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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bedauchte bis bedecken (Bd. 1, Sp. 1220 bis 1221)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bedauchte, praet. von bedünken.
 
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bedauerlich, miserandus: hielten den armen bauersmann zur bedauerlichen sclaverei. Gryphius 1, 344; der vorfall ist bedauerlich.
 
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bedauern, früher bedauren, dolere, misereri. in diesem wort, wie in dem einfachen dauern, wenn es ähnlichen sinn hat, wird ganz falsch D für T geschrieben, und dadurch nicht nur vermischung mit dauern durare herbeigeführt, sondern auch der zusammenhang mit theuer d. i. teuer verdunkelt (Stieler 283 will umgekehrt dauren dolere von tauren durare unterschieden haben). die mhd. form lautet betûren = tiure wesen, viel kosten, mich betûret, mich kostet. Parz. 230, 7; sine hete niht betûret, es war ihnen nicht zu schwer geworden. 351, 25; daʒ tûret mich alleʒ kleine, das dauert mich wenig. Flore 4096; in lützel tûret. 4439; in verdûrte nie dehein kleit, ihn dauerte kein kleid. Herb. 3081; er lieʒ sich es nieuht fertûren, er liesz es sich nicht dauern. Diemer 208, 10; lieʒe si der zahere niht betûren. fundgr. 2, 23, 33. aber dô tiuret in daʒ eʒʒen, da ward ihnen die speise theuer, selten. Lanz. 144; Walweinen niht betiurte, dauerte, verdrosz es nicht. 2400. in Albrechts Tit. wird geschrieben betouren: die niht betouret, nicht dauert. 4472, und merkwürdig

wers im gewesen teure, es het in lîht betouret,
der edel kunic geheure schuof daʒ dirre garte wart umbmouret,

d. h. hätte ihm dran gelegen, es hätte ihn gedauert. 4817. dieser unterschied zwischen tûren und tiuren d. i. tauern und teuern ist für den ursprung des wortes tiure nicht zu übersehen.
Die schreibung D zeigte also nur Herbort einmal, der ins nd. neigt, wie sich auch nnl. duren durare, duur perpetuitas und duur = dier carus schädlich mengen; dem hd. aber wäre dauern durare, betauern dolere und teuer carus angemessen. das richtige tauern schrieben noch Weckherlin, Fleming, Lessing (nur dasz er 12, 348 es falsch aus trauern leitet) und andere. Bedeutung und gebrauch.
1) früher sagte man unpersönlich mich bedauert eines dings, ich lasse mich etwas bedauern, mir etwas leid sein:

so in sein schenk so vast bedeurt.
Brant narrensch.;

stelst oft eim nach, bedaurt dich nicht
der hund und vogel, die rosz abricht. tragödie von Heli. Nürnberg 1541. B;

darumb sol sich kein herr bedauern lassen, was im auf die schanzbauwern geht. Fronsperg kriegsb. 1, 85b; er laszt sich nichts bedauern. Hedion com. vorrede; musz derowegen einer sich nicht bedauren lassen, den erfahrnen wundarzten nachzuziehen. Würtz pract. 4;

laszt euch mein elends gschrei bedaurn.
Ayrer fastn. sp. 9a;

[Bd. 1, Sp. 1221]


Charon, der die reichtumb achtet
als einer spinadlen spitz,
lasset sich die arme bawren
wie die herren selbs betawren.
Weckherlin 413.


2) transitiv bedauern, dolere:

als dein volk ganz trawrig dich betawret. 185;

und (l. uns) selbte zu betauren
gebührt uns ewig zwar.
Fleming 2;

o ich betaure ihn, mein lieber vogt. Lessing 1, 324; ich betauere um so viel mehr. 1, 565; betauern sie mich. 2, 125; der dichter betauret in dieser ode den verlust oder die entfernung einer geliebten. 3, 25; sie bedauret (hier wird der setzer die sehreibung geändert haben). 4, 229. 3, 310. zumal höflichkeitswort: ich bedaure unendlich, bedaure damit nicht dienen zu können u. s. w.
 
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bedauern, n. miseratio: jedermann hatte bedauern mit ihm. Schiller 1100; ich erfuhr es mit bedauern.
 
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bedauernis, f. desiderium, franz. regret: unter abwechselnden ausrufungen des hohns, der schadenfreude und einer noch weit kränkendern bedauernis. Schiller 715; die bedauernis, welche sich in unsere empfindung mischt. 1191; entschuldigungen, anklage, bedauernisse. Göthe 32, 35; den geist der rache milderte mitleid und bedauernis. Musaeus 4, 42.
 
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bedauernswerth.
 
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bedauersam, was bedauerlich.
 
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bedauerung, f. ich brauchte bedaurung. Schiller 707; hofrath Jagemann stirbt zur bedaurung von Weimar. Göthe 32, 184.
 
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bede, f. petitio, rogatio, precaria, eine niederdeutsche, auch von lat. schriftstellern gebrauchte form, statt der ahd. peta (Graff 3, 57), mhd. bete (Ben. 1, 171). doch stehet Fierabr. a 5: geweret mich einer bed, und Alberus setzt an: vectigal, bed. H. Sachs I, 155 hat sogar ein m.

durch der burgerschaft groszen bät (: rät).

in der gerichtssprache herscht bede vor (Haltaus 156. 157, der doch selbst bete aufstellt), Adelung schreibt tadelhaft bethe. man unterscheidet alte und neue bede, landbede, herbstbede, haferbede, kuhbede u. s. w. s. DWB bedhaftig, bedpflichtig.
 
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bede, s. DWB beede, DWB beide.
 
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bedecken , tegere, contegere, obtegere, ahd. pidecchan, mhd. bedecken, nnl. bedekken. gleich dem ahd. mhd. praet. pidacta, bedacte hegen auch noch einzelne der früheren nhd. schriftsteller den rückumlaut: bedackten damit ire scham. Keisersb. sünden des munds 12b; es begab sich, daʒ der brder an das totbeth kam, der heller erschin im und ward vor seinen augen so grosz, das er den himel bedackt. 65b;

in dem das pferd so stund, das er gelassen hatte,
und solches wol bedackt des mirtenbaumes schatte.
Werders Ariost 6, 46.

Luther aber schreibt bedeckte und im part. bedeckt.
1) sinnliches zudecken, überdecken, einhüllen: der himmel bedeckt die erde, wolken bedecken den himmel; schnee bedeckt die erde, dichter wald das gebirge, gras den boden, erde den leichnam; bäume bedecken das land, blumen den rasen; der mantel bedeckt die schulter, der hut das haupt, der schuh den fusz, das tuch den tisch, der teppich das zimmer, das dach das haus, die ziegel das dach, der deckel den krug: in der alten ee musten die juden alle krüg bedecken. Keisersb. sünden des munds 75b; sihe, so wil ich morgen heuschrecken komen lassen an allen örten, das si das land bedecken. 2 Mos. 10, 5; da lieszestu deinen wind blasen und das meer bedecket sie. 15, 10; das der nebel vom reuchwerg den gnadenstul bedecke. 3 Mos. 16, 13; mein gebein hanget an meiner haut und fleisch und kan meine zene mit der haut nicht bedecken. Hiob 19, 20; das gepüsch bedeckt in mit seinem schatten und die bachweiden bedecken in. 40, 17; denn sihe finsternis bedeckt das erdreich und tunkel die völker. Es. 60, 2; eins jeglichen leib bedeckten zween flügel. Ez. 1, 23; schilf bedeckte mein heubt. Jon. 2, 6; also das auch das schiflein mit wellen bedeckt ward. Matth. 8, 24, goth. svasvê þata skip gahuliþ vairþan fram vêgim, ahd. sô thaʒ thaʒ skef ward bithekit mit thên undon. hüllen und decken verhalten sich wie celare und tegere. bedeckte gänge, wege sind schattengänge, wo laub und äste die sonnenstrahlen nicht durchdringen lassen, engl. covered ways; der himmel ist bedeckt, es wird euern augen nichts schaden. Göthe 14, 86.
2) bedecken, von gröszern vierfüszigen thieren wie rossen, hirschen u. s. w., salire (vgl. DWB belegen, DWB beschlagen, bespringen), franz. couvrir, engl. cover: die hindin, stute ist bedeckt.

[Bd. 1, Sp. 1222]



3) weidmännisch, die hunde bedecken die sau, packen sie.
4) bildlich, wir waren zu schanden worden, da wir die schmach hören musten und die schande unser angesicht bedeckt. Jer. 51, 51; selig sind die, welchen ire sünde bedeckt sind. Rom. 4, 7; wird bedecken die menge der sünden. Jac. 5, 20; sie (die geistlichen) können mit ihren langen mänteln viel dings bedecken. Schuppius 37; unter welcher seiner larve viel laster bedecket werden. 775; Rom, Frankreich und Parma bedecken mich. Schiller 161; jetzt kam alles darauf an, durch eine feste, zuversichtliche sprache die unmacht des reichs zu bedecken. 970; Beata bedeckte einen seufzer mit ihrer steigenden brust. J. Paul uns. loge 3, 27; in der osterwoche trägt sie ihr herz voll bedeckter sorgen nach Maienthal. Hesp. 3, 24; da er an alle ihre bedeckten tugenden auf einmal dachte. 3, 83.
5) sich bedecken:

den (nur) einer kund sich nit bedecken (verbergen). fastn. sp. 548, 18;

bedecken sie sich, setzen sie auf, couvrez vous!; der wald bedeckt sich mit laub, der himmel mit wolken; sich mit ruhm, ehre, schmach, schande bedecken:

schwarz bedecket sich die erde.
Schiller 79b;

das ungeheuer an bosheit
hat sich selbst mit schande bedeckt.
Voss Od. 11, 433.

 

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