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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
entflackern bis entfliehen (Bd. 3, Sp. 518 bis 520)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) entflackern, micare, flackern:

die glut, vom hirtenkreis umwacht,
verschwärzt entflackernd rings die nacht.
Salis 51;

der feuertrunk, geschöpft aus traubenblut
ist öl, das in die rasche flamme spritzet,
dasz doppelt rasch entflackert ihre glut.
Rückert 40.


 
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entflammen , nnl. ontvlammen.
1) intr. accendi, aufflammen, in flamme gerathen: aber den fall gesetzt, es wäre möglich, dasz Woldemar nun auf einmal in liebe gegen mich entflammte. Woldemar 1, 74;

an der glut des gesangs entflammten des hörers gefühle,
an des hörers gefühl nährte der sänger die glut.
Schiller 84a;

die rosen ihrer wangen
entflammen zu karmin.
Pfeffel 2, 204;

kaum berührt mein finger sie,
hell entflammt die kerze.
Göthe 1, 15.


2) trans. accendere, in flamme setzen:

wie vieles kommt zusammen,
das leichte blut der schönen zu entflammen.
Wieland 9, 86;

gegenliebe nähret liebe
und entflammt zur feuersbrunst,
was sonst aschenfünkchen bliebe.
Bürger 27a;

[Bd. 3, Sp. 519]



wollt ihr des höflings kaltes herz
mit tragischem gefühl entflammen?
Gotter 1, 113;

besteige mein arabisch ros
von adeliger zucht entstammet,
und als ich seinen zorn entflammet,
rasch auf den drachen spreng ichs los.
Schiller 66a;

jetzo rath ich sogleich den galbanonduft zu entflammen.
Voss Virg. georg. 4, 264;

vorzüglich war es aber Regiomontans groszer und ausgebreiteter ruhm, der ihn entflammte. Lichtenberg 5, 166.
3) refl. sich entflammen: da entflammte sich in dem herzen des alten die vaterlandsliebe. Klinger 8, 254; kaum hatte er die botschaft gehört, so entflammte sich sein herz. 5, 291; seine wuth entflammte sich. 5, 349;

was sonst, als euer unglückselger streit,
der unauslöschlich wüthend auf dem grab
des kaum entseelten vaters sich entflammte?
Schiller 501a.


 
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entflammt, accensus, ardens:

ach ja, er schwitzet schon in der entflammten hölle.
Hallmann Mariamne s. 103;

bald kalt aus eifersucht und bald entflammt von liebe,
fühlt er den harten kampf der in ihm zwistgen triebe.
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 195;

Kaiphas schritt entflammter hervor, trug tod auf der stirne. Messias 6, 472;

sie sehen ihn kommen,
und entdecken an der entflammten geberde, warum er
wiederkomme. 7, 854;

dort erblickt ihr Damaskon.er eilt in diesen gefilden
dein entflammter verfolger. 15, 1036;

sie entrisz Anchisens laren
dem entflammten Ilion.
Bürger 115a;

Flamin kämpfte entflammt mit seinem aufsteigenden, dampfenden hengst. J. P. Hesp. 4, 94.
 
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entflammer, m.
 
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entflammung, f.

hier und dort in die triften
entflammungen sendet der waldhirt.
Voss.


 
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entflattern, evolare:

die raben entflattern
der wüsten abtei
und fliehn an den gattern
des kirchhofs vorbei.
Matthisson 168;

zu schwarz und bang, als dasz ich wesenhaft,
bin ich ein traum, entflatternd deiner haft!
Lenau Faust 195;

o wenn die weibliche thräne leicht flieszt, so entflattert ja noch leichter das weibliche lächeln. J. P. Tit. 2, 63.
 
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entflechten, capillos solvere:

stolze Chaldäerin,
entflechte deine locken.
Stolberg 4, 142.


 
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entflecken, purgare maculas. Stieler 498.
 
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entfleischen, nudare carne, abfleischen, nnl. ontvleeschen: das sinnenbild eines wütenden löwen, welcher einen bär entfleischte. Lohenst. Arm. 2, 252;

entfleischet alle glider.
Sim. Dach;

wo bei entfleischtem gebein der getödteten schädel
liegen. Messias 6, 264;

sie schwingen in entfleischten händen
der fackel düsterrothe glut.
Schiller 58b;

ein entfleischter welt- und hofmann. J. P. herbstbl. 3, 160.
 
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entfliegen, evolare, nnl. ontvliegen, allgemeiner als ausfliegen, das bestimmt auf die entfernung von innen geht: der vogel entfliegt dem nest, dem baum, der hand; die nachtigall entflog ihren verfolgern; der pfeil entfliegt dem bogen;

und irem bubennetz entflogen.
Waldis 287b;

guotwillig sind wir und bereit,
kein einigs wort sol uns entfliegen,
old unser dächtnus muest uns triegen. trag. Joh. E 1;

aber die seel aus den gliedern entflog in die tiefe des Aïs. Il. 22, 362;

ihr entflog im hastigen lauf der pantoffel.
Voss;

zugleich entflogen die lanzen
beider händen.
Bürger 229a;

pfeilschnell ist das jetzt entflogen.
Schiller 88b;

da ich ihr (der welt) so früh entflog.
Gökingk 2, 156;

zurück du kühner wunsch! du darfst noch nicht entfliegen. 3, 151;

der bleiche marmorkörper schien nur das bild zu sein, das am grabmal der entflognen seele steht. J. P. Hesp. 2, 197; siehe, da trieb ein kleines wehen die entfliegenden laute heiszer und näher an ihr herz. 3, 239; wie behend entflog sie aus der marterkammer. Tit. 3, 153; das alte doppelseitige verkennen der entflogenen groszen seele. aesth. 3, 153.

[Bd. 3, Sp. 520]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) entfliehen, effugere, goth. unþaþliuhan, ahd. intfliohan, mhd. emphliehen, im 15. 16 jh. verschiedentlich auch empfliehen, nnl. ontvlieden, überall intransitiv, entweder ohne casus, oder mit dem dativ: wöllen wir disen dingen allen empfliehen, so ist not, das wir unser augen uf tügen und sehen dise verfarlicheit, in die wir gesetzt seind. Keisersberg Marie himelfart 12d; gibst du ein schlag, mag er dir nit entphliehen. seelenparad. 98a; da sie nun sahe, das er sein kleid in irer hand liesz und hinaus entflohe. 1 Mos. 39, 13; es wird im alles aus seinen henden entpfliehen. Hiob 27, 22; wer der furcht entfleucht, der wird in die gruben fallen. Jer. 48, 44; und der unter den starken, der manhaftig ist, sol nacket entfliehen. Amos 2, 16; so seid nu wacker allezeit und betet, das ir wirdig werden müget zu entfliehen diesem allen. Luc. 21, 36; warf sie unter sich, also das sie nacket und verwundet aus dem selbigen hause entflohen. apostelg. 19, 16; und werden nicht entpfliehen (goth. jah ni gaþliuhand). 1 Thess. 5, 3; und das weib entflohe in die wüsten. offenb. 12, 6; dem feind aus den henden entfliehen, per manus infestas effugere. Maaler 103c; dein knächt ist entflohen oder hat den schwank genommen, aufugit servus tuus;

am grabe des früh entfliehenden freundes. Mess. 8, 411;

welch ein wort, o Atreid, ist dir aus den lippen entflohen? Il. 4, 350;

welch ein wort, o tochter, ist dir aus den lippen entflohen? Od. 1, 64;

wohin dem sonnenstrahl entfliehen,
der deine lilienhaut, Amanda, dörrt und sticht?
Wieland 22, 28;

herold auf! nach deiner weise,
ehe wir von euch entfliehen.
Göthe 41, 43;

hier wohnte der zöllner mit weib und kind.
'o zöllner, o zöllner, entfleuch geschwind!'
Bürger 36b;

entflieh, an deines Damons hand,
nach freundlichern, beglücktern zonen.
Gotter 1, 123;

als unser glück entfloh. 1, 277;

der kleine stolz, den sechzehn ahnen geben, entfloh.
Gökingk 2, 177;

der erdball ändert sich, das meer entfliehet,
und deckt uns wunder auf.
Ramler.

entflohene stunden, tage, jahre, träume, freuden. transitiv, mit dem acc., wie das lat. effugere, dürfen wir unser entfliehen heute nicht verwenden, es heiszt nur dem strick entfliehen, nicht den strick, effugere laqueum. wenn Klopstock 9, 48 setzt: kann ich entfliehen von ihm beherscht zu werden? so klingt dies fast wie 'vermeiden', läszt sich aber auch nehmen 'dem entgehen'. doch bietet Keisersberg ein beispiel, und wahrscheinlich noch mehrere, des transitiven gebrauchs dar, im seelenparadies 94a steht: als so sich der selig freuwt, das er selig ist, das er die hell entpflohen hat = der hell entpflohen ist.

 

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