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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bedenklich bis bedeuten (Bd. 1, Sp. 1224 bis 1225)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bedenklich, dubius, suspectus, suspiciosus: aus bedenklichen ursachen. Schweinichen 2, 213;

war eine schönheit zart und schwach,
auch wunderreich und hochbedenklich,
doch auch, wie alles fleisch, zergänglich.
Weckherlin ps. vorrede;

doch, dein auge blickt bedenklich.
Bürger 74a;

dieses gedicht zu bedenklicher zeit und stunde aufgeregt. Göthe 4, 186; selbst diejenigen handwerker, welche zu bedenklicher zeit an der ordnung gehalten, waren (in Frankfurt) rathsfähig. 48, 78; bedenklichstes. 49, 15; er führte sich so vornehm auf, seine reden waren oft so geblümt und bedenklich. Tieck 3, 71.
 
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bedenklichkeit, f. dubitatio, scrupulus: du hast immer bedenklichkeiten; deine bedenklichkeit soll gleich schwinden.
 
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bedenklichkeitskrämer, m.: in ihrem theatralischen bauwesen werden sie sich durch die bedenklichkeitskrämer nicht irre machen lassen. Schiller an Göthe 479.
 
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bedenkung, f. consideratio, erwägung: in bedenkung, das falsche zeitungen in das land zu bringen soll verhüt werden. Fischart groszm. 13; in bedenkung, das den achzigsten tag nach der empfängnus dem embrion, so es ein weiblin ist, die seel eingegossen wird. 74 (vgl. Philipps Maria 329—335); in bedenkung dessen. bienenk. 111a; in bedenkung (erwägung). Garg. 231b; das gesicht ist in deinem haupte, die bedenkung (denkkraft) im herzen. pers. baumg. 7, 3.
 
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bedenkwürdig, attentione dignus: dieser so grosze hauf bedenkwürdiger und wichtiger ursachen. Kirchhof mil. disc. 264.
 
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bedenkzeit, f. spatium deliberandi: bedenkzeit nemen. Kirchhof mil. disc. 213;

merkt, ihr zeugen, dasz der erbe
um bedenkzeit gar nicht werbe,
wil das erbe treten an,
wann er soll und wann er kann.
Logau 1, 8, 20;

bedenkzeit ausbitten. Pierot 2, 100; nach drei tagen, die er mir zur bedenkzeit gebe. Wieland 12, 118.
 
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bedepflichtig, was bedhaft.
 
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bederben, perdere, consumere, verderben: damit ir die bröcklein aufhebet und den durchlasz nicht alle wochen zwir oder dreimal bederbet. Mathesius 24a; das feber bederbete mich nicht so (nahm mich nicht so mit). Mich. Neander bedenken 9; Stieler 321 hat bederben usu conterere. vgl. DWB bederben, verbrauchen, verwenden, in Köpkes gloss. zum pass s. 697b.
 
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bedeuchten, videri, eine aus dem organischen bedauchte, praet. von bedünken, neu gebildete, fehlerhafte praesensform, deren praet. dann bedeuchtete heiszt, folglich das kennzeichen T doppelt setzt: es bedeuchtet mich, mihi videtur, für bedünkt mich; es hat mich bedeuchtet, visum est mihi;

ob eine red uns schön und künstlich gleich bedeucht,
so ist sie doch ein wind, der hin zum winde zeucht.
Logau 1, 2, 76;

ich habe die ehre gehabt, den fürstlichen hof zu Wolfenbüttel zu sehen, und hat mich bedeucht, dasz ich kommen sei an den hof des löblichen kaisers Theodosii. Schuppius 464. auch Lohenst. Arm. 1, 195.
 
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bedeut, significatus, für bedeutet, auf mhd. weise, zumal wenn flexion hinzutritt: wer nun dise figur und bedeutung für das bedeut ding nimpt u. haben wil. Frank weltb. 124a;

sonder wie die lilg hat kein dorn,
die bei der kronen ist bedeut.
Ayrer 129a;

als ich mehr bedeutes instrument gebrauchte. Simpl. 1, 249;

[Bd. 1, Sp. 1225]


den rubin, der auch des bedeuten juden gewesen. 1, 401; umb bedeute zeit. Schuppius 557. auf ein mhd. adj. bediute, nach analogie von gediute (Ben. 1, 327b), läszt sich nicht zurückgehen. man sehe unter den belegen des folgenden worts bedeut = bedeutet.
 
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bedeuten , significare, mhd. bediuten (Ben. 1, 328a), nnl. bediuden, schw. betyda, dän. betyde, ein wort der häufigsten anwendung, von dessen ursprung unter dem einfachen deuten zu handeln ist.
1) etwas bedeuten, bezeichnen, ausdrücken in unsrer sprache, von fremden oder auch dunkeln, mehrdeutigen wörtern: diser Jacob bedütet uns ein frummen glatten menschen. Keisersb. sünden des munds 16a; in latin transiliens, aber in teutschem so bedeut er Jhesum Christum. 86b; Ezechiel bedeut einen menschen, der noch nit doben (droben) ist. 86b; wa da stot ve (vae!) in der geschrift, bedütet ewige verdamnis. 34a; ich antwort kürzlich, das das wörtlin rat bedeut nit einerlei, ... wan das wörtlin kressen bedeut fisch (cyprinus gobio) und bedeut auch kraut, das man iszt zu dem salat (lepidium), also ist es auch mit dem wörtlin rat. 57b; rat bedeut erschen und einer sach nach gedenken, ob es gt sei, aber zu dem andern so bedeutet das wort rat das das ietz funden ist durch den ersten rat, da man lang erscht und funden hat, zu dem driten bedeut das wörtlin rat 'ich rat dir, das du das thüst', nun wiltu gern, so nim das vierd auch, so bedeut das wörtlin rat die menschen alle samen, die z einem rat gehoren. 58a; die retterschen gibt man etwan uf mit züchtigen worten und bedeuten schampers, etwan gibt man sie uf mit schamperen worten und bedeuten nichts unzüchtiges. 61b; aber scandalum ist auch schand und bedeut ein strauchstein, den einer einem darlegt, das er daruber fall. 62a; das ist aber die schrift alda verzeichent mene mene tekel upharsin, und sie bedeutet dis. Dan. 5, 25; das griechische wort hieroglyphe bedeutet eingehauene heilige schrift. Diesem bedeuten entspricht nun das einfache deuten, ausdeuten, auslegen, interpretari: ich will dir das fremde, dunkle wort deuten, sagen was es bedeute. ungewöhnlicher, doch auch statthaft ist: ich will dir das fremde wort bedeuten, dolmetschen;

wolt ihr die weissagung verstan,
so müst ir sie also bedeuten.
Ayrer 243b.


2) bedeuten, von sachen, ohne bezug auf worte: der herr hat nit wellen lassen seinen geliszmeten (gestrickten) rock (tunicam inconsutilem) zerteilen, der da bedeutet die christenheit. Keisersb. sünden des munds 48b; wo der reif des vilgeschwetz ist auszgesteckt, das bedeut, das man da narrheit und thorheit schenkt. 75b; das aber dem Pharao zum andernmal getreumet hat, bedeut, das solchs gott gewislich und eilend thun wird. 1 Mos. 41, 32; redet ir doch davon wie der gemeine pöbel, und merkt nicht was jener wesen bedeutet. Hiob 21, 29; und ich befalh, das alle weisen zu Babel für mich her aufbracht würden, das sie mir sagten, was der traum bedeutet. Dan. 4, 3; die warheit, die dadurch bedeutet ist. Luther 3, 13b; das innerliche, das darin bedeutet ist. 3, 14; mit sollichen verborgen worten zu bedeutten, das die nit iederman kundt verston. Reuchlin augensp. 10b; wird die radix cubica in disem algorithmo bedeut durch sollichen character. Mich. Stifels coss. 97;

durch dise gleichnus wirt bedeut
geringe zal recht gter leut.
Schwarzenberg 129, 1;

dadurch figürlich wirt bedeut
wie geistlich streiten frumme leut. 153b;

meine seele, die bedeutet wirt bei dem vierten finger, und mein leib, der bedeutet wirt bei dem fünften finger (des schwörenden). Reutter kriegsordn. 22; auch wirft man gleich darauf oblaten herab, das himelbrot zu bedeuten. Fischart bienenk. 150b;

und solch unser freud zu bedeuten,
so lassen wir all glocken leuten.
Ayrer 291a;

die herschaft war durch ein diadema bedeutet in einem alten gemälde. Winkelmann 2, 541; durch den einflusz des himmels bedeuten wir die wirkung der verschiedenen lage der länder in die bildung der einwohner. 3, 46; und am ende hat niemand die wahre form der toga gezeiget, welche allerdings schwer zu bedeuten ist. 5, 72;

versteh noch weniger, was sie damit
bedeuten: Semele vermag bei Zeus so viel.
Schiller 14;

[Bd. 1, Sp. 1226]



sehn wir doch das grosze aller zeiten
auf den bretern, die die welt bedeuten,
sinnvoll still an uns vorüber gehn. 52a;

freude dieser stadt bedeute,
friede sei ihr erst geläute. 80;

das wird bedeutet durch den runden hut. 353;

es ist eine allgemeine quelle unsers unglücks, dasz wir glauben, die dinge wären das wirklich, was sie doch nur bedeuten. Lichtenberg 2, 154. Häufig vorbedeuten, voraus sagen: donnerts in diesem monat, so bedeuts viel regen und wind; so diese fisch auszer dem wasser fliegen, so sollen sie ungewitter bedeuten. Forer fischb. 17a.
3) was, etwas, viel, wenig, nichts bedeuten = auf sich haben (sp. 616), zu sagen haben: was hat das zu bedeuten? was heiszt das? was soll diese rede bedeuten? quid sibi vult haec oratio? was bedeutet das rennen in den straszen? was ist damit gemeint?; so ist sein mund die porten des himels, die sol nit ufgon, es bedeut dan etwas redlichs oder etwas hochs. Keisersb. sünden des munds 50b;

die hasen hatten ja vorzeiten
weit mehr, als itzo, zu bedeuten.
Hagedorn 2, 34;

o dies hat nichts zu bedeuten (nihil valet).
Wieland 1, 185;

das hat nichts zu bedeuten (nullius est momenti). 1, 223;

das biszchen gärtnerei, womit ich mich zuweilen abgebe, hat nichts zu bedeuten. 8, 271; ob ein paar jahre früher oder später, hat wenig zu bedeuten. 8, 280;

es bildet
nur das leben den mann und wenig bedeuten die worte.
Göthe 1, 337;

das kann nun weiter nichts bedeuten,
gnug, so nehm ich euch nicht zu leuten. 13, 110;

und bringen wir die brücke nicht zusammen,
so will der ganze park nichts bedeuten. 14, 39;

wenn sie sprach, war sie angenehm und natürlich, hingegen wenn sie schwieg, schien sie etwas bedeuten zu wollen. 27, 14; dieser staatsmann, unter allen andern, hat das meiste zu bedeuten. vgl. bedeutend.
4) einen bedeuten, anweisen, zurechtweisen, belehren, warnen: sie schickte sogleich ihre vertraute an Aruja ab, um ihr den anschlag, der gegen sie im werke sei, zu entdecken und sie zu bedeuten, dasz sie noch in dieser nacht aus Dehly entfliehen müsse. Wieland 8, 451; sie machten einen spaziergang durch äcker, wiesen und einige baumgärten. Therese bedeutete den verwalter in allem, sie konnte ihm von jeder kleinigkeit rechenschaft geben. Göthe 20, 42; auf diese erklärung entwarf der abbé sogleich seinen plan. so bedeutete er auch den markese. 20, 285; als dieser bedeutete, sie möchten nun zu fusze sich dem thore nähern. 21, 174; fragte, was es gebe? sie bedeutete ihn, ich stand auf. 25, 355; die sogenannte entenmuschel erinnert uns gleich an eine bivalve. allein schnell werden wir bedeutet, hier sei von einer mehrheit die rede. 55, 327; wenn sie doch gelegentlich Herdern bedeuten wollten, dasz er noch keine horenstücke haben kann. Schiller an Göthe 220; seine wächter bedeuteten ihn, er sollte sich auf die nahen qualen rüsten. Klinger 4, 274;

herzlieber gmahl, lasz dich bedeuten.
Ayrer 369a;

so laszt euch bedeuten, herr richter. Göthe 14, 300; er läszt sich nicht bedeuten, versteht die weisung nicht.
5) einem etwas bedeuten, andeuten, anzeigen, verkünden:

neue mer ich euch bedeut. fastn. sp. 595, 4;

also bedeut ich dir dieses, beliebts, unruhige, dir noch
heute des Kronos reich, da unten waltend zu theilen.
Göthe 20, 354;

Paulet überliefert der amme ein schmuckkästchen nebst einem papier und bedeutet ihr durch zeichen, dasz es ein verzeichnis der gebrachten dinge enthalte. Schiller 439b; zugleich liesz sie der bürgerschaft bedeuten, dasz dem ersten, der es wagen würde, einer öffentlichen predigt beizuwohnen, der galgen gewis sei. 835a; und nun eröfnete sie mir den ganzen vorgang, bedeutete mir was sie um meinetwillen fürchtete. Klinger 4, 28; der bote bedeutete ihm, ohne geräusch und begleitung nachzufolgen. 5, 188; Leviathan winkte einem kammerherrn, einen sessel herbeizubringen und bedeutete ihm zugleich, ihn zur seite zu stellen. 10, 268; herr secretär, bedeuten sie doch einmal den leuten. Tieck 3, 4.

 

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