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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
barsendung bis bärteln (Bd. 1, Sp. 1141 bis 1144)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) barsendung, f. von geld.
 
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bärsich, perca, gleicht dem it. persico, persega, franz. persegue.
 
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barst, ablaut von bersten.
 
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bart, m. barba, ahd. part, mhd. bart, nnl. baard, ags. engl. beard, fries. berd; den nordischen sprachen mangelnd und durch skegg, schw. skägg, dän. skäg (lapp. skautja, skauzhja) ersetzt, das bei Biörn (unterschieden von barð n. ala, axilla) aufgeführte bart n. kommt nicht vor, und scheint nach der deutschen form eingetragen. schade, dasz die gothische bei Ulfilas wieder nicht zu ersehen ist, nach analogie von gazd, azd, huzd, uzd = ahd. gart, art, hort, ort wäre bazds (tirol. salzb. wirklich bascht) zu gewarten, altn. baddr, dem doch die eigennamen Harbarðr und Lângbarðr widerstreben.
Zunächst liegt das litt. barzda, lett. bahrsda, beide weiblich; dann das altsl. brada, böhm. serb. brada, poln. broda, russ. boroda, alle auch weiblich, R nach der sl. umstellung, wie in rod = art. finnisch parta gen. parran (neben hapena, est. habbe).
Mit labialis statt der lingualis lat. barba und so in allen romanischen zungen, überall f. unter den keltischen nur welsch barf, armor. barô, nicht gal. und ir. das B in barba neben jenem. bard ist wie in verbum neben goth. vaurd, wie in herba neben hortus für horthus (vgl. goth. aurts herba, aurtja hortulanus), wie in uber neben οὖθαρ u. a. m.; B : D verhält sich wie sonst öfter F : TH, z. b. in fores und θύρα, fera und θήρ, fumus und θυμός. will man B aus DV deuten, wie bellum aus duellum, bis aus δίς für dvis, so böte sich das serb. bradva für unser barte, zimmeraxt dar, und statt des vorhin gerathnen goth. bazds gelangte man auf bardv.
Wie es auch um diese verwandtschaften eigentlich stehe, sie sind unleugbar; nicht zu übersehen, dasz zwischen bard brada barzda barba keine consonanz verschoben ist und lauter mediae walten; bedeutsamen anklang hat das ahd. parran und parzan rigere (Graff 3, 155. 191), östr. barzen (Höfer 1, 59), bair. bärzen (Schm. 1, 204), hervorstechen, weil die stacheln des barts starren, emporstehn.
Bart war, wie πώγων, der allgemeine ausdruck, den lippenbart, μύσταξ, bezeichnete ahd. grana f., mhd. gran, altn. grön, wofür wir heute die unbeholfnen composita schnurrbart, schnauzbart, knebelbart brauchen müssen. der jungsprieszende bart hiesz gauchbart, von gauch, vöglein, weil nach dem volksscherz es noch im streite liegt, ob aus dem flaum federn oder haare wachsen; andere zusammensetzungen gehn auf gestalt und farbe: flachsbart, strohbart, mosbart, stutzbart, spitzbart, milchbart, eisenbart, graubart, rothbart, bocksbart, ziegenbart, geiszbart; schönbart ist schembart, larve.
Bart kann auch das kinn, die stelle des barts ausdrücken:

am bart noch ohne haare.
Gökingk 2, 174.


Es heiszt den bart kämmen, winden, knüpfen, streichen, wischen, schmieren, beizen, färben, einseifen, abnehmen, machen, putzen, scheren, schaben, schneiden, verschneiden, stutzen, ziehen, raufen, ausreiszen.
1) vor dem bart drückt, wie unter den augen (sp. 791), das coram, nähe und gegenwart aus, einem etwas in den bart (unter die augen), geradezu heraus sagen; être à la barbe bedeutet en présence, katson partahan jumalan. Kalevala 27, 200 gottes bart schauen, vor seinem angesicht stehn; papin parran näkivät, des pfaffen bart schauen. Kanteletar 1, no 177, vor ihm stehn; du lehrest die alten vor dem bart, cum imberbis majorem natu docet. Henisch 193. ante pilos venit. Persius; nahmen mich derowegen vor ihren bart (coram). Simpl. 1, 634; es war eine stattliche frau in den besten jahren mit handfester gemütsart, eine von denen, welche unserm

[Bd. 1, Sp. 1142]


herrgott unter dem bart stünden, wenn er sie bis dahin kommen liesze. Jer. Gotthelf erzähl. 3, 234. ähnlich ist: gott läszt sich nicht in den bart greifen, zu nahe treten: sie gedenken nicht, das gott redt, er sei ein starker eiverer, er lasse im nicht in bart greifen. Luther 4, 511a; unserm herrgott in bart greifen. tischreden 403; derhalb solt man mit dem weltlichen schwert unverworren sein und gott nit also in sein urteil, gericht, bart und schwert greifen. Frank chronica 460a. lauter heidnische ausdrucksweisen.

und sagten ihm von dieser art
noch viel verbindlichs in den bart (ins gesicht).
Göthe 2, 200.

wir hätten sie bart gegen bart empfangen
und heimgepeitscht.
Schiller 579b,

wir wären ihnen tapfer unter die augen getreten. einem um den bart (mund) herum gehen, wie frauen den männern schmeichelnd.
2) einem ströhernen, flächsenen bart drehen, faire la barbe de paille à quelqu'un, ihn hintergehen, übervortheilen, ihm etwas weis machen: weil sie im solch ein feine nasen drehen und einen solchen schönen ströern bart flechten. Luther 5, 55b; herr Caiphas fienge an und machte gott auch eine nasen und ströern bart. ebenda; ein etwas mit lug und trug überreden, ein nasen treen oder eim ding ein ströin bart flechten. Frank sprichw. 1, 18b; und es ist nicht wol müglich gott ein flächsinen bart oder wächsine nas zu machen. Fischart bienenk. 202b.
3) einem etwas in den bart werfen, einen schimpf, der an ihm hängen bleibt: eine klette oder leimspille in den bart werfen. Ringwald laut. warh. A 5a; sprüchwörter lassen einen stachel hinter sich, darum musz man sie nicht einem jeden ohne unterscheid in den bart werfen. Bödikers teutsche sprache, ausg. von 1746 s. 478.
4) in dem bart grasen lassen, praebere ut vellatur barba; wer ihm in dem bart laszt umbgrasen, dem hofieret man endlich gar aufs maul. Henisch 195.
5) einem etwas in den bart reiben, ins gesicht vorwerfen; die begebenheit mit seiner frauen unter den bart gerieben. westf. Robinson 162.
6) einem den bart scheren, kämmen, putzen, bespinnen, einen hart mitnehmen, ausschelten, aus den falten legen (hebamme 43);

sein messer vil genewer schirt
zu harten berten ungenetzt,
dan ie kein scharsach new gewetzt. fastn. sp. 1112;

und im den bart also bespunnen,
das ers sein lebtag nicht verwunnen.
Ringwald laut. warh. 128;

der profos ward geheiszen nachfolgen vor des fürsten losament, bekam doch nichts, dann dasz der bart ihm wüst ward gekemmet. Kirchhof mil. disc. 220; wem der kopf bleibt, der butzt den bart. 200; dann ich sehe wol, es heiszt da, wer den kopf bekompt, der schär den bart. Fischart bienenk. 127a; den bart verschneiden. Ringwald laut. warh. 81. einem den bart machen, seine pläne vereiteln. Stalder 2, 493.
7) raufen: sich in die lefzen beiszen und bei dem bart ropfen. Keisersb. sünden des munds 23b; das heiszt dem todten lewen den bart reufen, welchen sie lebendig nicht hetten thurst anrüren. Luther 3, 298b; schlahe im ein kliplin und reuf im den bart aus. 1, 365a;

dein bart wil ich dir ausraufen.
Uhland 332;

vom schmähen bis zum bartausraufen (oben sp. 512).


8) in den bart brummen, murmeln, unvernehmlich, für sich reden; was brummt er wieder in den bart?; vernehmlich sprechen ist besser als in den bart murmeln. Platen 245b. auch er lügt in seinen bart hinein.
9) den bart behaglich streichen, wischen:

und streiche lächelnd meinen bart.
Göthe 12, 191;

ein jeder wüschet sein bart.
Uhland 577.


10) durch den bart trinken, langsam, vorsichtig schlürfen. altn. lâttu grön sîa þâ! (lasz den bart den wein seihen). Sœm. edda 170. Völs. saga cap. 10 s. 142; ich trink nicht nach dem stundglas, wie ein prediger auf der kanzel, ders oft schüttelt, ich nicht durch die sip, aber durch den bart seigern, das ist das best. Garg. 85a. aber, er hat sich einen bart gemacht, kann nicht mehr über den bart spuken, ist trunken. Lichtenberg 3, 75.
11) von einem greisenden bart: sehet wie der rif (reif) dir in den bart gefallen ist. Keisersb. kaufleute (brösamlin) 106a; wie ligt der thaw dem auf dem bart. Garg. 87a. mhd. bart snêvar. Erek 2080.

[Bd. 1, Sp. 1143]



12) bis an den bart in arbeiten stecken, bis an die schulter vertieft:

so aufgeblüht wie ein pedant,
der itzt von seinem werth erhitzet
in werken seiner eignen hand
bis an den bart begraben sitzet.
Gellert 1, 93.


13) mädchen mit dem taufwasser eines knaben getauft, bekommen davon bart; frau, die einen knaben über taufe hält, kann davon bart bekommen; kleine mädchen, die sich von männern küssen lassen, bekommen bart; das mädchen musz die mutter, den knaben der vater zuerst küssen, sonst bekommt das mädchen bart, der knabe keinen;

mîne grane, die mir sint angezunt,
gesæt ir minne ûf mînen munt,
diu mir stiure ûf dise vart
mit kusse gap. den selben bart
hât ûʒ mime kinne
noch mêr gezogn ir minne
dan mîner kurzen zîte jâr. Wh. 287, 11.


14) schwur bei dem bart, mit anfassung desselben. RA. 899. sam mir mîn bart! sô mir dirre mîn bart! bei meinem bart! so sagt auch der löwe. Gökingk 3, 226.
15) um des kaisers bart streiten, sich erfolglos um abgethane, verschollene dinge abmühen, an die man kein recht hat. könig Carl wurde mit langem weiszem, kaiser Friedrich mit rothem bart geschildert (deutsche myth. 910) und es hiesz auch auf den alten kaiser hinein leben, prassen, heirathen, d. i. in ruhiger erwartung, dasz er wieder komme.
Auszer dem menschlichen kinnhaar gilt nun bart
16) von den borsten an der schnauze einiger thiere, zumal katzenartiger: die katze leckt ihren bart, es ist besuch im hause zu erwarten; auch vom bart der ziegen, und des fisches, der den namen barbe führt; vom läppchen am halse des hahns.
17) weidmännisch, von dem rüssel des schwarzwildbrets.
18) von den grannen (was schon barthaaren heiszt) der gerste und des habers. auch die nusz hat einen bart.
19) von den strahlen, die der komet nach der seite des himmels wirft, wohin er sich bewegt, im gegensatze seines schweifes. s. DWB bartstern.
20) am schlüssel heiszt der untere, viereckige ansatz, den man im schlüsselloch umdreht, bart oder kamm: da eben zum gröszten unglück der bard, gleich bei dem anfange des umdrehens von dem schlüssel abgieng. Leipz. avanturier 2, 152.
21) bergmännisch, der gang setzt einen bart, er führt in der sicherung erz oder steine. auch heiszt bart ein holzstück mit angeschnitzten spänen, zum zünden des feuers, sowie der vom stürzer zum zeichen an die tonne gesteckte holzbüschel.
22) in der schmelzhütte das gepochte, unten im waschtroge sitzen bleibende erz.
23) an den orgelpfeifen zwei stücke zinnblech zum stimmen.
24) bei den wollkämmern, die klar gekämmte, zum verspinnen zugerichtete wolle. vgl. 6.
25) bart des weinstocks, wenn lange fäden herabhangen. nach Kölges weinbaukunde s. 63 die feinen thauwurzeln dicht am boden des stocks.
26) ein bart an der kappe: eine grosze kappe mit langen bärten, die kappe selbst durch ein dratgestell hoch über den kopf gehalten, die bärte aber wie eine schärpe um den leib geknüpft, so dasz die enden hinterwärts herunter fallen. Göthe 27, 66.
27) ein dem wachslicht abgenommener bart, ein wachsbart. Hippel lebensl. 3, 205. 206.
 
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bartbeiszker, m. cobitis barbatula, fossilis, ein kleiner fisch mit bartfäden, beisker, bitzker ist das poln. piskorz, böhm. piskoř von piskati pfeifen, wie er auch in deutschen landstrichen peifker und pipe heiszt.
 
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bartbürste, f. zur pflege des barts.
 
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bärtchen, n. barbula.
 
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barte, f. bipennis, ascia, ahd. partâ, mhd. barte, den übrigen deutschen sprachen mangelnd, aber altsl. erscheint neben brada barba ein bradv' ascia, serb. neben brada barba ein bradva ascia. das böhm. brada bedeutet unverändert den bart an der axt (Jungm. 1, 168a), das poln. broda zugleich die spitze der axt; was meint aber der bart an der axt? bradatice soll bartaxt oder breites beil ausdrücken, wobei verwirrung herschen musz. denn das ags. brâdäx, engl. broadax ist breite axt und von barte wörtlich verschieden. unter axthelm wurde dargethan, dasz helm den stiel bedeute, helmbarte eine gestielte barte, folglich war barte, wie das poln. broda der spitze oder schneidende theil des werkzeugs mit einem bartähnlichen widerhaken.

[Bd. 1, Sp. 1144]


unser barte ist demnach von bart, wie bradv' von brada herzuleiten. die folgenden stellen zeigen, dasz man mit der barte zu hauen, aber auch zu werfen pflegte, sie diente dem zimmermann wie dem krieger. mhd. andere belege bei Ben. 1, 90b;

bat sînes gesellen wîp behalten sîne barten. Tundal. 43, 75;

mâlet sicheln und barten. jüngling 537;

torwarten houwen mit der barten. Renner 660.

nhd. man musz nit all ding mit barten behauwen. Keisersb. omeisz 22b; man sihet die exte oben her blicken, wie man in einen wald hawet und zuhawen alle seine tafelwerk mit beil und barten (vulg. in securi et ascia dejecerunt eam). ps. 74, 5. 6; da man mit barten wirft und stecken und stangen ficht. Luthers br. 3, 358; zu einer harten eiche musz man barten, beile und exte haben. tischr. 37a; warf er nach demselben (hasen) mit einer barten. Kirchhof wendunm. 210b; ein bauwer wird mit einer barten gehauwen. 223a; hub ein lange, breite barten, die er trug, auf. 223b; holet eine barte und hieb mich aus dem baum heraus. Hans Clawerts hist. 35; die barten über einen rücken und ihm den wurf bieten, die barten einem aufrücken. urk. von 1557. 1562;

die ohren wollen schaben
mit der apostel kling und bart.
Ringwald laut. warh. 432;

wie viel sie da mit beil und barten fellen.
Opitz ps. s. 141;

mit spieszen, beil und barten.
Spee trutzn. 44.

sprichwort: schlägst du mich mit der barte, schlag ich dich mit dem beile. Simrock 741. vgl. DWB helmbarte, DWB hellebarte, DWB partisane.
 
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bartecht, s. DWB bartet.
 
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barteisen, n. zum kräuseln des bartes.
 
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bärteln, bei den tuchscherern, das tuch zu halben haaren scheren, dasz es rauch wird und gleichsam das ansehen eines bartes hat. s. DWB ausscheren.

 

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