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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
baurenzapfe bis bausch (Bd. 1, Sp. 1197 bis 1198)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) baurenzapfe, m. rusticus: solches recht zu erkennen leret dich der gebrauch und geschicklichkeit, darumb ich wol reden darf, dasz die baurenzapfen und ein jeglicher püffel sich nicht soll solcher händel understehen. Paracelsus chir. schr. 344b.
 
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baurgalrede, f. bauerndreck, von galrede, mhd. galreide, galrei, gallert (Ben. 1, 460a): gleich als wenn das hochgelerte und durchleuchtige, weise vieh, die sewe, auf irem reichstage beschlössen, wir sewe gebieten, das nieman halten sol, das muscaten edle würz sei, was sie aber sei, das wissen wir nicht, wir halten aber etliche, es seien trester, etliche es seien kleien, etliche es seien kolbletter, etliche es seien die köstlichen baurgalreden unter den zeunen. Luther 5, 297a.
 
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bäurisch, was bäuerisch: die nechst beurische aufrr (der neuliche bauernaufruhr). Frank weltb. 45b; ein fromb, einfeltig, ungelehrt, beuwrisch volk. Kirchhof wendunm. 401b.
 
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bäurischheit, f. rusticitas: aber durch sein grobheit und bewrischheit, denn er war ein bawr, ist er entschüldiget. sch. und ernst cap. 123. s. bäuerischheit sp. 1179.
 
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baurisz, m. species operis: die gethane zusage eines neuen und ausgearbeiteten baurisses. Göthe 26, 32; die runzeln des lebens sind nur kleine linien aus dem ungeheuren baurisz den der weltgeist zieht, unbekümmert welche stirnen seine glückslinie schmerzhaft durchschneide? J. Paul Tit. 4, 173; das ist der baurisz meiner fabel. holzschn. 10, 92; die himmlische zeit der ersten baurisse der luftschlösser für die zukunft. herbstbl. 3, 1.
 
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baus, f. abundantia, tumor, inflatio, ein zu bausch gehöriges und wol daraus entstelltes wort, das fast nur in adverbialer redensart vorkommt und fehlerhaft bausz (wie hausz, grausz für haus, graus) geschrieben wird, vgl. DWB bause und DWB bausen. nach der baus bedeutet copiose, ubertim, in fülle: den (mönchen vom orden der willigen armut) trg man z nach der baus. Frank chron. 479b;

so wöll wir beid schlemmen und demmen,
den wein nach der baus zu uns nemen.
H. Sachs III. 2, 188d;

gelt aufgenommen nach der baus. III. 3, 72b;

sie zechten redlich nach der baus
und lärten alle gläser aus.
Spreng Il. 148b;

wer es darmit gerichtet aus,
wir könten beide nach der baus
einander wol den buben butzen. 465a;

die wirt tragen den bauren den wein und bier nach der paus auf, beiten und borgen ihnen. Albertins Gusman 465; andere haben den wein mit kübeln und anderm geschirr nach der baus ausgetragen und verschlembt. Reinhards Wertheim gegen Würzburg 1618 s. 245;

er ging für eines wirtes haus,
da saszen spiler in der baus,
die ganze nacht hatten sies triben.
J. Mistwert fluchspigel 1674 s. 31.

[Bd. 1, Sp. 1198]


In folgender stelle begegnet noch die ursprüngliche bedeutung tumor: heilet die dicken roten geschwerlin oder bausen des haupts. Tabernaemontanus s. 677, doch läszt sich nicht mit sicherheit auf einen sg. baus schlieszen, er könnte auch bause lauten. ganz etwas anders war das mhd. pûs = pausa. Helbl. 1, 617.
 
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bausache, f. materies. mhd. bûsache. Trist. 217, 16.
 
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bausand, m. sabulum aedificando aptum, grober sand:

so hets auch kalkstein und bausand.
Ayrer 121a.


 
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bausbacke, m. bucco, cui genae tument, einige schreiben pausback oder gar pfausback: ein pfauszback, der aufgeblaszne backen hat. Dasypodius Straszb. 1537. 20c; ein pfauszback, der aufgeblasne packen hat. Joa. Serranus diction. latinogerm. Nürnb. 1539 c 5b; pfausz, bauszbacken aufgeblasene backen, buccae inflatae, tumidae. Henisch 1616. bl. 167; der grosz bauszbacken hat, pfeifersbacken oder groszmaul, bucco. ebenda; in Rollenhagens froschmeuseler ist bausback (gen. bausbacken) das gr. φυσίγναθος; geh fort triefäugige pausbacke! Hermes Soph. reise 3, 661, in der letzten stelle ist es weiblich gebraucht, der mann redet seine frau so an. s. DWB bausen.
 
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bausbäckig, gena tumidus, turgidus: bausbäckige engel; ein bausbäckiger knabe, mit derben, gesunden wangen;

doch mein ursohn hat zwölf pausbackige kinder.
Platen 252.


 
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bausch , pl. bäusche, mhd. bûsch, pl. biusche (Brn. 1, 285b) tumor, wulst, geschwulst.
1) schwellender schlag, beule, ictus, mhd.

Rîchart von Engellanden
sluoc im dâ starke biusche. turnei von N. 151;

daʒ ir dem kinde hât gegeben
als ungevüege biusche. Otto bart 137.


2) wulst des sattels, torus, sinus sellae:

daʒ ich im von dem satel dan
reit bûsch und ouch den stegereif. frauend. 270, 17.

noch heute nennen die sattler solche erhöhungen bäusche, vgl. DWB baner des sattels sp. 1117.
3) ausgestopfter wulst, den kinder beim gehenlernen tragen, umbella, fallhut, hauptring von tuch oder stroh, den frauen, wenn sie körbe tragen, aufs haupt legen, cesticillus; überhaupt ein weich und nachgibig gestopftes kissen: wann er auf den ars ful, so schads im nichts am kopf, das macht die kinderpauschen waren wol gestopft. Garg. 120b. heute in Schwaben bausch und baust. Schmid 51. bausch machen, falten werfen.
4) zusammengelegte leinwand auf wunden oder gelenke, compresse, penicillus: bausch oder beuschle, das die wundarzet oben auf das zügli legend, wenn sie einen verbindend, splenium. Maaler 51d; langlechter bausch den man überlegt. Henisch 224; lasse solche fasen auf der wunden ligen, lege einen dicken leininen bausch darüber und binde die wunde wol zu. Würtz practica 89. 117; durch erfahrung nicht so viel lernen, wie man einen bausch binden oder ein gebund machen solle. gespenst 116.
5) bausch, schopf, dolde des baums und der blume, umbella: baum mit rundem bausch, arbor in orbem comata; bausch, krone des gewächses. Henisch 224; bausch blumen, umbella florum. Steinbach 1, 79. vgl. busch, büschel.
6) gebund stroh, corona facta convoluto stramine, drei bäusche stroh. ein bausch stroh, auf dem Westerwald, in der Wetterau eine schütte, ein gebund stroh.
7) bei grenzen heiszt bausch die auswärts, boge die einwärts gehende fläche, bausch das schwellende, boge das einbiegende, daher die redensart in bausch und bogen, eins gegen das andere, im ganzen, in folle genommen; etwas in bausch und bogen kaufen, aversione emere, so dasz was auf der einen seite abgeht die andere wieder einbringt (nd. im rämter, im ramp, im rummel, im rumpslump, in der ruse kopen): diese unvollkommenheit besteht darin, dasz die menschliche gerechtigkeit, wenn strafen und belohnungen colludieren, nicht anders als durch die wenigere bestrafung belohnen und durch die wenigere belohnung bestrafen kann, mit einem worte, dasz sie in dergleichen fällen, wie der ausdruck ist, in bausch und bogen bestrafen und belohnen musz. Lessing 9, 172; handelten darüber im bausch und bogen. Möser 1, 389;

nehmt nur mein leben hin, in bausch
und bogen wie ichs führe,
andre verschlafen ihren rausch,
meiner steht auf dem papiere.
Göthe 4, 330;

weil man alles nur zu gunsten der newtonischen lehre in bausch und bogen genommen hat. 54, 46;

[Bd. 1, Sp. 1199]


zusammen läszt sich mancher drängen,
ihn aber steckt man gern in bausch und bogen ein.
Platen 61.


8) bausch, gleich dem vorausgehenden baus, compotatio, crapula: wohin denn nun mit so manchem vollsauf, welcher also im dicksten rausch und bausch den geist aufgibet. Simpl. 1, 102. s. bauschen.

 

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