Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
becher bis bechern (Bd. 1, Sp. 1213 bis 1214)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) becher, m. poculum, calix, nach dem lat. bacar, baccar, it. bicchiere, ahd. pechâre (Graff 3, 46), mhd. becher (Ben. 1, 96b), nnl. beker, altn. bikar, schw. bägare, dän. bäger. auch unser kelch, ahd. chelih stammt aus calix. der goth. ausdruck war stikls horn, altn. stikill, woher litt. stiklas, sl. stklo für glas. alle völker scheinen ihre trinkgefäsze, wofür ihnen genug heimische namen zustanden, gern mit fremden benannt zu haben, die sich auch durch geschenk und handel sehr leicht weit verbreiteten, vgl. DWB angster, das schon Helbling 1, 661 hat.
Und ich hatte den becher Pharao in meiner hand, und nam die beer und zudruckt sie in den becher und gab den becher Pharao in die hand. 1 Mos. 40, 11 (vgl. fundgr. 2, 58); es asz von seinem bissen und trank von seinem becher. 2 Sam. 12, 3; denn der herr hat einen becher in der hand und mit starkem wein vol eingeschenkt und schenkt aus demselben. ps. 75, 9; nim disen becher weins vol zorns aus meiner hand und schenke draus allen völkern. Jer. 25, 15; und ich satzte den kindern becher vol weins und schalen fur und sprach zu inen, trinkt wein. 35, 5; und wer diser geringsten einen nur mit einem becher kaltes wassers trenket. Matth. 10, 42; ir heuchler, die ir die becher und schüsseln auswendig haltet. 23, 25. Luc. 11, 39; wer aber euch trenket mit einem becher wassers in meinem namen. Marc. 9, 41.
Becher scheint ursprünglich ein gefäsz zum schöpfen des wassers oder weins und man kann einen becher wassers wie ein glas oder schale wassers sagen, nicht einen kelch wassers, kelch ist feierlicher als becher, becher feierlicher als glas (doch sagt man blechbecher, holzbecher). es heiszt den becher schöpfen, füllen, einschenken, zutrinken und ansetzen, leeren, austrinken, ausgieszen; den becher heben, anstoszen, bringen, stürzen, schnell in die kehle schütten, es gab ein altes lied von Störtebeker und Gödke Michel, auf das Fischart Garg. 97b anspielt:

hui Störz den becher, Gödeke Michel,
da hat der teufel ein gleichs geworfen.

Brant narrensch. 291 gedenkt des pfeifens in den becher, wie es auch heiszt den becher auspfeifen, einen pfif trinken. die becher schäumen. Garg. 82a, paterae spumantes, rorantes:

tunc rorant scyphi desuper,
et canna pluit mustum,
et qui potaverit nuper,
bibat plus quam sit justum. archipoeta 91,

zur parodie von Es. 45, 8 rorate coeli desuper et nubes pluant justum. da ich ihn mit einem becher wein tractieret habe und er mir wol 20 zutrunk. Schuppius 817;

dort stand der alte zecher,
trank letzte lebensglut,
und warf den heilgen becher
hinunter in die flut.
Göthe 1, 188;

lasz mir den besten becher weins
in purem golde reichen. 1, 179;

stoszt die becher heisz zusammen,
dasz es bis nach Deutschland klingt!
Rückert 284.

Anwendungen:

verderbte welt, wie bittre gaben
schenkst du nicht unserm becher ein. kirchenlied;

des lebens becher zu genieszen,
in welchen wol und wehe flieszen.
Gotter 1, 230;

was ist es anders als menschenschicksal, sein masz auszuleiden, seinen becher auszutrinken? Göthe 16, 132; statt des süszen bechers der liebe den bittern kelch der leiden. 19, 78; lasz mich den becher des jammers und der freuden, rief Wilhelm aus, auf einmal trinken. 20, 89;

zu tief hat sie
den becher der liebe gekostet.
Bürger 81b.

nach der gestalt heiszen auch andere ausgehölte gegenstände becher: wie man in den ausgebrannten holen becher (crater) eines vulkans hinunter blickt. Göthe 18, 120. ein kleines masz

[Bd. 1, Sp. 1214]


für flüssige und trockne dinge führt den namen becher, auch die hülse, worin die eichel steckt. s. gaukelbecher, DWB giftbecher, DWB zauberbecher.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherchen, n. pocillum:

ein verguldtes becherchen
voll freudenlust und heil.
Hoffmann gesellsch. lieder s. 67


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherfutter, n. abax. Stieler 527. becherfutteral.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherglas, n. unterschieden von kelchglas.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherheld, m. potator: wenn du ein so groszer becherheld bist, als du rühmst. Fr. Müller 1, 163.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherklang, m. clangor poculorum:

dein hochzeitschmaus
weiht dann das haus
mit becherklange ein.
Gökingk 1, 273;

laszt lautenspiel und becherklang nicht rasten.
Rückert 310.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherleeraus, m. potator: ein ansehnlicher erbarer mann und ein zimlicher becherlerausz. Garg. 198a; fahrender schüler, becherlärausz, litzelsalat. groszm. 62. in der zweiten stelle mit anspielung auf baccalaureus und licentiat.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherleerer, m. dasselbe: den wolverkerten, listwisen maluistern, becherlärern und stubenstenkern. Friedr. Riedrers spiegel der waren rhetorik. Friburg im Brisgow 1493 fol. bl. 119.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherlein, n. pocillum.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
becherleinsteller, m. joculator: becherleinsteller, passiospieler, kügleinschlucker. Fischart groszm. 88.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bechern, poculum siccare, exhaurire, poculieren: da wir mit des gouverneurs officieren noch etwa zwei stunden tüchtig gebechert hatten. Felsenb. 4, 72; mit denen sie noch discourierten und becherten. 4, 86; auch wol eine gute stunde tüchtig gebechert. 4, 93; sie haben die ganze nacht gebechert;

er bechert gern, sie auch.
Götz 2, 157;

an unsers himmlischen vaters tisch
greift wacker zu und bechert frisch.
Göthe 3, 282;

musz halt eins bechern. Fr. Müller 1, 344.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: