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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bärraupe bis barschheit (Bd. 1, Sp. 1139 bis 1141)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bärraupe, f. s. DWB bärenraupe.
 
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barre oder barren,m. schreiben einige statt barn praesepe: das wir drei oder vier hren an dem barren haben ze ziehen. Keisersb. omeis 9b;

wer sein gt fast auf rüstung leit,
vil geul auch hat am barren.
Uhland 617;

wilt dein vihe gesund halten, so raum zu weihenachten den barn und geb dem vih an die erd für den barren zu essen (was die vorhin ausgezognen stellen Seuters und Hohbergs nennen: under den barn, unter dem barn). Fischart groszm. 128; wie man die ketzer soll uberwinden und zum barren pringen. bienenk. 62a; wie ein pfaf Hans Hylle 13 huren am barren gehalten. 154a;

wer ein pferd hat am barren stan,
zu fusz darf (braucht) er nicht gan,
und die allein nicht schlafen kan,
nem die fasznacht ein mann. Garg. 50b;

aber was darf ich vil knöpf an einer binzen suchen, ich möcht sonst die halfter am barrn vergessen. 126a; zu welchem dann villeicht gott ihm zur straf den zaum nun etwas verhenget, auf das wir durch seinen freuel erregt, ihne nach gebür eintreiben, züchtigen und, wie man sagt, zum barren bringen (vgl. barnstreich). 210b; ich wollt sein (des rosses) uf die nacht beim barren auch nicht vergessen. Philand. 2, 27. tadelhaft steht das wort weiblich: man soll dem füllen eine halfter anlegen und ein zaum an die barre binden. Sebiz 150; was die schafe in der barren lassen. 141. das rr in barren, barrn soll wol nur die kürze des a ausdrücken, kaum eine zusammenziehung aus barern?
 
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barre, f. later, stange, franz. barre, mlat. barra.
1) barre goldes, silbers, d. i. unverarbeiteten; goldbarre, silberbarre.
2) barre schlagbaum, riegel, hebebaum, Maaler 50c setzt barren: ein holz oder stäcken etwar fürgeschlagen;

schlagen die huf an die hemmenden barren.
Voss.

[Bd. 1, Sp. 1140]



3) es gab ein spiel, das man barre laufen, barlaufen (sp. 1134) nannte: da kam er auf ein matten, da liefen die jungen edlen und burgers sün der herren barr. sch. und ernst; spilten der barr, des wettlaufs. Garg. 174a; nachgehends lief er der barr, der eier, des hirzes. 178a. genaue schilderungen entgehn aber.
 
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barreneingusz, m. eiserne form zum gieszen der silberbarren.
 
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barröst, nudo corpore: etlich hettind gern ir harnisch und züg von inen geworfen und barröst gestritten. Tschudi 1, 526. der sinn ist klar, gleich den nordischen berserken, indusio tantum induti. aber was ist röst?
 
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bars, barsch, m. perca, nnl. baars, ags. bears. s. bärsich.
 
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barsch, hiesz auch ein stück an der rüstung, das vielleicht nach der gestalt des fisches gebildet war: es seind bei drei rosse verbüget und schadhaftig worden, dann sie haben kein barsen oder geliger (? glieder) geführt. Goldast const. imp. bei dem turnier von 1530; mit seinem ganzen küris, starkem hengst, guten barschen oder verdeckten stählen gliedern gerüst. Fronsperg 1, 37b; ihre kürisz mit ganzen parschen, wolbedeckt stälen glider und verdeckt hengst. Garg. 200b.
 
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barsch, acris, trux, austerus, ferox, rauh, grob, herb, nnl. barsch, nd. basch, schw. dän. barsk; zuerst bei Stieler 99: ein barscher mensch, homo durus, inexorabilis, barscher käse, caseus acrioris saporis, ein barscher geschmack, barsche worte, verba acerba. Adelung nahm das wort erst in die zweite ausgabe auf und führt an: die wolle ist barsch, das tuch fühlt sich barsch an, der wein ist barsch, hat einen herben geschmack.

tyrannenvolk, das barsch vom thron gebeut.
Gökingk;

mit gunst, ist dies nicht allzu barsch?
Bürger 93b;

an dir gesellen unhold, barsch und toll.
Göthe 12, 171;

der barsch besiegte habe sichs. 40, 418.

nd. en baschen keerl; sprik doch mal en basch woord; en basch woord holt den keerl van de dör. der hochd. volkssprache, überhaupt der älteren sprache unbekannt, auch nicht mnl., der bedeutung nach läszt es sich kaum von baar nudus, etwa wie hübsch von hof, ableiten.
 
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barschaft, f. pecunia parata, heute mit langem a ausgesprochen: alle barschaft an gelde und kleinod. Luther 3, 239; darumb auch alle gelübd in der schrift allein so beschrieben stehen, dasz sie sind in menschlicher barschaft bereit von got geben, als ochsen, schaf, haus, äcker, leibe. Luthers br. 2, 637; sie haben allzeit zubereit gift inhendig und in barschaft. Frank weltb. 121a; münz oder gelt und barschaft. Mathesius 160b;

des musz ich euch bescheiden,
die parschaft mein,
was mir gat ein,
zahl ich nit bald zu zeiten. Garg. 89b;

Athen, das gwaltig königreich,
deme an parschaft schir keins ist gleich.
Ayrer 248b;

dann ich wuste wol, dasz sie unsere barschaft in ihre brust vernähet hatte. Simpl. 2, 94; seine mittelmäszige barschaft sicher unterzubringen. ehe eines weibes 5;

die barschaft, die zu sehr an kargen fäusten klebt,
nur ihrem hüter lacht, der stets nach mehrerm strebt.
Hagedorn 1, 21;

dasz ich aber
dir alle meine barschaft nicht kann schicken,
das macht der junge tempelherr.
Lessing 2, 283;

als ich ihr drauf mein biszchen barschaft gab
und einen goldnen ring.
Bürger 105b;

seine ganze barschaft, welche sich, die warheit zu gestehen, nicht über zehn oder zwölf pistolen belief. Wieland 10, 94; da ihre emsig gesammelte barschaft der familie doch endlich zu gute kommen sollte. Göthe 22, 203; seine barschaften und capitalien. 31, 222; denn eine masse gemünztes gold und silber verleiht selbst dem unwahren ansehen und gewicht, man läszt die lüge gelten, indem man die barschaft beneidet. 31, 231; die umsetzung der banknoten in barschaft. Kant 5, 95; das kargen mit der barschaft des lebensgefühls. 10, 168.
 
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barschenkel, nudo femore, barbeinig, barfusz. mhd. lautet die oben unter barfusz angezogne lehre:

ein rîter sol niht vor vrouwen gên
barschink, als ichʒ kan verstên. welsch. gast 457,

mit den varianten barschenk, barschenkel.

parschenkel het kein hosen an.
H. Sachs II. 4, 79b;

[Bd. 1, Sp. 1141]


der burgermeister luf usz sinem hus barschenkel. Tschudi 1, 386; die magd bald an das fenster gieng, und von dem schein des himmels wol erkannt, dasz es ein nackender mensch war und darzu barschenkelt in einem hembdlin arm und elendiglichen für dem thürlein sasze und vom frost zittert als ein aspenlaub. Bocc. 1, 45b, die alte Ulmer ausgabe bl. 29a: die meid pald an das fenster ging und von dem schein des himels wol erkante, das es ein nackender mensch war darz parschenkel in einem hemdlein arm und elendiclichen in dem türlein sasze und von frost zittert als ein espenlaube; im original: la fante andò, e ajutandola la chiarita dell' aere, vide costui in camiscia e scalzo quivi sedersi, come è detto, tremando forte. also barschenkel für scalzo discalceatus.
 
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barschheit, f. acerbitas, rauheit, grobheit, barsches wesen.

 

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