Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
barlaufen bis barmen (Bd. 1, Sp. 1134)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) barlaufen, cursu certare. Schm. 1, 292. 2, 444. mhd. die barre loufen. Wh. 187, 15. altd. bl. 2, 224. Lanz. 282. Altsw. 89, 27. vgl. DWB barchat laufen. s. DWB barre 3.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
barlen, parlieren, schweiz. parla (Tobler 36a), rotwelsch barle:

ja wenn du je da vil barln wolst,
uns mit hundn und gfengnus drohen.
Ayrer 47a.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
barlefranz, morbus gallicus, lues venerea: es müsten etwan die barlefranz oder sogenannten franzosen sein. Simpl. 1, 376 (382). doch aus parler français?
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
barleibig, nudo corpore: meint ihr, dasz ich meine tochter barleibig, als ein gerupft hühnlein verkaufen soll? Musaeus 4, 145.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bärlein, n. ursulus, bärchen. sonst auch ein hundename (wie fuchs und wolf): ertrenkt ihren hund, der hiesz bärlin. Garg. 258b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
barm, m. sinus, gremium, goth. barms, sowol κόλπος als στῆθος, ahd. param (Graff 3, 154), mhd. barm (Ben. 1, 142b), alts. barm, ags. bearm, altn. barmr, schw. dän. barm. dies trefliche, von bëran abstammende wort, drücke es nun den sich hebenden busen aus oder den tragenden schosz, ist uns heute beinahe erloschen, wie auch ein engl. und nnl. barm in solcher bedeutung fehlen. noch bei Ruprecht von Freisingen p. 159 ed. Westenr. paren Abrahams. möglicherweise ist es doch in bärmig, barmung, barmherzig enthalten (s. zum letzteren wort). Höchst merkwürdig aber steht dem alts. barm sinus, gremium ein farm amplexus, dem altn. barmr sinus, gremium ein farmr onus, das was getragen wird zur seite, so dasz auf ein dem bairan vorausgehendes älteres fairan (= lat. ferre) geschlossen werden darf, wie von fairguni auf ein älteres fairgan statt bairgan. an fiures farm Hel. 75, 10 ist in amplexum, in gremium ignis und thes flôdes farm 133, 9 fluctuum amplexus.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bärmde, f. misericordia, erbarmen: dasz er ein wildes thier hätte zur bärmbde bewegen sollen. Philander 2, 593. s. DWB barmen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
barme, f. cyprinus barbus, entstellt aus barbe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
barme, bärme, f. faex, ags. beorma, engl. barm erscheint auch in Deutschland statt des üblicheren hefe, nnl. hef, ist aber wie dies von heben und das franz. levain von lever von beren = sich heben, emportragen zu leiten. die barm oder hefen. Hohberg 3, 58a; den most von der barme oder hefen abziehen. 3, 284b. man versteht darunter sowol den aufsteigenden schaum als die zu boden sitzende hefe. in nordwestlichen gegenden Deutschlands nennt man auch bärme die sich am deich hebende, häufende erde und unterscheidet auszenbärme von der binnenbärme; am Niederrhein heiszt barm ein im freien aufgestellter haufe ungedroschener frucht. ebenso nnl. barm und barmte für hügel, erdaufwurf, damm, in Geldern für heuhaufe. vgl. DWB Barmen bei Elberfeld.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bärmeln, misereri, s. das folgende.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
barmen , misereri, erbarmen, ahd. parmanto miserando (Graff 1, 423), mhd.

daʒ eʒ barmen muose den Guntheres man. Nib. 806, 3 B;

si barmet sich den armen al ze guote. MSH. 3, 14a;

nhd. ihn barmte der unmündgen harm und weinen.
Tieck 2, 86;

nein, wegen seines barmenden (lamentabilis) geschreies!
Herder 13, 67.

et mug en steen in de eer barmen, sollte einen stein in der erde erbarmen. Schütze holst. id. 1, 70; es verbarmt ihn, erbarmt, betrübt ihn. altn. barma ser, lamentari, vor mitleid jammern, wehklagen; altschw. barma misereri: gud barme then omildhe hempd, deus misereatur immitis vindictae; ömka ok barma, lamentari et misereri. Ihre 137. in Sachsen und Thüringen barmen lamentieren, sie barmt erschrecklich, thut ganz kläglich.
Schon Henisch 190 deutete barmen aus bearmen, ihm folgen Adelung und die neueren, denen auch erbarmen erbearmen (gramm. 2, 808), barmherzig bearmherzig ist. doch heben sich zweifel.

[Bd. 1, Sp. 1135]



1) volles piarmên, bearmen u. s. w. zeigt sich nie, da doch sonst ahd. kiengan kiangti, kiartôn steht, wie nhd. beengen, beerben, für unser bleiben aber mhd. belîben, neben mhd. blangen belangen gilt. bange wurde erklärt aus beange. arpunnan scheint dem arparamên nicht ganz gleich, denn da unnan gönnen, arpunnan misgönnen ausdrückt, sollte auch die bedeutung von armên misereri sich umdrehen in arparmên, grausam, hartherzig sein. allein arparmên meint was armên. man müste sagen, dasz den partikeln ar und pi bald privative, bald intensive kraft beiwohne.
2) wie kommen Schweden und Dänen zu barma, förbarma, forbarme? sie haben keine partikel be, auszer in erborgten, deutschen wörtern, sollten auch jene von uns entlehnt sein? freilich, die altn. sprache gewährt kein forbarma, doch das angezogne barma lamentari, von welchem förbarma, forbarme ungezwungen sich ableiten, barma aber wird von Ihre unbedenklich unter barm gremium gestellt. man musz auch ein ahd. parmôn sicher zu param sinus, gremium stellen: si in barmôta, sustentavit gremio. N. Cap. 62 (Graff 3, 154). Benecke thut jedenfalls zu viel, dasz er auch dieses wort 1, 59 unter arm setzt.
3) nl. und nd. tritt eine eigne, vom hd. erbarmen abweichende wortbildung auf, mnl. ontfaermen, nnl. ontfermen, mnd. entfarmen, z. b. oft im Reineke oder bei Detmar 2, 395. dies kann nicht aus ontbaermen geworden sein, da die partikel ont, ent niemals das anlautende B des folgenden wortes in F wandelt, überdies die hd. zusammensetzung entbarmen nirgends vorkommt; noch weniger liesze sich das F aus einem, gar nicht vorhandnen afaermen (gleichsam abarmen) deuten. vielmehr in faermen, farmen scheint das vorhin unter barm hervorgehobne alts. farm = barm enthalten, wodurch wir nochmals von armen ab und auf barm gelenkt werden.
4) wie das transitive barmôn in gremium suscipere, fovere hiesz, würde ein intransitives barmên sinu commoveri, innerst erregt, bewegt sein, σπλαγχνίζεσθαι aussagen und diese sinnliche deutung von barmen, erbarmen, barmherzig aus barm der oben gewagten von arm miser aus arm brachium zu statten kommen. der unglückliche wird vom mitleidenden in den arm oder auf den schosz, an die brust genommen. beidemal entfaltete sich die abstraction misereri, hinter den abgezognen wörtern läge schön ein sinnlicher grund. ein gangbarer altn. ausdruck für misereri lautet kenna î briosti, in der brust fühlen, und briostgôðr ist misericors, briostlaus ferox, unerbarmend. die ausdrücke für reue haben oft ähnlichen ursprung. scheint doch im lat. miser, misereri, maestus, maerere ein sinnliches nictari, skr. mi, die augen niederschlagen enthalten und unser trauern ihm vergleichbar (Haupt 7, 456). zugleich aber wird der miser ein μισητός, ganz wie der bejammerte elende ein armer, erbärmlicher, verachteter. wenn barmherzig dem misericors nachgebildet sein soll, wie könnte es erbärmlich ausdrücken?

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: