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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
beexcellenzen bis befahren (Bd. 1, Sp. 1245 bis 1246)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) beexcellenzen: dafür aber wurde ich so viel beexcellenzt, als ob ich der erste ordensgeneral wäre. Seume.
 
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befächeln, aestuanti tenue frigus ventilare:

ihn sehn erstaunt, mit halb verächtlichem lächeln,
die kammermädchen im äuszern gezelt
sein jüngferliches gesicht mit vielem anstand befächeln.
Wieland 4, 24;

damit geschminkte zofen ihn befächeln,
schamlos und geil wie er.
Schubart 2, 68.


 
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befächsern, viviradicibus instruere, den weinberg mit fächsern belegen. Stieler 524 schreibt befechsern.
 
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befähigen, aptum reddere, ausrüsten: die natur befähigte

[Bd. 1, Sp. 1246]


ihn zu allen unternehmungen; die natur, die wieder erkaltet, etwas anders geworden, zu etwas anderm befähigt ist. Bettine briefe 1, 287; ein befähigter, fähiger, begabter kopf.
 
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befähigung, f. aptitudo: wo denn die mitempfindende welt neugeschaffen eine höhere befähigung in sich gewahrt. Bettine br. 2, 102; göttliche eingebung, die den menschlichen befähigungen ein ziel steckt. 2, 198.
 
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befahl, ablaut von befehlen, s. DWB befalch.
 
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befahnen, vexillo ornare: schif befanet. Garg. 79a;

ein befahntes sommerschlosz.
Pfeffel 6, 61.


 
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befahr, f. metus, cura, sollicitudo, besorgnis, dem ahd. einfachen fâra, mhd. vâr entsprechend, die meistens insidiae, dolus, periculum ausdrücken, und in die vorstellung der sorge und furcht übergehn. mhd.

sie hât ir magetuomes vâr.
Freib. Trist. 708,

steht in sorge um ihre jungferschaft, und öfter âne vâr für ohne sorge, furcht, während es gewöhnlich ohne gefahr, ohne hinterlist, absque dolo bedeutet. nhd. befahr haben, tragen = sorge haben, tragen, besorgen, befürchten: ward auf gemeldter reise so müde, dasz ich auch befahr trug, ich werde gar zu bette liegen bleiben. Schweinichen 1, 165; trug befahr, dasz ich ihre tochter nur vexieret. 2, 11; i. f. gn. aber nunmehr stündliche befahr haben musten. 1, 205. einmal heiszt es beifahr: so trug ich doch beifahr, die beeren möchten mir in der kehle stecken bleiben. 1, 108.
 
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befahrbar, besser fahrbar, πόριμος, meabilis, navigabilis, nnl. bevaarbaar: der weg, die strecke ist schon befahrbar, das meer ist jetzt nicht befahrbar. vom folgenden.
 
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befahren, praet. befuhr, auf etwas fahren, nnl. bevaren. einen weg, eine strasze befahren; ein befahrener weg; schon andere haben angemerkt, dasz die strasze von Prag nach Wien vielleicht die befahrenste in ganz Europa ist; heute wurde die eisenbahn von Nürnberg nach Fürth zum erstenmal befahren; das meer befahren; die küste von Stettin bis Danzig befahren;

wir haben
des schönen lebens öde küste nur
wie ein umirrend räubervolk befahren.
Schiller;

während dieser reise befuhr Cook das südliche grosze weltmeer zwischen dem 60 grad südlicher breite und dem polarzirkel. Lichtenberg 4, 160; es war das erstemal, dasz der hauptmann die teiche befuhr. Göthe 17, 138; stollen und schächte zu befahren. 32, 7; der bergmeister befährt die grube. Auch mit etwas befahren, auf etwas fahren: der weg musz mit sand befahren werden, der acker mit dünger.
 
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befahren, praet. befahrte, metuere, timere, ganz unverwandt mit dem vorigen, und zum mhd. vâren, ahd. fârên insidiari gehörend, der besorgende fürchtet gefahr und hinterlist. Beide wörter faran ire und fârên insidiari sind uns heute fahren, erst das praet. fuhr und fahrte hilft sie unterscheiden, in der aussprache müssen sie doch lange von einander abgestanden haben, zumal pflegt Opitz, und die ihm nachfolgen, das zweite befahren noch zu schreiben befohren, wozu die belege unter diesem wort gegeben, auch noch einige zweifel über den ursprung des wortes sich befahren vorgetragen werden sollen.
1) früher gewöhnlich sich befahren, wie sich befürchten und besorgen, mit dem gen. der sache, oder einem folgenden, abhängigen satz: wer auf der erden ligt, darf sich keines falls befahren. Henisch 237; denn der Türk schon heraufgeruckt über Presburg, und befahret sich jedermann, er würde Presburg und Wien belagern. Melanchthon 7, 1172; und befahret sich, ich möchte so viel verlieren, dasz ihm darnach nicht übrig bliebe, so er verthun könne. Laubenberg acerra 545; du darfst dich nicht befahren, noch deswegen bekümmern. Schweinichen 1, 90; weil es ins herzogs von Lothringen haus war, so war sich allerhand zu befahren. 1, 174; befahren sie sich eines überfalls. 1, 222; befahrten sich herzog Friedrich, i. f. gn. mein herr werden wieder fische holen. 1, 354; dürfte sich nichts befahren. 1, 373; befahrten sich also i. k. maj. ungenade. 1, 374; ein schriftlich geleid, damit die gesandten sich nichts zu befahren haben. Kirchhof mil. disc. 96; ursach derhalben man sich schadens leibs und guts befahret. 133; wenn solches geschicht, hat man sich auch des fiebers nichts mehr zu befahren, denn es leszt also bald von ihme selbst nach. Uffenbach roszbuch 2, 15; wenn die krankheit so heftig ist, dasz man sich des schnellen sterbens des pferds zu befahren hat, 2, 115; nicht schrecken, noch sich befahren

[Bd. 1, Sp. 1247]


für der plag. Ringwald geistl. lieder E 4b; musz sich befahren, dasz er umkom. deutsche warh. ed. Brodtkorb 28; und muste die stadt nunmehr sich einer harten belagerung befahren. Micrälius 5, 199;

vor dem ich mich befahren musz,
er zieh mir ein reis übern weg.
Ayrer 180a;

als sich der hellische groszfürst gewalts vor ime befahrt. Ayrer proc. 1, 3; welcher sich keines bösen urtheils befahrt. 1, 16; verderblicheres ist sich nit zu befahren. 3, 1; weil wir uns nun mehrer verfolgung befahren musten. Philand. 2, 740;

für einem menschen musz der mensch sich selbst befahren,
der doch für wölfen sich erwehrend kan bewahren. 1, 605;

der alte landsknecht sich befahrt für neuen kriegen.
Opitz 1, 227;

Almonio, der sich dergleichen nicht befahrte,
war willig, und sich stracks hin nach der stadt zu karte.
Werders Ariost 13, 22;

es waren ihrer viel, die sich gar sehr befahrten,
sie müsten vom Grifon des todes driew (drohung) erwarten. 18, 7;

und weil der bawer nicht den weg wol wust zu weisen,
befahrt sie sich, dasz sie würd irgend irre reisen. 23, 19;

so musz ich über das auch dieses mich befahren.
Fleming 229;

befahr dich nichts für mir. 561;

niemand, mein freund, hasset dich,
nur der tod führt viel beschwerden,
weil er musz befahren sich,
dasz du wirst sein meister werden.
Logau 1, 1, 38;

o wie befahrt sich Rom auf groszes unfallswetter. 2, 3 s. 67;

damit der ganze Taubmannus abgebildet würde und nicht jemand eines betrieglichen übertünchens oder schminkens sich bei uns zu befahren hätte, gleich als machte man aus ihm einen purlautern heiligen. Brandts bericht von Taubm. 50; was (l. wes) befahrte sich die keusche Penelope nicht in abwesenheit ihres Ulyssis? Schoch stud. leben C; und gesetzt, man hätte sich nicht des geringsten zu befahren. das.; so hette ich mich ganz keiner wankelmütigkeit zu befahren. das. H; der spott, dessen du dich befahrest. Zinkgref 100, 7; man musz sich bei keiner krankheit befahren, wann der arzt eine bittere arznei schicket. pers. baumg. 3, 20; baue kein haus hoch, das keinen festen grund hat, wenn du dich dermaleins herunter zu fallen befahrest. 2, 24; wann aber du dich der gefängnus oder dergleichen ungemachs zu befahren hettest. Spee g. tugendb. 63; so ists, wann man in gerechter sache sich nichts böses zu befahren hat. Simpl. 1, 217; doch habe er sich zu befahren, es möchte ein gütlicher vertrag zwischen beiden im kammergerichte fürgelaufen sein. Weise kl. leute 164; wo man sich alle augenblicke eines neuen zufalls befahren muste. 171; verfaulen viele discurse in der kehle, dasz man sich eines stinkenden athems befahren müste. 314; ich mache es ja so unhöflich und unchristlich nicht, dasz ich mich befahren müsse, als würden sich mehr daran ärgern als bessern. vorr. zu den erzn.; einander umarmten, auch sich keines bösen befahreten. Felsenb. 4, 219; dasz wie die Engländer in Frankreich, so die Franzosen in Deutschland sich einiger opposition zu befahren hatten. Göthe 46, 155.
2) befahren ohne sich: sachen, aus welcher verzug ein groszer schad und nachtheil zu befahren. Frankf. reform. I. 1, 21; ist i. f. gn. in einer heiden übel auf geworden, dasz also kein anderes zu befahren gewesen, denn dasz i. gn. werden eines kindes genesen. Schweinichen 1, 37; da sonst zu befahren, dasz. Kirchhof mil. disc. 9; Mich. Neander syll. 19b;

dasz auch müssen befahren wir,
was jetzt Lucio thut zustehn.
Ayrer 75a;

als Belial daraus befahret. Ayrer proc. 1, 4;

kein nebel zeucht sich auf, kein regen und kein wind
bei dieser stetigkeit itzt zu befahren sind.
Fleming 151;

ich befahrte, es möchte gott umb meiner sünden willen die gnadenthür zugeschlossen haben. pers. baumg. 4, 26; es ist gewislich zu befahren, dasz. Spee tugendb. 452; ich befahre wir haben uns zu lange gesäumet. Schoch stud. leb. C; wann empörung zu befahren (ist). Schuppius 557; mein frei bekenntnis will nichts widriges befahren. irrgarten 394; dasz man nicht eine unversehene veränderung zu befahren hätte. ehe eines weibes 6; hingegen aber ein übeles tractament befahrete. colica 5;

zu dem was hast du zu befahren?
Haller 90;

doch glaubt man auch für sich nichts übels zu befahren.
J. E. Schlegel 4, 100;

[Bd. 1, Sp. 1248]



jetzt war ihrs leicht, sein nichts befahrendes (ed. 1. besorgendes) herz
durch stille grazien und durch blicke voll seele zu fangen.
Wieland 4, 111;

doch war es nur ein traum,
was hast du zu befahren? 17, 159;

denn ich befahre, dasz ein mann
ergrimmen wird.
Bürger 142b;

doch itzt befahr ich fast
in mir, dasz Thetis dich berückt. 148b;

denn, herr, was habt ihr zu befahren?
Schiller 68;

dasz s. maj. von seestürmen nicht viel zu befahren haben würden. 853; die Türken hatte der kaiser dergestalt überwunden, dasz er von dort her nichts mehr zu befahren hatte. Göthe 6, 198; weil er befährt (fehlerhaft für befahrt), der dampf fress ihn an. J. Paul Hesp. 1, 13; weil ich befahre, der buchhandel schreie über nachdruck. 2, 125; es gab glückliche zeiten, wo man von seinem nebenwilden und nächsten nichts zu befahren hatte, als todt geschlagen zu werden. 3, 92; der mann mit dem kammerherrlichen dietrich liesz befahren, er werde sie (die beleidigung) vergeben. 4, 90.
3) befahren in der alten transitivbedeutung von insidiari, persequi taucht im 16. 17 jh. noch einigemal auf:

zu stand hat man wunder gesehen,
wie viel da Reinkens freund waren,
die ihn vor oft theten befaren.
Beuthers Reinke fuchs. Frankf. 1556. 99a;

mein gott, wie sehr vermehren sich
die welche mich
verfolgen und befahren.
Weckherlin 7;

o nit wollest mich befahren,
ich bin ohne schulden ganz.
Spee trutzn. 262.


4) die gegebnen belege zeigen, dasz anfangs sich befahren vorherschte, dann das blosze befahren, und heute ist auch dieses wenig gebraucht. einige hauptschriftsteller, wie Keisersberg, Luther, H. Sachs, Fischart scheinen das wort gar nicht zu brauchen. bemerkenswerth ist noch die schreibung befehrn bei Waldis 2, 57:

der adler sprach, das thet ich gern,
ich hett mich aber zu befehrn,
was heimlich geredt wirt in dem haus,
das brächtst bei allen nachbauwrn aus.

 

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