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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
befreien bis befremden (Bd. 1, Sp. 1269 bis 1270)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) befreien , liberare, lösen, entbinden.
1) persönliches befreien, ἐλευθεροῦν drückte die alte sprache durch frei lassen, frei geben, frei machen, goth. frijana briggan aus, und auch heute noch ist für die manumission der knechte frei lassen, für die absolution der angeklagten frei sprechen hergebracht. so bestehet nun in der freiheit, damit uns Christus befreiet hat (τῇ ἐλευθερία ἡμᾶς Χριστὸς ἠλευθέρωσεν) und lasset euch nicht widerumb in das knechtische joch fangen. Gal. 5, 1. befreien gilt auch vom lösen des zaubers: Rosa und Zamora, durch die gewaltige hand des zauberers verwandelt. sind sie befreit (erlöst), so wird des sultans tochter auch entzaubert. Klingers th. 3, 143.
2) die hände, den rücken befreien; die worte, gedanken, den willen:

männer sollen luthrisch glauben, weiber wollen bäpstisch sein,
männer solln den willen binden, weiber wollen ihn befrein.
Logau 3, 6, 98.


3) gen. der sache:

du güldne freiheit du, mein wünschen und begehren,
wie wol doch wäre mir, im fall ich jeder zeit
mein selber möchte sein, und wäre ganz befreit
der liebe, die noch nie sich wollen von mir kehren.
Opitz poet. 12;

ich war der wankelmut des glückes ganz befreit. 2, 196;

es hat mich gott befreit der feinde scharen. ps. 37;

vom wirbel an bis auf den fusz
ist nichts befreit der plage. 3, 158;

[Bd. 1, Sp. 1270]


hat darauf den cämmerling seiner gefängnis befreiet. pers. roseng. 1, 27; deiner fessel kanstu dich mit vorsichtigkeit befreien. pers. baumg. 1, 33; möchte sie dieses schandmahls befreien. Lohenst. Arm. 2, 993; sie wären aller frohnen befreiet. 1, 560; mich aller gefahr, darein ich anderwärts gerathen möchte, befreien. Simpl. 1, 643; wollte doch seinen jüngern sohne des heerzugs befreien. Schuppius 405;

um diese dame hier des zaubers zu befrein.
Wieland 17, 172.


4) heute zieht man die praep. vor, von, wenn entledigen, vor, wenn sichern, schützen gemeint ist: die hände von den fesseln, den rücken von der last befreien; ein sanfter tod befreit ihn von allen schmerzen; du bleibest von so gefährlichen ämptern befreiet. rosenth. 1, 18; werde gleich einem kinde, das eben aus mutterleibe kommet und von allen begierden befreiet ist. pers. baumg. 6, 11; ein bettler, dessen herz und gemüt von sorgen befreiet ist. das.; so sprach der arme mann und befreiete sich also von demjenigen, was auf seinem herzen lag. 4, 5; wer seine freunde vor feinde hält, der wird seine seele vor gefahr nicht befreien können. 1, 33; wollet ihr vor dem stachel der misgunst befreiet sein. Schuppius 411;

vom eise befreit sind strom und bäche.
Göthe 12, 52.


5) begab er sich an einen befreiten ort zu Daphne. 2 Macc. 3, 33; befreiter gerichtsstand.
6) befreien hiesz ehmals auch zu etwas ermächtigen, privilegieren, kühn machen, die freiheit gewähren (s. befreiheiten):

zwar ofte werd ich seufzen müssen,
wenn ich erwege jene zeit,
da ich den schönen mund zu küssen
mit gutem fuge war befreit,
da ich des lebens süszes wesen
von ihren lippen durfte lesen.
Fleming 498;

schmähen, schweren, leugnen, lügen,
liebekosen, schmeicheln, schmügen,
ist der schild, der schelmereien
für der warheit soll befreien.
Logau 1, 8, 26;

der vorsitz ist den läusen für flöhen wol erlaubt,
die wie die flöh im busen nicht wohnen, nur im haupt.
schmarotzer, die bei hofe credenzen fürstlich gut,
sind für gemeinen heuchlern befreit zu gröszrem mut. 1, 9, 79.


 
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befreien, sich, uxorem ducere, s. DWB freien: das er nicht ein weib von seinem geblüt nimpt, sondern befreiet sich mit den heiden. Luther 4, 209b; also das er gesagt, warumb ich mich nicht wider befreihe? darauf ich ihme geantwort, das ich furthin schwach seie, solt ich dann ein junge nehmen? Thurneisser nothgedr. ausschr. 3, 2;

wenn sich die götter auch befreien gleich als wir.
Fleming 617;

er hat sich reich befreit.
Rachel 8.


 
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befreier, m. liberator: Arminius, Deutschlands befreier; du befreier von Pisa. Gerstenb. Ugol. 9.
 
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befreiheiten, beneficium tribuere, privilegieren: auch so bin ich widerumb befreiheit oder zum wenigsten befristet. Luther 4, 536a.
 
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befreiung, f. liberatio, exemtio.
 
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befreiungsgrund, m.
 
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befreiungskampf, m.
 
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befreiungskrieg, m.
 
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befreiungstag, m. die bisher getragene last war so grosz, dasz ich den 16 mai als glücklichen befreiungstag ansah, an welchem ich mich in den wagen setzte, um nach Böhmen zu fahren. Göthe 32, 55.
 
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befreiungsurkunde, f. Wieland 8, 329.
 
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befremden , mirum videri, nnl. bevreemden.
1) diese sache befremdet; sein unzartes auftreten muste befremden; die erklärungen des Apollo befremdeten mich endlich und seine handlungen noch mehr. Wieland 2, 22.
2) gewöhnlich unpersönlich: es befremdet mich sehr, nimmt mich fremd; hat mich im geringsten nicht befremdet; lasz dich nicht befremden; mich befrembd, dasz du sampt deim gesellen in solcher armut so frölich lebest. Bocc. 2, 115a; denn warlich, doctor Held sich etwas scharpf uf den tag zu Schmalkald hörn lassen, das sich die fürsten befrembdt (verwundert). Lanz Carl 5 s. 262; darinn sich niemandts soll befrembden, dasz nicht recht zugange. Paracelsus 2, 199a; lasz dich nicht wunder nehmen, was du gesehen hast, noch dich es befrembden. pers. baumg. 1, 1; lasz dich nicht befrembden dessen, was der alte mann vorgebracht hat. 1, 6; wem (für wen) sollte hier nicht der sonderbare gegensatz befremden. Lessing 7, 347; insonderheit ermahnte er mich, mein urtheil über alles zurück zu

[Bd. 1, Sp. 1271]


halten, mich durch nichts befremden zu lassen. Wieland 2, 21; man wird sich nicht befremden dürfen. Kant 8, 359.
3) dieses liesz sich bemelter legat sehr befrembd fürkommen. Micrälius 5, 219; welchem befremdet fürkam. Lohenst. Arm. 1, 85.

 

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