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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bauer bis bauerding (Bd. 1, Sp. 1176 bis 1178)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bauer, m. agricola, colonus, rusticus, mit schwankender flexion, die sich auf zwei oder drei ältere gestalten zurückzieht, nemlich bauer, gen. bauern und pl. bauern ist das ahd. gipûro, pl. gipûron (Graff 3, 19); bauer gen. bauers, sowol das ahd. gipûr, pl. gipûrâ, als pûari pl. pûarrâ, mhd. bûwære, buwære (Ben. 1, 290), doch den pl. bilden wir für diesen starken sg. dennoch schwach bauern. man würde, weil dem heutigen bauer meistentheils der vorsatz ge mangelt (einzelne fälle werden unter gebauer aufgezählt), es überall von pûari, bûære ableiten, wo nicht die vorherschende schwache flexion des sg. und pl. entgegenstände. den gen. sg. sichert Fischart recht entschieden, indem er bei den spielen unter no 320 auch eins namhaft macht 'des bauren'. Keiner dieser formen bedient sich die altn. mundart, sie setzt entweder bûi = ahd. pûwo, oder bôndi, schw. dän. bonde = ahd. pûanti.
In Luthers bibelübersetzung begegnet bauer nur wenigemal: es gebrach, an bauren gebrachs in Israel (vulg. cessaverunt fortes in Israel). richt. 5, 7; da sage man von der gerechtigkeit des herrn, von der gerechtigkeit seiner bauren in Israel (vulg. fortes). 5, 7; ich wil deine hirten und herde zerschmeiszen, ich wil deine bauren und joch zerschmeiszen (vulg. et collidam in te agricolam et jugales ejus). Jer. 51, 23. gewöhnlich gebraucht er ackermann, wenn vom landmann die rede ist, und auch heute verbinden wir mit diesen beiden wörtern einen edleren begrif als mit bauer, welchem daneben noch die vorstellung des gemeinen, groben und unedlen anhaftet, in welchem sinn es dann auch als schelte von andern, die nicht bauern sind, gilt: er ist ein rechter bauer, ein grober bauer;

dank hab, dank hab du grober baur,
was wilt du bei mir holen?
Uhland 693;

er müst ein rechter bauer sein,
der uns so ernehre. Garg. 86a.

so heiszt es: diese fabel leret, das dis buchlin bei bawren und groben leuten unwerd ist. Luther 5, 270b; ich hab lenger, denn zehen jar mich oft gedemütigt und die allerbesten wort gegeben, damit ich sie (die papisten) je lenger je erger gemacht habe, und die bawren nur sich vom flehen deste mehr geblehet haben. 5, 309b. schon bei Keisersberg hatte bauer meistentheils diese ungünstige bedeutung: ein herlich person als ein künig ist, dem zimpt ein köstlich kleid z tragen seines standes halber, und nit ein bauern schanz (grobes kleid, s. DWB schanze). sünden des munds 4b; den bauern geriet weder ir ops noch kraut. 18a; wer ein bauern salbet, so sticht er, wer sie sticht, den salbent sie. 59a; got tht darnach als ein bauer oder als ein metzger. welches kalb ein bauer metzgen wil, das laszt er blitzen und gumpen uf den matten. 18b; got geb dir den ritten, oder die beulen, oder die hünsch (schwere krankheiten), als dan die bauren einem wünschen. 38a; aber wie wol die juristen in iren büchern

[Bd. 1, Sp. 1177]


haben, das ein blosz und schlechte verheiszung (nichts wirke und) müg darum keiner den andern mit recht anziehen (nuda promissio non dat actionem), darumb nemen die bauren den mantel in die hand (sehen sich vor, ut promissio sit vestita). 65a; es kam ein weltweiser einist in ein wirtshaus, und er sah, das ein bauer bei den andern bauern in der urten sasz und hort inen z, was sie redten, und er redt nichts, dan er kunt nüt z den sachen reden. 76a; geheilget werd dein nam, zkum uns dein reich, knecht stich den bauern ze tod! (von unterbrechung des vaterunser bei unandächtigen betern). 84a; das lit also klor am tag, als der bur an der sunnen. post. 3, 52, auch schimpf und ernst cap. 226. wie man das menschengeschlecht überhaupt aus bäumen und steinen hervorgehn liesz, heiszt auch der bauer, der es am einfachsten darstellt, oft aus kieselstein entsprungen, z. b. in Ettners hebamme s. 15.
Aus späterer zeit werden wenige belege genügen: auf dasz die leut an der schrift nicht erwürgen, wie dem bauren schier geschehen war, der ein calender für coriander frasz. Fischart bienenk. 39b; lobt ihn für alle schwangere bauren. Garg. 239b; danzen auf eim fusz, wa ein Schweizer baur zwen bedarf. Garg. 126b; setzt den bauren auf den edelmann, vom pferd zum esel. 129b;

das feld hält sabattag, der acker liget stille,
und duldet nicht wie vor, dasz ihm viel wunden schlug
des bauers frecher arm und ein tyrannisch pflug.
Logau 1, 1, 4;

wer bauren verderben will, müsse bauren mit nehmen. Simpl. 2, 467; die bauren, die beim untergang der sonnen oft streitende kriegesheere erblicken. Liscov 55;

es schleicht der echte schlaf den federpfühl vorbei,
ist falschen städtern falsch und treuen bauren treu.
Hagedorn 1, 23;

eines bauers hütte.
Pfeffel 1, 166;

ich wette fast, ihr bauern, ihr verliert!
Gellert 1, 205;

diesen gesunden, kernhaften, wolgebildeten jungen bauer. Wieland 6, 146; ihn aus einem bauer zu einem staatsbürger umzubilden. 7, 151;

ich bin regent im land an kaisers statt,
und will nicht, dasz der bauer häuser baue
auf seine eigne hand und also frei
hinleb, als ob er herr wär in dem lande.
Schiller 519a;

und zu gericht zu sitzen mit dem bauer. 525b.

Sprüche: bauern sagen auch etwan wahr; bauern machen fürsten; der bauer ist nicht zu verderben, man hau ihm denn hand und fusz ab; wenn der bauer nicht musz, rührt er weder hand noch fusz; der bauer ist ein lauer; gibt der bauer, so sieht er sauer; ein bauer kommt sobald in den himmel als ein edelmann; hinter sich hinaus tragen die bauern die spiesze; in einen bauern gehört haberstroh; wir sollen drauf schlagen als die bauern auf den wolf; die bauern jauchzen dazu, wann sie singen; er fährt hinein, wie der bauer in die stiefeln; der bauer glaubt nur seinem vater; ein reicher bauer kennt seine verwandten nicht; was der bauer nicht kennt, das friszt er nicht; gemach ins dorf, die bauern sind trunken; bürger und bauer scheidet nichts als die mauer.
Man unterscheidet hofbauern, ganze bauern, halbbauern, pferdebauern; es gibt aber auszerdem eine menge anderer benennungen, um die bäuerlichen verhältnisse zu unterscheiden, vgl. DWB hübner, hintersassen, kossäten, meier, spanner u. s. w. Im schachspiel heiszt bauer, der mhd. vende genannt wurde; auch eine muschel, conus rusticus, sonst der aschenpuster, aschenbrödel, führt den namen bauer. Bei der zusammensetzung schwankt der erste theil oft zwischen bauer, bauern und bauers, doch drückt bauer mehr den allgemeinen begrif, der vorgesetzte gen. bauers die abhängigkeit aus und bauern, wenn es den gen. sg. meint, ebenfalls. musz darunter ein gen. pl. verstanden werden, so hat es die allgemeinheit des praefixes bauer. häufig aber dient bauer-, bauern- vor substantiven zur bezeichnung des geringen, schlechten.
 
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bauer, f. societas colonorum seu rusticorum, so nennt man in Niederdeutschland jeden kleinen verein von land- oder grundbesitzern. Möser 3, 71. entweder ein altes bûra, biura, oder blosze kürzung von bauerschaft.
 
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bauerarbeit, f. opus rusticum, besser bauernarbeit.
 
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bauerart, f. rusticitas, mores rusticorum, auch bauernart, bauersart.
 
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bauerband, n. kurländischer flachs, der so versendet wird, wie ihn die bauern gebunden zur stadt tragen.

[Bd. 1, Sp. 1178]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bauerbart, m. barba sordida, male pexa.
 
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bauerbengel, m. homo agrestis: ein ungeschliffener bauerbengel. Weise kl. leute 377.
 
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bauerbursche, m. juvenis agrestis, rusticus: hab ich dir nicht einmal von einem bauerburschen geschrieben, gleich da ich herkam? Göthe 16, 117.
 
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bauerburschenschaft, f. Martinsgans (wunderh. 1, 226). bauerburschenschaft, lustig losgebunden. Göthe 33, 193.
 
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bauerde, f. humus, dammerde.
 
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bauerding, n. mhd. bûrdinc, judicium civicum de causis civilibus, von bûr, domicilium.

 

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