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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
batsch bis batzenflöte (Bd. 1, Sp. 1157 bis 1160)
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batschen, batuere, contundere, franz. battre: da batscht die maid ir hend zusam. H. Sachs IV. 3, 66b; die geisel patschen. Uhland 734. mehr unter patschen.
 
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batte, f. lucrum, emolumentum, Stieler schreibt die bate auxilium. mhd. bate:

ich gebe iu noch hiute
alleʒ daʒ ich ie gewan,
lant, burge, dienstman,
eʒ kumet alleʒ wol ze baden,
iuwer juncfrouwen wil ich bestaden
baʒ dan nâch irme rehte.
Herbort 2697;

armîsen unde platen,
geschütze in guoten baten. 4738;

ir sît in grôʒen unbaten,
deheines grîfens ich iuch staten. 417;

daʒ Troilus mit umbaten
ûf Eleno trîbet sînen spot. 2296;

überall scheint baten hier der dat. pl. eine im wb. zum pass. K. 697b angezogne, aber nicht angeführte stelle war jetzt nicht zu erreichen. Oberlin 98 führt in mehrern stellen an: weder miete noch batte nemen. batelôs hilflos findet sich Tundalus 54, 69. unbate bedeutet unart, schade, und wie wir unart persönlich anwenden: du bist ein rechter unart! gilt auch noch heute in wetterauischer, westerwäldischer volkssprache unbatte für einen homo nequam, nihili. Nd.

dat mochte ik reken vor grote bate. Reineke 2083;

wat scholde mi dat to bate komen? 2103;

tor baten. 3233;

se denken mêst der kindere bate. 3979;

scholde ymant bate entfân. 5250.

sprichwort: alle bate helpet, segde de mügge, un mêg in den Rîn; hd. alle batte hilft, sagte die mücke, und seichte in den Rhein. mnl. baet, bate:

entie mêst andren hêft mesdaen,
sal den andren in baten staen. Rein. 191;

daer of te hebben baet en ghenot. 4265;

om sîn bate. Christine 1365;

te sire bate. heimelich. 1112;

te sire ombate. 1501

[Bd. 1, Sp. 1158]



wat baet comt u van mînre dôt?
Potter 1, 1201;

bate of ontfaen. 2, 1451.

nnl. baat oder bate f. siehe das folgende wort.
 
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batten, frugi esse, prodesse, juvare, proficere, frommen, fruchten, im Westerwald, in Hessen, in der Wetterau sehr üblich, Alberus erklärt batt durch proficit und das synonyme hilft, Dasypodius 179c expedit, es ist nutz, es battet;

die sonne gab des fleisches schatten,
er meint, es solt in etwas batten,
er greif darnach und war nicht faul.
Alberus 19,

das stroh, das er in schuen hatt,
wiewol michs warlich wenig batt,
das nam ich, als herauszer guckt,
und hab es hinder im verschluckt. 39;

als er nun lang gebetten hatt
und sah doch, dasz in wenig batt. 97;

geh du am saubern ort,
und lasz in in dem dreck umb watten,
das wirt dich an dein schhen batten.
Scheit grob. E 3b;

hat euch die leussalb nichts gebatt. T 1b;

und denken nur, was sie mag batten,
wann sie han viel acker und matten. ganskönig H 5a;

du glaubst und glaubst und weist nicht was,
was meinst, das dich werd patten das?
W. Spangenberg fangbriefe F 6b;

was batt dein übelsehen?
Uhland 680;

es batt noch hilft nichts. Fischart bienenk. 34a; ja dasz man die gewissen mit keinen neuen geboten binden mag, das batt uns nichts, ebensowenig als ein frühmesz auf den abend. 47a; dasz ... alles sein leiden uns nicht hat können batten. 75b; und ob man sich schon zu gott bekehrte, das kan nicht batten, es sei dann, dasz man vollkommenlich bezale. 106a; und hiewider hilft noch battet alles nichts, was die ketzer einwerfen. 107a; aber es battet sie wie muterkraut für herzgesperr und heisze eschen für blatrige füsz. 244b; es soll dich wol etwas batten, dasz ich da sitz. Garg. 151b. Stieler führt 719 an: es battet mich nichts, nihil conducit; was batt es, dasz man den stall zumacht, wenn die kühe weg sein? nach Henisch 198. batt es nichts, so schadt es nichts ist eine noch heute gangbare redensart; es will nichts batten sagt man in Schwaben (Schmid 1, 36) und im Elsasz, für die allemannische mundart zeugen zwei stellen aus Hebel (ausg. 5):

du grobe burst, se battets nüt. 212;

's het alles nit ghulfen und battet. 298;

in der schweizerischen sollte man das wort erwarten, doch geben es weder Maaler, noch Stalder und Tobler an, Stalder 1, 143 hat ein batten, aber in der bedeutung von bastgen, bezwingen, überwältigen. der bairischen und östr. volkssprache scheint es heute ganz fremd.
Desto üblicher bleibt es in der niederdeutschen:

wente gi konnet noch so manigen rat,
de ju lichte wol baten mach. Reineke 1305;

de konnen nicht an enen baten. 3652;

it mach mi schaden, it mach mi baten. 3700;

mochte ik ju mit mineme live baten. 5313;

dat sulve Reinken nicht vele batede. 6362;

in welchen stellen allen kein baten des mnl. gedichts entspricht, doch unteriiegt das nnl. baten keinem zweifel.
Hält man nun das mhd. bate, nhd. batte zum mnl. baet, bate, nd. bate, das nhd. batten zum nd. und nnl. baten, so musz die abgehende lautverschiebung auffallen und man hat eben darum das wort für ein unhochdeutsches, aus der niederdeutschen sprache erborgtes angesehen. bei genauerer forschung ergibt sich umgedreht, dasz die hochdeutsche form hier in vollem rechte steht und das nl. nd. baten aus baden verderbt ist, wie längst schon gramm. 1, 494 (ausg. von 1822) nachgewiesen wurde. niemand kann glauben, dasz ein mhd. dichter wie Alber batelôs für baʒelôs geschrieben oder ganze hochdeutsche landschaften batten aus baʒen gemacht haben sollten, umsoweniger als ein ahd. baʒên melius habere (Graff 3, 223) wirklich bestand. dies baʒên ist aber mit baten ganz unverwandt und baten fordert zur wurzel ein goth. bad, nicht bat, folglich ein ahd. pat, nicht paʒ; baten hat auch gar nicht die bedeutung bene se habere, melius se habere, vielmehr die völlig verschiedne von juvare, proficere. die schreibung baden: bestaden bei Herbort, dessen gedicht ans nd. streift, hatte guten grund.
Wie nun, sollte ahd. keine spur des ausdrucks übrig sein? alte glossen gewähren unpata lentus, wobei man sich alsogleich jenes persönlichen unbate nequam erinnert, wie schon das auslautende

[Bd. 1, Sp. 1159]


a ein fem. anzeigt; noch mehr, fragm. theot. p. 20 steht in Christi amore promptissimus verdeutscht: in Christes minniu batast gagarawiter, das will nicht sagen optime (beʒist) paratus, sondern promptissime ad juvandum paratus, = funsist gagarawiter. Dazu stimmt aber badmen juvari (sp. 1075) und die von Schmeller verfehlte auslegung eines alts. ausdrucks, der es zur sicherheit bringt, dasz nd. baten für baden steht:

idisi fêngun gibada an iro brioston. Hel. 172, 11,

mulieres ceperunt juvamen in pectoribus;
thêm mannum ward gihêlid môd,
gibadi an iro briostun. 97, 9,

viris restitutus est animus, auxilium datum pectoribus eorum; wie sich damit aber die deutung von underbadôn 148, 5 vertrage, musz für einen andern ort aufgespart bleiben. von der verwandtschaft dieses ahd. pata, alts. gibada mit ahd. petti, goth. badi, vielleicht auch mit ahd. pato, ags. beado, altn. böd pugna soll unter dem worte bett lectus die rede sein. hier genügte es batten als rein hochdeutsch gerechtfertigt und seine herkunft aus basz abgewiesen zu haben.
 
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bätz, m. ursus, betz, petz, koseform für bär, den betzen zu Bern im loch zeigen. Garg. 124b; vgl. altn. bessi, bersi und hernach bätzli.
 
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batze, batz, m. numus ursi typum gerens, ursatus sestertius, mlat. bacio, bacius, bacenus (Ducange 1, 528a), eine geringe zu Bern geprägte, vier kreuzer werthe münze, die sich seit dem 15. 16 jh. im südlichen Deutschland allgemein verbreitete und auch in andern gebieten, ohne dasz der Berner bär darauf abgebildet war, gleichen namen behielt. auf dieselbe weise entsprang der name florenus von der blume, die dem florentinischen gulden, oder kreuzer von dem kreuz, das dieser kleinen münze eingeprägt war, und behauptete sich auch, wenn das zeichen wegfiel oder mit einem andern vertauscht wurde. diese herleitung des batzens ist der vom it. pezzo oder franz. pièce schon deshalb vorzuziehen, weil dann auch wol allgemein goldbatze für goldstück, pièce d'or gesagt worden wäre, wie nie geschieht, auch heiszt den Schweizern gerade das silberstückchen von fünf sols bieszli (Stalder 1, 170), niemals bätzli. doch s. das folgende batze.
Wann das wort zuerst erscheint, ist noch unermittelt, es mag gegen den ausgang des 15 jh. der fall sein, in dessen mitte die rechnungsbücher Conrads von Weinsberg oder Otto Rulands nie von batzen reden, auch nicht des abtes Ulrich von sanct Gallen um 1490 (Zellweger no 523). Frisch 1, 74 und Schmeller 1, 227 häufen beispiele aus dem 16 jh. Mathesius 165a sagt: batz ist hernach ein gemeiner name worden aller der groschen, die auf vier kreuzer, wie die halben alten zehner geschlagen; so weit als nach gulden und kreuzern gerechnet wurde, verbreitete sich auch die benennung des batzens und des dreibätzners, sechsbätzners für gröszere münze. statt zwei kreuzer sagt das volk lieber einen halben batzen, statt vier kreuzer immer einen batzen, ja das wort ist allmälich ein ausdruck für geld überhaupt geworden, es heiszt nicht das kostet kreuzer oder gulden, sondern das kostet batzen; nicht der hat gulden, sondern der hat batzen, ist ein reicher mann, was freilich wieder für jenen auch in pièce und pezzo liegenden allgemeinen sinn sprechen könnte. seine batzen zusammen halten. Simpl. 2, 44; wäre sie arm, so könte ich ja wol denken, dasz sie nur meine bare batzen genommen. ebenda; wenn danken ein batzen kostet, so behielts mancher in seinem säckel. Lehmann 133; ein böser batze, der seinen herrn nicht lösen will. Simrock 549; seine batzen zählen, sein geld zählen. Gotter 1, 158; halbbatzen daher machen, albernes zeug schwätzen. Schmeller 1, 228;

darzu hab ich ein specerei,
die gilt ein batzen oder drei.
Alberus 197;

und geb frü einem gelt dazu,
nemlich ein patzen oder drei.
H. Sachs II. 4, 3c;

da der zahlpfennig jetzt ein gulden, ein album oder batzen, jetzt ein pfenning heller bedeutet. Kirchhof wendunm. 47a; kundschaft zu verhören, von jedem zeugen 2 batzen. mil. disc. 258; Königsteiner batzen und Salzburger gröschlin. Garg. 120b; wenn das glück gar wol will, fallen etwan ein thaler batzen von den reichen, als wie durchs schneiders scheer uns zu. Schuppius 548; den schülern zehn batzen, den witfrauen ein gulden. 750; acht batzen von der winkelsteuer. Jucundiss. 192; sie ihm ein paar batzen schenkten. wegkürzer 26; o ho, drei batzen für meinen eintritt. Fr. Müller 2, 122;

[Bd. 1, Sp. 1160]


alle diese dinge wären keinen halben batzen wert.
Platen 250.

In der bairischen kindersprache heiszt jedes geldstück, zumal ein als schmuck angehängtes batze, batzel, aber auch anderwärts war batze ein angehänge der frauen von gold, silber und edelgestein, so wie der rosse:

ein schönes rosz,
jung, weilig, freidig, stark und grosz,
behangen mit sättel und baum,
mit batzen, das mans sehen kaum.
Waldis 2, 78,

mit glänzenden metallplatten oder blechen. die zinngieszer nennen grosze, abgedrechselte zinnstücke, wonach die formen gemacht werden, batzen, was doch wieder vom folgenden wort abgeleitet werden könnte.
 
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batze, m. massa, gleba, klumpe, was aus dem weichen erhärtet, geronnen ist und zusammen klebt, ohne zweifel von backen 2 herzuleiten, wie gutzen von gucken, gatzern von gackern u. s. w. man sagt mehlbatze, leimbatze, eiterbatze, rotzbatze, speibatze, augenbatze (was augenbutter, augenkäse) und nennt die klebrige, aus zerquetschten thieren oder pflanzen vortretende materie batz: ich drücke dich, dasz dir der batz ausgeht; er hat den wurm getreten, dasz ihm der batz herausgegangen ist; er friszt, dasz ihm der batz abrinnt; die birne ist teig, ich habe sie zu einem batz zerdrückt (Schmeller 1, 228). jungfraw mon bringet so schöne, kalte wetterlinge, unfläter, grindbatzen. Fischart groszm. 94; ja von solchen dreckbatzen, kruckäntlein, kotäntlein, muckenscheiszerlein, hafenguckerlein. Garg. 40b; der naturlich mensch, der in der schrift ein verderbter batz wird genent. Frank baum des wissens 125; weisz fast wol, dasz wir alle gleich Adams kinder seind ein verderbter batz, ja all wol wasser an einer stangen tragen. weltb. vorr. a 4b; wir seind all ein verderbter batz ausz Adam, die nichts dann die hell verdienen, ausz demselben verflchten kotbatzen seind ausz genaden etlich geschirr z ehren gemacht. guldin arch 210a; gott wird all menschen auf ein haufen durch sein wort nicht desto weniger, wie sie sind, ein verderbten batzen, vasz des zorns, thorecht und gotlos nennen. paradoxa 37b; dann was ist das fleisch, dann ein pfütz, instrument, häfel und patz der sünd? 66b. in den hohen öfen heiszt ein stück lehm oder leim zum verkleben des lochs im tümpel der batze. batze, dreckbatze eine schelte der vornehmen gegen handwerksgesellen, sonst broz, handwerksbroz. Man könnte nun auch vermuten, dasz die kleine am finger klebende münze, weil aus heiszem silber gebacken, batze genannt worden sei, und vielleicht verdient diese herleitung den vorzug vor der andern aus dem Berner bären.
 
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bätze, f. canicula, betze, petze, hündin, altn. bikkja, ags. bicce, engl. bitch, wozu man das sl. p's'' canis, poln. pies und die in der gesch. deutsch. spr. s. 38. 39 angeführten weitgreifenden verwandtschaften halte.

wer solche thierchen fängt, der fängt beläuftge bätzen.
Wiedemann april 1. 22.


 
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batzen, haerere, rigere, coagulari, kleben, pappen, zusammen backen (sp. 1065), dem subst. batze entsprechend. wenn zottige haare sich in knäuel verwirren, heiszt es sie batzen (backen) zusammen; bettfedern haben sich gepatzet. König schweiz. hausb. 819; indeme er (der staar) sich nicht allzu reinlich hält, seind seine federn meistens nasz und zusammen gebatzet. Hohberg 3, 372a. Schmeller aber hat es noch in der weichen, flüssigen bedeutung: einen käfer, einen apfel batzen, zerbatzen, quetschen, zerdrücken; herumbatzen, in etwas schmierigem herum greifen.
 
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batzen, sarcire, grob flicken, grobe naht nähen: den rock batzen. verderbt aus besten oder büszen, welche man sehe.
 
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batzenflöte, f. J. Paul flegelj. 1, 43.

 

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