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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bedrucken bis bedünken (Bd. 1, Sp. 1237)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bedrucken und bedrücken unterscheidet man wie abdrucken und abdrücken, ausdrucken und ausdrücken: ein zeug, ein blatt, ein papier bedrucken, hingegen die leute, das volk bedrücken. doch schreibt Göthe in beiden fällen, ohne umlaut, bedrucken:

eines kenn ich und fest bedruckt es zufrieden die lippe. 1, 386;

der fürst ist unterrichtet, wie sehr das volk bedruckt sei. 15, 27.
 
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bedrücktheit, f. oppressio: sie sahen reichere gegenden und ihre bedrücktheit. Dyanasore 3, 351.
 
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bedrückung, f. dasselbe, und üblicher.
 
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beduften, vapore, odore aspergere:

zu trücknen an dem kalten luft,
weil es mit feuchte war beduft.
H. Sachs I, 484d;

von reif, schnee, eis und kaltem luft
mit weiszen fasen als beduft.
II. 1, 54a;

ob es auszen der frühling
gleich mit der blume beduftet.
Klopstock Mess. 9, 445.


 
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bedumpfen, offuscare, obtundere, machen dasz etwas dumpf, gedämpft schalle: dem alten mann ist seine stimme bedumpft; wie die orgel so bedumpfet laute? Schuppius 48.
 
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bedungen, s. bedingen.
 
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bedüngen, stercorare agrum, begeilen: das ein acker einmal bedünkt drei jar selbs frucht bringt. Frank weltb. 57a;

einen acker wol durchpflügen, einen acker wol betüngen
macht, dasz unkraut musz verwelken und das land musz früchte bringen.
Logau 2, 1, 40;

der das land selbst bedünget und fruchtbar machet. Schuppius 408; damit ich den teufel aufs narrenseil füre, das er sich selbst in seiner klugheit betüngen musz. Luther 4, 535a.
 
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bedunk, m. oder n.? opinio, bedünken:

da hab ich einen esel jung,
der ist fürwar, nach meim bedunk,
viel zu verstendig.
Waldis 4, 97.


 
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bedunkeln, obscurare: ee die nacht die erd bedunkelt. Aimon Y 1; wie die sonn den mon bedunklet, also bedunklet das reich Licuri dein reich mit seinem schein. Steinhöwels Esop 23b;

eh sie das laub bedunkelt mit seiner kühlen umwölbung.
Herder 15, 134.


 
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bedünkeln, verkleinertes bedünken, zu dem dünkel verleiten:

euch mög es nicht bedünkeln,
es sei gemeines fünkeln.
Göthe 5, 93.


 
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bedünken, bedunken, videri, ahd. pidunchan, pidûhta (Graff 5, 176), mhd. bedunken, bedûhte (Ben. 1, 360a): mich bedünkt, mich bedauchte, mich hat bedaucht. der sprachgebrauch irrt nach drei seiten ab, indem er sowol bedaucht oder bedäuchtet ins praes. als bedünkte, hat bedünkt ins praet. setzt, und statt des acc. einen dat. der person beifügt. man

[Bd. 1, Sp. 1238]


sehe das einfache dünken, dauchte und halte sich an die analogie von bedenken, bedachte. Luther scheint sich des wortes überhaupt nicht zu bedienen.
1) auch mich stets bedunkt, wie mir alle mein haar aufsteigen. Bocc. 1, 5b; in eins zwei bedaucht (er schöpfte verdacht). 1, 25a; nun fragstu, als mich bedünkt, so wer das klappern und eerabschneiden ein ding. Keisersberg sünden des munds 46b; bedaucht dich die versorgung deiner einigen seele nit schwer genug. Petr. 94a; denn er, wil mich die sach bedunken, der rechte thäter ist. Galmy 264; als mich die sach bedünken wil. 309; und derwegen mag der papst, inmaszen Antonium de Rosellis bedunket, einem sein hab und gut nemmen. Fischart bienenk. 134a;

als mich bedaucht, ich liebte.
Gryphius 1, 249;

ihr irrt, so euch bedünkt, ihr wäret angenemer.
Logau 2, 3, 59. s. 70;

du brennst für lieb und bist doch blasz, Pyrinna, mich bedunkt,
der brand zeucht sich von auszen ein auf seinen mittelpunct. 3, 10, 69;

als ich so zusahe, bedauchte mich. Simpl. 1, 66; da bedauchte (es steht verdruckt bedachte) michs zeit. 2, 435; so viel uns bedunket. Schuppius 522; mich bedünkt, der seie der erste politicus, der u. s. w. 559;

so wird die vorsicht uns weise,
der himmel uns gnädig bedünken.
Kleist 2, 134;

es hätte sie bedünkt, dasz er mehr damit habe sagen wollen, als seine worte an sich selbst gesagt hätten. Wieland 1, 291;

dasz ihn bedünkt, ihr kaltes herz erwarme. 17, 291;

mich wollte fort und fort bedünken, als hätt ich ihm und unserm zusammensein das erfreulichste stiften können. Göthe 31, 195;

wenn du dich so bedünktest, wäre mehr gefahr. 10, 14;

was unerreichbar scheint, bedünkt so schwer.
Platen 28;

dasz es die zwei auch mochte so bedunken (: versunken).
Rückert 141.


2) sich bedünken lassen, sibi videri:

da liesz sich Esopus bedünken.
Alberus 106;

nun lasse ich mich bedunken. Susanna com. Hibeldeha 4, 4;

was bistu für ein bengel, was laszt dich bedunken, ich hab mein hütlin für dir abgezogen? Fischart bienenk. 142a; was läsztu dich umb diese beide bedünken? Ayrer proc. 1, 10;

wie man Christi leib kan essen, wie man Christi blut kan trinken,
leszt sich jener disz vernehmen, leszt sich dieser das bedünken.
Logau 3, 4, 8;

o ich liesz michs wol bedünken. 3, 8, 56;

kaiser August liesz sich bedünken, dasz seine gewalt die siege aller Römer übertreffe. Lohenst. Arm. 1, 1055; weswegen ich mich ein vollkommen geschickter kerl zu sein bedunken liesz. Felsenb. 2, 370. heute ungebräuchlich.
3) die ältere sprache fügte, nach lateinischer weise, zu bedünken den acc. mit dem infinitiv: lasz ich mich bedünken not sein unter uns ein haupt zu machen. Bocc. 1, 8b; doch bedunkt dises schreibens ursach gewest sein. Melanchthon annot. Röm. 1; bedunkt michs ein unnütze und torechte forcht sein. Wickram bilger A 4; der ander leib bedunkt sich ohne schüppen sein. Forer fischb. 39a; bedünkt uns zeit sein. Uffenbach roszbuch 1, 192. bald aber muste zu beigesetzt werden: der fromme mann bedünkte ihn als eine aufbrechende rose zu sehn (auszusehen) und gleich eine süsze singende nachtigal zu sprechen. pers. baumg. 4, 27; bedeuchte mich schöner zu sein. Simpl. 2, 454; diejenige, welche lieber gewolt spitzfindig disputieren, als fromb und verständig leben, bedunken mich den seiltänzern und gauklern gleich zu sein. Schuppius 707; ich habe aus beiden eine dritte lesart zusammengesetzt, die mich die nächste zu sein bedünkte. Lessing 9, 130.
4) belege des fehlerhaften dativs: besonders wenn es wahr wäre, was dem Erasmus bedünkte. Lessing 8, 517; auch mir bedünkt es selbst. Wieland 18, 145;

zehnmal räumlicher wird dann
unser stübchen dir bedünken.
Gökingk 1, 47;

was nun bedünket den erlauchten ständen?
Schiller 663;

sie klagt uns alle an vor jenem rächer,
dem unsre that nicht wird so leicht bedunken.
Tieck 1, 162.

[Bd. 1, Sp. 1239]


gewohnt, bei bedünken an videri und scheinen zu denken, construierte man, wie zu diesen, den dativ.

 

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