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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bechner bis becken (Bd. 1, Sp. 1214 bis 1216)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bechner, m. frangula, rhamnus frangula, noch viele andere namen führend, z. b. faulbaum, sporkel, mausbaum: es ist ein strauch, davon die bienen viel nützung haben, bechner, lateinisch frangula oder schiszbeerenholz. N. Jacob unterricht von den bienen 1568.
 
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bechten oder bechteln hiesz im Elsasz und in der nördlichen Schweiz, also unter Alemannen, am schlusz oder zu beginn des jahrs einen fröhlichen umzug durch das land, und festgelage halten, die noch auf das heidenthum zurückgehen. da nun der feiertag selbst den namen Bechtelistag und auch Berchtelistag, Berchtlistag führt, so ist dabei natürlich an die göttliche frau Berchta zu denken, die andern deutschen frau Holda, und ein wolthätiges leuchtendes, gnädiges wesen bezeichnet, das um diese zeit unter den menschen zu erscheinen pflegte. dazu stimmt das bairische perchtenlaufen, perchtenspringel zur ehre einer mehr schrecklich gedachten wilden Berchta oder Berchtel. der ausstosz des R in Bechte und bechten, bechteln erfolgt wie sonst in focht für forcht, furcht, fodern für fordern, welt für werlt und vielen andern wörtern und es hat weniger für sich, Bechte gleich der romanischen Befana als eine volksmäszige personification aus epiphania herzuleiten. die sagen von frau Berchta sind deutsche mythol. s. 250—260 gesammelt.
Der milden Behte und des 'behtens after den gassen' gedenkt zuerst Conrad von Dankrotsheim in seinem 1435 abgefaszten namensbuch. Brant im narrensch. s. 195 von Bacchus und seinem lustigen gefolge redend, meint

von denen kumen ist sithar,
das man im land umb bächten far.

Keisersberg hat mehr denn eine anspielung: semliche ding

[Bd. 1, Sp. 1215]


vor weihenachten thn, daʒ ist von heiden hie, wir haben vil von heiden, etliche ding hat die cristenheit abgthon. darauf erzählt er, wie man den Janus geehrt habe: etlich mit tanzen und springen, ander mit stechen und mit danreis in die stuben legen, ander mit bechten, ander das sie einander gaben schicken lebkchen, wein &c. omeisz 47d; die ander schel (an der narrenkappe) ist putzenantlitter (larven) tragen, das sein ursprung hat von den heiden .... da must man bechten (umgehn und) wurst samlen, von Bacho kumpt das her. pred. über das narrensch. 1520 bl. 153, nach Brants auslegung. in den statuten der Straszburger schiffer (Oberlin 103) heiszt es: als dann die handwerksknecht oder knaben nach alter gewonheit in den winachtfirtagen gebechtet, und von einer stuben zu der andern, auch frummen lüten in ir hüsere geloufen sind gutzen und noisen, das sol ouch nit me sin. auch Dasypodius 17b hat bächten, 302a bechten für bacchari, wüten, hin und wider laufen und der Bächte tag bacchanalia. merkwürdig ist die erwähnung des bechtens bei einem schriftsteller aus Hessen, wo man sonst nichts von frau Bechte, nur von Holle weisz:

summa, jeder machts auf sein best
und feirt also des Bachus fest,
sie rennen, stechen, ringen, fechten,
mit aller thorheit weidlieh bechten.
B. Waldis päbstl. reich 4, 10;

und was meint Agricola spr. 238b in den worten: fahe vil an, bächt lützel? fahr nicht wild und müszig umher?
 
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bechtermünze, f. name eines buchdruckers zu Eltvil, aus dessen presse 1469 und wiederholt 1477 der unter dem titel ex quo bekannte vocabularius latino teutonicus hervorgieng. Panzer s. 57. 104. bedeutet bechtermünze bachmünze, mentha aquatica oder ackermünze, mentha arvensis?
 
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beck, m. gen. beckes, rostrum, schnabel, kein hd. wort, sondern nd., nnl. bek, franz. bec, doch mit bicken, picken, rostro tundere genau verwandt: dann disz ist, wie die Sachsen sprechen, rechter speck für iren beck. Fischart bienenk. 112b.
 
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beck, m. gen. becken, pistor, ahd. peccho d. i. pecchio von pachan pinsere (Graff 3, 24), mhd. becke (Ben. 1, 76a). die flexion tritt deutlich vor in der novelle von Cisti fornajo in Bocc. 2, 3—6, nom. beck, gen. dat. acc becken; den becken dahin bringen. Wickram rollw. 87b; liesz er den becken berufen. Laurenberg acerra 231; heffen von bier, wie die becken gebrauchen. Seuter 80;

ach mutter liebe mutter mein,
kein andrer soll mein eigen sein,
kein becken mag ich nehmen,
und hett er gleich ein tonne gold;

ich kauf mein brot beim becken. Fischart groszm. 32; diebische becken und müller. 88; gärtner, ackersleut, graber, fischer, köch, becken, bierbrauer. Schuppius 715, oberdeutsche schriftsteller, z. b. Hohberg verwenden das wort noch später, namentlich in den zusammensetzungen brotbeck, DWB semmelbeck, DWB zuckerbeck u. a. m., in der schriftsprache ist es allmälich erloschen und durch becker verdrängt worden, schon Luther schreibt nur becker. in dem häufigen eigennamen Beck, Böck, Böckh haftet aber noch die hochdeutschere form.
 
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beck, n. pelvis, gekürzt aus becken, was man sehe:

peck, pürsten, kamp, schwamm und pruch.
H. Sachs I, 440d;

auch so hat er weder sib noch die seck,
gieszvasz, angster, seichter, trachter noch kein beck.
Uhland 719;

Hohberg 1, 219a und oft. Schmeller 1, 149. Maaler 52a schreibt das becke, auch Kirchhof disc. mil. ein becke mit wasser, und schon mhd. becke. Iw. 587. 593.
 
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becke, f. pistrix, ahd. pecchâ, könnte sich vorfinden, obschon kein beleg zur hand ist. s. DWB beckin.
 
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beckelhaube, f. galea militum, bei Stieler 206. 792 böckelhaube, pickelhaube: es wird das leben kosten denselbigen die da sterben und alsdann werden sie kein beckelhaub mehr bedörfen. Fischart groszm. 141; braunschweigische glattwollige gebichte beckelhauben, darmit man die hüner auf dem garten tod wirft. Garg. 119a; ja diese federfranken können den ganzen leib mit der beckelhauben im sturm decken. 127a.
 
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beckelmannshaube, f. dasselbe:

ich hab ein gut beckelmannshauben,
und auch gut blodermanns handschuch,
hab auch an ein banzere bruch,
zum hader bin gerüstet ich.
H. Sachs IV. 3, 51b.

[Bd. 1, Sp. 1216]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) becken, pungere, tundere, bicken, picken. Schm. 1, 150;

gleichwie die englisch sackpfeif sprecken
und wie die reuszisch ruszpfeif becken.
Fischart groszm. 43;

unser beider abconterfect
in stein gehauen und gebeckt.
Ayrer 325b.


 
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becken, n. pelvis, labrum, mlat. bacinus, baccinus, bacinetum (Ducange 1, 526. 527), schon bei Gregor von Tours 9, 28: Brunichildis quoque regina jussit fabricari ex auro ac gemmis mirae magnitudinis clypeum, ipsumque cum duabus pateris ligneis, quas vulgo bacchinon vocant, eisdemque similiter ex gemmis fabricatis auro, in Hispaniam regi mittit. hier also hölzerne schalen, mit gold und edelsteinen verziert. ahd. pecchin (Graff 3, 30) und pecchi, mhd. becke und becken (Ben. 1, 97a). man versteht darunter
1) ein flaches gefäsz, um darauf wasser zu gieszen oder auch blut zu lassen, handbecken, fuszbecken, barbierbecken, bartbecken, kammerbecken, waschbecken: und nemet ein püschel isopen und tunket in das blut in dem becken. 2 Mos. 12, 22; und Moses nam die helfte des bluts und thets in ein becken. 24, 6; schalen, schüssel, becken, leffel und pfannen von lauterm golde. 1 kön. 7, 50; das sie trinken und vol werden als das becken. Zach. 9, 15; darnach gosz er wasser in ein becken, hub an den jüngern die füsze zu waschen. Joh. 13, 5 (welche stelle gothisch nicht einzusehn ist). dasz ein solches becken auch von holz sein konnte, lehrt Gregor.
2) flache metallscheiben zum aneinanderschlagen und erklingen, cymbalum: mit solchem klang, als wan man sonst den immen auf eim becken schlägt (um sie zu locken). bienenk. 240a; becken der spielleute;

die hellen becken musz ich schlagen
und ward von vielem weinen blind.
Cl. Brentano.


3) flache vertiefung der erde oder felsen, worin wasser enthalten ist, it. bacino, franz. bassin: thalbecken in einer landschaft;

wie durch holer felsen becken weint ein bach.
Schiller 8a.


4) pelvis muliebris. die zusammensetzungen mengen sich mit den alten von becke pistor.

 

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