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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
beflissenheit bis befolgen (Bd. 1, Sp. 1266 bis 1267)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) beflissenheit, f. studium: alles ihr thun war ohne beflissenheit. Lohenst. Arm. 2, 397; ihre beflissenheit, mir ein glück vorzuspiegeln, das sie durch mich verloren hat. Lessing 1, 586. vgl. geflissenheit, dienstbeflissenheit.
 
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beflittern, bracteolis micantibus circumdare: die schuhe, den hut beflittern, mit flittergold besetzen.
 
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befloren, bysso tenuissima circumdare, velare, umfloren, schwarz behängen, nnl. bevloeren:

beflort den himmel, weiche tag der nacht!
(hung be the heavens with black, vield day to night!) Henry VI. part 1. act 1. sc. 1;

der gram um sie beflort dein augenlicht.
Bürger 68a;

auf diese art betrübte und tröstete er sich unter dem beflorten mond. J. Paul uns. loge 2, 135; jedem beflorten gliede der schwarzen kette (des leichenzugs). Tit. 2, 81.
 
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beflügeln, alas addere, die schultern, füsze, schuhe, schritte, den gang, die worte, gedanken beflügeln, beschleunigen, erheben:

und brach frölich bestürzt in diese beflügelten worte.
Zachariä 1, 17;

(rief) beflügelnd jedes wort dem freunde zu.
Bürger 161a;

die todesstunde beflügelt
ihren kommenden schritt.
Klopstock Mess. 6, 305;

schwarze, blutende stunde, du todesstunde beflügle
deiner schritte letzten. 13, 971;

komm, beflügle den schwung, den harfenklang, den du schwebest. 11, 1541;

sein zweifelnder wink schon soll den fusz dir beflügeln. 16, 469;

er rufts,
säumt nicht, betritt den see,
und beflügelt sich mit stahle den fusz. werke 1, 258;

deiner gottheit gegenwart
entflamm und beflügle
jede meiner empfindungen. 1, 130;

ach, dasz ich dich zu beflügeln,
tag der hülfe, nicht vermag!
Uz 1, 174;

kaum werden von ihren beflügelten sohlen
die spitzen des grases im laufen berührt.
Wieland 4, 15;

die furcht beflügelt ihre flucht. 6, 293;

die reizungen ihm vorzuspiegeln,
die nur zu sehr die seel in ihm beflügeln,
die unterm zwerchfell thront. 9, 66;

beflügle meinen geist!
Gotter 1, 467;

[Bd. 1, Sp. 1267]



auch nicht kund ist ihnen der rothgeschnäbelten schiffe,
noch der geglätteten ruder, mit welchem sich schiffe beflügeln.
Voss Od. 11, 125;

hätte ein günstger wind nach Troja sie (die schiffe) beflügelt.
Schiller 230;

die das verderben
beflügelte auf ihr so sichres haupt. 401;

und die angst beflügelt den eilenden fusz. 62b;

jammer und elend haben seinen kleinen lebenslauf schnell beflügelt. Gerstenberg Ugol. 9; heilig sei mein name dem enkel und beflügle sein herz mit liebe zum vaterland. Klinger 2, 147; dieser gedanke, der nun mein herz beflügelt. 5, 44;

ihm beflügelte rasch der gefühle chaos
seines herzens lauten schlag.
Platen 325;

blosz worte, von tugend und empfindung beflügelt, sind die bienen, die den samenstaub der liebe von einer seele in die andere tragen. J. Paul Hesp. 1, 63; denken beflügelt den geist, der beflügelte geist stirbt nicht. Bettine br. 2, 4; dem geliebten entgegengehen beflügelt den schritt. 2, 107. Die schlesischen dichter gebrauchen lieber das einfache flügeln, w. m. s.
Den jägern heiszt den wald beflügeln ihn mit stellwegen oder flügeln versehen.
 
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beflügelung, f. beflüglung des stahls, schrittschuhe:

an dem Hebrus, wie der Grieche das träumt,
über der woge von krystall, erfand
diese beflüglungen des stahls, so den sturm ereilt,
Thrazens Orpheus nicht.
Klopstock 1, 198;

jetzt legt auch die beflüglung des stahles
der städter sich an. 1, 258;

in erhabener oden beflüglung.
Platen 303.


 
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beflüschen, bei den köhlern üblich: einen meiler beflüschen, mit grünen tannenreisern belegen.
 
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befodern für befordern, befördern: ich habe seinen tod befodern wollen. pers. rosenth. 1, 25.
 
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befödern für befördern, wie fodern aus fordern, köder aus kerder entspringt, und nd. möser für mörser, masch für marsch gesagt wird. befödern, beföderer schreibt z. b. Lohenstein, Bodmer, und beföderung Logau.
 
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befohlenschaft, f. commendatio: befollenschaft = befolhenschaft. weisth. 2, 246.
 
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befohren, sich, metuere, vereri, und schon das diction. vratislav. 1620 führt auf ich befohre mich, vereor. befohren steht also für befahren, wie in schles. mundart jor, wor = jahr, wahr und uns allgemein argwohn für argwahn:

du mörder, hättestu ja müssen dich befohren
vor deines vaters zorn, ein mensch (virginem) wie ich gebohren
durch königlichen stamm, bei allen wol bekandt,
bei allen hochgeschätzt, zu führen in das land.
Opitz 1, 436;

alsdann kömpt ihre seel, eh als ich mich befohre,
und fleugt in meine seel, alsdann macht sie die thore
der sinnen bei mir auf. 2, 145;

und als er sich befohrte,
er werd an diesem orte
vom koche leicht ertappet.
Elias Major. 1656;

das befohren sich alle andre könig von ihnen. Zinkgref 56, 30. freilich schreibt Opitz anderwärts gefahr, wie jahr, und 1, 227 sich befahrt, nach gemeinhochdeutscher weise; in jenen stellen scheint er seiner mundart nachgegeben zu haben. und wenn er gar zohlen für zahlen auf holen reimt, entsprang uns ja dies holen aus halen. Steinbachs wb. setzt befahren, befahrte an. Mehr bedenken macht ein ahd. biforata, biforahta (Graff 3, 621), das aber nicht befürchtete, sondern bereitete ausdrückt, und das heutige förchen für fürchten in alemannischer mundart (Hebel 81), was verleiten könnte befohren aus beforchten, befürchten zu deuten, ohne dasz sich der sinn änderte.
 
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befolgen, sequi, folge leisten, ein erst im 18 jh. aufkommendes, bei Frisch und Stieler noch fehlendes wort, etwas befolgen für einem folgen: ich werde den erhaltnen befehl, rath befolgen, dein beispiel befolgen; er befolgt alle vorschriften des arztes aufs pünctlichste; befehlen ist ein unsicheres mittel befolgt zu werden. Lessing 2, 104; despoten sind nicht immer gut befolgt, wenn sie abscheulichkeiten gebieten. Schiller 1014. in anderm sinn sagte Götz 1, 111

von scherzen befolget = gefolget.

 

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