Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
beerdigen bis beerenkorb (Bd. 1, Sp. 1243 bis 1244)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) beerdigen, humare, terra condere, it. sotterrare, franz. enterrer, nnl. beaarden, schw. jorda, dän. jorde, kommt bei uns erst im 17 jh. auf und wird von Stieler 386 angeführt, bei Henisch und den älteren mangelnd, es klingt, wie bestatten, vornehmer als begraben und geht nur auf menschen, nicht auf eingegrabne, verscharrte thiere.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beerdigung, f. humatio, enterrement, begräbnis, bestattung.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beerdorn, m. berberis vulgaris.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beere, f. bacca, ahd. aber peri n. (Graff 3, 203), mhd. ber n. (Ben. 1, 104a), doch steht auch einmal schon:

sie schuofen niht gein einer ber. urstende 114, 16;

da man häufig den pl. n. diu ber gebrauchte, entfaltete sich leicht daraus der sg. f. diu ber. Dasypodius, Luther, Henisch schreiben für sg. und pl. beer, Maaler 52c beere. auch altn. ber n., schw. dän. bär n., ags. aber berie, berige f. und schwach flectiert, gen. berian, pl. berian, engl. berry, pl. berries. das weibliche geschlecht scheint also im sächsischen stamm althergebracht.
Man würde sich kaum bedenken und peri von përan, ber von bërn, als die getragene frucht, herleiten, wenn dies nicht ein umstand verböte: die goth. wortgestalt lautet basi, n., das sich keineswegs auf bairan beziehen läszt, noch mehr, dasselbe S hat sich bis auf heute im nd. besing und nnl. bes f., pl. bessen, verkleinert besje oder bezie n. bewahrt. ja, ein ags., neben berie geltendes wort, basu purpureus, coccineus, gen. basves, gemahnt an κόκκος und κόκκινος, folglich an beere, wenn auch die vorstellungen purpur und scharlachbeere vermischt worden sein sollten. den Polen und Böhmen ist iagodka, gahodka beerlein gerade so coccus und die beeren haben vorzugsweise rothe farbe.
Wie also unser baar nudus ein goth. basis, basus vermuten liesz (sp. 1055), ist auch beere sicher das goth. basi, nl. bes, und wahrscheinlich in jenem ags. basu enthalten, hier schützte der fremde begrif das alte S, während es im geläufigen berie zu R geworden war. verwandtschaft zwischen baar und beere wäre nicht unmöglich. die kleine, runde beere steht gleichsam nackt vor augen, kann unmittelbar gepflückt und genossen werden, ein dichter dürfte die beere nackt oder baar, die bacca nuda nennen. Indessen hat Bopp gl. skr. 241 eine andere, die wörter beere und bacca vereinende herleitung vom skr. bhak edere vorgetragen, so dasz goth. basi = bhakja cibus, eszbare frucht, bacca aber assimiliertes bacsa wäre, wie auch faba aus fagba entspränge (s. DWB bohne). man würde dann unser backe gena heranziehen können, zumal des sl. iagoda wegen (oben sp. 1064).
Beere erscheint in zahlreichen zusammensetzungen: erdbeere, himbeere f. hindbeere, heidelbeere, brombeere, mehlbeere, stachelbeere, preiselbeere, vogelbeere, ölbeere, lorbeere, maulbeere, weinbeere, und die kirsche selbst heiszt schw. körsbär, dän. kirsebär, wie auch Göthe von kirschen redend sagt:

das beerlein schmeckte seinem gaum. 13, 121;

in einem kirschgarten herumnaschen, wo ihnen die beeren ins maul hängen. an Jacobi 238. Die jugend gelüstet nach heeren, dem alter sagen sie minder zu: auch enthielt ich mich von dieser zeit an alles neueren, genusz und beurtheilung

[Bd. 1, Sp. 1244]


jüngeren gemütern und geistern überlassend, denen solche beeren, die mir nicht mehr munden wollten, noch schmackhaft sein konnten. 32, 177. die weiche beere des vergnügens. J. Paul uns. loge 3, 97.
Mir hat getreumet, das ein weinstock fur mir were, der hatte drei reben und er grünete, wuchs und blüete und seine drauben wurden reif, und ich hatte den becher Pharao in meiner hand und nam die beer und zudruckt sie in den becher und gab den becher Pharao in die hand. 1 Mos. 40, 11; also auch soltu deinen weinberg nicht genaw lesen, noch die abgefallen beer auflesen, sondern den armen und frembdlingen soltu es lassen. 3 Mos. 19, 10; ire drauben sind gall, sie haben bittere beere. 5 Mos. 32, 32; als wenn man einen ölbaum schüttelt, das zwo oder drei beer blieben oben in dem wipfe. Es. 17, 6; schlag an mit deiner hippen und schneide die drauben auf der erden, denn ire beer sind reif. offenb. Joh. 14, 18.
Beeren lesen, pflücken, brechen; in die beeren gehn (sie im wald suchen); beeren austheilen, spitze reden geben, wol von stachelbeeren: da hast du eine beere.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beere, m. nassa, s. DWB bäre sp. 1127, wo durch versehen n. angesetzt ist: zwei lachs sind in den beeren gefallen. Hohberg 2, 485a. vgl. fischbeere.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beeren, lat. ferire, terere, ahd. perian, mhd. bern, altn. berja und genau zu scheiden von ahd. përan, mhd. bërn, ferre; heute ist gleich dem einfachen bären ferre auch das einfache beeren ferire unüblich geworden, nur die zusammensetzung abbeeren geblieben. im 16 jh. tauchen noch einzelne beispiele auf:

bei dem saframent, narr, du thust vil treiben,
und werest witzig, ich wölt dich leeren (lehren),
bei glauben, ich wölt dir dlenden beeren. spiel wie man die narren beschweren sol. 1554. E 2a;


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beeren, das vorige wort in der bedeutung depsere, ahd. perian, mhd. bern, hat noch Henisch 237: hin und wieder in händen umbkeren, volvere, ut fit in massis pillularum. s. DWB beerpflaster.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beerenbaum, m. melastoma acinodendron.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beerendolde, f. aralia.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beerenfrucht, bacca.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
beerenkorb, m. aus weiden geflochten, durch welchen der most aus der kelter flieszt, und in dem die beeren hängen bleiben.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: