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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
base bis bastartart (Bd. 1, Sp. 1147 bis 1151)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) base, f. amita, ahd. pasâ, basâ (Graff 3, 215), mhd. base (Ben. 1, 92), ein kennzeichen unserer mundart, gleich seinem gegenstück muhme, denn die übrigen dialecte haben beide wörter nicht. später ist die im mittleren Deutschland gültige form wase auch nach Westfalen und Niedersachsen vorgedrungen, nicht nach den Niederlanden. base ist amita, des vaters, muome matertera, der mutter schwester. nicht anders verhalten sich ags. faðu amita, môdrie matertera, nd. vade und medder, fries. fethe und môdire (Richth. 736b), schw. dän. faster amita, moster matertera. seltsames pei amita, bop matertera aus der Wangeroger volkssprache gibt Ehrentraut s. 19.
Klar liegen faster und moster, bequeme zusammenschiebungen aus farsyster morsyster, fadersyster modersyster = altn. föðursystir, môðursystir. sollten nicht in matertera die beiden letzten silben kürzung eines älteren sostera anzeigen? soror geht zurück auf sosor, svasor, vielleicht svastor = sl. sestra, goth. svistar. dem matertera ist amita (woraus franz. tante, engl. aunt entsprang) unähnlich gestaltet, parallel wäre patertera, vermutungen über amita gehören nicht hierher. zu matertera treten môdrie, môdire, medder, doch fehlt ihnen, was dem tera entspräche; ihre bildung gleicht genau der von patruus, ags. fädera, ahd. fatareo, nhd. vetter, vaters bruder. in basa und muoma musz fatar und muotar, in faðu, fethe musz fäder, feder stecken. sind ihre verengungen blosze hypokorismen, oder rührt das S in basa noch von suestar her, basa = faster? was faðu, fethe und ihren abstand vom D in fäder, feder anlangt, so gewahrten wir oben sp. 1050, dasz dem goth. fadar, um mit pater in einklang zu kommen, ein faþar vorausgegangen sein werde; hier wären in faðu und fethe (vgl. goth. faþs in bruþfaþs) überreste der gesetzlichen aspirata. von muoma, wie von bluomo auf bluosmo, ags. blôsma, auf muosma zu schlieszen, schiene zu kühn.
Doch das merkwürdigste ist die störung der lautregel zwischen basa, pasa und fatar, welches ein fasa forderte, F wurde gleichsam in B fortgeschoben, das B noch weiter in W. den wechsel von B und F bezeugen bairgs und fairguni, balzen und falzen, blach und flach, wahrscheinlich auch Balder, Paltar und die koseform Phol (Folz?). Gegen die einleuchtende nothwendigkeit basa mit fatar, faðu mit fäder zu verbinden, werden andere vermutungen einer gemeinschaft zwischen basa und buosum (gramm. 2, 44), zwischen faðu und fäðm nicht können aufkommen. wer wollte muoma von muotar, matertera von mater trennen? aber schon skr. ist vadhû, badhû femina, nurus. Bopp 308a.
So bestimmt alle solche verwandtschaftswörter ursprünglich waren, so leicht pflegt im laufe der zeit ihre bedeutung sich zu verwirren und verallgemeinern. vetter patruus und base amita wurden bald auch auf den mann der base, auf die frau des vetters, allmälich auf die patrueles überhaupt erstreckt, ja heute drücken sie gar nicht mehr patruus und amita, sondern geschwisterkinder und weitere verwandte untereinander aus. den begrif patruus und avunculus musz uns oheim, den begrif amita zugleich muhme oder das fremde tante bezeichnen.
Bei Luther, der immer wase, nicht base schreibt, ist es 3 Mos. 18, 14 des patruus frau: du solt deines vatern bruder schambd nicht blöszen, das du sein weib nemest, denn sie ist deine wase. Tho. Plater hält noch die urbedeutung aufrecht: die wil ich das jüngst was, hand mich meine bäslin, des vatters schwestern, ietliche ein wil ghan. 5; min bäsinen. 6. bei Keisersberg fallen base und muhme zusammen: meines vatters oder meiner mutter schwester, das wer mein bas. post. 4, 8. bei Gryphius ist aber unter base deutlich die tochter der tante oder des oheims gemeint:

was ists denn, sprach er, mehr? und wär es gleich geschehen,
man hat mich dennoch nicht mit schwestern buhlen sehen,
nicht in der tochter schosz, wie Verianus pflegt,
der sich zu kind und weib, zu baas und schwester legt. 2, 96.

[Bd. 1, Sp. 1148]


Gellert setzt base richtig für amita, muhme ungenau für nichte:

zwei mädchen brachten ihre tage
bei einer alten base zu,
die alte hielt zu ihrer muhmen plage
sehr wenig von der morgenruh. 1, 179.

geschwisterkinder untereinander reden sich heute vetter und base an, in alter zeit würde der neffe seine tante base genannt haben. wenn Gotter 1, 50 tanten und basen zusammenstellt, wäre dies ehmals ohne sinn gewesen, da base einerlei mit tante ist, er versteht also unter basen fernere verwandtinnen. was unter base gemeint sei, hat oft der zusammenhang zu bestimmen.
Nicht unähnlich dem mhd. 'ich pin mîner basen bruoder sun' (Ben. 1, 92a) pflegte man zu sagen 'das geht dir an deiner basen herz', ist dir gleichgültig, hümmert dich wenig: du gönnest (l. er gönnet) etwan eim etwas, aber schlechtlich anhin, es got im an der basen herz. Keisersb. post. 3, 91; so lenger du on tanzen bist, so minder dich tanzen anficht, es got dir an der basen herz, das du nit gon solt. 3, 99. aber 'einander in der base sein' meint gut mit einander stehn. Stald. 2, 493.
Man bildete groszbase proamita, amita magna, obergroszbase amita major, abamita, vorobergroszbase, amita maxima, abavi soror; stiefbase, vitrici et novercae soror. Stieler 100.
 
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basen, delirare, vagari, ein seltnes wort, das nach dem wechsel zwischen B und DW sich mit dem nnl. dwazen berühren könnte, doch ist auch verbazen, stupere zu vergleichen. das bremische wb. 1, 59 kennt beides basen und verbasen. wer bist du denn, das du so rasest und basest, springest und rennest, wie ein rechter Bachusbruder? Erbenius fastnachtsgespräch. Erfurt 1582.
 
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basengespräch, n. zu Straszburg wurden noch in diesem jahrhundert ergetzliche fraubasen- und jungferbasengespräche in reimen abgefaszt und für das volk als fliegende blätter gedruckt.
 
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basenschaft, f. cognatio, sippschaft: ich musz gestehen, dasz sich die basenschaft mit grazie in das zimmer hinein hustete. J. Paul uns. loge 1, 87; verachten wir das masz, so macht sich am ende das ganze todtenreich von abstracten, die ganze basenschaft von eigenheiten auf. kl. bücherschau 1, 169.
 
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bäslein, n. affinis, amica, bäsi, bäsli. Maaler 49c; liebs bäslin. sch. u. ernst c. 132. Keisersb. sünden des munds 72a.
 
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bassieren, bas singen: ich will mit dem gutteruf bassieren, so tenorier du mit dem kranchhals. Garg. 91a.
 
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bast, m. seltner n., cortex, cutis.
1) liber, cortex tiliae, spartum, ahd. past, mhd. bast pl. beste (Ben. 1, 92a), nnl. bast m., ags. bäst, engl. bast, altn. schw. bast n., dän. bast m., die inwendige weiche, unter der äuszeren harten rinde abgezogne haut der linde, ulme und anderer pflanzen, deren man sich zum binden bedient. die natürliche ableitung ist darum von binden band, altn. binda batt (in der zweiten person wahrscheinlich bast oder bazt), nach dem A das N ausstoszend. auch dem goth. praet. band dürfte man in zweiter person banst zutrauen, wie von standan stôst, von vairþan varst gebildet sind, und im abgeleiteten subst. afstass, usstass für stand, gahts neben gaggs, ohne nasalis gelten. goth. bansts horreum, wahrscheinlich geflecht bedeutend, konnte neben basts liber bestehen, wie sich hochd. banse von bast, ags. bôse von bast, altn. bâs von bast scheidet. ähnlicher tilgung der nasalis begegnen wir im zendischen bata gebunden von bandh, im pers. besteh von bend (Bopp vergl. gr. s. 102); doch auszer bandh fordert auch die wurzel pa ligare rücksicht, zu welcher sich einige der oben sp. 1051 angeführten wörter mit gleichem recht schlagen lieszen.
Abgesehn von solchen schwierigkeiten macht anstand, dasz ein nahverwandtes mhd. buost oder buoste auf einen ablaut von bast leitet:

mit bestînen buosten
bant ern (den sattel) wider zuo. Parz. 137, 10,

wo das abstracte buost strick durch das angefügte sinnliche adj. gehoben wird. immerhin aber mag aus bast von binden ein neues basten buost entsprungen sein, das weitere verbum besten, enbesten (Ben. 1, 92b. Haupt 8, 12. 13) stellt sich zu bast wie zu basten. Ganz von binden ablenken würde, wollte man bast, buost und besten zum ahd. bôsôn nähen, oder gar zu buoʒan bessern, flicken ziehen, welches letzte doch geringe wahrscheinlichkeit hätte (vgl. 2 c. f.).
Bast galt nun gleich jenem besten im einfachen alterthum zumal vom binden der schuhe, des zaums und sattels (RA. 260.

[Bd. 1, Sp. 1149]


261): die sollens bezahlen, so die schuhe mit bast binden (d. i. die armen bauern). Stieler 157;

ich bin ein liefländisch bauer,
mein leben wird mir sauer,
ich steige auf den birkenbaum,
davon hau ich sattel und zaum,
ich binde die schuhe mit baste.
mhd. gereite geworht von baste. krone 19904;

von baste ein zoumelîn geflohten. 19940;

mit einem grüenen baste
verstrikte erʒ. Trist. 75, 30;

die vüeʒe wârn im unden
zesamene gebunden
und die hende vaste
ze rüke mit baste. Iw. 4940.

nhd. ein jung mensch msz man ziehen wie ein wildfang (wilden baum), das in dem walde stot, tregt sauer obs, wan man sie (die äpfel) iszt, so ziehen sie das maul ze samen als ein seckel (wie einen beutel), so man das (wildfang) ausgrebt und mit bast verbindet. Keisersberg sünden des munds 63b; wenn man mich bünde mit sieben seilen von frischem bast, die noch nicht verdorret sind. richt. 16, 8; man sihet die buszbrüder und buszschwestern biszweilen in Italien über die strasze gehn mit einem bast und strick um den hals, als ob sie vom galgen gefallen wären, damit sie der barfüszer spotten. Fischart bienenk. 27b. bast, pantoffelholz, suber. Frisch nomencl. 16; schuh aus dem baste der zartesten linde gewoben. Rückert 262. zugleich aber drückte bast, wie stroh, halm und ähnliche wörter, etwas werthloses, geringes aus: mhd.

eʒ was im anders sam ein bast. Iw. 2635;

ich sag iu ein bast. 6273;

er ist nicht bastes wert. MSH. 3, 463.


2) die benennung des bastes wird erstreckt auf die abgelöste oder haftende haut und schale, ohne alle vorstellung des bindens.
a) auf die menschliche haut, den bast an fingern und händen:

das biszchen gras verwelkt,
dasz man des abends fast das bast von fingern melkt.
Rost;

kalt wehten entsetzen und grausen sie an,
o Jesu, mein heiland, was hab ich gethan?
sie wand sich das bast von den händen.
Bürger 62a.

doch auch dieser bast muste zu bändern dienen: mein vater, der lange in Ungarn gegen die Türken gedienet und sein lederwerk, was er auf der jagd brauchte, diesen unchristen bei lebenden leibe aus dem baste gerissen hatte. Möser patr. ph. 1, 266.
b) auf die haut, unter welcher sich das gehörn des hirsches und rehes bildet: der hirsch schlägt oder fegt den rauhen bast vom gehörne ab. Döbel 1, 3. Becher 50.
c) im Tristan s. 72—75 bedeutet der bast die enthäutung des hirsches durch den jäger, und enbesten ihm die haut abziehen, wofür auch entwæten und entnæjen gesagt wird, was wieder an jenes ahd. bôsôn klingt.
d) auf die ablösbare äuszere schale, oder die unter der baumrinde feste haut: so klopfen die knaben den bast von der weide los (deutsche mythol. s. 1190. 1191);

noch prahlt ein baum mit manchem frischen aste,
die blätter bilden noch geräumge lauben,
da schon zerstörung wütet unterm baste.
Platen 94b.


e) die äuszere haut des flachses wird gleichfalls bast genannt.
f) mhd. heiszt der saum oder bebänderte rand eines kleides der bast (Ben. 1, 92b) oder ûfbast. Hätzl. 282a.
3) Schmeller bemerkt 1, 214, dasz linden und ulmen selbst bast heiszen, gleichsam bastbäume. in solchem sinn könnte auch ein stab, der geschält ist oder sich schälen läszt, den namen bast führen. Günther 192 undeutlich:

bald schnitz ich etwann bunte stäbe,
da martert mich sogar das bast,

was will er damit sagen? dasz ihm die harte rinde mühe mache? Den hirten legt schon das höchste alterthum buntgeschälte haselstäbe bei (1 Mos. 30, 37) und das volk schält sie noch heute. es mag als gewagter einfall beigefügt werden, dasz das so gut wie unerklärte romanische bastone, baston, bâton ursprünglich ein geschälter oder schälbarer stock gewesen sei, wofür die geschichte unserer sprache selbst freilich keinen beweis mehr aufbringen kann. Raynouard schweigt oder verweist auf Denina, der wol auch βαστάζειν (Diez 1, 39) anführt. doch das mlat. basta, bastum, clitellae, sella, sagma (Ducange 1, 613. 619) gemahnen an den bast unsrer alten sättel, der uralte

[Bd. 1, Sp. 1150]


volksname der Bastarnen an basterna, den geflochtnen wagen (gesch. der deutschen spr. 460. 461). Maaler 50d hat ein schweizerisches der bast, clitellae, saumsattel, und Forer thierbuch 51a den esel unter den bast (tragsattel) verkaufen (s. bästlein); selbst in bastardus scheint das deutsche wort bast zu liegen. auf der andern seite stimmen βάσταγμα tracht, last, bei Hesych βασταγή zu sagma, saum zum it. basto saumsattel, und bastone wäre ein prügel, den man in händen trägt. sogar fustis vergleiche sich zu bastone, bâton.
4) abstractionen der ersten bedeutung des bastes verstehen sich von selbst: der fürst wurde durch einen dreifachen bast an Lebaut geknüpft, durch dankbarkeit, durch sohn und frau, der lord zausete den bast auseinander. J. Paul Hesp. 1, 34.
 
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bast, optimus. schon mhd. begann die zusammenziehung von beʒest in best, nhd. im 16 jh. erscheint aber eine unumlautende form, doch nur im adverb am oder zum basten, optime: gefallen mir an dem basten. Keisersb. brös. 26b; im lesen kan er am basten und leichtesten merken und unterwiesen werden. Val. Ickelsamer cap. 3; dessen er am basten erfahren gewesen. Fronsp. kriegsb. 2 vorr.; so stehet es nicht zum basten z haus. Wirsung Cal. R 4a; wer mich am basten zalet, der war der best an inen. T 1b; versahe alle sachen nach dem basten. Wickram rollw. 97a; ir wissend am allerbasten, wo euch weh ist. Frey garteng. cap. 60;

du gfelst mir nit am basten.
H. Sachs I, 224b;

lüg und list kan am allerbasten.
I, 255c.

vgl. DWB basz und DWB best.
 
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bastart, m. nothus, spurius, die schreibung bastard unhochdeutsch, wie denn auch Maaler, Henisch und andere immer bastart setzen; ein aus den romanischen sprachen her weit verbreiteter ausdruck für einen begrif, dem haufenweis andere benennungen zustehn, mlat. bastardus, it. bastardo, prov. bastarz, franz. bastard, bâtard, mhd. basthart (wie Reinhart, hasehart = renard, hazard) und bastart (Ben. 1, 93a), nnl. bastaard, bastert, engl. bastard, litt. bóstras (Nesselm. 233a).
Um den ursprung und sinn dieses worts zu ermitteln, musz vor allem geforscht werden, wo es zuerst erscheint. man findet es nun weder ahd., noch ags., weder in den gesetzen und capitularien, noch bei den lateinschreibenden chronisten Frankreichs oder Deutschlands vor der zweiten hälfte des eilften jh. der berühmte normännische Wilhelm, der natürliche sohn herzog Roberts und eroberer Englands im j. 1066, ist der erste unter diesem namen vorkommende, und heiszt bei Adam von Bremen 2, 52. 3, 51 iste Willelmus quem Franci bastardum vocant, cui pro obliquo sanguine cognomen est bastardus; bei Anselmus gemblacensis, dem fortsetzer Sigeberts, ad a. 1138 Wilhelmus bastardus (Pertz 8, 386); beim annalista Saxo ad a. 1014 Wilhelmus, quem Franci bastardum vocant (Pertz 8, 667); ja in seinen eignen briefen nennt er sich ego Wilhelmus, cognomine bastardus, alle normännischen herzöge führen beinamen, es war natürlich, dasz er das kebskind hiesz. das wort könnte nun ein französisches scheinen und man hat es aus bas, bassus, niedrig gedeutet, da in späteren urk. des 13. 14 jh. fils de bas, fille de bas für bâtard, bâtarde vorkommt, venir de bas für ex illegitimo concubitu (Ducange 1, 614d. 615a). andere urk. setzen aber fils de bast, venir de bast, ohne zweifel richtiger, und bas ist blosze entstellung des bast, womit die vorgeschlagne ableitung fällt. wäre der ausdruck französisch gewesen, man begriffe nicht sein unterbleiben in früherer zeit, in welcher die natürlichen kinder der Carolinge oft dazu anlasz gaben; er war also normännisch, folglich altnordisch, und erst durch den titel des ruhmvollen herzogs Wilhelm nach Frankreich und in alle andern reiche des mittelalters vorgedrungen. zwar gebrauchen die nordischen gesetze selbst für nothus und spurius das wort bastarðr nicht; bemerkenswerth aber ist, dasz nach der saga Magnus Erlingssonar cap. 5 (fornm. sögur 7, 297) Sigurðr iarl ein schwert führte, das bastart hiesz (er bastarðr var kallaðr), und eine hs. liest bastharðr. das mag nun, der treflichkeit des schwertes unbeschadet, spottname gewesen sein, hart wie bast (gegenüber dem beinharðr, steinhart), d. i. unecht, und wir werden nachher sehn, dasz bastart überhaupt auf gemischte und unechte sachen anwendung findet. in der unmittelbar vorausgehenden saga Hâkonar cap. 13 (förnm. sög. 7, 269) steht bastbleikr, bleich wie bast. höchst unwahrscheinlich ist, dasz auch nach Norwegen bastarðr erst aus der Normandie oder England verpflanzt worden sei; man könnte aber den zweiten

[Bd. 1, Sp. 1151]


theil des namens, wenn er nicht auf ein schwert, sondern auf einen mann bezogen wird, allgemeiner fassen und nach der vorhin bei bast hervorgehobnen bedeutung von res vilis, nullius pretii, erklären homo spurius, illegitimus, ein sohn, dem erbe und stand des vaters entzogen werden. beidemal ist jedoch bast liber darin enthalten, und im verlauf der zeit bâtard, wie renard allgemein in die französische sprache eingetreten; auch in der hochdeutschen sprache hat es, als vornehmes und rittermäsziges, aus Frankreich hergebrachtes, obschon urdeutsches wort, die übrigen benennungen, zumal bankhart und bankrise verdrängt und unter das gemeine volk verwiesen.
Den höheren stil von bastart bezeugen folgende stellen: du bist unerlich, du bist ein basthart, daran sein vatter und mutter schuld haben. Keisersb. sünden des munds 37b;

so wer ich wol ein pasthart.
Vindler bei
Haupt 9, 92;

seid ir aber one züchtigung, so seid ir bastarte und nicht kinder, ἄρα νόθοι καὶ οὐχ υἱοί ἐστε. Ebr. 12, 8; wie hat denn Lascus seine bastarten an ihre statt bringen können? Micrälius 2, 169; päpstische bastart. Fischart bienenk. 96b. 128a. 130a; menig (multitudo) irer bastart. 210a; die bastart seugen. Garg. 70a;

und dieser Dietrich ist allein
ein pastart und unehlich kind.
Ayrer 204a;

der thron von England ist durch einen bastard
entweiht, der Briten edelherzig volk
durch eine listge gauklerin betrogen.
Schiller 429a.

sprichwort: keine mutter trägt einen bastart; ein bastart bringt so grosz brot für einen pfennig als ein ehekind (gegen die ausschlieszung unehlicher vom handwerk).
Schon frühe ward das wort übertragen auf unechte, unreine erzeugnisse und stoffe, auf blendlinge, mischlinge:

des niht von der hôhen art,
eʒ was ein samît pastart. Parz. 552, 12;

thu dazu ein wenig weiszen tragant in dem bastard (wein) zulassen (zerlassen). Tabernaem. s. 162; wann sie ein gute supp von bastart und romanei gezecht haben. bienenk. 93a; die weich man drei tag in starken romanei oder bastart. 241a; Fischart zählt unter weinen und unter bieren einen bastart auf. Garg. 58a. 59b; ein gewisser spanischer wein hiesz bastartwein, ein geschwefelter, süszer wein weiszer bastart. hunde von jagdhund und schäferhund erzeugt sind bastarte oder zwitter; es gibt auch von windspielen und docken eine bastartierte art. Nicht anders it. bastardo unechte, wilde rebe; französisch: charrette bastarde, quae inter majorem et minorem media est; coustel bastart, bastardeau; vin bâtard; moulin bastart. Ducange 1, 616b; heute noch heiszt écriture bâtarde die zwischen der runden und italienischen stehende. man sehe die folgenden zusammensetzungen und verbastarten, auch composita mit bauer, welches ebenso zur bezeichnung des schlechten, unechten diente.
 
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bastartadler, m. vultur percnopterus, geieradler.
 
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bastartart, f., aus begattung oder befruchtung mehrerer arten hervorgegangen.

 

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