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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
entfalben bis entfechsen (Bd. 3, Sp. 513 bis 516)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) entfalben, decolorare, entfärben, doch nicht, wie dies, mit privativem, sondern mit dem gelinden ent gebildet, fahl werden lassen, fahl machen:

wie morgenduft die flur entfalbe,
das tusch ich hin mit sauberm fleisz,

läszt Schlegel den Matthisson im wettgesang sagen; der begeisterte selbst wird vor ihnen (den kalten menschen) vernichtet und entfalbt sich mager, so wie sich im frost die fettesten gesichter zu hageren einziehen. J. P. dämm. 33.
 
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entfallen , elabi, delabi, excidere, schwächer als entfahren. ahd. intfallan, infallan, inphallan, mhd. enpfallen, nhd. bis ins 16 jh. noch oft empfallen, doch stellt Luthers bibel entfallen her. alts. antfallan, nnl. ontvallen. gewöhnlich mit dem dativ.
1) mir entfällt etwas: und hub auf den mantel Elia, der im entfallen war. 2 kön. 2, 13; das im das schwert aus seiner hand entfallen musz. Ez. 30, 22; denn es wird ewer keinem ein har von dem heubt entfallen. apostelg. 27, 34; das in die stang empfiel. Steinhöwel Esop 1487. 70;

an keim schuch thu ich ein kein schnallen,
wie oft sie mir von füszen enpfallen. fastn. sp. 564, 7;

und ob einem ein gulden enpfall,
der heb in phentlich (behende) wider auf,
dasz wir nit alle platzen drauf. 790, 22;

es ist ein pranger hoch aufgestellt,
manchem davor das haupt empfelt.
Schmelzl lobspr. 93;

darvon sof sie ihrem kind zeitlich das leben ab und entzündet ir selbsten das gehenk dergestalt, dasz es ihr auch bald hernach entfiele. Simpl. K. 725;

[Bd. 3, Sp. 514]


eine thräne, die mir still den wangen entfiel.
Klopst. 1, 22,

mit zwei dativen, der person und sache;

in deinen wonnebecher, allgütiger,
entfielen niemals thränen des dankes ihm.
Stolberg 1, 20;

bis mir die stimm entfällt.
Gökingk 1, 48;

und er schwitzte vor angst und häufige losung entfiel ihm.
Göthe 40, 176.


2) sehr oft bildlich: da entfiel inen ir herz und erschrocken unternander. 1 Mos. 42, 28; es entfalle keinem menschen das herz umb deswillen. 1 Sam. 17, 32; zu der zeit wird dem könige und den fürsten das herz entfallen. Jer. 4, 9; was th ich arme betrübte, wann mein herz entfelt mir gar! Aimon x 5a; bei got, sprach Reinhart, ir seit nit einer hagenputten wert, wann euch ist das herz entfallen. z 1a; es ist eine grosze schande, das dir das herz so entfellt. Luther 3, 64b;

da entpfiel mir so bald mein herz.
H. Sachs III. 1, 203b;

den bauwern entfiel von stund an das herz. Rivander 2, 223; im von stund an seine freud entfallen war. Galmy 179; furchten sich alle heiden, die umb uns her waren, und der mut entfiel inen. Neh. 6, 16; das hett ich nimmermehr geglaubt, dasz euwer muth aller solte empfallen sein. Kirchhof wendunm. 325a; es sieht so schlimm aus, dasz einem der muth völlig entfallen könnte. Pestalozzi 4, 105; da empfiel im alle seine kunst und wuste nichts zu sagen. Luther 6, 15a; (Witzel) will mit der büchsen der guten werk also zu in (den lutherischen) ein schieszen, das in der glaub wol entfalln sol. Alberus wider Witzel L 7b; gab im ein, das er mich unvorsehens ergriffe bei einem wortlin von dem pabsthum gesagt, das mir angefähr empfallen war (captans me in uno verbulo mihi obiter elapso). Luthers br. 1, 511 vgl. 501;

das er kom umb das leben sein,
so empfiel mir die sorge mein.
Ayrer 118a;

und eh ihm noch das wort entfallen,
da sieht mans von den schiffen wallen,
und tausend stimmen rufen sieg!
Schiller 57a.


3) es entfällt mir, excidit, excidit memoria; es ist mir entfallen (vulg. sermo recessit a me). Dan. 2, 5; warlich ich merks, das ir frist suchet, weil ir sehet das mirs entfallen ist. 2, 8; ist dir denn entfallen, was du mir feierlich angelobtest?; das soll mir nie entfallen, das werde ich nie vergessen; euch wird noch unentfallen, unvergessen sein. in ganz anderm sinn sagt man aber auch: das ist mir irgend einmal entfallen, das habe ich bei irgend einer gelegenheit geäuszert, hingeworfen, fallen lassen; ich bitte dich, lasz dir so etwas nicht in gegenwart meiner frau entfallen (sage es nicht). Gotter 3, 365; sie gieng so weit sich entfallen zu lassen (zu äuszern), dasz man wol noch mittel finden könnte. Schiller 852b; vgl. das entfallen des worts unter 2.
4) einer entfällt mir, geht mir ab, stirbt mir: wie wir sehen, wenn vater und mutter den kindern empfallen, wie sie so elend und weislos hergehen. Luther 4, 523b; weil der könig (Cyrus) auszerhalb des landes schwere kriege füret und den juden zu früe entfiel (starb). Mathesius 84b;

als du die segel sich auf hinwerts lieszest wenden,
entfiel Achilles dir.
Opitz 1, 217;

ich hab endlich versprochen, ihnen, wie in andern begnügungen, also auch mit dieser, nicht zu entfallen. Gryphius 1, 183; ja den witwen wird umb der kinder wegen fürnemlich solches beneficium geordnet, dieweil ihnen der vater und nehrer entfallen. Carpzov jurispr. eccl. Lips. 1695 p. 225;

im himmel lebt ein freund
der wird mir nicht entfallen.
Günther 102.


5) einem gegenstand entfallen: der apfel entfällt dem baum; das schwert entfiel seiner hand;

er glaubt den wolken zu entfallen.
Wieland 17, 290;

sie gebar unter todesangst, ohne hülfe, das kind entfiel dem schosze der unvermögenden. Klinger 3, 282; die last entfiel seinen armen.
6) entfallen ohne dativ,
a) mit der praep. aus: entfallet aus eurer eigen festung. 2 Petr. 3, 17; es stehet wol mit euch und es wil gut werden, entfallet nur nicht aus der hand gottes, der euch itzt gefasset hat, euch rechtschaffen christen zu machen. Luther 2, 280b; da ich sie aber zum text zwang, entfielen sie aus dem text. 8, 67b; davon auch bei keinem einfältigen schlechten christen einiger zweifel sein musz, wann er sonst nicht

[Bd. 3, Sp. 515]


aus der zahl der christen entfallen will. Scriver seelensch. 2, 130; sobald sie aber aus dem glücksstande entfallen. Butschky Patm. 311; der gute mann endlich empfindend dasz er gänzlich aus seinem elemente entfallen sei. Göthe 31, 59;

aus deinem wolgefallen,
gott, waren wir entfallen
und nun vom wahren frieden
so wie von dir geschieden.
J. A. Schlegel verm. ged. 1, 198.


b) mit der praep. von:

lasz uns nicht entfallen
von des rechten glaubens trost.
Luther 8, 367a.


c) ohne praepositionen: aber der mann gottes sprach, wo ists entfallen? 2 kön. 6, 6; eilet, dasz schuh und holz enpfielen. Kirchhof wendunm. 260b; da nun sein herr vater zeitlich entfallen (gestorben sei). Corn. Paulsons lebensg. Lübben 1724 s. 295 (vgl. 4); aber auf der andern seiten des Rheins fleuszt der flusz Lona mit viel entfallenden (darein fallenden) flüssen bei Lonstein in Rhein. Frank weltb. 32a; denn den kläger die sache in entfallenem (mangelndem) satsamen beweise an der bezahlung schwer und teuer genug ankömt. Butschky kanzl. 429; entfallene dinge, res obsoletae. heute verwendet man entfallen auch im sinne von fallen, contingere, obvenire: die hiesige recrutierung ist gänzlich vollendet und das auf Wien entfallende contingent mit leichtigkeit aufgebracht worden. kölnische zeitung 1854 no 180; der auf mich entfallende antheil (am gewinn, an der erbschaft); der entfallende (sich ergebende) betrag.
 
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entfalten , explicare, auseinander falten, entwickeln, ahd. intfaldan, mhd. envalten, nnl. ontvouwen.
1) sinnlich, die hände, die flügel: ich entfaltete zuerst meine hände. Hippel 9, 269; ihr habt gesehen, wie sie sich aufrichtete und mit entfalteten händen mich segnete. Göthe 17, 408; der schmetterling entfaltet sein flügelpaar. die falten des gesichts entfalten: er entfaltete wieder seine stirne; sobald dieser name ausgesprochen wurde, hörte man ein trauliches flüstern im wahlkreis, die ernsten gesichter wurden entfaltet und klärten sich auf. Musaeus volksm. 278; als ich unter den reichen schlenderte und ihre trotzige, üppige miene entfaltete. Klingers th. 3, 189. den brief, den schleier, das gewand entfalten:

entfaltet der donnrer die wolken, die vollen,
entgegnet Neptunus dem gräulichen rollen.
Göthe 41, 170;

entfaltet mir die schwerbehangnen äste. 2, 146.


2) bildlich,

dieser gedanke durchströmt mich, je mehr ich
ihn entfalte, je mehr werd ich von seligkeit trunken. Messias 8, 362;

Agathon entfaltete mit jedem tage neue verdienste. Wieland 1, 230; oder kommst du auf meine fragen die räthsel der ewigkeit zu entfalten? Schiller 135b;

denkt euch ein mädchen, das jetzt hold,
jetzt finster sich gestaltet,
und ob es lacht und ob es schmollt,
stets neuen reiz entfaltet.
Gotter 1, 89;

hier (im tanze) entfaltete Fenno alle weichheit, geschmeidigkeit und reinheit der bewegungen, allen ausdruck seines unschuldigen herzens. Klinger 10, 27; der dichter musz zuerst dies neue leben entfalten. Bettine br. 2, 145.
3) sich entfalten:

indessen ihr des Ätnas felsenwege
vertheidigtet, entfaltete die schlacht
mit ungestüm sich an dem ufer hin.
Göthe 7, 316;

die hofnung darf, geliebte tochter, nun
in unserm herzen wieder sich entfalten. 7, 319;

frage nicht, wie sich dies räthsel wird entfalten,
schön entfalten wird sichs ohne deine fragen.
Rückert 329;

weil mein ich sich ganz entfaltet.
Platen 74.


 
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entfalter, m.

und jeder ein wetteifernder entfalter
wird aller keime, die an ihm noch taugen.
Rückert 250.


 
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entfaltung, f. entwickelung: die epiker und dramatiker sind beide den allgemeinen poetischen gesetzen unterworfen, besonders dem gesetze der einheit und dem gesetze der entfaltung. Göthe 49, 146.
 
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entfang, m. was empfang. Micrälius 3, 484.
 
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entfangen, was empfangen, bei Dasyp. entpfahen, bei Maaler entpfahen und entpfangen:

zu küng mich Israel entpfieng.
Schwarzenberg 107, 2;

verdriesz entpfangen. Reuchlin verst. 4b; man hat zu beiden seiten viel schadens von einander entfangen. Micylls Tac. 449a;

[Bd. 3, Sp. 516]


Danae entfing vom golde.
Logau 3, 242, 134;

ich musz sie entfangen, wann sie kommen. ped. schulf. 123.
 
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entfärben ,
1) mutare colorem, nnl. ontverwen, erbleichen sowol als erröthen: ein tugenthafter mensch wirt nit entferbet im angesicht. Keisersberg seelenparad. 97b; nu waren die vier gebrueder so gänzlich entferbt und verwandelt, das, wer sie vor gesehen het, dem werent sie itzt unerkent gewest. Aimon g 4b; ich siehe wol, wir seint verraten, dann ich sehen euch ewer angesicht entferben. n 1b; der ritter von groszen freuden aller in seim angesicht entferben (intransitiv? oder druckf. für sich entf.?) thet. buch der liebe 243, 2; do fragt er in, ob er auch mit ir geschimpfet hett und hett ir ain streich auf den rucken geben? do ward er entferbt (erröthete er). Keisersberg has im pf. Aa 5d;

wie habt ihr euch so thun entferben?
Ayrer 336a;

die tage sind nicht weit,
da dein entfärbtes haar die freiheit prophezeit.
J. E. Schlegel 1, 152;

und die priester hörten des schreckens worte den boten
sagen und standen entfärbt. Messias 6, 131;

so hausen die octoberweste!
fürwahr es ist bejammernswerth,
wie sie in meinem heiligthume
geschaltet, alles umgekehrt,
entfärbt, zerknickt, versengt, zerstört.
Wieland 9, 154;

wie bedaur ich dich, o silfe,
dasz du kamst in unsern herbst,
wo am nassen, welken schilfe
du den zarten schmelz entfärbst.
Rückert 417;

seine entfärbten wünsche. J. P. Hesp. 2, 242; Klotilde kehrte sich um und erblickte ein entfärbtes angesicht. 3, 87.
2) sich entfärben: da entferbet sich der könig und seine gedanken erschreckten ihn, das im die lenden schutterten und die beine zitterten. Dan. 5, 6; entferbe dich nicht also. 5, 10; denn man sahe es im an, weil er sich so im angesicht entferbet hatte, das er in groszen engsten war. 2 Macc. 3, 16; ist zu verwundern das sich Pfefferkorn nicht empferwet noch schemet. Reuchlin augensp. 35b; so bald die herzogin seiner ansichtig ward, ir angesicht vor freuden sich entferbt. Galmy 83; dasz sie sich im angesicht entfärbte wie ein glüende kol. Simpl. vogelnest 1, 3; o du verfluchtes teufelsgift, dasz du dich nicht entferbet hast den allerhöchsten ehrenkönig zu lästern! Albrechts fluchabc. s. 141; beschützt durch feuste, die sich nicht entfärben (die nicht erröthen). Butschky Patm. 730;

da wendet
Israels engel sein angesicht weg, erzittert, entfärbt sich. Messias 7, 789;

du schwebst gekreuzigt, dich entfärbend,
voll wunden, sterbend!
Klopstock 7, 192;

fragte ihn zum exempel der sultan etwas, das ihm unbekannt war, so stutzte er, entfärbte sich, öfnete den mund und staunte, als ob er sich darauf besänne. Wieland 6, 41; der kalender merkte nun auf einmal, dasz er sich vergessen hatte und entfärbte sich ein wenig. 8, 233; du entfärbst dich, Bella, du lügst. Schiller 145a;

ich entfärbe jetzt mich nicht,
seh ich dir ins angesicht.
Gotter 1, 206;

und immer sind weiter die jahre gerückt,
der mantel entfärbt sich, der mantel zerstückt,
er könnte sie länger nicht fassen.
Göthe 3, 4;

die drei lieben menschen haben geeilt und ihn (den ersten pfingsttag) genossen, eh er sich entfärbte. J. P. Hesp. 3, 194; ach vor der seele, vor welcher der morgenthau der ideale sich zum grauen kalten landregen entfärbet hat ... bleibst du, erquickende natur, treu und tröstend stehen. Tit. 1, 14.
 
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entfärbt, decolor. beispiele unter entfärben.
 
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entfasern, privare fibris, von fasern entblöszen:

und was ihm noch zum Timon fehlt, ergänzte
ein mantel so entfasert, abgefärbt
und ausgenützt, dasz es verdacht erweckte,
er hätte den, der einst den Krates deckte,
vom aldermann der cyniker geerbt.
Wieland 9, 3 (die alte ausg. von Musarion hat fasricht).


 
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entfechsen, nudare vineas palmitibus, im weinberg die jungen fechser (zweige) wegnehmen.

 

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