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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bedientenvolk bis bedingungsweise (Bd. 1, Sp. 1232 bis 1235)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bedientenvolk, n.
 
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bedienung, f. 1) wie dienst, dienstleistung: die bedienung ist hier (im gasthaus) gut, schlecht; du verstehst dich nicht auf deine bedienung. 2) wie dienst, amt, stelle: Carolus Crassus nahm seinem canzler seine bedienung. Hahn 1, 269; haben den schutzgott ihres glückes auf erden in ihrem fürsten zu suchen, in dessen hand die bedienungen stehen. J. E. Schlegel 3, 326; ein gleiches recht zu allen öffentlichen bedienungen. Schiller 1068; nicht wieder auf das theater zurückzukehren, vielmehr eine bürgerliche bedienung, sie sei auch welche sie wolle, anzunehmen. Göthe 18, 78; noch ehe er eine bedienung erhielt. 19, 303; es kostet ihm núr ein wort, so macht ihm don Alvarez eine bedienung aus. Lenz 1, 218. wird heute ungern verwandt, wenn unter dem dienst ein öffentliches amt gemeint ist. 3) dienerschaft: männliche, weibliche bedienung; ein knabe, der sich bei Wilhelmen als seine bedienung ankündigte. Göthe 20, 8.
 
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beding, früher bedinge,n. pactum, conditio, wofür mhd. nur gedinge vorkommt; das nhd. wort erscheint meistentheils in der formel 'mit dem bedinge':

mit solchem beding, und dem bescheid,
das du nach weis der christenheit
dieselbig zu der ehe solt han.
Waldis 4, 67;

doch mit disem beding und besprechen. Fischart bienenk. 117a; doch mit disem beding, dasz er sich mit eid verpflichten solt. 215b;

an dem beding wir nichts verliern.
Ayrer 399a;

mit dem beding, dasz. Zinkgr. 29, 30; wie und mit was beding. Philander, Leiden 1646. 5, 318; worüber bald hernach ein unparteiisches beding gesetzt; got wil euch eure sünde vergeben, mit dem beding, dasz ihr auch eurem nechsten vergebet.

[Bd. 1, Sp. 1233]


Schuppius 279; ein euszerliche öffentliche protestation oder beding. Spee güldn. tugendb. 679;

und wann ihr alle mich gedenkt euch zu verbinden,
so werdet dieses ihr mit mir gut alle finden,
dasz ihr es auf das losz mit dem bedinge stellt,
dasz wer von euch zuerst sol treten auf das feld,
dem solt beid ewre sach ihr in die hände legen.
Werders Ariost 29, 31;

er fragte, was ihr thun und ihr bedinge wer?
und sie erklärte ihm all ihr vorhaben her. 27, 35;

mit dem bedinge. pers. baumg. 7, 3; dasz zwar einem jeglichen sein theil bescheret ist, aber mit dem bedinge, dasz ers suchen und danach streben soll. pers. rosenth. 3, 27; mit dem bedinge, dasz sie. Weise kl. leute 66; gab ihm die geforderte zehen thaler mit dem beding, dasz er. ehe eines weibes 309; die ehe mit dem beding zusagte, dasz. 314; mit dem beding dasz. ehe eines mannes 269; doch mit dem beding dasz. Felsenb. 2, 253; mit dem bedinge, dasz er dahin besorgt sein solle. 3, 389; nur mit dem beding, dasz sie davon aufhören, sobald Mellefont zurück kömmt. Lessing 2, 66; aber nicht anders als mit dem bedinge, dasz er sich verkleidet. J. E. Schlegel 3, 593; die dieser held in mehr als einem jahr nicht bezwingen konnte, und zuletzt mit dem bedinge gewann. Herder 20, 183; mit dem bedinge, dieser gesetzgebung unterworfen zu sein. Kant 4, 66; unter dem beding, dasz. 10, 21; mit dem bedinge. Götz 1, 153;

so ists auch. das ist sein beding und pact.
Schiller 328;

wol zu kaufen ist es, meine schöne,
vom besitzer hört ich die bedinge.
Göthe 1, 220;

das ist beding bei jeder cur. 11, 373;

ich schwör euch zu, mit dem beding
wechselt ich selbst mit euch den ring. 12, 155;

H. übernahm diese arbeit mit dem beding, dasz. 37, 126; wenn ich wiederkomme, sollen sie was sie wollen von der sache wissen mit dem beding, dasz sie mich gegen niemand vertheidigen. an fr. von Stein 1, 310. beding ist im vers oft bequemer als das dreisilbige bedingung.
 
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bedingen , pacisci, conditionibus circumscribere, was ahd. bloszes dingôn oder gidingôn ausdrückte, auch mhd. erscheint bedingen nur sparsam (Ben. 1, 339a). ding aber hatte ursprünglich die bedeutung von causa, handel, woraus sich erst später die von res, wie aus causa die des franz. chose entfaltete. wenn daher Schelling (philos. schr. 1, 7) unser bedingen ein vortrefliches wort nennend es erklärt als die handlung, wodurch etwas zum ding werde, bedingt, das was zum ding gemacht sei, unbedingt, das was gar nicht zum ding gemacht sei, gar nicht zum ding gemacht werden könne; so scheint dieser sprachgebrauch nicht aus der geschichte des wortes selbst zu folgen. bedingt sein hiesz auf einen gepflogenen handel zurückgehn, dadurch bestimmt werden; nachher verband man auch damit die vorstellung des seinen grund in etwas tragens, des hypothetischen, mit unbedingt des absoluten.
1) bedingen, aushalten, bestimmen, ausnehmen: ich bedinge aber allhie, das ich diesen artikel nicht darumb halte, das ich den bapst wolle verwerfen. Luther 1, 422a; darnach bedinget er mit treflichen worten, wie es doch so gar nichts sei mein rede. 2, 156a; denn das wil ich hiemit gar frei öffentlich haben bedinget und bekennet. 3, 109; wie ich gar öffentlichen daselbst bedinget. 3, 454; ich hab ewer schrift vernomen meines buchlins halben von der winkelmessen, wie etliche gute leute daraus besorgen, es möcht verstanden werden, als hielte ichs mit den schwermern, und ob ichs wol hette im genandten büchlin bedingt und bezeugt, das ichs gar nicht mit den schwermern halte, so were doch das büchlin zu grosz. 6, 116a; denn wie ich in jenem büchlin bedingt, ist mein meinung nicht wider die jüden zu schreiben. 8, 108b; bedinge und bezeuge. Spee güldn. tugendb. 231; bedinge und protestiere. 512; bedingen bringt das landrecht. Lehmann 73; wenn das bedingen ist gebrochen, so kann man nicht gewinnen. das.;

wol bedingt und gehalten
stehet wol bei jungen und bei alten. das.;

der jud kam und bracht einen ring, welchen er sehr hoch hielt. ich half den ring bedingen (behandeln). Schuppius 226; sie bedinget ihn umb ein grosz geld. Rollenhagen wunderb. reis. 44;

bedingte nur das eine
für sie und mich noch aus,
im kleinsten fruchtbaumhaine
das kleinste gärtnerhaus.
Bürger 56a (s. ausbedingen);

[Bd. 1, Sp. 1234]



dasz nicht des lebens bedingender drang mich, den menschen, verändert.
Göthe 1, 330;

die gemäszigten, bedingten (beschränkten) regierungen. 6, 207;

denn er weisz
so glatt und so bedingt zu sprechen, dasz
sein lob erst recht zu tadel wird. 9, 198;

entschiedner werth ist leicht zu kennen, leicht
was du bedingen möchtest zu erfüllen. 9, 367;

er kommt, er naht! wie fühlt bei diesem schalle
die seele gleich sich ahnungsvoll bedingt!
doch schon befreien sich die herzen alle
durch leberuf, davon der fels erklingt. 13, 254;

der waffen flug wird selbst bedingt. 13, 275;

es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den augenblick als bedingt. wagt er es sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei. 17, 262; nur musz der künstler niemals einen unbedingten beifall für das was er hervorbringt verlangen, denn eben der unbedingte ist am wenigsten werth und den bedingten wollen die herren nicht gerne. 20, 106; Luthers bibelübersetzung hat die gröszten wirkungen hervorgebracht, wenn schon die kritik immerfort daran bedingt und mäkelt. 46, 264; als man noch nicht durch polizeiliche untersuchung der pässe, durch zollabgaben jeden augenblick erinnert wurde, es sei drauszen noch bedingter und schlimmer als zu hause. 48, 136; der hauptfehler, den Milton begangen hat, nachdem er den stof einmal gewählt hatte, ist, dasz er seine personen, götter, engel, teufel, menschen, sämtlich gewissermaszen unbedingt einführt und sie nachher, um sie handeln zu lassen, von zeit zu zeit in einzelnen fällen bedingen musz. an Schiller 618;

stets bleibt, wie wenig mir bei dir gelingt,
mein auge durch dein angesicht bedingt.
Platen 46;

bedingtes (eingeschränktes) lob; bedingtes (von bedingungen abhängendes) versprechen.
2) sich (se) bedingen: ich solt mich der kirchen demütiglich untergeben, wie ich mich denn des zuvor für menniglich zu thun bedingt hatte. Luther 1, 119b; denn ich mich imer bedinge, das ich denen predige, die gern recht für gott thun wolten. 3, 326; ich habe mich bedingt, das ich nicht wider fleisch und blut schreibe, sondern wider den teufel und seine glieder. 3, 476; will mich auch erstlich und vor allen dingen hiemit bedingt haben. Luthers br. 2, 147;

sta, sta, mein mann, lasz dich bedingen,
hör was wir dir vor zeitung bringen.
Hayneccius Hansoframea 4, 3;

dieweil dan ihr, her schultheisz, mir sein wort zu thun erlaubt haben, will ich mich anstatt der allerbesten gewöhnlichen form und maszen, so beschehen soll und mag, an das löbliche malefitzrecht bedingt haben. Kirchhof mil. disc. 242;

jedem worte klingt
der ursprung nach wo es sich her bedingt.
Göthe 41, 116;

die schüler lernen eine wie die andre (kunst, musik, poesie) in ihrer bedingtheit kennen, sodann wird gelehrt, wie sie sich wechselsweise bedingen und sich sodann wieder wechselseitig befreien. 22, 158.
3) sich (sibi) bedingen, verbinden, aushalten:

sie zur braut sich zärtlich zu bedingen
reicht den ring der bräutigam ihr dar.
Bürger 99a;

doch merkt ich mir vor andern dingen,
wie unbedingt uns zu bedingen
die absolute liebe sei.
Göthe 3, 158.


4) alle vorstehenden belege zeigen nach schwacher form bedingen bedingte bedingt, dem ahd. dingôn dingôta, mhd. dingen dingete entsprechend. wie aber nnl. ein starkes bedingen bedong bedongen stattfindet, scheint aus Niederdeutschland ein praet. bedung bedungen, oder bedang bedangen (wie sang sangen) eingeführt. jenes verwendet z. b. Ettner im medic. maulaffen 556 und Gökingk (s. ausbedingen), dieses Niebuhr: ein bündnis, welches wenigstens jetzt sicher die anerkennung der römischen hoheit bedang. 3, 313; habt ihr aber einmal euch selbst aufgegeben, so bedingen jene für sich. 3, 576; wie die Römer für sich mit den Aetolern bedangen. 3, 593. das klingt unhochdeutsch und üblicher ist bedungen, zumal im part. praet. und nie in jenem philosophischen sinn des bedingten: bedungen, ausbedungen, ausbehalten, z. b. Wieland 18, 138.
 
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bedinglich, conditionalis: da er inen bedinglich, cum conditione implendae legis, das land Canaan zusaget. Mathesius 129a; bedingliche abrede, pactum. Rihel Liv. 27; mutmaszlich oder bedinglich. Simpl. 1, 203; weilen aber diese meine meinung bedinglich, und dem fürtreflichen minister am besten bewust, wie es mit der bedingung bewandt. Leibnitz

[Bd. 1, Sp. 1235]


2, 110; er verdient das geschenk, wozu sie ihm bedingliche hofnung geben. Hippel lebensl. 2, 234. man gebraucht dafür heute bedingt.
 
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bedingnis, f. und n. conditio: zum richtigen empfinden ist richtig denken eine unentbehrliche bedingnis. Wieland 6, 97; die freiheit ist das unentbehrlichste bedingnis der glückseligkeit. 25, 126;

doch mit bedingnis, dir die zeit
durch meine kûnste würdig zu vertreiben.
Göthe 12, 74;

er hielt dieses bedingnis für sehr vortheilhaft. 30, 72; jeden einzelnen fall recht als einen einzelnen aus seinen fernen und nächsten bedingnissen herausgestalteten zu erwägen. Tieck ges. nov. 2, 85.
 
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bedingtheit, f.: die schüler lernen eine wie die andre (kunst) in ihrer bedingtheit kennen. Göthe 22, 158; zwar gab die ungleichheit des terrains die schönste gelegenheit aus der nothwendigen bedingtheit des locals die forderungen des zweckes zu erfüllen. 31, 162.
 
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bedingtleute, homines sub conditione recepti: er wöll dann vileicht alles zu der hofwarter, bedingtleuten und gültbawren genad setzen. Sebitz feldb. 26.
 
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bedingung, f. conditio, das bedingende und bedingte, erst in den letzten jahrhunderten üblich geworden, auch nnl. unbekannt: bedingungen machen, stellen, feststellen, vorschreiben, halten, brechen, annehmen, ausschlagen, verwerfen, sich gefallen lassen; es soll nur unter der, unter keiner andern bedingung geschehen; es erfolgt unter den ehrenvollsten bedingungen; bedingung eingehen (capitulieren). Opitz Arg. 2, 431;

den flug
des denkens hemme ferner keine schranke,
als die bedingung endlicher naturen.
Schiller 279b;

so müsse man in seinem eignen Wien
dem kaiser die bedingung machen. 351;

sie sind auf jegliche bedingung mein. 363b;

ich kann hiezu einen mir bekannten feldchirurgus vorschlagen, der jetzt um leidliche bedingung (lohn) zu haben ist. Göthe 17, 44; es gehört zu den traurigsten bedingungen, unter denen wir leiden, uns nicht allein durch den tod, sondern auch durch das leben von denen getrennt zu sehen, die wir am meisten schätzen. an Zelter 70; ich habe späterhin der welt und ihren bedingungen gelebt, aber in jenen tagen lebte ich dir und mir. Tieck ges. nov. 3, 239.
 
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bedingungslos, sine conditione.
 
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bedingungsweise, cum conditione.

 

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