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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bedenken bis bedeuchten (Bd. 1, Sp. 1223 bis 1224)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bedenken, n. deliberatio, dubitatio, nahe dem bedacht und bedenk: darauf s. kurf. gn. inen hat lassen anzeigung geben, sie wolten ein bedenken in der sachen nemen. Luther 1, 317b; denn Paulus straft die Corinther nicht umb des unwirdigen bedenkens willen am leiden Christi. 3, 503; dieses büchlin habe ich gerne gesehen und habe es aus einem bedenken wider in druck geben. 5, 258b; darum zimet es sich seuberlich in der sachen zu faren und in bedenken zu nemen. br. 4, 477; es hat bapst Pius dis wort aus groszem bedenken geredt. Melanchth. augsb. conf. im corp. d. chr. 21; die groszen Hansen, welche das allerheiligste evangelium wöllen in ein bedenken nemen, disputieren und vermeinen, ob es auch gewis war sei. Casp. Güettel von evangelischer warheit. Zwickau 1523. 4. Ab; in ein bedenken nemen und in einen zweifel setzen. A 2b; ist er gnadigen bedenkens (hat er sich gn. bedacht) euch alsdann bei allen alten gerechtigkeiten zu lassen. Kirchhof mil. disc. 87; aber die h. kirch hat noch ein ander bedenken hierin gehabt. Fischart bienenk. 147a; aber

[Bd. 1, Sp. 1224]


nicht umb der zehenden willen, sondern aus eim andern bedenken. 148a; graf Rudolf von Habspurg bedenken in Italien zu ziehen. 216b;

ich solte zwar die zeit so nichtig zu vertreiben,
die feder solt ich auch vergeblich abzuschreiben
noch in bedenken stehn.
Logau 3 zug. s. 214;

Vagus liebet weiber, witwen, jungfern, mägde, was ihm kömt,
christenlieb ist so geartet, dasz sie kein bedenken nimt. 3, 221;

es ist unser treuer rat, väterliches bedenken und verordnung, dasz sich unsere söhn in alle wege für krieg wollen hüten. Schuppius 391 aus Philipp des groszm. von Hessen testament. bedenkens (wie aufhebens, aufsehens u. s. w.) haben. Simpl. 2, 369; bedenkens tragen. 2, 379. 437. das kann man ohne bedenken thun; ich habe kein bedenken dabei; ich würde mir bedenken machen, bedenken tragen. oft auch im pl., rechtliche bedenken; es sind manche bedenken dabei; er hat immer neue bedenken.
 
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bedenkfrist, f. aber sie gaben beiden theilen noch eine bedenkfrist von einem monat. Lohenst. Arm. 2, 366.
 
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bedenklich, dubius, suspectus, suspiciosus: aus bedenklichen ursachen. Schweinichen 2, 213;

war eine schönheit zart und schwach,
auch wunderreich und hochbedenklich,
doch auch, wie alles fleisch, zergänglich.
Weckherlin ps. vorrede;

doch, dein auge blickt bedenklich.
Bürger 74a;

dieses gedicht zu bedenklicher zeit und stunde aufgeregt. Göthe 4, 186; selbst diejenigen handwerker, welche zu bedenklicher zeit an der ordnung gehalten, waren (in Frankfurt) rathsfähig. 48, 78; bedenklichstes. 49, 15; er führte sich so vornehm auf, seine reden waren oft so geblümt und bedenklich. Tieck 3, 71.
 
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bedenklichkeit, f. dubitatio, scrupulus: du hast immer bedenklichkeiten; deine bedenklichkeit soll gleich schwinden.
 
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bedenklichkeitskrämer, m.: in ihrem theatralischen bauwesen werden sie sich durch die bedenklichkeitskrämer nicht irre machen lassen. Schiller an Göthe 479.
 
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bedenkung, f. consideratio, erwägung: in bedenkung, das falsche zeitungen in das land zu bringen soll verhüt werden. Fischart groszm. 13; in bedenkung, das den achzigsten tag nach der empfängnus dem embrion, so es ein weiblin ist, die seel eingegossen wird. 74 (vgl. Philipps Maria 329—335); in bedenkung dessen. bienenk. 111a; in bedenkung (erwägung). Garg. 231b; das gesicht ist in deinem haupte, die bedenkung (denkkraft) im herzen. pers. baumg. 7, 3.
 
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bedenkwürdig, attentione dignus: dieser so grosze hauf bedenkwürdiger und wichtiger ursachen. Kirchhof mil. disc. 264.
 
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bedenkzeit, f. spatium deliberandi: bedenkzeit nemen. Kirchhof mil. disc. 213;

merkt, ihr zeugen, dasz der erbe
um bedenkzeit gar nicht werbe,
wil das erbe treten an,
wann er soll und wann er kann.
Logau 1, 8, 20;

bedenkzeit ausbitten. Pierot 2, 100; nach drei tagen, die er mir zur bedenkzeit gebe. Wieland 12, 118.
 
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bedepflichtig, was bedhaft.
 
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bederben, perdere, consumere, verderben: damit ir die bröcklein aufhebet und den durchlasz nicht alle wochen zwir oder dreimal bederbet. Mathesius 24a; das feber bederbete mich nicht so (nahm mich nicht so mit). Mich. Neander bedenken 9; Stieler 321 hat bederben usu conterere. vgl. DWB bederben, verbrauchen, verwenden, in Köpkes gloss. zum pass s. 697b.
 
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bedeuchten, videri, eine aus dem organischen bedauchte, praet. von bedünken, neu gebildete, fehlerhafte praesensform, deren praet. dann bedeuchtete heiszt, folglich das kennzeichen T doppelt setzt: es bedeuchtet mich, mihi videtur, für bedünkt mich; es hat mich bedeuchtet, visum est mihi;

ob eine red uns schön und künstlich gleich bedeucht,
so ist sie doch ein wind, der hin zum winde zeucht.
Logau 1, 2, 76;

ich habe die ehre gehabt, den fürstlichen hof zu Wolfenbüttel zu sehen, und hat mich bedeucht, dasz ich kommen sei an den hof des löblichen kaisers Theodosii. Schuppius 464. auch Lohenst. Arm. 1, 195.

 

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