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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
barröst bis bart (Bd. 1, Sp. 1140 bis 1141)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) barröst, nudo corpore: etlich hettind gern ir harnisch und züg von inen geworfen und barröst gestritten. Tschudi 1, 526. der sinn ist klar, gleich den nordischen berserken, indusio tantum induti. aber was ist röst?
 
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bars, barsch, m. perca, nnl. baars, ags. bears. s. bärsich.
 
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barsch, hiesz auch ein stück an der rüstung, das vielleicht nach der gestalt des fisches gebildet war: es seind bei drei rosse verbüget und schadhaftig worden, dann sie haben kein barsen oder geliger (? glieder) geführt. Goldast const. imp. bei dem turnier von 1530; mit seinem ganzen küris, starkem hengst, guten barschen oder verdeckten stählen gliedern gerüst. Fronsperg 1, 37b; ihre kürisz mit ganzen parschen, wolbedeckt stälen glider und verdeckt hengst. Garg. 200b.
 
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barsch, acris, trux, austerus, ferox, rauh, grob, herb, nnl. barsch, nd. basch, schw. dän. barsk; zuerst bei Stieler 99: ein barscher mensch, homo durus, inexorabilis, barscher käse, caseus acrioris saporis, ein barscher geschmack, barsche worte, verba acerba. Adelung nahm das wort erst in die zweite ausgabe auf und führt an: die wolle ist barsch, das tuch fühlt sich barsch an, der wein ist barsch, hat einen herben geschmack.

tyrannenvolk, das barsch vom thron gebeut.
Gökingk;

mit gunst, ist dies nicht allzu barsch?
Bürger 93b;

an dir gesellen unhold, barsch und toll.
Göthe 12, 171;

der barsch besiegte habe sichs. 40, 418.

nd. en baschen keerl; sprik doch mal en basch woord; en basch woord holt den keerl van de dör. der hochd. volkssprache, überhaupt der älteren sprache unbekannt, auch nicht mnl., der bedeutung nach läszt es sich kaum von baar nudus, etwa wie hübsch von hof, ableiten.
 
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barschaft, f. pecunia parata, heute mit langem a ausgesprochen: alle barschaft an gelde und kleinod. Luther 3, 239; darumb auch alle gelübd in der schrift allein so beschrieben stehen, dasz sie sind in menschlicher barschaft bereit von got geben, als ochsen, schaf, haus, äcker, leibe. Luthers br. 2, 637; sie haben allzeit zubereit gift inhendig und in barschaft. Frank weltb. 121a; münz oder gelt und barschaft. Mathesius 160b;

des musz ich euch bescheiden,
die parschaft mein,
was mir gat ein,
zahl ich nit bald zu zeiten. Garg. 89b;

Athen, das gwaltig königreich,
deme an parschaft schir keins ist gleich.
Ayrer 248b;

dann ich wuste wol, dasz sie unsere barschaft in ihre brust vernähet hatte. Simpl. 2, 94; seine mittelmäszige barschaft sicher unterzubringen. ehe eines weibes 5;

die barschaft, die zu sehr an kargen fäusten klebt,
nur ihrem hüter lacht, der stets nach mehrerm strebt.
Hagedorn 1, 21;

dasz ich aber
dir alle meine barschaft nicht kann schicken,
das macht der junge tempelherr.
Lessing 2, 283;

als ich ihr drauf mein biszchen barschaft gab
und einen goldnen ring.
Bürger 105b;

seine ganze barschaft, welche sich, die warheit zu gestehen, nicht über zehn oder zwölf pistolen belief. Wieland 10, 94; da ihre emsig gesammelte barschaft der familie doch endlich zu gute kommen sollte. Göthe 22, 203; seine barschaften und capitalien. 31, 222; denn eine masse gemünztes gold und silber verleiht selbst dem unwahren ansehen und gewicht, man läszt die lüge gelten, indem man die barschaft beneidet. 31, 231; die umsetzung der banknoten in barschaft. Kant 5, 95; das kargen mit der barschaft des lebensgefühls. 10, 168.
 
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barschenkel, nudo femore, barbeinig, barfusz. mhd. lautet die oben unter barfusz angezogne lehre:

ein rîter sol niht vor vrouwen gên
barschink, als ichʒ kan verstên. welsch. gast 457,

mit den varianten barschenk, barschenkel.

parschenkel het kein hosen an.
H. Sachs II. 4, 79b;

[Bd. 1, Sp. 1141]


der burgermeister luf usz sinem hus barschenkel. Tschudi 1, 386; die magd bald an das fenster gieng, und von dem schein des himmels wol erkannt, dasz es ein nackender mensch war und darzu barschenkelt in einem hembdlin arm und elendiglichen für dem thürlein sasze und vom frost zittert als ein aspenlaub. Bocc. 1, 45b, die alte Ulmer ausgabe bl. 29a: die meid pald an das fenster ging und von dem schein des himels wol erkante, das es ein nackender mensch war darz parschenkel in einem hemdlein arm und elendiclichen in dem türlein sasze und von frost zittert als ein espenlaube; im original: la fante andò, e ajutandola la chiarita dell' aere, vide costui in camiscia e scalzo quivi sedersi, come è detto, tremando forte. also barschenkel für scalzo discalceatus.
 
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barschheit, f. acerbitas, rauheit, grobheit, barsches wesen.
 
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barsendung, f. von geld.
 
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bärsich, perca, gleicht dem it. persico, persega, franz. persegue.
 
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barst, ablaut von bersten.
 
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bart, m. barba, ahd. part, mhd. bart, nnl. baard, ags. engl. beard, fries. berd; den nordischen sprachen mangelnd und durch skegg, schw. skägg, dän. skäg (lapp. skautja, skauzhja) ersetzt, das bei Biörn (unterschieden von barð n. ala, axilla) aufgeführte bart n. kommt nicht vor, und scheint nach der deutschen form eingetragen. schade, dasz die gothische bei Ulfilas wieder nicht zu ersehen ist, nach analogie von gazd, azd, huzd, uzd = ahd. gart, art, hort, ort wäre bazds (tirol. salzb. wirklich bascht) zu gewarten, altn. baddr, dem doch die eigennamen Harbarðr und Lângbarðr widerstreben.
Zunächst liegt das litt. barzda, lett. bahrsda, beide weiblich; dann das altsl. brada, böhm. serb. brada, poln. broda, russ. boroda, alle auch weiblich, R nach der sl. umstellung, wie in rod = art. finnisch parta gen. parran (neben hapena, est. habbe).
Mit labialis statt der lingualis lat. barba und so in allen romanischen zungen, überall f. unter den keltischen nur welsch barf, armor. barô, nicht gal. und ir. das B in barba neben jenem. bard ist wie in verbum neben goth. vaurd, wie in herba neben hortus für horthus (vgl. goth. aurts herba, aurtja hortulanus), wie in uber neben οὖθαρ u. a. m.; B : D verhält sich wie sonst öfter F : TH, z. b. in fores und θύρα, fera und θήρ, fumus und θυμός. will man B aus DV deuten, wie bellum aus duellum, bis aus δίς für dvis, so böte sich das serb. bradva für unser barte, zimmeraxt dar, und statt des vorhin gerathnen goth. bazds gelangte man auf bardv.
Wie es auch um diese verwandtschaften eigentlich stehe, sie sind unleugbar; nicht zu übersehen, dasz zwischen bard brada barzda barba keine consonanz verschoben ist und lauter mediae walten; bedeutsamen anklang hat das ahd. parran und parzan rigere (Graff 3, 155. 191), östr. barzen (Höfer 1, 59), bair. bärzen (Schm. 1, 204), hervorstechen, weil die stacheln des barts starren, emporstehn.
Bart war, wie πώγων, der allgemeine ausdruck, den lippenbart, μύσταξ, bezeichnete ahd. grana f., mhd. gran, altn. grön, wofür wir heute die unbeholfnen composita schnurrbart, schnauzbart, knebelbart brauchen müssen. der jungsprieszende bart hiesz gauchbart, von gauch, vöglein, weil nach dem volksscherz es noch im streite liegt, ob aus dem flaum federn oder haare wachsen; andere zusammensetzungen gehn auf gestalt und farbe: flachsbart, strohbart, mosbart, stutzbart, spitzbart, milchbart, eisenbart, graubart, rothbart, bocksbart, ziegenbart, geiszbart; schönbart ist schembart, larve.
Bart kann auch das kinn, die stelle des barts ausdrücken:

am bart noch ohne haare.
Gökingk 2, 174.


Es heiszt den bart kämmen, winden, knüpfen, streichen, wischen, schmieren, beizen, färben, einseifen, abnehmen, machen, putzen, scheren, schaben, schneiden, verschneiden, stutzen, ziehen, raufen, ausreiszen.
1) vor dem bart drückt, wie unter den augen (sp. 791), das coram, nähe und gegenwart aus, einem etwas in den bart (unter die augen), geradezu heraus sagen; être à la barbe bedeutet en présence, katson partahan jumalan. Kalevala 27, 200 gottes bart schauen, vor seinem angesicht stehn; papin parran näkivät, des pfaffen bart schauen. Kanteletar 1, no 177, vor ihm stehn; du lehrest die alten vor dem bart, cum imberbis majorem natu docet. Henisch 193. ante pilos venit. Persius; nahmen mich derowegen vor ihren bart (coram). Simpl. 1, 634; es war eine stattliche frau in den besten jahren mit handfester gemütsart, eine von denen, welche unserm

[Bd. 1, Sp. 1142]


herrgott unter dem bart stünden, wenn er sie bis dahin kommen liesze. Jer. Gotthelf erzähl. 3, 234. ähnlich ist: gott läszt sich nicht in den bart greifen, zu nahe treten: sie gedenken nicht, das gott redt, er sei ein starker eiverer, er lasse im nicht in bart greifen. Luther 4, 511a; unserm herrgott in bart greifen. tischreden 403; derhalb solt man mit dem weltlichen schwert unverworren sein und gott nit also in sein urteil, gericht, bart und schwert greifen. Frank chronica 460a. lauter heidnische ausdrucksweisen.

und sagten ihm von dieser art
noch viel verbindlichs in den bart (ins gesicht).
Göthe 2, 200.

wir hätten sie bart gegen bart empfangen
und heimgepeitscht.
Schiller 579b,

wir wären ihnen tapfer unter die augen getreten. einem um den bart (mund) herum gehen, wie frauen den männern schmeichelnd.
2) einem ströhernen, flächsenen bart drehen, faire la barbe de paille à quelqu'un, ihn hintergehen, übervortheilen, ihm etwas weis machen: weil sie im solch ein feine nasen drehen und einen solchen schönen ströern bart flechten. Luther 5, 55b; herr Caiphas fienge an und machte gott auch eine nasen und ströern bart. ebenda; ein etwas mit lug und trug überreden, ein nasen treen oder eim ding ein ströin bart flechten. Frank sprichw. 1, 18b; und es ist nicht wol müglich gott ein flächsinen bart oder wächsine nas zu machen. Fischart bienenk. 202b.
3) einem etwas in den bart werfen, einen schimpf, der an ihm hängen bleibt: eine klette oder leimspille in den bart werfen. Ringwald laut. warh. A 5a; sprüchwörter lassen einen stachel hinter sich, darum musz man sie nicht einem jeden ohne unterscheid in den bart werfen. Bödikers teutsche sprache, ausg. von 1746 s. 478.
4) in dem bart grasen lassen, praebere ut vellatur barba; wer ihm in dem bart laszt umbgrasen, dem hofieret man endlich gar aufs maul. Henisch 195.
5) einem etwas in den bart reiben, ins gesicht vorwerfen; die begebenheit mit seiner frauen unter den bart gerieben. westf. Robinson 162.
6) einem den bart scheren, kämmen, putzen, bespinnen, einen hart mitnehmen, ausschelten, aus den falten legen (hebamme 43);

sein messer vil genewer schirt
zu harten berten ungenetzt,
dan ie kein scharsach new gewetzt. fastn. sp. 1112;

und im den bart also bespunnen,
das ers sein lebtag nicht verwunnen.
Ringwald laut. warh. 128;

der profos ward geheiszen nachfolgen vor des fürsten losament, bekam doch nichts, dann dasz der bart ihm wüst ward gekemmet. Kirchhof mil. disc. 220; wem der kopf bleibt, der butzt den bart. 200; dann ich sehe wol, es heiszt da, wer den kopf bekompt, der schär den bart. Fischart bienenk. 127a; den bart verschneiden. Ringwald laut. warh. 81. einem den bart machen, seine pläne vereiteln. Stalder 2, 493.
7) raufen: sich in die lefzen beiszen und bei dem bart ropfen. Keisersb. sünden des munds 23b; das heiszt dem todten lewen den bart reufen, welchen sie lebendig nicht hetten thurst anrüren. Luther 3, 298b; schlahe im ein kliplin und reuf im den bart aus. 1, 365a;

dein bart wil ich dir ausraufen.
Uhland 332;

vom schmähen bis zum bartausraufen (oben sp. 512).


8) in den bart brummen, murmeln, unvernehmlich, für sich reden; was brummt er wieder in den bart?; vernehmlich sprechen ist besser als in den bart murmeln. Platen 245b. auch er lügt in seinen bart hinein.
9) den bart behaglich streichen, wischen:

und streiche lächelnd meinen bart.
Göthe 12, 191;

ein jeder wüschet sein bart.
Uhland 577.


10) durch den bart trinken, langsam, vorsichtig schlürfen. altn. lâttu grön sîa þâ! (lasz den bart den wein seihen). Sœm. edda 170. Völs. saga cap. 10 s. 142; ich trink nicht nach dem stundglas, wie ein prediger auf der kanzel, ders oft schüttelt, ich nicht durch die sip, aber durch den bart seigern, das ist das best. Garg. 85a. aber, er hat sich einen bart gemacht, kann nicht mehr über den bart spuken, ist trunken. Lichtenberg 3, 75.
11) von einem greisenden bart: sehet wie der rif (reif) dir in den bart gefallen ist. Keisersb. kaufleute (brösamlin) 106a; wie ligt der thaw dem auf dem bart. Garg. 87a. mhd. bart snêvar. Erek 2080.

[Bd. 1, Sp. 1143]



12) bis an den bart in arbeiten stecken, bis an die schulter vertieft:

so aufgeblüht wie ein pedant,
der itzt von seinem werth erhitzet
in werken seiner eignen hand
bis an den bart begraben sitzet.
Gellert 1, 93.


13) mädchen mit dem taufwasser eines knaben getauft, bekommen davon bart; frau, die einen knaben über taufe hält, kann davon bart bekommen; kleine mädchen, die sich von männern küssen lassen, bekommen bart; das mädchen musz die mutter, den knaben der vater zuerst küssen, sonst bekommt das mädchen bart, der knabe keinen;

mîne grane, die mir sint angezunt,
gesæt ir minne ûf mînen munt,
diu mir stiure ûf dise vart
mit kusse gap. den selben bart
hât ûʒ mime kinne
noch mêr gezogn ir minne
dan mîner kurzen zîte jâr. Wh. 287, 11.


14) schwur bei dem bart, mit anfassung desselben. RA. 899. sam mir mîn bart! sô mir dirre mîn bart! bei meinem bart! so sagt auch der löwe. Gökingk 3, 226.
15) um des kaisers bart streiten, sich erfolglos um abgethane, verschollene dinge abmühen, an die man kein recht hat. könig Carl wurde mit langem weiszem, kaiser Friedrich mit rothem bart geschildert (deutsche myth. 910) und es hiesz auch auf den alten kaiser hinein leben, prassen, heirathen, d. i. in ruhiger erwartung, dasz er wieder komme.
Auszer dem menschlichen kinnhaar gilt nun bart
16) von den borsten an der schnauze einiger thiere, zumal katzenartiger: die katze leckt ihren bart, es ist besuch im hause zu erwarten; auch vom bart der ziegen, und des fisches, der den namen barbe führt; vom läppchen am halse des hahns.
17) weidmännisch, von dem rüssel des schwarzwildbrets.
18) von den grannen (was schon barthaaren heiszt) der gerste und des habers. auch die nusz hat einen bart.
19) von den strahlen, die der komet nach der seite des himmels wirft, wohin er sich bewegt, im gegensatze seines schweifes. s. DWB bartstern.
20) am schlüssel heiszt der untere, viereckige ansatz, den man im schlüsselloch umdreht, bart oder kamm: da eben zum gröszten unglück der bard, gleich bei dem anfange des umdrehens von dem schlüssel abgieng. Leipz. avanturier 2, 152.
21) bergmännisch, der gang setzt einen bart, er führt in der sicherung erz oder steine. auch heiszt bart ein holzstück mit angeschnitzten spänen, zum zünden des feuers, sowie der vom stürzer zum zeichen an die tonne gesteckte holzbüschel.
22) in der schmelzhütte das gepochte, unten im waschtroge sitzen bleibende erz.
23) an den orgelpfeifen zwei stücke zinnblech zum stimmen.
24) bei den wollkämmern, die klar gekämmte, zum verspinnen zugerichtete wolle. vgl. 6.
25) bart des weinstocks, wenn lange fäden herabhangen. nach Kölges weinbaukunde s. 63 die feinen thauwurzeln dicht am boden des stocks.
26) ein bart an der kappe: eine grosze kappe mit langen bärten, die kappe selbst durch ein dratgestell hoch über den kopf gehalten, die bärte aber wie eine schärpe um den leib geknüpft, so dasz die enden hinterwärts herunter fallen. Göthe 27, 66.
27) ein dem wachslicht abgenommener bart, ein wachsbart. Hippel lebensl. 3, 205. 206.

 

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