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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bauderling bis bauerbengel (Bd. 1, Sp. 1170 bis 1178)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bauderling, bäuderling, m. ictus: item were es, dasz einer den andern lugen straft oder bauderling gebe, und wann die gerügt würden, die weren buszfällig umb die kleine busze. weisth. 3, 371; was dem niedergericht zustehet, als beinschrötig flieszende wunden, peuderling, maulstreich. a. 1537 (Haltaus 1458); vulnera peuderling, die offen, aber nicht schädlich, auch heftens und meiszelns nicht notdürftig. Nürnberger fünferordnung;

der schreiber was ein mann,
er gab dem pfaffen ein päuderling
und lief darmit darvon. Garg. 49a.


 
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bauen , colere, aedificare, form, bedeutung und verwandtschaft dieses wortes fordern die gröszte aufmerksamkeit.
1) das goth. bauan bedeutet οἰκεῖν, ἐνοικεῖν, liegt uns aber in seiner gestalt nicht vollständig vor. aus bauiþ Röm. 7, 18. 20. 8, 9. 1 Tim. 6, 16. 2 Tim. 1, 14 darf ein reduplicierendes praet. baibau oder baibô gefolgert werden, wofür aber 2 Tim. 1, 5 das schwache bauaida auftritt, welchem auch die substantivbildung bauains οἰκητήριον entspricht; doch statt jenes bauiþ würde dann bauaiþ (wie neben trauaida trauaiþ) nothwendig. die übrigen gebrauchten formen entscheiden nichts. liuhaþ bauiþ unatgaht, φῶς οἰκῶν ἀπρόσιτον. 1 Tim. 6, 16. einem starken bauan baibau bauans gereicht aber zur bestätigung das altn. bûa biô bûinn, so wie das ags. bûan, dessen praet. beo freilich unbelegt ist, dem aber das part. bûn oder gebûn zum unabweisbaren zeugen dient, Beov. 234 steht (hûs) gebûn häfdon, bewohnt hatten. auch bûn Cœdm. 45, 32. 259, 18 scheint mehr habitaverint = beon, als habitent (wofür 6, 2 bûan). ein schwaches bŷvan bŷvde drückt aus aedificare, wovon das part. âbŷvde im cod. exon. 234, 24 vorkommt. das alts. bûan habitare bildet sein praet. nicht mehr bio, sondern bûide. Hel. 83, 3; das ahd. pûan nicht mehr pîo, sondern pûta (Graff 3, 17) und ebenso verhalten sich mhd. bûwen bûte, nhd. bauen baute; doch dauert heute hin und wieder (belege hernach 4 a) das starke part. gebauen, erbauen, mhd. gebûwen (fundgr. 2, 61) und ein ahd. gipûan leidet keinen zweifel. auch das schw. bo habitare macht sein praet. schwach bode, das dän. boe boede. wie aber jenem altn. bûa biô habitare ein schwaches byggja aedificare, so steht dem schw. bo, dän. boe ein bygga, bygge aedificare entgegen und man möchte auch dem goth. bauan baibau habitare ein transitives baujan bauida aedificare gegenüber stellen, unabhängig von dem intransitiven bauan bauaida habitare.
2) das lat. habitare gehört zu habere, auch unser bauen musz mit ags. beon esse, beo ero, und unserm bin, sum zusammen hängen. wenn das zum praesens gewordne praet. vait, ich weisz, eigentlich ausdrückt vidi, ich habe gesehn, so mag ich bin, ahd. pim ursprünglich bedeuten ich habe gebaut = ich wohne, maneo, existo und eben aus der reduplication baibau oder baibô entspringen. die abstraction des seins leitet sich ab aus der sinnlichen vorstellung des wohnens, ganz wie visan, wesen manere in vas, war zum ersatz des verbum substantivum dient. im litt. buwu, buwau, busi, buti erscheint dies verbum vollständig, und die subst. buwis, buwas, buwimmas aufenthalt, wohnsitz hinzugehalten bleibt kein zweifel an der innigen verwandtschaft zwischen bauen und sein, die auch das sl. buti und buvati εἶναι laut bezeugt. im sanskrit entspricht bhû esse, existere, bhavana domus, bhavitu futurus, esse debens, im lat. fui, fuisse, fore, futurus, im griech. φύω creo, paro, facio, φύομαι φύσομαι fio, existo, φύσις natur und wesen. unser wesen und visan aber könnte, wie der imp. wis in bis übergeht, den futurischen formen busi, φύσομαι, φύσις selbst angehören.

[Bd. 1, Sp. 1171]



3) damit nicht genug. alle diese wörter, bei ihrem hohen alter und vielfachen gebrauch, verraten abgeschliffenheit, es darf nicht verwundern, dasz noch spuren vollerer gestaltung auftauchen. das û in bhû, das hernach gekürzte u in fui und φύω φύσις, das û in bûa, pûan geben ihren ursprung aus av kund, wie ihn bhavana, bhavitu bestätigen. im goth. bauan scheint aber der diphthong so verhärtet, dasz er sich nicht mehr in av, woraus er entsprang, zurück auflöst, da doch taujan und tavida, mavi und maujôs wechseln. gleichwol weist, wie mavi auf magvi, havi auf hagvi und hagvan, bauan auf bagvan, dem vorerst jenes altn. byggja, dann aber das lat. facere und faxo = busu bestätigung bringt. die lateinische sprache, überaus geneigt kehllaute wegzuwerfen (via für veha, weg; dies für deces, tag; res für reces, ahd. racha), hat doch facio behalten, während inficit ihr zu infit, ficio zu fio statt fior, facior gediehen ist. fio steht zu fui unmittelbar, wie unser baue zu bin, facio aber, obschon bauen ausdrückend (aedificare, nidificare = aedem, nidum facere, haus und nest bauen, faber = facber schmid, zimmermann) hat den abstracten sinn von thun übernommen, φύειν von creare, parare, wie das altn. bûa zugleich parare, bûinn paratus bedeutet. mit der reduplication baibô = bîo scheint das oskische fefacust = fecerit augenscheinlich zu stimmen. factus (fatto, fait) ist also was gebaut und unser bauen trägt wie facere meistens transitiven sinn an sich, das goth. bauan den intransitiven des gr. φῦναι, nur dasz dieses mehr wachsen und werden, jenes mehr wohnen und sein ausdrückt. unser werk und das gr. ἔργον zeigen höchst änaloge übergänge aus dem begriffe des bauens in den des thuns.
4) diese sätze geben einen schlüssel zur erklärung der wörter bau, bauer, baum, bin und vielleicht noch anderer, bei welchen darauf zurückgekommen werden musz; jetzt kann sich die untersuchung in die schranke des nhd. bauen ziehen.
a) vorerst sind beispiele des starken part. praet. gebauen nachzuholen:

habe gebawen und vollendt
die statt Rom.
H. Sachs V, 258b;

in hofnung was ir herz erbawen.
Spreng 405a;

daher dann die poeten sagen,
das durch das künstlich lautenschlagen
die stätt gebawen seien worden.
Fischart lob der lauten s. 114;

dann darumb ist die rhuwart aufgebawen,
alles zu handelen ohn schew und grawen. Garg. 280a;

so bleibet doch des höchsten stat mit bächlein frisch genötzet,
durch ihn, der sie gebawen hat, trostreich allzeit ergötzet.
Weckherlin 168;

wer vorgebauen hat. Hohberg 1, 16a. Luther setzt aber nur die schwache form: Hebron war siben jar gebawet vor Zoan. 4 Mos. 13, 23; grosze und feine stedte, die du nicht gebawet hast. 5 Mos. 6, 10; welcher ein new haus gebawet hat. 20, 5 u. s. w. schweizerisch noch heute gebauen.
b) intransitives bauen gilt noch zumal wenn es sich von thieren und vögeln handelt: hier an der krümmung des flusses bauen biber; die bären bauwend und machend hülinen, specus aedificant ursi. Maaler 51d; er forscht, wo etwa die ameise baut und zertritt ihr nest. Fr. Müller 1, 22; über der hausthür haben schwalben gebaut; der distelfink baut gern auf apfelbäumen, der zeisig in den gipfeln hoher bäume; man kann aber leicht den acc. nest hinzudenken, und ebenso haus, wenn von bauenden menschen die rede ist. sie aszen, sie trunken, sie pflanzeten, sie baweten (goth. timridêdun). Luc. 17, 28; von stein bauen. Göthe 38, 164; wer am wege baut, hat viel meister, oder nach Epko von Repgo:

ich zimbere, so man sagt, am wege,
des musz ich manigen meister han;
wilt bawen, so baw wol besunnen.
H. Sachs II. 2, 49d;

wer an den flusz baut, dem steht beim eisgang der keller voll wasser; ich leide nicht, dasz du mir zu nahe baust;

nachbar heiszt ein nahebauer, gar zu nahe bauet der,
der bei nacht ins nachbars bette bauet.
Logau 2 zug. 52;

doch wird es Jupiter gestatten,
dasz der Trojaner an den Tyrer baut,
dasz beide stämme sich in eins zusammen gatten,
zu einem volk vereint durch engen bund?
Schiller 38b.

kühn wird der fichte bauen, d. i. wurzel einschlagen beigelegt:

dein fusz ist so gesetzt, dasz Aeolus sein wetter
zu schanden an dir wird; ein harter fels und stein
musz dir in seinen leib zu bauen zinsbar sein.
Logau 1, 8, 99 s. 191.

[Bd. 1, Sp. 1172]



c) das land bauen bedeutet uns heute agrum colere, das land anbauen, und so sagt auch Luther: denn gott der herr hatte noch nicht regenen lassen auf erden und war kein mensch, der das land bawete. 1 Mos. 2, 5; du lessest ir getreide wol geraten, denn also bawest du das land. ps. 65, 10. mhd. aber hiesz daʒ lant bûwen es bewohnen, darin wohnen (Ben. 1, 288a) und in diesem sinn verwenden es auch die früheren nhd. schriftsteller:

des musz ich pawen fremde lant. fastn. sp. 1352;

wölt mich zwei jar lang lassen bawen
die land, hin und herwider schawen.
H. Sachs III. 2, 121a;

das ich vor langer zeit
von meim vater daheim auszreit
frembde land und lewt zu pawen. Teuerdank 116, 21;

ein jung gsel, der das lant nit paut,
wirt zgleicht eim ungschmalzn kraut.
Schmelzl lobspr. 65;

mit ewiger flucht frembde unerkante lande bauwen (in esilio vivere). Bocc. 2, 15a. hiernach begreift sich die häufige redensart das elend bauen, da elend, ahd. alilanti, mhd. ellende nichts anders als das fremde land ausdrückt, mhd. beispiele bei Ben. 1, 288a; nhd.

wer das elent bawen wel,
der heb sich auf und sei mein gesel
wol auf sanct Jacohs straszen.
Uhland 798;

die raben kann gott gleicher weis
ermuntern, dir zu bringen speis,
wenn du das elend bauest. kirchenlied;

nun ist es jetzt vierzehen jar,
dasz ich das ellend bawt fürwar.
H. Sachs IV. 2, 24d;

damit er auch müge ein ander wesen anfahen, dabei er bleiben und nicht so in der irre ewiglich das elende bawen müsse. Luthers br. 3, 548; nun ist es bei vierzehen jaren, dasz ich das ellend gebauwet hab. Bocc. 1, 77a (hier schöpfte H. Sachs wörtlich die eben ausgezogne stelle); sechs ganzer jar das elend und ewer land gebawet hab. 1, 125b; dieweil ihr ursach seit, dasz Thedaldus sieben ganze jar das elend gebawet hat. 1, 173a; und Adam ausz seinem lustgarten virstoszen ward und muste das elend bawen. Mathesius 7a; haben kein bleibende stadt, bawen das elend. 53a;

kommen her ein weg gar weit
ausz klein Egypten, siben jar
müssen wir bawen also bar
das elend, wann auszlauft die zeit,
alsdann wir alle seind gefreit.
Birck ehespiegel 120;

und so mein müder leib noch länger soll beschauen
das unrecht dieser welt und dieses elend bauen,
herr gott, so gib geduld.
Logau 1, 1, 6;

brachte ihn ebenmäszig von land und leuten, dasz er etliche jahr zu Friaul in Welschland das elend bauwen muste. Micrälius 1, 80; der von seinen brüdern vertriebene Wladislaus II muste das elend bauen. Hahn 3, 251; der vorhin gerühmte Pelagius hatte ebenfalls das elend bauen müssen. Mascou 2, 165; fand kaum einen aufenthalt, da er sicher das elend bauen (in der fremde wohnen) konte. 2, 250; auf welcher insel ich nun mein elend ins fünfte jahr gebauet. pol. stockfisch 326; mit meinem ehgemahl musz ich das elend bauen. Menantes 1, 184. später unüblich, denn wenn Bräker im arm. mann von Tockenb. s. 131 sagt: ich wollte mein glück bauen und baute mein elend, nimmt er bauen in der heutigen bedeutung von colere, nicht in der von habitare.
d) es gibt noch einige andere redensarten, in welchen bauen für habitare, nicht für colere gesetzt wurde. das wüste, die wüste bauen, in der wüste hausen. Hiob 3, 14 (vulg. aedificant sibi solitudines). die strasze, den weg bauen hiesz was wir heute nennen auf der strasze liegen:

ich bin ein armer karren man,
ich fahr und paw im land die strasz.
H. Sachs II. 4, 3c;

du wölst darumb nit traurig sein,
das wir ietzt müssen paun die straszen.
Schmelzl aussendung 10a;

ein cartheuser münch bawet einen solchen weg, dadurch er wil gen himel komen. Luther 7, 56a. das meer, die see, das wasser bauen, darauf schiffen:

kein meer ist mehr gebauet,
kein hafen weit und breit wird schöner nicht geschauet
als umb Cajeta her.
Opitz 1, 27;

viel lieben von dem strand auf einen hin zu schawen,
der in gewitters noth die strenge see musz bawen. 4, 359.

den schnee bawet (im schnee watet), als der bawer dem acker thut. Bocc. 2, 99b. die messe, den markt bauen = besuchen, darauf hingehen:

[Bd. 1, Sp. 1173]


der christen kaufleut war beschawen,
welche die mesz hie werden bawen.
H. Sachs III. 2, 14c;

und musz pawen mesz und die märk. I, 337b;

und fordert ein solche grosze auflag,
der vor nie gwest ist sein lebtag,
so lang ich den mark hab gebaut.
Ayrer 268a;

die die Leipziger messe bauenden buchhändler. Sächs. mandat von 1773. ähnliche lassen sich nach den mhd. (Ben. 1, 288) hinzudenken, sind aber auszer gebrauch gerathen.
e) transitives bauen, aedificare, goth. timrjan, ahd. zimbarôn: stadt, dorf, burg, haus, festung, schlosz, mauer, brücke, wagen, schif, kirche, altar und kanzel; kompt, laszt uns die mauren Jerusalem bawen. Neh. 2, 17; das alte thor bawete. Jojada 3, 6; da wir nu die mauren gebawet hatten, henget ich die thür (svê gatimrida varþ sô baurgs vaddjus, jah gasatida haurdins). 7, 1; und er bawete eine stad. 1 Mos. 4, 17; wolauf, laszt uns eine stad und thurn bawen. 11, 4; der sein haus auf einen felsen bawet (goth. saei gatimrida razn sein ana staina). Matth. 7, 24; ich wil den tempel, der mit händen gemacht ist, abbrechen und in dreien tagen einen andern bawen, der nicht mit händen gemacht sei (goth. ik gataira alh þô handuvaurhtôn jah bi þrins dagans anþara unhanduvaurhta gatimrja). Marc. 14, 58; wer ist aber unter euch, der einen thurn bawen wil (goth. izvara hvas raihtis viljands kêlikn timbrjan). Luc. 14, 28; ganze plätze, straszen liegen unangebaut;

was dir nit gfelt, brich wider ab,
und baw ein anders an die stat.
H. Sachs II. 2, 49d;

also hat Clodoveus das münster z Straszburg in der eer unser frawen z bauwen angefangen. Frank weltb. 36b. Nach dem biblischen wortspiel: tu es Petrus (goth. Stains skeir. 7a), super hanc petram aedificabo ecclesiam meam, du bist Petrus, auf diesen felsen will ich bawen meine gemeine. Matth. 16, 18, wurde die redensart häufig auf einen, auf etwas bauen, sich gründen, stützen, vertrauen: darauf ist nicht zu bauen;

auf dich allein ich hoff und baw.
Weckherlin 20;

dasz ich so weit kam, dasz ich ein schlosz auf ihn bauen dürfen. Simpl. 2, 437;

auf gott und nicht auf meinen rath
will ich mein glücke bauen.
Gellert 2, 162;

dasz man so selten nur auf deine worte bauen will. Lessing 1, 9; die warme bekennerin eines glaubens, der auf liebe gebaut ist. Gotter 3, 123;

weil ich auf deine gute, schöne seele baue.
Schiller 291;

du wirst mir meinen glauben nicht erschüttern,
der auf die tiefste wissenschaft sich baut. 369a;

es war ein mann, auf den ich alles baute. 559b;

die wir schon früher auf des grafen wort gebaut hatten. Göthe 24, 155; dasz ich nun auf den jüngling baue. J. Paul flegelj. 1, 11; ist aber nicht grade auf mein gesicht meine ganze zukunft und krone gebauet? komet 3, 125; die schilderung von der erhabenen liebe desselben, die keinen menschen vergasz, weil sie nicht auf die vorzüge, sondern auf die bedürfnisse der menschen gebauet war. Hesp. 1, 259.
f) transitives bauen, colere, laborare, operari, goth. vaurkjan: feld, land, acker, erde: und gott satzt in in den garten Eden, das er in bawet und bewaret. 1 Mos. 2, 15; da liesz in gott der herr aus dem garten Eden, das er das feld bawet, da von er genomen ist. 3, 23; wenn du den acker bawen wirst. 4, 12; zu ackerleuten, die im seinen acker bawen. 1 Sam. 8, 12; er feret leichtfertig und bawet seinen weinberg nicht. Hiob 24, 18; es sol aber der ackermann, der den acker bawet, der früchte am ersten genieszen (goth. arbaidjands airþôs vaurstvja skal frumist akranê andniman). 2 Tim. 2, 6; denn die erde, die den regen trinket und bequeme kraut treget, denen die sie bawen (vulg. illis a quibus colitur), empfähet segen von gott. Hebr. 6, 7; das erdreich mit dem pflug bauen; das bergwerk bawen auch ein göttliche und ehrliche narung und handel ist. Mathesius 1b;

der pauman sprach, ich pau das chorn.
Uhland 337;

blieb sie daheim bei irem mann (dem müller),
hülf im das körnlein bawen. 692;

seinen beutel baue vor, wer ein wüstes gut wil pflügen.
Logau 2 zug. 59;

hundert ochsen, welche du an die pflüg sollest spannen, damit sie den acker bauen. Schuppius 735; Cyrus und Abraham bauten lustgärten. 834; das schöne wolgebaute thal. Göthe 43, 59; die hohen gutgebauten weinberge, die wolgebauten weinberge. 43, 63; eine schöne, sanft ablaufende wolgebaute erdspitze. 43, 66; wegen seiner ofnen fruchtbaren wolgebauten

[Bd. 1, Sp. 1174]


lage. 43, 125; alles ist grün, alles gebaut, jedes eckchen und winkelchen genutzt. 56, 190. schlösser in die luft bauen heiszt sich falschen einbildungen ergeben. die bergleute nennen auf den raub bauen, wenn sie nur obenhin arbeiten, nicht kunstmäszig in die tiefe. man sagt korn bauen, getraide, haber, gerste bauen; kartoffeln, hopfen, flachs bauen; wein, honig und seide bauen.
g) transitives bauen, formare, creare, exstruere: und gott der herr bawet ein weib aus der riebe, die er von dem menschen nam. 1 Mos. 2, 22; dieweil er Adam aus erden und Hevam aus Adams rieb gebawet hat. Luther 5, 479;

an wäldern, berg und thal, an feldern und an auen
und was natur noch sonst hat künstlich können bauen.
Logau 1, 8, 99. s. 192;

so spricht der herr, dein gott: ich habe dich gebaut,
zum könige gesalbt, das reich dir anvertraut.
Hagedorn 2, 6.

man sagt heute nur: eine schön gebaute frau, ihre hand ist schön, seine brust stark gebaut, ein herlich gebautes pferd.
h) abstraetes bauen, anbauen, erbauen, fördern: das gewissen bawen. Luther 4, 126b; wer darauf trauwet, der bauwet ihm selbs die helle. 5, 59b; es ist ein wünderlicher, mechtiger geist (der teufel), der aus einer geringen sünde solch eine angst anrichten und solche helle bauwen kan. 5, 60b;

so kan niemant für ungelück bauen. fastn. sp. 754, 12;

hetstu oft tugent recht gepaut,
jetzt wer dir rechtthun leicht und süsz.
Schwarzenberg 141, 2;

welcher mensch mutwilliglich
wird jetzt gemelte laster bawn.
Ringwald tr. Eckhart D 2b;

dadurch wird des teufels reich gebauet und gottes reich zerstöret. Schuppius 332; eine recht eiferig gemeinte predigt, ob sie gleich gering und schlecht, bauet mehr als tausend hochkünstliche, alamodische. 553; ein prediger würde wenig bauen, wann er unter soldaten stünde und von den lastern der kaufleute redete. 658; so will doch gott nicht durch bloszes beten, sondern auch durch arbeiten die welt gebauet und fortgebracht haben. Weise kl. leute 373;

dein glück dereinst zu baun.
Gellert 3, 106;

wer, welche wissenschaft er baut,
nur auf geniesz des lebens schaut,
den nennt schon Luther nieszling.
Voss.


i) bauen, hoch sein, ragen, sich fügen: der baum baut 50 fusz; die sakristeien bauen auf jeder seite sechs ellen heraus. das bauet nicht, heiszt es von arbeiten, wenn sie kein gutes verhältnis haben; die lage der kirche baut nicht mit der gasse.
k) eigenthümlich, doch sicher dem sprachgebrauch gemäsz, setzt Fischart bauen für zielen, richten beim abschieszen: schlug bald an, zielt kurz, bawt nicht lang, acht nit das ärmelpopperle, truckt schnell ab, hub nicht viel ab. Garg. 180b.
l) nach bau 7 bezeichnet schweiz. bauen, buen auch düngen, stercorare agros (Maaler 51d. Stalder 1, 146) in naher berührung mit bauen colere. felder bawen. Bocc. 2, 123a ingrassare i campi.
m) sich bauen: er baut sich arm; bergmännisch, eine grube baut sich frei, deckt ihre kosten;

Furvus denkt sich grosz zu bauen, legt den grund von solchen stücken,
die er andern durch verleumden weggezogen hinterm rücken.
Logau 3 zug. 13;

in der groszen welt
blühn schön und süsz viel mädchen noch und frauen,
du kannst dich ja in manches herz noch bauen.
Bürger 68a;

ach zu dem entfernten strande
baut sich keiner brücke steg,
und kein fahrzeug stöszt vom ufer,
doch die liebe fand den weg.
Schiller 59a;

Griechen, Römer, o kommt, o seht, das alte Pompeji
findet sich wieder, aufs neu bauet sich Hercules stadt. 83a;

es baute sich ein portal in die höhe. Göthe 18, 9; an dem groszen begrif, den die preuszischen schriftsteller von ihrem könig hegen durften, bauten sie sich erst heran. 25, 104; ich gewöhnte mich zu ertragen, nicht zu seufzen unter hitz, frost und last, baute mich zu dem, was ich jetzt bin. Klingers th. 4, 205; wie fest bauete sich beim nächtlichen spaziergange Albanos über die flüchtigen zeltgassen der stadt die weltrotunda mit ihren festen sternreihen dahin. J. Paul Tit. 2, 137.
Die belege lehren, oder lassen schlieszen, dasz anfangs bauen, zumal die alte starke form des worts, nur wohnen und sein ausdrückte und für aedificare und colere noch andere verba galten,

[Bd. 1, Sp. 1175]


allmälich aber bauen diesen sinn annahm und der von wohnen erlosch. wie zu οἰκεῖν und wohnen sich leicht ein acc. gesellte und die transitivbedeutung von bewohnen entsprang, gieng auch aus bauen ein bebauen und der sinn von aedificare, colere hervor. günstig unterschied sich altn. bûa biô und byggja bygðe.
 
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bauer, m. cubile, cubiculum, cavea, habitatio, gen. bauers, pl. bauer, ahd. pûr (Graff 3, 18), mhd. bûr, alts. ags. bûr, engl. hower, altn. hûr n., schw. bur, dän. buur. wie wol auf gothisch? ohne zweifel baurs, wenn männlich, baur, wenn neutral. die herkunft von bauan ist offenbar, wie auch das einfache bau in seiner ersten bedeutung völlig dazu stimmt. das angefügte ableitende R in baurs von bauan gleicht dem in akrs von akan, in ligrs von ligan. pûr, bûr ergeben sich wie pûan, bûa aus bauen, und jenes goth. baurs wäre báurs, unterschieden von baúrs genitus, filius, altn. burr, ags. byre, dessen R der wurzel bairan gehört. Bedeutungen,
1) cavea, aviarium, nach Frisch 1, 72b m., nach Adelung n. bau war das nest, bauer ist der käfich, zumal für kleine singvögel, vogelbauer. Henisch 209 hat das bawer, vogelhäusle; besser ein vogel im bawer, dann tausent in der luft; in ein gut bawer gehört ein guter vogel; es lautet übel, wenn das bawer schön ist, und der vogel darin singt nicht wol; man musz den vogel im bauer haben, ehe man ihn will pfeifen lehren;

die freundin, sprach er (der hänfling), gieng mir nah,
die ich in diesem bauer sah,
sie rief und durch das glück bewogen
um sie zu sein, kam ich geflogen.
Gellert 1, 251;

einst lehnt ihr Damon zum vergnügen
das thürchen nicht beim füttern an,
so dasz sie aus dem bauer fliegen
und in der stube flattern kann. 1, 284;

ich geh und will den hahn zur sie in bauer stecken,
die jungen bring ich mit, sobald die alten hecken. 3, 397;

viel glücks! die vögel sind dem bauer
entwischt.
Wieland 9, 211;

keine dieser stellen entscheidet für m. oder n. (obwol Gellert in der letzten ins bauer für in bauer = in den bauer geschrieben hätte, wenn er das n. meinte), deutlicher ist die folgende:

ein jeder hatte seinen bauer.
Pfeffel 5, 124;

Schoppe begleitete die sänfte fast zehn schritte weit, um den vogel des bauers (den in der sänfte sitzenden ordensherrn) besser zu beschauen. J. Paul Tit. 2, 25. s. gebauer.
2) das altn. bûr ist penuarium, das schweiz. bauer käsespeicher (Stalder 1, 147), das engl. bower mastkorb und laube.
3) das altn. bûr gynaeceum, gemach der frauen und mägde, kämmerlein:

môðir mik fœddi biört î bûri. Sœm. 230a;

ags. þät on bûre âhôf brŷd Abrahames
hihtleásne hleahtor. Cœdm. 144, 7;

ahd. her furlaet in lante luttila sitten
brût in bûre, barn unwahsan. Hildebr. lied.

mhd. bûr, nhd. bauer nicht mehr in diesem sinn.
 
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bauer, m. voluptas, libido. aus der vorstellung des wohnens und ruhens leitet sich die des freuens her, vinja die weide (des hirten wohnplatz) wird zur wonne, wunnia (wonne und weide); salida, selida, selde, habitatio wird zur sâlida, sælde felicitas; ginâda, ruhe, herablassung zur gnade, gratia, favor; gemach, kammer, stube ist auch behagen und wonne. hiernach geht auf das gothische, vorhin angesetzte baurs cubile zurück das bei Ulfilas erscheinende gabaurs κῶμος, frohes gelag und mahl, gabaurjôþus ἡδονή, gabaurjaba ἡδέως, dies auf gabauris ἡδύς, volupis, welche alle mit der wurzel bairan nichts zu schaffen haben, sondern aus bauan erwachsen. gabaurjaba ist gleichviel mit us lustum, gern, von freien stücken.
Diese gothischen wörter scheinen nun fortzuleben in einem ἀπόῥητον der heutigen sprache, dem alle glossare ausweichen, so allgemein es verbreitet ist, als bezeichnung einer turpitudo, die der europäische sprachgebrauch durch den ausdruck onanie (nach 1 Mos. 38, 9) verschleiert. unsere deutsche philologie kann aber nicht umhin eine benennung zu erkunden, die wol von uralter zeit her züchtige rede auf unzucht anwendet; denn was möchte besser anstehn als lust wider die natur kalte lust zu heiszen? kalt, wie frigidus und ψυχρός, gibt den nebensinn von miser und languidus, infestus, inutilis, frigida negotia sind nullius momenti, kalte ratschläge sind böse, in der edda liest man 67a scolo þer æ köld râð koma; 138b köld

[Bd. 1, Sp. 1176]


ero mer râð þîn; kallaði kaldri röddo, infesto sermone; kalte träume sind unglückliche. lust hat, neben der bedeutung wollust, immer auch den reinen sinn behauptet. bauer für lust ist uns erloschen, in kalte bauer haftete das wort, längst unverstanden und desto gemiedener.
Der ausdruck herscht, vielleicht mit ausnahme nördlicher, niederdeutscher landstriche (namentlich soll er in Holland unbekannt sein), in ganz Deutschland und läszt sich über Schlesien, Deutschböhmen und Österreich bis in die Steiermark, über das Elsasz in die Schweiz verfolgen. ein elsässischer arzt sagt, bauer sei insgemein σπέρμα, warmer bauer die natürliche beiwohnung, kalter bauer onanie, und so genommen liesze sich bauer unmittelbar zu φύειν zeugen, φύσις zeugende, schaffende natur halten, vielleicht auch die schweizerische bedeutung von bau, befruchtendem dünger vergleichen. denn in der Schweiz kommt daneben vor: er tribtem selb d'natur ab, gewöhnlicher: macht en chalte bûr; die chalte bûre hâ bezeichnet pollutionen haben, gleichsam erfolglose, unwirksame lust. in Steier heiszt onanieren den kalten bauer schlagen oder herunter reiszen, die Slovenen in der gegend von Laibach übersetzen wörtlich aber falsch merzel kmet, bauer für rusticus nehmend, ebenso unrichtig die polnischen Schlesier zimny chlop, eigentliche Polen wissen nichts davon. unter dem westfälischen volk ist der name meistentheils gangbar, unbefangen und ohne sittlichen vorwurf heiszen ihm spuren der pollution de kalle bûr. in Niedersachsen scheinen wenigstens die städte, wenn auch nicht überall die dörfer das wort zu kennen. weitere forschungen müssen darthun, ob es in Scandinavien auftaucht, oder diesem volksstamm gebricht.
 
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bauer, m. agricola, colonus, rusticus, mit schwankender flexion, die sich auf zwei oder drei ältere gestalten zurückzieht, nemlich bauer, gen. bauern und pl. bauern ist das ahd. gipûro, pl. gipûron (Graff 3, 19); bauer gen. bauers, sowol das ahd. gipûr, pl. gipûrâ, als pûari pl. pûarrâ, mhd. bûwære, buwære (Ben. 1, 290), doch den pl. bilden wir für diesen starken sg. dennoch schwach bauern. man würde, weil dem heutigen bauer meistentheils der vorsatz ge mangelt (einzelne fälle werden unter gebauer aufgezählt), es überall von pûari, bûære ableiten, wo nicht die vorherschende schwache flexion des sg. und pl. entgegenstände. den gen. sg. sichert Fischart recht entschieden, indem er bei den spielen unter no 320 auch eins namhaft macht 'des bauren'. Keiner dieser formen bedient sich die altn. mundart, sie setzt entweder bûi = ahd. pûwo, oder bôndi, schw. dän. bonde = ahd. pûanti.
In Luthers bibelübersetzung begegnet bauer nur wenigemal: es gebrach, an bauren gebrachs in Israel (vulg. cessaverunt fortes in Israel). richt. 5, 7; da sage man von der gerechtigkeit des herrn, von der gerechtigkeit seiner bauren in Israel (vulg. fortes). 5, 7; ich wil deine hirten und herde zerschmeiszen, ich wil deine bauren und joch zerschmeiszen (vulg. et collidam in te agricolam et jugales ejus). Jer. 51, 23. gewöhnlich gebraucht er ackermann, wenn vom landmann die rede ist, und auch heute verbinden wir mit diesen beiden wörtern einen edleren begrif als mit bauer, welchem daneben noch die vorstellung des gemeinen, groben und unedlen anhaftet, in welchem sinn es dann auch als schelte von andern, die nicht bauern sind, gilt: er ist ein rechter bauer, ein grober bauer;

dank hab, dank hab du grober baur,
was wilt du bei mir holen?
Uhland 693;

er müst ein rechter bauer sein,
der uns so ernehre. Garg. 86a.

so heiszt es: diese fabel leret, das dis buchlin bei bawren und groben leuten unwerd ist. Luther 5, 270b; ich hab lenger, denn zehen jar mich oft gedemütigt und die allerbesten wort gegeben, damit ich sie (die papisten) je lenger je erger gemacht habe, und die bawren nur sich vom flehen deste mehr geblehet haben. 5, 309b. schon bei Keisersberg hatte bauer meistentheils diese ungünstige bedeutung: ein herlich person als ein künig ist, dem zimpt ein köstlich kleid z tragen seines standes halber, und nit ein bauern schanz (grobes kleid, s. DWB schanze). sünden des munds 4b; den bauern geriet weder ir ops noch kraut. 18a; wer ein bauern salbet, so sticht er, wer sie sticht, den salbent sie. 59a; got tht darnach als ein bauer oder als ein metzger. welches kalb ein bauer metzgen wil, das laszt er blitzen und gumpen uf den matten. 18b; got geb dir den ritten, oder die beulen, oder die hünsch (schwere krankheiten), als dan die bauren einem wünschen. 38a; aber wie wol die juristen in iren büchern

[Bd. 1, Sp. 1177]


haben, das ein blosz und schlechte verheiszung (nichts wirke und) müg darum keiner den andern mit recht anziehen (nuda promissio non dat actionem), darumb nemen die bauren den mantel in die hand (sehen sich vor, ut promissio sit vestita). 65a; es kam ein weltweiser einist in ein wirtshaus, und er sah, das ein bauer bei den andern bauern in der urten sasz und hort inen z, was sie redten, und er redt nichts, dan er kunt nüt z den sachen reden. 76a; geheilget werd dein nam, zkum uns dein reich, knecht stich den bauern ze tod! (von unterbrechung des vaterunser bei unandächtigen betern). 84a; das lit also klor am tag, als der bur an der sunnen. post. 3, 52, auch schimpf und ernst cap. 226. wie man das menschengeschlecht überhaupt aus bäumen und steinen hervorgehn liesz, heiszt auch der bauer, der es am einfachsten darstellt, oft aus kieselstein entsprungen, z. b. in Ettners hebamme s. 15.
Aus späterer zeit werden wenige belege genügen: auf dasz die leut an der schrift nicht erwürgen, wie dem bauren schier geschehen war, der ein calender für coriander frasz. Fischart bienenk. 39b; lobt ihn für alle schwangere bauren. Garg. 239b; danzen auf eim fusz, wa ein Schweizer baur zwen bedarf. Garg. 126b; setzt den bauren auf den edelmann, vom pferd zum esel. 129b;

das feld hält sabattag, der acker liget stille,
und duldet nicht wie vor, dasz ihm viel wunden schlug
des bauers frecher arm und ein tyrannisch pflug.
Logau 1, 1, 4;

wer bauren verderben will, müsse bauren mit nehmen. Simpl. 2, 467; die bauren, die beim untergang der sonnen oft streitende kriegesheere erblicken. Liscov 55;

es schleicht der echte schlaf den federpfühl vorbei,
ist falschen städtern falsch und treuen bauren treu.
Hagedorn 1, 23;

eines bauers hütte.
Pfeffel 1, 166;

ich wette fast, ihr bauern, ihr verliert!
Gellert 1, 205;

diesen gesunden, kernhaften, wolgebildeten jungen bauer. Wieland 6, 146; ihn aus einem bauer zu einem staatsbürger umzubilden. 7, 151;

ich bin regent im land an kaisers statt,
und will nicht, dasz der bauer häuser baue
auf seine eigne hand und also frei
hinleb, als ob er herr wär in dem lande.
Schiller 519a;

und zu gericht zu sitzen mit dem bauer. 525b.

Sprüche: bauern sagen auch etwan wahr; bauern machen fürsten; der bauer ist nicht zu verderben, man hau ihm denn hand und fusz ab; wenn der bauer nicht musz, rührt er weder hand noch fusz; der bauer ist ein lauer; gibt der bauer, so sieht er sauer; ein bauer kommt sobald in den himmel als ein edelmann; hinter sich hinaus tragen die bauern die spiesze; in einen bauern gehört haberstroh; wir sollen drauf schlagen als die bauern auf den wolf; die bauern jauchzen dazu, wann sie singen; er fährt hinein, wie der bauer in die stiefeln; der bauer glaubt nur seinem vater; ein reicher bauer kennt seine verwandten nicht; was der bauer nicht kennt, das friszt er nicht; gemach ins dorf, die bauern sind trunken; bürger und bauer scheidet nichts als die mauer.
Man unterscheidet hofbauern, ganze bauern, halbbauern, pferdebauern; es gibt aber auszerdem eine menge anderer benennungen, um die bäuerlichen verhältnisse zu unterscheiden, vgl. DWB hübner, hintersassen, kossäten, meier, spanner u. s. w. Im schachspiel heiszt bauer, der mhd. vende genannt wurde; auch eine muschel, conus rusticus, sonst der aschenpuster, aschenbrödel, führt den namen bauer. Bei der zusammensetzung schwankt der erste theil oft zwischen bauer, bauern und bauers, doch drückt bauer mehr den allgemeinen begrif, der vorgesetzte gen. bauers die abhängigkeit aus und bauern, wenn es den gen. sg. meint, ebenfalls. musz darunter ein gen. pl. verstanden werden, so hat es die allgemeinheit des praefixes bauer. häufig aber dient bauer-, bauern- vor substantiven zur bezeichnung des geringen, schlechten.
 
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bauer, f. societas colonorum seu rusticorum, so nennt man in Niederdeutschland jeden kleinen verein von land- oder grundbesitzern. Möser 3, 71. entweder ein altes bûra, biura, oder blosze kürzung von bauerschaft.
 
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bauerarbeit, f. opus rusticum, besser bauernarbeit.
 
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bauerart, f. rusticitas, mores rusticorum, auch bauernart, bauersart.
 
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bauerband, n. kurländischer flachs, der so versendet wird, wie ihn die bauern gebunden zur stadt tragen.

[Bd. 1, Sp. 1178]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bauerbart, m. barba sordida, male pexa.
 
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bauerbengel, m. homo agrestis: ein ungeschliffener bauerbengel. Weise kl. leute 377.

 

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