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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
beendigung bis beere (Bd. 1, Sp. 1242 bis 1243)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) beendigung, f. vor, nach beendigung des kriegs.
 
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beengen, coercere, coarctare, in die enge treiben, einschränken. nie aber, auch bei den dichtern nicht, bengen, analog dem bange und bangen. in der brust, im herzen sich beengt fühlen.
 
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beerbank, f. so heiszt den ziegelbrennern die holzbank, auf der sie den lehm kneten und zubereiten, von dem mhd. bern, das sich noch in beerpflaster und abbeeren (sp. 12) erhalten hat, aber auch als einfaches wort bis ins 17 jh. dauerte. s. DWB beeren.
 
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beerben , nnl. beerven.
1) heredem alicui esse, einen beerben: der sohn beerbt den vater, der vater den sohn; den reichsten omras und statthaltern, die er gern beerbt hätte. Wieland 8, 145; er heiratete eine bejahrte reiche witwe, in der hofnung sie bald zu beerben; du sollst mich allein beerben.
2) rem hereditate obtinere: wiltu es (das stück felds) beerben, so keuf es fur den burgern und fur den eltesten meines volks. Ruth 4, 4; beerbe du was ich beerben sol, denn ich mags nicht beerben. 4, 6; wenn einer ein gut nicht beerben noch erkeufen wolt, so zoch er seinen schuch aus und gab in dem andern. 4, 7; und wisset, das ir dazu berufen seid, das ir den segen beerbet. 1 Petr. 3, 9; wisset, das ir dazu berufen

[Bd. 1, Sp. 1243]


seid, das ir die benedeiung beerbet. Luther 2, 360a; das hündchen (neben dem todt auf dem felde liegenden bettler) hatte den ganzen bettelsack schon beerbt und ausgekernt. J. Paul biogr. bel. 1, 168. gewöhnlich sagt man heute das land, die sache erben, nicht beerben.
3) hereditate in alium transferre, auf einen erben: auf das ir besitzt das gute land und beerbet auf ewre kinder nach euch ewiglich. 1 chron. 29, 8; auf das ir mechtig werdet und esset das gut im lande und beerbet es auf ewre kinder ewiglich. Esra 9, 12.
4) beerbt sein heiszt leibliche erben haben, unbeerbt sterben, keine solche erben hinterlassen.
5) beerbte sind erbliche grundeigenthümer, die auf erbgut sitzen: der landrath wurde vom adel der provinz, der steuereinnehmer von den beerbten gewählt, der bauerschaftsvorsteher von den bauern. denkschr. des freih. vom Stein.
 
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beerbfolgung, f. die vollkommenste allegorie von dem ursprunge, dem fortgange, der befestigung und endlichen beerbfolgung der königlichen gewalt unter den menschen. Lessing 6, 468.
 
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beerblau, blau wie heidelbeeren.
 
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beerchen, n. baccula.
 
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beerdigen, humare, terra condere, it. sotterrare, franz. enterrer, nnl. beaarden, schw. jorda, dän. jorde, kommt bei uns erst im 17 jh. auf und wird von Stieler 386 angeführt, bei Henisch und den älteren mangelnd, es klingt, wie bestatten, vornehmer als begraben und geht nur auf menschen, nicht auf eingegrabne, verscharrte thiere.
 
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beerdigung, f. humatio, enterrement, begräbnis, bestattung.
 
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beerdorn, m. berberis vulgaris.
 
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beere, f. bacca, ahd. aber peri n. (Graff 3, 203), mhd. ber n. (Ben. 1, 104a), doch steht auch einmal schon:

sie schuofen niht gein einer ber. urstende 114, 16;

da man häufig den pl. n. diu ber gebrauchte, entfaltete sich leicht daraus der sg. f. diu ber. Dasypodius, Luther, Henisch schreiben für sg. und pl. beer, Maaler 52c beere. auch altn. ber n., schw. dän. bär n., ags. aber berie, berige f. und schwach flectiert, gen. berian, pl. berian, engl. berry, pl. berries. das weibliche geschlecht scheint also im sächsischen stamm althergebracht.
Man würde sich kaum bedenken und peri von përan, ber von bërn, als die getragene frucht, herleiten, wenn dies nicht ein umstand verböte: die goth. wortgestalt lautet basi, n., das sich keineswegs auf bairan beziehen läszt, noch mehr, dasselbe S hat sich bis auf heute im nd. besing und nnl. bes f., pl. bessen, verkleinert besje oder bezie n. bewahrt. ja, ein ags., neben berie geltendes wort, basu purpureus, coccineus, gen. basves, gemahnt an κόκκος und κόκκινος, folglich an beere, wenn auch die vorstellungen purpur und scharlachbeere vermischt worden sein sollten. den Polen und Böhmen ist iagodka, gahodka beerlein gerade so coccus und die beeren haben vorzugsweise rothe farbe.
Wie also unser baar nudus ein goth. basis, basus vermuten liesz (sp. 1055), ist auch beere sicher das goth. basi, nl. bes, und wahrscheinlich in jenem ags. basu enthalten, hier schützte der fremde begrif das alte S, während es im geläufigen berie zu R geworden war. verwandtschaft zwischen baar und beere wäre nicht unmöglich. die kleine, runde beere steht gleichsam nackt vor augen, kann unmittelbar gepflückt und genossen werden, ein dichter dürfte die beere nackt oder baar, die bacca nuda nennen. Indessen hat Bopp gl. skr. 241 eine andere, die wörter beere und bacca vereinende herleitung vom skr. bhak edere vorgetragen, so dasz goth. basi = bhakja cibus, eszbare frucht, bacca aber assimiliertes bacsa wäre, wie auch faba aus fagba entspränge (s. DWB bohne). man würde dann unser backe gena heranziehen können, zumal des sl. iagoda wegen (oben sp. 1064).
Beere erscheint in zahlreichen zusammensetzungen: erdbeere, himbeere f. hindbeere, heidelbeere, brombeere, mehlbeere, stachelbeere, preiselbeere, vogelbeere, ölbeere, lorbeere, maulbeere, weinbeere, und die kirsche selbst heiszt schw. körsbär, dän. kirsebär, wie auch Göthe von kirschen redend sagt:

das beerlein schmeckte seinem gaum. 13, 121;

in einem kirschgarten herumnaschen, wo ihnen die beeren ins maul hängen. an Jacobi 238. Die jugend gelüstet nach heeren, dem alter sagen sie minder zu: auch enthielt ich mich von dieser zeit an alles neueren, genusz und beurtheilung

[Bd. 1, Sp. 1244]


jüngeren gemütern und geistern überlassend, denen solche beeren, die mir nicht mehr munden wollten, noch schmackhaft sein konnten. 32, 177. die weiche beere des vergnügens. J. Paul uns. loge 3, 97.
Mir hat getreumet, das ein weinstock fur mir were, der hatte drei reben und er grünete, wuchs und blüete und seine drauben wurden reif, und ich hatte den becher Pharao in meiner hand und nam die beer und zudruckt sie in den becher und gab den becher Pharao in die hand. 1 Mos. 40, 11; also auch soltu deinen weinberg nicht genaw lesen, noch die abgefallen beer auflesen, sondern den armen und frembdlingen soltu es lassen. 3 Mos. 19, 10; ire drauben sind gall, sie haben bittere beere. 5 Mos. 32, 32; als wenn man einen ölbaum schüttelt, das zwo oder drei beer blieben oben in dem wipfe. Es. 17, 6; schlag an mit deiner hippen und schneide die drauben auf der erden, denn ire beer sind reif. offenb. Joh. 14, 18.
Beeren lesen, pflücken, brechen; in die beeren gehn (sie im wald suchen); beeren austheilen, spitze reden geben, wol von stachelbeeren: da hast du eine beere.

 

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