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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
batzen bis bau (Bd. 1, Sp. 1160 bis 1163)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) batzen, haerere, rigere, coagulari, kleben, pappen, zusammen backen (sp. 1065), dem subst. batze entsprechend. wenn zottige haare sich in knäuel verwirren, heiszt es sie batzen (backen) zusammen; bettfedern haben sich gepatzet. König schweiz. hausb. 819; indeme er (der staar) sich nicht allzu reinlich hält, seind seine federn meistens nasz und zusammen gebatzet. Hohberg 3, 372a. Schmeller aber hat es noch in der weichen, flüssigen bedeutung: einen käfer, einen apfel batzen, zerbatzen, quetschen, zerdrücken; herumbatzen, in etwas schmierigem herum greifen.
 
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batzen, sarcire, grob flicken, grobe naht nähen: den rock batzen. verderbt aus besten oder büszen, welche man sehe.
 
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batzenflöte, f. J. Paul flegelj. 1, 43.
 
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batzenhäuslein, n. geringes wirtshaus, wo man nur einen batzen verzehrt.
 
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batzet, rudis, aus batze, wie massiv aus masse, derb, grobgebacken: warumb macht sich iedermann so breit, grosz und batzet? Frank parad. 14; sich batzet machen. Schmeller 1, 228; eine batzete lüge, derbe lüge.
 
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batzig, dasselbe, oft geschrieben patzig: der kerl macht sich batzig, thut dick, prahlt derb; sihe, hagenbutz, du machst dich disen morgen mechtig patzig. Garg. 198a; wie macht er sich mit ander leut geld so petzig. Taubmann zu ferox est in Plautus Asinar. II, 4, 62. vgl. DWB adelstolz, treckbatzig. Garg. 75a; treckbatzige zwerglin. 196b.
 
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bätzlein , n. mit verschiednen bedeutungen,

[Bd. 1, Sp. 1161]



1) hündlein, s. DWB bätze: hett ein kleines hündlin, dem lockt sie behend und bald, schlg die hend zsamen, sprach hurs, hurs bätzli, hurs, dapfer an ihne, er ist doch nichts mer werd. Frey garteng. cap. 20 s. 33.
2) schäflein, ovicula. Schmeller 1, 229, vgl. bätschelein kälbchen 1, 226.
3) anhängsel von gold, silber und perlen.
4) kleiner, fester mehlklosz.
5) kleiner, aufgenähter flickfleck.
 
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batzmann, m. name eines biers. Garg. 59b; nach dem zeitvertreiber s. 158 des biers zu Wollin.
 
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bätzner, m. siehe dreibätzner, sechsbätzner.
 
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bau, m. cubile, aedificium, cultura, rus, pl. bäue, ahd.gen. pûwes, mhd. bû bûwes und bou bouwes, nnl. bouw bouws; alts. abern., altn.n., schw. dän. bo n. (neben bŷr f. gen. bŷar, urbs, schw. dän. by), ags. engl. mangelnd, goth. nicht vorkommend. von der wurzel hernach unter bauen.
1) cubile, fovea, specus, den wilden thieren, die sich ihre wohnung bauen, wird darum ein bau zugeschrieben, namentlich heiszt die fuchshöle und dachshöle bau; in der thierfabel empfängt Reinharts höle oder grube sogar den eigennamen Malpertuis, mhd. Übelloch, wenn er sich dahin zurückzieht, wird gesagt, er hebt sich zu seiner burg, wie ihn die jäger zu loche, zu baue schliefen oder kriechen lassen. Grimberts burg wurde altfranz. Malbuisson genannt. schwed. räfven har bo i skogen. biber, ottern, hamster, kaninchen haben ihren bau, auch dem wolf wird bau und lager beigelegt, dem bären nur ein loch.

begibt sich das raubthier
aus dem gesicherten bau in unabsehlichen wäldern.
Zachariä 2, 74;

wollen den dachs bis an seinen bau hetzen. Fr. Müller 2, 112; die hunde stehn vor dem dachsbau und bellen. Mit noch gröszerem rechte verdient das kunstreiche nest der vögel den namen eines baues, schwed. heiszt es ausdrücklich fgelbo; mhd.

daʒ ein swalwe ze Irlande kæme,
ein frouwen hâr dâ næme
zir bûwe, zir geniste. Trist. 217, 11;

wenn ihm sein ehgemahl vom garn erhaschet wird,
der jetzt sein einsam sein ruft aus auf allen bäuen,
so bin anitzo ich.
Fleming 23.

die bienen wirken honig in aufgestellten körben, aber in selbst gebauten zellen; das wespennest, der ameisenhaufen könnte bau genannt sein, wie den letztern die thiersage burg nennt.
2) das haus, die behausung und wohnstätte der menschen ist ein bau, in welchem sinne Ulfilas bauains verwendet von dem unreinen geist, saei bauain habaida in aurahjôm, qui domicilium habuit in sepulcris. Marc. 5, 2, oder ahd. pûhaft habitabilis ausdrückt.

wer herscht inner groszen bäuen.
Opitz 1, 210;

fragt nichts nach hohen bäuen.
Fleming 72.


3) häufiger aber ist bau das gebäude, aedificium, structura, die errichtung des hauses, an dessen balken und giebel, nach Homeyers entdeckungen, der eigner sein handgemal, sein bauzeichen, bûmark in gestalt alter runen setzte: wie die menner hieszen, die diesen baw theten. Esra 5, 4; meister, sihe welche steine und welch ein baw ist das? Marc. 13, 1; sihestu wol allen diesen groszen baw? nicht ein stein wird auf dem andern bleiben. 13, 2; wir wissen aber, so unser irdisch haus diser hütten zubrochen wird, das wir einen baw haben von gott erbawet (goth. gatimrjôn, οἰκοδομήν). 2 Cor. 5, 1; da Jesus Christus der eckstein ist, auf welchem der ganze bau in einander gefüget wechset zu einem heiligen tempel (goth. gatimrjô, οἰκοδομή). Eph. 2, 21; und der baw irer mauern war von jaspis (ἐνδόμησις). apost. gesch. 21, 18; wann du den grund enzeuhest, so ist der bawe lose und felt bald umb. Petr. 80a; welches doch der rechte grund und boden ist, darauf sie iren römischen bau zimmern und setzen. Fischart bienenk. 16a; burglichen bau thun. Landau ritterg. s. 104; darauf bin ich fortgezogen und die nothwendige baue verdinget. Schweinichen 3, 125. wir sagen: das ist ein stolzer, edler bau, ein herliches gebäude; ein neuer bau steigt über der asche auf; viele häuser stehn in bau;

laszt ihr nur darum ewge bäue gleiszen,
um schnell dieselben wieder einzureiszen?
der tod kömmt plötzlich, der wird euch bei zeiten
höhlen bereiten.
E. v. Kleist 1, 6;

heilge ordnung, segensreiche,
die der städte bau gegründet.
Schiller 79b;

[Bd. 1, Sp. 1162]



dumpfbrausend wie des meeres wogen
von menschen wimmelnd wachst der bau
in weiter stets geschweiften bogen
hinauf bis in des himmels blau. 58a.

neuere bilden den pl. baue: glauben sie, dasz er bei bauen, wo sie selbst einwirken, angestellt werden könnte. Göthe an Zelter 9. Auszer dem haus gilt bau auch für schiffe, häfen, canäle, straszen, eisenbahnen, wagen und maschinen.
4) dieser bau, genommen für structura, constructio, leidet vielfache anwendung sowol auf sinnlich wahrnembare verhältnisse des leibes, der pflanzenwelt und gebirge, als auf abstracte gegenstände: der bau des menschlichen körpers. Kant 8, 9; ein mädchen von schlankem bau (wuchs);

die du in tiefer ruh am nachttisch bänder wählest,
der locken bau besiehst und muschen überzählest.
Zachariä schnupft. 2, 1;

ein pferd vom schönsten bau; vielfarbige blüten von wunderbarem baue. Humboldt ans. der nat. 2, 32; der bau der gebirge, der vulkane; der bau des himmels, der welt;

gott bleibt gott, man wird die welt gar in neuem baue sehen,
wann man bei der letzten brunst meinen wird es sei geschehen.
Logau 2, 7, 7;

der ganze bau der welt zeigt seiner hände spur.
Haller;

und bebte gleich der welten bau und veste,
so zaget er bei ihrem einfall nicht.
Hagedorn 1, 13;

ein baw von stahl, von stein und eichen
darf langer zeit nicht leichtlich weichen,
ein baw, der auf dem glauben steht,
vergeht, wenn ewigkeit vergeht.
Logau 1, 3, 47;

und kann die gleichheit nur den bau der freundschaft gründen,
wie wird er (der fürst) einen freund statt eines heuchlers finden?
Hagedorn 1, 36.

der bau eines gedichts, seine composition; der bau der sprache, ihre innere einrichtung. vgl. DWB aufbau, DWB unterbau, DWB satzbau.
5) das altn.n. hatte die bedeutung von rus, land im gegensatz zur stadt und zum hause, dann aber bezeichnete es auch das landgut, praedium, rusticatio und den viehstand, namentlich die rinder. ein alter spruch lautete

heima skal hest ala, enn hund â bûi,
equus domi, rure canis alatur,

für ala liest hâvamâl (Sœm. 20b) feita, saginare, das pferd soll daheim im stall, der hund beim bauer auf dem land gefüttert werden, man legte die hunde bei den hörigen ein. hann reisti bû, rusticatum exorsus est, er begann seinen landhaushalt. ein bû, praedium, wird oft hingegeben und verschenkt. höggva bûit heiszt das rindvieh ins haus schlachten. offenbar entspringen diese benennungen daher, dasz das feld gebaut, angebaut wird und die rinder den acker bauen, pflügen. die stadt aber führte, gleich der villa nach derselben wurzel, den namen bŷr oder bœr, weil sie erbaut wurde und von gebäuden erfüllt ist. die heutigen nordischen sprachen setzen bu oder bo nicht mehr für land, rus, doch gilt in Norwegen bu für das hornvieh (Aasen 52a).
6) das ahd. pû, mhd.gehn zwar nicht auf das land selbst, aber auf die landbestellung. den pû huerpan mag ursprünglich ausgedrückt haben das land bauen und pflügen, O. II. 16, 8 sagt in geistlicher anwendung:

bûent sie in wâra erda filu mâra,
ther hiar then bû biwirbit, er iamer thar nirstirbit.
mhd. mir hât der schûr erslagen
den besten bû den ich hân. Iw. 2833,

der hagel hat meine besten äcker verheert;

iu ist bû wol bekant,
nemt die arl in die hant,
ert, ziunet unde sæt,
snît, dreschet unde mæt,
und ander slahte arbeit,
die man gebûren ûf leit.
Haupt 2, 88,

ihr versteht euch auf alles, was ein bauer im feld zu verrichten hat, vgl. Ben. 1, 289a. es heiszt ein feld, ein grundstück in bau und besserung, in gutem bau erhalten, es gehörig ausstellen; ein acker ligt in bau oder nicht (Schmeller 1, 137). wir sagen aber meistentheils in der zusammensetzung ackerbau, feldbau, landbau, weinbau treiben: gott Zebaoth wende dich doch, schaw vom himel und sihe an und suche heim disen weinstock, und halt in im baw, den deine rechte gepflanzt hat. ps. 80, 16. auch mit bezug auf die einzelnen früchte: getraidebau, kornbau, flachsbau; hanfbau, kartoffelbau, ja honigbau und seidenbau. bergbau bezeichnet den anbau und betrieb der bergwerke, und wiederum auf die einzelnen arten angewendet, silberbau, kupferbau, eisenbau, kohlenbau: der bau der steinkohlen wird eifrig anempfohlen. Göthe 45, 290.
7) eigenthümlich ist der Schweizersprache bau oder buu fimus,

[Bd. 1, Sp. 1163]


mist, dünger, weil man den dünger einackert, mit ihm das land baut: bauw anlegen, stercorare. Maaler 51d. Stalder 1, 146; mist oder bauw. Tobler 37b; ein fuder bau, mist; kuhbauw, roszbauw, kuhmist, pferdemist. oder musz dem wort ein andrer ursprung beigemessen werden? vgl. DWB bauen.
8) das altn. bû, norw. bu, schw. bo bedeuten auch res familiaris, vermögen, hausgeräth.
9) bau steht nhd. für festungsbau, gefängnis: der missethäter kommt auf den bau, in schwere festungsarbeit.
10) in den städten führen einzelne öffentliche gebäude den namen bau, stadtbau, städtisches wirtshaus.
 
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bau, ausruf, gewöhnlich mit bif oder baf verbunden: auf einmal kams, wie vom himmel herunter, von der mündung des flusses, bav, bau! immer mit kanonen in die Franzosen drein. Göthe 8, 173. s. DWB bauz.

 

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