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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bedünken bis bedürftigkeit (Bd. 1, Sp. 1239 bis 1240)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bedünken, n. opinio, sententia:

merk, dürch mein kunst ist mir bekant
aller menschen auf erden stand,
auch wie als wetter wirt gethan,
das zeig ich nach bedunken an.
Schwarzenberg 120, 1;

meines bedünkens, ex mea sententia. Wickram rollw. 50; dieweil es, irs bedunkens, ein grosze narrheit gewesen wer. Fischart bienenk. 110b; unserm bedünken nach. Wieland 3, 87; unsers bedünkens hat es mit einer geschichte wie diese die nemliche bewandtnis. 12, 320; weil er die sprache nehmen musz, wie sie ist, und nicht, wie sie, nach seinem gegründeten oder ungegründeten bedünken, sein sollte. Klopstock 12, 208.
 
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bedünklich, opinabilis: seltzamlich und so bedünklich bös. Simpl. 1, 27.
 
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bedürfen , egere, indigere, ahd. pidurfan, pidarf (Graff 5, 207), mhd. bedurfen, bedarf, bedorfte, nhd. bedürfen, bedarf, bedurfte; über die wurzel vgl. das einfache dürfen.
1) mit partitivem gen. der person oder sache: wenn du eins bedarfst, so schmeichlest du im, und wenn du sein nicht bedarfst, so beiszest du in. Keisersb. sünden des munds 34a; so wil ich in nu mit dem spiesz stechen in die erden, das ers nicht mer bedarf. 1 Sam. 26, 8; nach eines ieglichen willen, wie ers bedurft. weish. Sal. 16, 25; nim zu dir von des fisches gallen, denn du wirst ir bedurfen. Tob. 11, 4; so bedarf er keiner fahr überall. Agricola 112a; item, wan der römische glaub der apostolische wer, bedörft er nit neuer wunderwerk. Fischart bienenk. 26b.
2) mit acc. der person oder sache: noch so bedarfstu danocht freund. Keisersb. sünden des munds 47b; ewer vater weisz, was ir bedürfet, eh denn ir in bittet. Matth. 6, 8; die aber der chirurgicus nit achten bedarf. Gersdorf 15; ausgenommen der westwind, welchen er zu seiner heimfart bedorfte. Fischart bienenk. 41b; ergo darumb bedörfen die leien keinen wein. 91b; dieser theil des menschengeschlechts war in der ausübung seiner vernunft so weit gekommen, dasz er zu seinen moralischen handlungen edlere, würdigere bewegungsgründe bedurfte und brauchen konnte. Lessing 10, 321;

wofern sie nichts dazu
als eine jungfer bedürfen.
Wieland 4, 207;

denn mag er noch so viel sich stellen,
als wenn er keines menschen kind
bedürfte.
Gökingk 2, 110;

er bedurfte jetzt mehr als jemals den guten willen der staaten. Schiller 797. der unterschied des partitiven gen. und des acc. ist wie sonst, ich bedarf des weines, etwas von dem wein, ich bedarf den wein, habe ihn überhaupt nöthig. oft aber tauschen beide casus gleichgültig.
3) bloszes bedürfen, ohne casus, arm, bedürftig sein: ja, fuhr er fort, ich fühle, dasz ihr bedürft, und was ich vermag, will ich euch leisten. Göthe 19, 54;

für mein bedürfend unerfahren herz
zufällig einen gegenstand zu haschen. 9, 180.


4) mit folgendem infinitiv: mir bedörft ir nichts geben braucht ihr nichts zu geben). Agricola spr. 97a; dise species zu probieren bedarf ich nicht wort brauchen. Mich. Stifel 94; dasz kein mensch auf erden so heilig gewest noch seie on Christus alleine, der nit selbst mit sünden beschmeiszt were gewesen und bedörft hab für eigene missethaten zu bitten. Fischart bienenk. 46b; er bedarf schlechts des jahrs einmal beichten und hochzeit halten. 232b; die vernunft, welche dem zusammengesetzten das einfache zu grunde zu legen bedarf. Kant 3, 338; was den beweisgrund seiner wirklichkeit von der erfahrung herzuholen bedarf. 4, 152; stärke, erhabenheit, würde bedürfen weit weniger von dem ausdruck unterstützt zu werden. Schiller 28; zu trinken bedurfte ich nicht, denn ich hatte mich an den früchten hinreichend gelabt. Göthe 24, 91; dasz ich die folgenden erläuterungen gar nicht zu geben bedarf. J. Paul teufelsp. 2, 120.
5) mit folgendem dasz: ich bedarf wol, das ich von dir getaufet werde, und du kommest zu mir? Matth. 3, 14.
6) unpersönlich, es bedörft allein (brauchte nur) zwo oder dri predig. Keisersb. sünd. d. munds 82b; dennoch bedarf es, gedachten (modo dictum), ja alle prediger treulich zu vermahnen und warnen. Luthers br. 4, 425; aber was bedarfs vil wort? die kinder auf der gassen wissen genugsam. Fischart bienenk.

[Bd. 1, Sp. 1240]


56b; darüber bedarfs keiner gloss nicht. 90a; nun bedurfte es keines kampfes, keiner gewaltsamen anstrengung mehr. Wieland 2, 213;

für den zufriednen poeten
bedarfs nur euren witz und wein.
Gökingk 3, 40;

zum behuf der schönheit bedarf es nicht so nothwendig reich und original an ideen zu sein. Kant 7, 182; ebenso wenig bedarf es von dem werthe dieser dinge etwas hinzuzusetzen. Göthe an Friedländer.
7) sich bedürfen: es bedarf sich groszer bescheidenheit, so du wenst, dich treib brüderliche liebe, so treibet dich rach darz. Keisersb. sünden des munds 36a; doch also, dasz jederzeit das eine theil davon zimlich lang für die wunden heraus lange, damit, wann es sich bedarf, du es leichtlich könnest widerumb heraus ziehen. Würtz 346; zwar es bedarf sich auch gar nicht deintwegen zu pindarisieren. Weckherlin 370.
 
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bedürflich, egens.
 
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bedürflichkeit, f. egestas: wenn man sie wieder setzte in die einfaltige bedörflichkeit, in das unschuldig armut. Hutten 5, 264.
 
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bedürfnis, f. und n. indigentia, egestas, res cujus egemus.
1) weiblich: aus äuszerster bedürfnis. Rabener 4, 71; seine gattin, die er liebt und von der er geliebt wird, schmachtet in der äuszersten bedürfnis. Lessing 7, 63; konnte nun wol dieser bewegungsgrund durch die bedürfnis des staats aufgewogen werden? Garve zu Cic. de off. s. 212; weil verschiedene mitglieder dieser zünfte bei bereicherung der sprache eben nicht ekler wahl sein und auch wol die bedürfnis nicht genau mochten untersucht haben. Klopstock 12, 199; die unumgängliche bedürfnis. Kant 2, 120; ungeachtet dieser dringenden bedürfnis der vernunft, etwas vorauszusetzen. 2, 451; die bedürfnis der vernunft, etwas anzunehmen. 2, 464; dieser dringenden bedürfnis abhelfen. 3, 297; zur ersten bedürfnis. Möser 1, 284; und warum befinden wir uns in dieser bedürfnisse? patr. ph. 1, 16.
2) neutral, heute vorherschend: die wechsel sind ausgeblieben, jetzt in diesem dringenden bedürfnisse zum erstenmale ausgeblieben. Schiller 739; den kaiser so lange in seinen bedürfnissen zu verlassen, bis er diese verfügung bestätigt hätte. 888; weshalb denn auch aus benachbarten und entfernteren provinzen lebensmittel und bedürfnisse unversiegbar zuflieszen. Göthe 6, 199; wo man in einem privathause unterkommen und das nächste bedürfnis fand. 29, 101; die bedürfnisse der baulichkeiten und einiges wünschenswerthe der umgebung anzuordnen. 31, 149;

all dieser prunk, all dieser tand,
bedürfnisse des überflusses.
Gotter 1, 20;

uns auf die leichten, die schwankenden halme
hat er des lebens bedürfnis gestellt.
Rückert 215.


3) bedürfnis, naturae necessitas: ein bedürfnis befriedigen, necessitati parere, operam dare, seine nothdurft verrichten, nd. sin behof don.
 
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bedürfnisvoll, Göthe 24, 207.
 
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bedurft, f. indigentia, ein gutes, jetzt wie das einfache durft veraltetes wort, obschon notdurft fortdauert: nach seiner notturft und bedurft. Paracelsus 2, 12c. auch Logau sagt noch lebensbedurft. das adj. bedürftig, dem hernach wiederum bedürftigkeit entsprieszt, setzt es voraus.
 
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bedürften, egere, ein nochmals aus bedurft gezeugtes verbum: auf bedürfteten fall (nöthigen falls). Ettner unw. doct. 551.
 
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bedürftig, egenus, dürftig, necessarius, nöthig: bäten mich loszulassen, weil sie mich in ihrem dienste bedürftig wären. Schweinichen 1, 349, mit bemerkenswerthem acc., wie er bei bedürfen stattfindet. gewöhnlich steht der gen. geldes, trostes bedürftig, der hülfe bedürftig; so oft der gemeine nutzen eines gelds bedürftig. Schuppius 748. häufig auch ohne casus: ein bedürftiger mann. pers. baumg. 4, 12; so wird an der helfte des bedürftigen samens noch ein drittel erspart. Hohberg 2, 26a; lassen sie in dieser ungewisheit des lebens zwischen diesem hoffen und bangen dem bedürftigen herzen doch nur eine art von leitstern. Göthe 17, 192; seltene, schöne, liebenswürdige tugenden, deren friedliche einwirkung die bedürftige welt zu jeder zeit mit wonnevollem genügen umfängt und mit sehnsüchtiger trauer vermist. 17, 410.
 
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bedürftigkeit, f. egestas: sein fräule tochter Bertram,

[Bd. 1, Sp. 1241]


welche zwar schön, doch aber mit ihrem herrn vater in gleichmäsziger bedürftigkeit schwebte. Abele 4, 411;

ausgestoszen hat er jeden zeugen
menschlicher bedürftigkeit.
Schiller.

 

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