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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
entblumen bis entbremsen (Bd. 3, Sp. 501 bis 504)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) entblumen, entblümen, privare floribus:

die blüten, die sie rühmt
als unverwelklich laub, solln augenblicks entblühmt,
welk, dürr und fleckicht sein.
Lohenstein Ibrah. 67, 508;

denn wann der herbst das feld entblümt.
Uhlands ged. 203;

diese gärten nun entblättert, nun entblumt.
Platen 72.

galt schon mhd. für deflorare virginem (vgl. 2, 159):

als ob sie leidic wære,
daʒ ir enblüemet was der lîp. tr. kr. 17059;

nhd. entblumen ein jungfrau, im deutschen Terenz von 1499 bl. 9a; der mit sünden enpluemet hat seinen magtum. gesta Rom. K. s. 45;

wann vor sein geiler leib durch unzucht hat entblühmt
was jetzt sein schnöder mund liebkosend an mir rühmt.
Haugwitz Soliman 1, 568;

was weisz dein trotz für blumen nun zu rühmen,
wenn mächtige dich mit gewalt entblümen?
Lohenst. Ibrah. 50, 672,

vielleicht fällt auch 67, 508 hierher.
 
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entblündern, furari. Henisch 898, 45.
 
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entbor, sursum, fehlerhaft für empor, enbor d. i. in bor. belege stehn häufig, z. b. gedenk, das du sterben mst, darmit magstu dich erweren, das dich der lober nit entbor mag tragen. Keisersberg s. d. m. 34b; der vatter half im und hielt in entbor, das er nicht undergieng. auch für die zusammensetzungen genüge ein einziges beispiel.
 
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entborbringung, f. entborbringung der monarchie. Wiener archiv 16, 102 (a. 1709).
 
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entbören, s. DWB empören.
 
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entborgen, mutuari, entleihen, abborgen: aus dem jesuiten ist folgendes entborget. Praetorius winterq. 401; die dem Athenäos entborgte, aber verkürzte beschreibung. Stolberg 9, 151;

ein ganzer blumenkranz
von sternen blüht zu meines lichtes preise,
die meinem blick entborgen ihren glanz.
Rückert 402.


 
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entbrauchen, usu deterere, vgl. DWB verbrauchen.
 
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entbrausen, strependo effluere:

und strömt ein bach, dem klippenspalt entbraust.
Boie im morgenbl. 1809 no 165;

an eines stromes ufer,
der dem hochgebirg entbrauste.
Platen 323.


 
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entbrechen , steht nicht in den älteren wörterbüchern, selbst bei Henisch und Stieler nicht, erst Frisch hat das reflexivum, doch voc. theut. 1482 g 4a enprechen deficere. auch mhd. kein enbrëchen, wol aber das nahverwandte enbrësten. mnl. nnl. aber kommt ontbreken oft vor.
1) intr. entbrechen, erumpere,
a) hervorbrechen, ausbrechen:

was auf keinen grund gericht
und aus zufall nur entbricht,
ist plump ding, man acht es nicht.
Logau 1, 172, 27;

ein jedes ding schreit ruh, und wo die ruh entbricht,
ist alle seligkeit, ist gott, ist tag und licht.
von Czepko inwendiges himmelreich no 7 (msp.);

[Bd. 3, Sp. 502]



ein thränenstrom entbricht den augen.
Herder;

endlich entbrach ihr der drang des gefühls zuerst in die rede.
Bürger 249a.


b) losbrechen, entgehen, effugere:

wir entbrechen aus den schranken.
Fleming 306;

alle sahn ihm sehnlich nach,
bis er ihnen ganz entbrach. 399;

wer sich einmal in den orden
treuer freundschaft hat gesetzt,
und ist ihm das herz entworden,
das er über alles schätzt,
der gibt sich zufrieden nicht,
bis auch er aus sich entbricht. 421;

dem tod entbrechen ist ihm entgehn, dem kläger entbrechen, losgesprochen werden. Schmeller 1, 246.
c) entbrochen sein gilt von dem gerichtlich beklagten, der klage entgangen, davon freigesprochen, insgemein aber eines dings entledigt sein:

das si im wol enbrochen wer.
Kellers erzählungen s. 332;

gar ein bös gestank ist seumist,
des wil man da entbrochen sein.
Conz Has gedicht von Nürnberg. 1492. 8c bl. 9b;

welher nun nit folgt meinem rat,
gen dem wil ich embrochen sein. Teuerdank 111, 38;

dem allem ich entbrochen (entgangen) bin.
H. Sachs I, 371c;

so ist er dem gesetz entbrochen
und ein gut löblich werk hat than,
mit recht man in nit tödten kan. III. 2, 90d.


2) transitives entbrechen, abbrechen, demere: lasset uns, was die undankbare welt dem lobe gottes entbricht, willig und frölich erstatten. Scriver seelenschatz 1, 652;

die sonne gibt den tag, sie giebet auch die nacht,
die nacht, wenn sie ihr licht
dem erdenkreis entbricht.
Knittel kurzged. 1674 s. 28.

entbrechen = erbrechen: entbrach seinen brief. Ettners unw. doct. 257.
3) reflexives sich entbrechen,
a) sich lösen, befreien, abthun, häufig im 17 jh. gebraucht, und wie die beispiele weisen bald mit dem gen., zuweilen auch dem dat., bald mit praepositionen:

die alte schlang so sich von gott entbrochen.
Ringwald evang. N 1a;

tücher blosz,
daraus der rechte Simson grosz
sich gwaltig hat entbrochen. O 8a;

derowegen wäre ich ins land kommen und mich von i. f. gn. meinem herrn, als ein diener, auf kurze zeit entbrochen. Schweinichen 1, 286; vermeinte auch nicht anders, ich würde mich von ifgn. bald entbrechen. 3, 35; die bei den ungöttlichen weltkindern im vollen schwang gehen, die sich gedenken durch sündlich und ungebührlich fürnehmen der melancholei zu entbrechen. Mülman christl. geisel s. 35;

menschen musz stets viel gefahr,
creuz und leid für handen gehen.
keine stätte weisz man nicht,
da sich einer nur entbricht (davon losmacht).
Opitz 1, 182;

was weise hat sie dann des lebens sich entbrochen? 1, 200;

hier wünscht Olympe sich entbrochen ihrer pein.
Gryphius 1, 199;

mit vier fünf schlägen kann ich seiner mich entbrechen. 1, 675;

wann sich der hyacinth mit seiner zier entbricht (aufbricht),
da sind die tulpen dar.
Fleming 124 (126);

die theure königin der hochgefürsten frauen,
der frommen schutz und trost, der bösen furcht und grauen,
entbricht sich nun der welt. 668;

er aber denkt, wie er sich ihrer bald entbreche.
Werders Ar. 2, 69;

weil von trübsal und von creuze jeder sich so gern entbricht.
Logau 2, 24, 88;

manna fiel am sabbath nicht, sonst bei allen morgen immer,
wer sich gottes dienst entbricht, dem gedeiht sein anschlag nimmer. 2, 221, 67;

ob er viel hat ausgerichtet,
hat er doch nur disz verricht,
dasz, jemehr man ihm verpflichtet,
sich je mehr von ihm entbricht. 3, 209;

nehmt an Walpurgens geist, der aus des leibes hölen
sich mit gewalt entbrach.
Lohenstein Arm. 1, 12;

dasz dieser für scham und schande sich augenblicks aus dem zimmer entbrach (entfernte). 1, 260; hiermit entbrach er sich mit höchster ungedult aus dem zimmer. 1, 1289; um sich der eignen schande zu entbrechen. 1, 1058;

durch die (freiheit) hab ich der zentnerlast
mich der Tarquinier entbrochen. 2, 440;

[Bd. 3, Sp. 503]



und dieses reh entbricht
sich aus des jägers garn. Ibrahim 14;

hat er die art an sich, werd ich mich sein entbrechen. Epicharis 1, 343;

war disz so grosze schuld, das ich mich dir entbrach?
Hofmannswaldau getr. sch. 16;

wer ist der ohne herz dem tode sich entbricht? 80;

wer ihm sich selbst entbricht fährt in den port der ruh. heldenbr. 159;

diesz was du jetzt beweinst, hat sich der eitelkeit
und Babels fantasie zu rechter zeit entbrochen.
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 237;

ich werde mich nunmehr dem irdschen hof entbrechen,
und opfre meinen dienst, weil mich nach ruh verlangt.
Hallmann Theodorich 71;

sich des anfalls entbrechen. Harnisch 258; aus der hand der gefahr sich entbrechen. pers. rosenthal 8, 30; nachdem sie ihres gefängnisses des leibes sich entbrechen, fliehen sie durch die lüfte. Praetorius weltbeschr. 1, 354; aber gehe hin, du hast dich der vätterlichen zucht einmal entbrochen, darumb will ich mich deiner auch kein haar mehr annehmen, hastu dir wol gebettet, so magstu auch wol liegen. Simpl. stolzer Melcher s. 855; ist er ein könig und priester für gott, so entbreche er nun sich seiner angst und noth. Scriver seelensch. 2, 71; er sah kein mittel, sich samt weib und kind der äuszersten armut zu entbrechen. 2, 237; wann eine gottlose mutter, um der zeitlichen schmach und schande sich zu entbrechen, ihr eigen kind, das sie in unehren erzeuget, ermordet. 2, 288; hingegen aber ihr euch ewer geliebten leichtsinnig und untreulich nunmehr zu entbrechen suchet. pol. stockf. 140; euer sohn hat sich von dem elende befreit und sich dessen entbrochen. Butschky kanzl. 894; das die menschliche seele sich des gefängnisses ihrer affecten entbrechen könne. Patm. 393; in staatsschriften ist es nun dahin gediehen, dasz man nicht nur des lateinischen, sondern auch des französischen und welschen sich schwerlich allerdings entbrechen kan. Leibnitz gedanken betr. die deutsche sprache §. 90; wo er sich dieses werkes entbrechen will, sollen tausend personen bereit sein, dasz ihm zur strafe der hals gebrochen wird. Weise neue proben s. 54;

denn sich meiner zu entbrechen,
ist sie schon gestraft genug.
Günther 320;

du must dich oder wilst dich meiner selbst entbrechen,
und gönnest mir sogar nicht einen friedensstrahl. 626.


b) allmälich erlosch dieses sich entbrechen und erhielt sich bis auf heute nur noch im verneinenden ausdruck mit der bedeutung von abstinere, sich enthalten: wenn sie anders nur ihr wort geben, sich des ortes nicht zu entbrechen (d. i. da zu bleiben). Lohenst. Arm. 1, 87; sie können sich des zuredens ihres gewissens und der stimme gottes, der sie seines worts erinnert und sie zur busze locket, oft nicht entbrechen. Scriver seelenschatz 1, 141; er ist ein allgewaltiger gott, dessen aufsicht wir uns nirgends entbrechen können. 1, 215; hastu unsers herrn gottes nöthig, so suche ihn und halte dich an ihn an, die könige selbsten entbrechen sich nicht, solches zu thun. pers. baumg. 9, 16; weil sich mein herz meiner sünden nicht entbrechen kann, so wil ich es nun für sie brechen. Butschky Patm. 505; ich würde mich der undankbarkeit keinesweges entbrechen können, wenn ich desselben grosze höflichkeit mit unhöflichem stillschweigen erwiderte. kanzl. 19; er hat sich der lustigen gelegenheit nicht entbrechen wollen. Weise unvergn. seele 70; wie mich nun dessen nicht entbrechen konte. Felsenb. 3, 178; dahero wir uns nicht entbrechen können, denenselben die schuldige danksagung hiermit abzustatten. Pierot 4, 386; ich zweifele sehr, dasz sie auf diese weise ihren zweck erreichen werden und kann mich nicht entbrechen ihnen ungescheut zu sagen. Liscov 288; die ehrlichsten und tugendhaftesten männer können sich derselben (pflichten) nicht entbrechen. 456; ich habe mich nicht entbrechen können, durch diese ehrerbietige und glimpfliche vorstellung zu zeigen. 126; unterdessen kann ich mich nicht entbrechen, einen einwurf zu heben. J. E. Schlegel 3, 73; da sie als mannsperson hier erscheinen, durften sie sich nicht entbrechen, ihr einige schmeicheleien zu sagen. Lessing 1, 350;

wie? wenn ich dieses volk nun zwar nicht haszte,
docwegen seines stolzes zu verachten
mich nicht entbrechen könnte? 2, 249;

so kam nun dieser ring von sohn zu sohn
auf einen vater endlich von drei söhnen,
die alle drei ihm gleich gehorsam waren,
die alle drei er folglich gleich zu lieben
sich nicht entbrechen konnte. 2, 277;

[Bd. 3, Sp. 504]


er thut alles was er kann seinen herrn zu bereden, dasz er sich nicht entbrechen könne, Angeliquen zu heiraten. 4, 389; freilich wundert mich, dasz, wenn Fabricius jemals das gedicht selbst gelesen, er sich entbrechen können, diesem vorgeben nicht geradezu zu widersprechen. 9, 136; wir können uns doch nicht entbrechen, von dem wie und warum dieser schnellen veränderung genauere rechenschaft zu geben. Wieland 1, 231; sie hatte sich nicht entbrechen können, die vertraute erzählung, welche er ihr von seinem lebenslauf gemacht, mit erzählung des ihrigen zu erwiedern. 2, 165; aber wir können uns doch, mit ihrer erlaubnis, nicht entbrechen zu sagen u. s. w. 2, 187; es gibt fälle, wo man sich nicht entbrechen kann, speculative meinungen als eine staatssache zu behandeln. 6, 248; eine menge fragen, die man sich nicht entbrechen konnte aufzuwerfen. 27, 334; ich entbreche mich nicht ein fragment der art hierher zu setzen. Herder 7, 40; er hatte aber noch einen nothwendigen gang zu thun, den er in person zu verrichten sich nicht entbrechen wollte. Musaeus volksm. 4, 87; endlich konnte er sich nicht entbrechen einen vorübergehenden anzureden. Hebels schatzkästlein 155.
 
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entbreisen, solvere, entschnüren, aufknüpfen: fieng demnach an zu lachen, den barchat zu reiszen, seinen latz zu entbreisen und sie so krotten und katzenseichisch zu beseichen (s. 1, 1612). Garg. 148b.
 
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entbremsen, klemmen oder entklemmen? vgl. 2, 364: kündten (meine feinde) auch eisen fressen, so wil ich sie doch aufs allergeringste unaussprechlich entbremsen. Th. Münzer bei Luther 3, 110b.

 

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