sie zum gebrauche tauglich sind. Hübner ökonom. lex. (1764) 805. eben so wol fohlenstall.
 
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füllenstute, f. eine stute die ein saugendes füllen hat Zincke ökonom. lex. (1764) 805. auch fohlenstute, s. d.
 
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füllentreiber, m. einer der füllen treibt:

o ihr Kritons! laszt den kranken
füllentreiber unverlacht,
der zum kreislauf der gedanken
aus der wildbahn ohne schranken
eine reitbahn macht!
Thümmel reise 6, 22 = 9, 32.


 
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füllenwagen, m. ein füllen d. h. grosze schätze und überflusz an erträgnissen der natur, an gütern führender wagen. im bildlichen ausdrucke:

(im lande) wo, nach nebelvollen tagen,
süszer lacht der sonnen gold
und des herbstes füllenwagen
itzt durch weingebirge rollt.
Gotter im alm. d. d. mus. 1774 s. 172.


 
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füllenweide, f. 1) das halten und hüten von füllen auf einer weide. 2) eine weide für füllen. auch fohlenweide.
 
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füllenzahn, m. ein milchzahn eines füllens d. h. einer der zähne, die das füllen zuerst nach seiner geburt bekommt, aber dadurch wieder verliert, dasz die anderen, bleibenden sich nachschieben. mhd. fülizant, fulzant, mit abfall des t fulzan, zusammengesetzt mit fül n., an dessen stelle nhd. das geläufigere füllen n. trat. abolos, ein jung pferd, das die füllenzähn noch hat. Dentzler 1, 3a; füllezahn und (ein füllen) das noch füllizähn hat. 2, 116b. in bildlicher anwendung er hat noch füllizähn, ist noch unreif zu urtheilen, nondum maturi est judicii. ebenda.

recht so, lord Sands, ihr habt den füllenzahn
nicht abgelegt.
A. W. Schlegel Shaksp. Heinr. VIII. aufz. 1, sc. 3.

s. füllzahn.
Mhd. auch sprichwörtlich

gevater und fülizant an grôʒen nœten sint ze swach. MS. 2, 160b,

[Bd. 4, Sp. 513]


= gevatter und milchzahn halten in groszen nöthen nicht aus. den milchzahn nemlich beiszt man sich bei sehr hartem beiszen leicht aus.
Auch als eigenname erscheint das wort. so in Wittenweilers ring 51d, 18:

die weil cham auch hër Fülizan
mit seinem paner.


 
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füllenzucht, f. das betreiben, dasz füllen erzeugt und grosz gezogen werden.
 
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fülleopfer, n., bei Luther, s. DWB füllopfer.
 
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fuller, füller, m. ein walkmüller, walker, fullo. in der Aachener mundart föller (Müller u. Weitz 50). im 15. jahrh. vuller, vulre. Diefenbach 251a. mnl. volre, nnl. vuller, vulder, voller, volder, engl. fuller, abgeleitet von nnl. vullen, vollen, engl. full, = walken, welches aus dem gleichbed. franz. fouler, provenzal. folar, it. follare, mittellat. fullare, einem auf lat. fullo, walker, führenden verbum, entlehnt wurde. jenes nnl. vollen aber begegnet auf heutigem deutschen gebiete in aachenisch folle, luxemburg. follen, = walken (Müller u. Weitz 56. Gangler 155).
 
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füller, m.
1) einer der füllt d. h. anfüllt, auffüllt, ausfüllt, einfüllt, nachfüllt, abfüllt. zu den fässern braucht man nur éinen füller. der füller der grube, der dieselbe zuwirft. s. auch DWB grabenfüller. vgl. Stieler 2391.
2) im besondern einer der würste füllt, ein »wurstmacher, fartor, qui farcimina farcit«. Henisch 1285, 22. ebenso füller bei Stieler 2391 und Steinbach 1, 521. hiervon erscheint das wort noch als familienname.
3) ein schwelger, ein fresser und säufer: und hbe also an ze schlahen sine mitknecht und fressen und sufen mit fülleren. Zwingli 1, 16. auch blosz oder doch vorzugsweise ein fresser: diszer nimpt die sünder an und ysset mit jnen. er ist ein füller und ein frosz und ist ein gesell der sünder. Keisersberg post. 3, 48b; also auch gond wste dünst und wste dempff usz dem schlund und usz dem mul eines sollichen fressers ... dornoch so kriechen usz dem grab die wsten würm unnd die wsten schlangen, dz seind unfletige wste wort ... semliche (= eben solche) würm kriechen usz dem halsz eines sollichen füllers. 4, 41;

vom Potenstein der eselmüller,
der am tisch war der gröste füller,
mit Meyers Elsen umbhin sprang.
H. Sachs I, 531b = (1590) 398a.

besonders aber ein säufer: also in dem geistlichen streit sollen auch die hurer, füller, spieler nichts. Pauli schimpf 17a (95);

und ain esel und ain mülner
und ain weinschenk und ain füller
und durstig leut und guter wein
die dink süln allweg pei ainander sein. fastnachtsp. 714, 3, vgl.
Keller alte gute schwänke nr. 11, wo muller u. fuller;

und ain melmacher und ain müller
und ain weinschlauch und ain füller, ...
das seind ye zway und zway ainerlay.
Keller ebenda nr. 48;

und was soll ich alter geschicht
erzehlen vil, weil man doch sicht
täglich der füller haderey.
H. Sachs I, 229c = (1590) 168d;

(man findet) beyn füllern trunckenheit und zern. I (1590), 178d.

 

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