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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
befahrung bis befasen (Bd. 1, Sp. 1248 bis 1250)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) befahrung, f. metus, besorgnis, befürchtung, gefahr: ohne befahrung ihrer leib und güter. Melanchthon 3, 137.
 
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befalch, die organische gestalt des ablauts zu befelchen, heute befehlen, ahd. pifelahan, pifalah, mhd. bevelhen, bevalch, z. b. David befalch seinem son Salomo das haus dem herrn zu bauwen. Reiszner Jer. 1, 36b. s. befehlen und befelch.
 
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befallen , ahd. pifallan (Graff 3, 461), alts. bifallan, ags. befeallan, engl. befall, mhd. mnl. unüblich, aber möglich, nnl. bevallen.
1) intransitiv, collabi, corruere, niederfallen: das haus befiel, domus corruit, wie man ahd. sagte sunnâ pifial, die sonne sank, gieng unter, ist nieder gegangen; er befiel am fieber, lag nieder, correptus est febre;

er kam nit weiter denn gen Menz,
befiel bald an der pestilenz.
Waldis 4, 65;

nnl. de vrouw beviel, ist nieder gekommen, kindes entbunden; zij is van eenen zon bevallen, mit einem sohn nieder gekommen, sehr ausdrucksvoll, weil die gebärende zu boden fällt und des kindes entledigt wird:

ik berghde zelf haar vrucht, toen zij in duin beviel.
Vondel.

das ursprüngliche die frau ist mit einem kinde befallen wandte man aber uneigentlich auf den mann oder auf beide eltern zusammen an und fügte werden statt sein hinzu: gutedel und blutarm war ein frommer alter edelmann, dazu mit vielen kindern befallen (gleichsam gesegnet). Kirchhof wendunm. 75a; aus heidnischem mistrauen, weil sie sorg haben, sie möchten mit vielen kindern befallen werden. Creidius hochz. serm. 2, 252. denn angefallen werden, corripi, irrui läszt sich dies mit kindern befallen doch nicht deuten, wie freilich das befallen mit einer krankheit: da ich denn auf der rückreise mit einer heftigen krankheit befallen wurde. pers. reiseb. 2, 1; ist sie endlich darüber mit einem verzehrenden fieber befallen. Plesse 3, 60; als wenn ich über und über mit einer nesselsucht befallen wäre. Göthe 16, 271. heute heiszt es auch von statt mit, was der bedeutung des anfallens zu statten

[Bd. 1, Sp. 1249]


kommt, während mit dem fieber befallen leichter ausdrückt am fieber niederliegend. er ist vom heftigsten fieber befallen, ergriffen, angefallen (vgl. DWB anfallen sp. 332), πυρετός oder πῦρ ἔλαβε bei Hippokrates. in andern beispielen ist aber das intransitivum noch vollkommen deutlich: vier tage vor der lindnerischen auction befiel ich krank (= tombai malade). Hamann 5, 199; nun konnte es (das vieh) nicht einmal vor die mauern getrieben werden, und befiel mit tödtlichen seuchen. Niebuhr 2, 284. zulässig wäre darum auch: sie befiel ohnmächtig, sank, fiel hin, nieder, tomba evanouie, obschon es ungebräuchlich ist. figürlich: ihr schicksal hat sie, fürcht ich, mit poeterei befallen lassen. herzogin Amalie bei Merck 1, 349.
2) transitiv, invadere, anfallen: ein fieberschauer befällt mich jeden abend; ich bin stark vom schnupfen befallen; was befällt dich, dasz du so redest?;

und ein stilles zittern befiel den staunenden seraph. Mess. 5, 757;

die pest befiel ihn und er muste sterben; die stadt ist von der cholera befallen worden; gestern hat den kranken grosze schwachheit befallen; das alter befällt uns unvermerkt; furcht befiel alle thiere, die des löwen gebrüll vernahmen; schlaf befällt ihn, wenn er reden will; regen, schnee befiel uns, als wir über das gebirge zogen; mehlthau befiel das getraide. die participialfügungen: befallene keller mit asche, collapsi cineres in cellis. Stieler 421; mit schnee befallene dächer, tecta nivibus obruta, mit steinen befallene felder, lassen sich auch nach 1 fassen: die keller befielen mit asche, die dächer mit schnee, d. i. asche, schnee fiel nieder auf sie. das den grafen befallene unglück. Göthe 38, 289, entweder das ihn betroffen hat oder von dem er überfallen wurde.

einer ist doch wie der andre,
dasz er zu gaffen sich freut, wenn den nächsten ein unglück befället. 40, 237.

An sich scheint fallen überhaupt ein intransitiver begrif (und erst fällen wird transitiv), transitivem anfallen (invadere) lag zum grunde intransitives fallen an einen (vadere in aliquem); auf solche weise wird auch bei befallen die intransition vorherschen.
3) nnl. bevallen auch gefallen, behagen: het bevalt mij niet. das ist nicht hochdeutsch. ebensowenig das engl. it befell, es trug sich zu, fiel vor.
 
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befällen, obruere, sternere, ahd. pifellan, pifalta (Graff 3, 467): will es vonnöthen sein, aufs förderlichst von e. k. f. gn., als die gott in solchem fall dazu gefodert und mit der that befället, von vier personen lassen das land zu visitiern. Luthers br. 3, 136. wenn die lesart richtig und befället, wie gefodert, das part. praet. ist, so musz es den sinn von obrutus, tectus, thatsächlich bestimmt gewähren. könnte es aber die III. praes. sg. sein, so gehört es zum vorausgehenden befallen, befiel, kaum zu befehlen, befahl, da Luther befilhet schreibt.
 
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befang, m. locus septus, ambitus, umfang. Stieler 397. ahd. pifanc, bifang (Graff 3, 413) vgl. RA. 538. nnl. bevang.
 
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befangen , ahd. pifâhan amplecti, comprehendere, capere, implicare, circumdare (Graff 3, 403), mhd. bevân, nnl. bevangen.
1) sinnlich, befangen, umfangen, umwinden, umwickeln:

man meint, dasz auf den dörfern nur sind nattern, kröten, schlangen,
mit diesen würmen ist man mehr in städten noch befangen.
Logau 2, 6, 46;

der wüste fels, die waldumwachsne bucht
befangen mich, sie hindern meine flucht.
Göthe 2, 40;

mir wird so eng,
die mauernpfeiler
befangen mich. 12, 201;

von wolken streifenhaft befangen
versank zu nacht des himmels reinstes blau. 5, 184;

der hohlweg, worin wir befangen waren. 30, 6; ein düstrer kerker befängt ihn; die wiese, von grünen hecken befangen.
2) abstract, einnehmen, gefangennehmen, bewältigen:

friuntlîch bevangen
hât mich ein rôter munt
und zwei liehtiu wangen
dâ bî ein kele runt. MS. 1, 7a;

o bruder, der du in deinem gemüte mit liebe befangen bist. pers. baumg. 7, 16; die vernunft sieht sich in einem gedränge von gründen und gegengründen befangen. Kant 2, 371; wir würden von schwierigkeiten befangen werden, aus denen wir uns nicht heraus wickeln könnten. 7, 275; reden sie jetzt frei, ich will ihr urtheil damit nicht befangen haben. Schiller 821;

ungerechtes gut
befängt die seele, zehrt auf das blut.
Göthe 12, 145;

dieser busen ist von liebe rein gewesen,
was ihn wieder hat befangen ist ein becher wein gewesen.
Platen 84;

[Bd. 1, Sp. 1250]


kummer befängt meine seele; deine augen sind mit schlaf befangen; angst befängt ihm das herz; unselige irrthümer haben ihn befangen.
3) befangen sein, eingenommen, schonender als verwirrt, blöde, verlegen, unbeholfen: im gemüt befangen, mente captus;

schwachsinnig,
klagt der befangene mensch umsonst der vorsicht launen an.
Platen 134;

er war befangen und konnte nicht antworten; unbefangen, uneingenommen. aber auch, ohne übeln nebensinn, wie begriffen, beschäftigt: denn ich fieng sogleich an auf den sinn der sache loszugehen, und ob wir gleich noch in dem ersten buche Mosis befangen waren, mancherlei dinge zur sprache zu bringen, welche mir aus den spätern büchern im sinne lagen. Göthe 24, 203; leider aber war ich seit geraumer zeit schon in einem unternehmen befangen, das nach und nach immer bedenklicher und weniger ausführbar schien. 29, 148. das ist schon darunter befangen, enthalten, begriffen. man merke an, dasz auch ein bestochener richter befangen heiszt, ein bestricktes gut und ein bebrütetes ei ein befangenes.
4) sich befangen, sich abgeben, befassen mit etwas:

denn mit den todten
hab ich mich niemals gern befangen.
Göthe 12, 24;

straszenbettler, die sich überhaupt noch wenig mit der verbreitung unserer poetischen schätze befangen. J. Paul biogr. bel. 1, 153; damen, die sich mit einer gelehrtern nachspürung dieser kämpfe auf keine art befangen können. teuf. pap. 1, 40; der autor, wenn er sich mit dem wohle ganzer länder befängt. 2, 140.
 
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befangenheit, f., nach befangen 3, er trat mit groszer befangenheit auf; konnte seine befangenheit in der rede nicht ablegen; es war geistige befangenheit so zu urtheilen.
 
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befängnis, n. carcer.
 
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befängnissen, incarcerare. Stieler 397; dann sie könten weder von uns noch von andern befängnüst werden. Simpl. 1, 503; des herrn unschuldig gesind, welches befängnüst war. 2, 96. ganz ungebräuchlich und steif.
 
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befärben, inficere, tingere: darumb wirstu deinen fusz beferben im blut. Luther 1, 471b. ps. 68, 24 heiszt es: darumb wird dein fusz in der feinde blut geferbet werden;

ich spür, das sich beferbend mer
die gilgen und die rosen gt.
Wirsung Cal. f 2b.


 
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befasen, fibras, radices agere, fasern treiben:

so ist meine lust befaset,
dasz sie stets mehr saft gewinnt.
Dav. Schirmers singende rosen, lied 33.

 

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