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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bede bis bedenken (Bd. 1, Sp. 1221 bis 1222)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bede, s. DWB beede, DWB beide.
 
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bedecken , tegere, contegere, obtegere, ahd. pidecchan, mhd. bedecken, nnl. bedekken. gleich dem ahd. mhd. praet. pidacta, bedacte hegen auch noch einzelne der früheren nhd. schriftsteller den rückumlaut: bedackten damit ire scham. Keisersb. sünden des munds 12b; es begab sich, daʒ der brder an das totbeth kam, der heller erschin im und ward vor seinen augen so grosz, das er den himel bedackt. 65b;

in dem das pferd so stund, das er gelassen hatte,
und solches wol bedackt des mirtenbaumes schatte.
Werders Ariost 6, 46.

Luther aber schreibt bedeckte und im part. bedeckt.
1) sinnliches zudecken, überdecken, einhüllen: der himmel bedeckt die erde, wolken bedecken den himmel; schnee bedeckt die erde, dichter wald das gebirge, gras den boden, erde den leichnam; bäume bedecken das land, blumen den rasen; der mantel bedeckt die schulter, der hut das haupt, der schuh den fusz, das tuch den tisch, der teppich das zimmer, das dach das haus, die ziegel das dach, der deckel den krug: in der alten ee musten die juden alle krüg bedecken. Keisersb. sünden des munds 75b; sihe, so wil ich morgen heuschrecken komen lassen an allen örten, das si das land bedecken. 2 Mos. 10, 5; da lieszestu deinen wind blasen und das meer bedecket sie. 15, 10; das der nebel vom reuchwerg den gnadenstul bedecke. 3 Mos. 16, 13; mein gebein hanget an meiner haut und fleisch und kan meine zene mit der haut nicht bedecken. Hiob 19, 20; das gepüsch bedeckt in mit seinem schatten und die bachweiden bedecken in. 40, 17; denn sihe finsternis bedeckt das erdreich und tunkel die völker. Es. 60, 2; eins jeglichen leib bedeckten zween flügel. Ez. 1, 23; schilf bedeckte mein heubt. Jon. 2, 6; also das auch das schiflein mit wellen bedeckt ward. Matth. 8, 24, goth. svasvê þata skip gahuliþ vairþan fram vêgim, ahd. sô thaʒ thaʒ skef ward bithekit mit thên undon. hüllen und decken verhalten sich wie celare und tegere. bedeckte gänge, wege sind schattengänge, wo laub und äste die sonnenstrahlen nicht durchdringen lassen, engl. covered ways; der himmel ist bedeckt, es wird euern augen nichts schaden. Göthe 14, 86.
2) bedecken, von gröszern vierfüszigen thieren wie rossen, hirschen u. s. w., salire (vgl. DWB belegen, DWB beschlagen, bespringen), franz. couvrir, engl. cover: die hindin, stute ist bedeckt.

[Bd. 1, Sp. 1222]



3) weidmännisch, die hunde bedecken die sau, packen sie.
4) bildlich, wir waren zu schanden worden, da wir die schmach hören musten und die schande unser angesicht bedeckt. Jer. 51, 51; selig sind die, welchen ire sünde bedeckt sind. Rom. 4, 7; wird bedecken die menge der sünden. Jac. 5, 20; sie (die geistlichen) können mit ihren langen mänteln viel dings bedecken. Schuppius 37; unter welcher seiner larve viel laster bedecket werden. 775; Rom, Frankreich und Parma bedecken mich. Schiller 161; jetzt kam alles darauf an, durch eine feste, zuversichtliche sprache die unmacht des reichs zu bedecken. 970; Beata bedeckte einen seufzer mit ihrer steigenden brust. J. Paul uns. loge 3, 27; in der osterwoche trägt sie ihr herz voll bedeckter sorgen nach Maienthal. Hesp. 3, 24; da er an alle ihre bedeckten tugenden auf einmal dachte. 3, 83.
5) sich bedecken:

den (nur) einer kund sich nit bedecken (verbergen). fastn. sp. 548, 18;

bedecken sie sich, setzen sie auf, couvrez vous!; der wald bedeckt sich mit laub, der himmel mit wolken; sich mit ruhm, ehre, schmach, schande bedecken:

schwarz bedecket sich die erde.
Schiller 79b;

das ungeheuer an bosheit
hat sich selbst mit schande bedeckt.
Voss Od. 11, 433.


 
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bedeckgeld, n. zu entrichten an den eigner des hengstes, der eine stute bespringt. Hannöv. gesetzsamml. 1844. s. 93
 
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bedeckung, f. operimentum, velamentum, nach allen bedeutungen des bedeckens: bedeckung seines hauptes. Wickram rollw. 93b; und so er ein schwarzes kleid von gutem derbem landtuche und einen priesterrock hatte, glaubte er, er sei nun seiner bedeckung mehr nichts benöthigt. Leipz. aventur. 18; man mage aber wol curam palliativam bruchen, das ist als vil gesprochen als ein bedeckung. Gersdorf feldb. 91; zu bedeckung der brücke wurden an beiden enden starke basteien aufgeführt. Schiller 866; die reisenden durchzogen den wald in bedeckung von sechs soldaten; die gefangnen kamen unter starker bedeckung an; der oberst gab uns zehn mann bedeckung mit.
 
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bedeichen, aggere circumdare.
 
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bedeinen.

Veitel. isch Lotte mein, isch alles mein.
Walter. dein? ja ich will dich bedeinen.
Fr. Müller 1, 269.

s. DWB be I.
 
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bedemerung, f. crepusculum, dämmerung, nach der alten, guten schreibweise findet sich noch in handschriftlichen glossaren.
 
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bedemmern, vesperascere. Stieler 290. s. DWB bedämmern.
 
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bedemund, niederdeutsch, s. DWB bettmund.
 
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bedenk, m. was bedacht, consilium: darauf haben die hubscheffen nach wolbedachtem bedenk uf ire gethan eide ... gewisen und geoffent. weisth. 3, 741; denn wie künd man sich für den falschen propheten hie hüten, wenn man ir lere nicht solt in bedenk nemen, richten und urteilen? Luther 2, 254b; und mügen doch nicht leiden, das man ein wenig an irer himelischen stim und gottes werk zweivel oder bedenk neme. 2, 457a. br. 2, 540. s. DWB bedank.
 
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bedenken , considerare, cogitare, ahd. pidenchan, mhd. bedenken, praet. bedachte, nnl. bedenken.
1) etwas bedenken, erwägen, überlegen, etwas wol, übel, ernstlich bedenken: wie denn einem menschen ein schwur entfaren mag, ehe ers bedecht. 3 Mos. 5, 4; bedenkt, was der herr dein gott thet mit Mirjam. 5 Mos. 24, 9; lere uns bedenken, das wir sterben müssen. ps. 90, 12; was du thust, so bedenke das ende. Sir. 7, 39; so würdest du auch bedenken, was zu deinem fride dienet. Luc. 19, 42; ir wisset nichts, bedenket auch nichts. Joh. 11, 50; was deine hand und rath zuvor bedacht hat, das geschehen solt. apost. gesch. 4, 28; sollicher verstand, meinung und will soll in allen nachgeenden mins ratschlags reden und allen minen schriften bedacht, uszgenommen und hindangesetzt sein. Reuchlin verst. 3a;

der get hinan, als sei er blind,
bedenkt trauriges endes nit.
H. Sachs III. 3, 5a;

derhalben habens die h. vätter sehr weislich bedacht. Fischart bienenk. 41b; man wolt im gleich zur stund ein solch loch und käfig weisen, darin er anders het dichten und singen lehrnen und des bapsts macht bedenken. 42b; bedenket, ob nit die bewegung der wägen oder läst können durch bewegliche segeltücher fortgebracht werden. Schuppius 706;

[Bd. 1, Sp. 1223]


was von menschen nicht gewust
oder nicht bedacht,
durch das labyrinth der brust
wandelt in der nacht.
Göthe 1, 112.

freut sich, dasz er das geld nicht wie der Römer bedenkt. 1, 261.


2) einen bedenken, consulere, prospicere alicui, was übergeht in begaben, beschenken:

wir wollen alle mild
für angewendten fleisz mit ehr und gut bedenken.
Gryphius 1, 410;

der uns bedacht mit gesunden gliedern.
Paul Gerhard no 82;

wiltu der welt güter wol genieszen, so bedenke auch andere damit. pers. rosenth. 8, 2; ich wil dich viel mit einem besseren (dienst) bedenken. Schuppius 412; die nächsten freunde im testament ordentlich zu bedenken. Weise erzn. 2; ein mädchen von vierzehn, das gott mit fünf bis sechs sinnen bedacht. Wieland 4, 54;

hier sind, so scheint es, wandrer wol bedacht,
denn jeder fände pfad um mitternacht.
Göthe 3, 140;

der alte wollte die gaben, womit er auch sie bedacht, vorweisen. 18, 4; die justiz bedenkt zuvörderst sich. 7, 63;

ist wol der ein würdiger mann, der im glück und im unglück
sich nur allein bedenkt. 40, 249;

ich habe in den nächsten zehn bis zwölf tagen manches in allerlei geschäften nachzuholen, alsdann hoffe ich die horen und den almanach am besten zu bedenken. an Schiller 173;

sie singen:
der gute geist hat uns bedacht.
Voss 5, 198;

der in seinem letzten willen ihn väterlich bedacht hatte. Stolberg 10, 135.
3) man sagte ehmals auch einem etwas bedenken für das heutige zudenken, bestimmen:

dem, der da kompt ohn groszen pracht,
des kaisers tochter ward bedacht.
Alberus 142.


4) sich bedenken, sich besinnen, oft ohne casus, aber auch mit dem gen. oder praepositionen: mir starb ouch min vatter so zittlich, das ich mich nit mag bedenken, das ich in ie gesächen hab. Tho. Plater 5; do mag ich mich worlich bedenken, das ich bi einer (base) was, die hiesz Margret. daselbst; sprichst du, eh ich mich bedenk, so bin ich heraus. ursach ist der schlüssel zu dem mund, der ist dir zu nahe. Keisersb. sünden des munds 52a; nu bedenkt euch uber dem, und gebt rat und sagt an. richt. 19, 30; so sorget nicht was ir reden solt und bedenket euch nicht zuvor. Marc. 13, 11;

und als ein red die ander bracht,
zu fragen ich mich des bedacht.
Schwarzenberg 150, 2;

ich habe mich zweier wege bedacht, diesen wunsch desto eher zu erreichen. Lessing 9, 4; so bedachte er sich zugleich eines grundes von dieser undeutlichkeit. 8, 324;

und zuletzt musz ich mir sagen,
wenn ich mich bedenk und fasse.
Göthe 1, 64;

still bedenk ich mich und frage,
wer mag der abgeschiedne sein? 9, 123;

wir wollen des uns bedenken. Stolberg 12, 51. dies sich bedenken oder besinnen kann natürlich auch einen zweifel und anstand oder geänderten entschlusz ausdrücken: ich bedenke mich das zu thun, stehe noch an, zaudere; ich habe mich jetzt bedacht, bin jetzt anders entschlossen; ihr bedenkt euch? ihr nehmt anstand? man sagt gleichwol ausdrücklich: ich habe mich eines andern, eines bessern bedacht.

 

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