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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bedhaftig bis bedientenschwarm (Bd. 1, Sp. 1230 bis 1232)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bedhaftig, der bede, der abgabe unterworfen: wir weisen auch alle güter in der Zozenheimer gemarken bedhaftig, ausgescheiden pfarrerwittumb. weisth. 2, 160.
 
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bediademen, diademate ornare:

das haubt, das nun der schere sich bequemt,
mit mancher krone wards bediademt.
Platen 32b.


 
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bedielen, contabulare: das zimmer ist neu bedielt worden.
 
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bedienen , servire, ministrare, ahd. mhd. unüblich, auch bei Keisersberg, Luther, Dasypodius, Maaler noch nicht erscheinend, erst in der zweiten hälfte des 16 jh. aufkommend, Henisch 232b gibt es an. man verwandelte das dienen, servire, mit dem dat. der person in ein bedienen, ministrare, mit dem acc. der person oder sache, bedienen wird auf bestimmte, unmittelbare und leibliche dienstleistungen, oft mit der vorstellung gegen lohn, bezogen.
1) personen bedienen, ihnen aufwarten. wir dienen gott, dem könig, unserm landesherrn; hier würde nicht gesagt werden können bedienen, so wenig als ministrare. nur Weckherlin setzt einmal:

wie selig ist doch der (o gott), der dir gehorsam sich erweiset,
wer aber ist der, so dich nach gebühr
mit forcht und lieb bedienet, bittet, preiset. 110,

gleichsam dir mit furcht und liebe aufwartet, furcht und liebe dir darbringt. Hieran reiht sich zunächst bedienen, wenn es im verhältnis der beiden geschlechter gebraucht wird:

jungfern haben herzlich gern, dasz man sie bedien und ehre.
Logau 3, 4, 86;

oder aber ist es ihre gunst,
die du so lange zeit bedienet hast ümsonst?
Hofmannswaldau getr. schäfer 93;

dessen ganz besonderer herzensfreund Joseph van Zutphen meine schwester Philippinam ebenfalls aufs äuszerste zu bedienen suchte. Felsenb. 1, 308;

schwarz und ohne licht und schatten
kommen Röseln aufzuwarten
grazien und amorinen,
doch er wird sie schon bedienen.
Göthe 47, 214;

[Bd. 1, Sp. 1231]


manche jungfer (oben sp. 163) ... über achsel sieht, und ein buntbändrichten monsieur ihm zu trotze mit vortreflichen liebkosungen bedienet. Weise erzn. 325. auch gilt bedienen, von männern gesagt, für die leistung der ehlichen pflicht sowol, als für unehliches beiwohnen: der mann kann seine frau nicht mehr bedienen; die frau schweifte aus und liesz sich auch von andern bedienen.
Vorzugsweise geht aber bedienen auf verrichtung alles lohndienstes, der kammerdiener bedient seinen herrn beim kämmen, ankleiden, an tafel und zum schlafengehn, der kellner bedient die gäste, der barbier bedient scherend, schröpfend, verbindend, jeder handwerker bedient mit der bei ihm bestellten arbeit, der kaufmann bedient mit den besten waaren seines lagers. In übler meinung heiszt einen bedienen was tractieren, regalieren, zurichten: halts maul, soldaten dürfen gar nicht reden, sonst wolt ich dich anders bedienen. Arnim schaub. 2, 182, wie man auch sagt, dir anders dienen.
2) die sache bedienen. der geistliche bedient (ministriert) die messe, die firmung: dasz die firmung vil würdiger ist, dieweil sie von keim schlechten gemeinen pfaffen mag bedient werden. Fischart bienenk. 71b; dasz alle diener des worts gleiche macht haben, in was orten sie bedienen, es sei zu Rom oder zu Neaples. 38b;

kein chorgehülfe war erschienen,
die messe kundig zu bedienen.
Schiller 68b.

ebenso heiszt es ein weltliches amt bedienen, versehen, bekleiden: ich hab disen ort fünf jahr bedient, administravi hujus loci officium. Henisch 232; der die höhiste ämpter bedient hat. Micrälius a. P. 4, 78; landvogteien bedienen. pers. rosenth. 3, 27. die tafel bedienen, schüsseln, speisen auftragen: hat die wilden eselsbraten hochgehalten und seine tafel oft darmit bedienen lassen. pers. reiseb. 4, 43; diese zu jagen und seine tafel damit bedienen zu lassen, hat er grosze lust gehabt. 2, 20;

mit grobem zinn, die schlechtste edelfrau
würd es verschmähn, bedient man ihre tafel.
Schiller 405b;

bewafnete, die sich hinter die stüle der fürsten pflanzten und das frühstück bedienten. 1079. durchs thor eintretende handwerksgesellen rief man an: was bedient ihr? was für ein geschäft treibt ihr?

der wache war, sie wust nicht wie,
fragt keiner: was bedienen sie?
Göthe 56, 28.

das geschütz bedienen bedeutet es richten, laden, losfeuern: die kanonen waren gut, übel bedient. im spiel, die farbe bedienen, bekennen, karte derselben farbe zuwerfen.
3) sich eines bedienen, s'en servir eine person oder sache zu seinem vortheil verwenden:

klag nicht, es kömmt gewis ein günstger augenblick,
allein bitt um verstand, dich seiner zu bedienen.
Gellert 1, 233;

wo die gewalt unbrauchbar ist,
bedient ein weiser sich der list.
Hagedorn 2, 106;

Agnese trinkt und leert mit widerwillen
zwölf flaschen aus, bedient sich auch der pillen,
allein umsonst. nichts kann die krankheit stillen. 2, 107;

mir konnt es wenig helfen, meines glücks
mich über einen Arnheim zu bedienen.
Schiller 342b;

da mir die sonne gerade ins gesicht schien, so bediente ich mich abermals des vortheils, den mir der hut gewährte. Göthe 25, 355; er bedient sich, wenn er spricht, allzu häufig fremder wörter; ich bediene mich der ersten gelegenheit, dir zu schreiben; sie bedienen sich da sehr ungebührlicher redensarten. absolut, bedienen sie sich (der speise), langen sie zu!
4) bedient sein, mit dem particip in activer bedeutung, heiszt einem dienlich, wie beholfen sein einem behülflich sein: so ich dir bedient sein kann, wil ich keinen fleisz sparen. Henisch 232; so ich nun willens wäre selbiges auch zu sehen, sie mir vor anderen darin bedient sein könten. Philand. 1, 14;

Largus zeucht sich an den richter, wann die andren recht anziehn,
parten, denen er bedienet (ist), haben dessen viel gewin.
Logau 3, 4, 29;

die hände und füsze helfen und sind bedienet und behülflich darzu. Simpl. 1, 172; kan ich aber dem herrn in etwas bedient sein. 1, 314; dahingegen obligierten sie sich ihme auf alle begebende gelegenheit mit darsetzung guts und bluts bedient zu sein. 2, 258; jedermann bedient sein (dienen). 2, 306. schon der beigesetzte dat. der person verbietet dies bedient etwa

[Bd. 1, Sp. 1232]


für eine zusammenziehung von bedienend zu nehmen; mit dem part. praet. in beinahe adjectivischem sinn konnte sich leichter der dativ, d. h. ein andrer casus, als den das verbum sonst regiert, verbinden. man sagt: dieser mann ist mir treu bedient, mein treuer diener; Melak (der hofhund) wollte mit, und Alban wollte einen dem schloszhofe so bedienten schirmvogt wieder heimhaben. J. Paul Tit. 1, 112. s. bediente.
 
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bedienlich, commodus, utilis, beholfen: etliche grosze herren, so uns in unsern sachen bedienlich gewesen. pers. reiseb. 1, 14; sie sind arbeitsam und bedienlich den Franzosen und Spaniern. 3, 4; damit sie euch mehr in gutem als übeln zustande bedienlichen sein. Schoch stud. leben F. heute unüblich und durch diensam vertreten.
 
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bediensten, officium alicui tribuere, bedienstet officialis. Henisch 232.
 
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bediente, m. famulus, minister, pedisequus, gebildet wie aufwartete (sp. 772), und in der activbedeutung des part. praet. bedient (s. bedienen 4), wie sehr viele andere participia praet. so gebraucht werden, z. b. gemeint, gewillt, bedacht, beholfen, beredt, verliebt sein, vgl. gramm. 4, 69—71. Wolfram sagt: ungedient ich daʒ trage. Parz. 248, 29, d. i. ohne es verdient zu haben. Gewöhnlich in schwacher form der bediente, des bedienten, pl. die bedienten, und so auch nnl. de bediende, des bedienden; doch ist in starker zulässig ein bedienter, pl. drei bediente: sein general oder feldmarschalk, seine hofprediger und andere vornehme bediente. Schuppius 37; die fürnehmsten bedienten desselben hofes. pers. rosenth. 1, 20; seine bediente und sklavinnen waren die ausgesuchtesten gestalten. Wieland 1, 69; die menge und gute miene der bedienten. 1, 71; unter ihnen befanden sich viele lehensleute des vornehmen adels, wie auch verschiedene bediente des königs selbst und der herzogin. Schiller 822; das meiste, was man von seinen kleinen sonderbarkeiten weisz, hat man einem weiblichen bedienten des grafen von Oxford zu danken, die ihn vielleicht im mittlern alter gekannt hat. Lichtenberg 5, 66. s. lohnbediente, postbediente.
 
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bediente, f. famula: bei der frau Orgon ist eine bediente nicht allein eine maschine, die von früh bis in die nacht, ohne zu ruhen, sich bewegen musz, nein sie hat noch mehr zu ertragen. Gellert 3, 234.
 
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bedientenhaftigkeit, f. Maltens neueste weltkunde 1846 s. 212.
 
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bedientenrock, m. livree.
 
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bedientenschwarm, m.

und ein bedientenschwarm die marmorsäle füllet.
Uz.

 

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