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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
barchat bis barde (Bd. 1, Sp. 1125 bis 1126)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) barchat, m. heute barchet, barchent, aus dem mlat. barchanus, parchanus (Schm. 1, 193), mhd. barkân (Ben. 1, 89a), doch steht schon joppe parchatîn. MSH. 3, 309a; später ein aus leinen und baumwolle dicht gewirkter starker sehr verbreiteter stof: die Schwaben machen barchet, der ein leinen zettel hat und ein baumwollenen inworf. Münster 850. Zur volksbelustigung wurde an festtagen um den barchat gelaufen oder gejagt: sie pleiben im sack stecken und werden auf der kirchweih den barchet mit laufen nicht erjagen. Fischart bienenk. 60a; schürzen ire hembder mit eim gürtel auf, als woltens um den barchat laufen. 149b; noch viel minder vergasz die

[Bd. 1, Sp. 1126]


lieb Grandgurgel die ordenliche kirchweihen, die mesztag, die jarmärkt, da lindiert er, kelberiert er, dorfariert er, kegelt, sprang umb die hosen, jagt umb den barchat. Garg. 51a; daher kommt auch palgen, walgen und bellum, dasz man den fuchs umb den palg und fell jagt, darvon ist noch das spiel 'umb den barchat jagen' und 'haar auf haar'. 194b; dann ich wolte viel lieber todt als ein solcher bernheuter sein, der nur da stehet und zusihet, wie tapfer andere ehrliche und wol mondierte soldaten sich umb den barchet jagen. Simpl. 2, 66. aus den von Schmeller 1, 194 gegebenen belegen erhellt, dasz ein tuch beim wettlauf ausgesteckt wurde, um das zuerst die junggesellen, dann die jungfrauen sprangen; eine nähere schilderung steht fastn. sp. 1352. 1353; auch Murner:

wie die von Basel und von Bingen
umb ein barchet wöllen ringen. schelmenz. 6a.

vgl. das ältere barlaufen.
 
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bärchen, n. ursulus:

selbst aufrecht lernt ein bärchen wandern
und steigt nach honig wie die andern.
Voss 5, 87.


 
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barchen, m. was barchat, barchent, böhm. barkan, barchan: streiche das schmalz auf ein leinen tuch oder barchen. Tabernaemontanus 619. löcher in den barchen (ins bettuch) reiszen, schnarchen.
 
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barchent, m. die heute feststehende form: er hat mich eins in parchent gekleidet. Schweinichen 1, 73 und oft. s. DWB barchat, DWB barchet.
 
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barchentschau, f. zu Ulm, wo viel barchent gewoben wurde, galt strenge barchentschau. Jägers Ulm s. 639. 647. 649.
 
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barchentstuhl, m. weberstuhl zum barchent.
 
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barchenttuch, n.
 
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barchenweber, m. Schuppius 57.
 
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barchet, m. was barchat, barchent: seiden von Venedig, barchet von Ulm. Fischart groszm. 134; tuch oder barchet. Wickram rollw. 44;

was gilts, er wird dort barchet stehln.
Ayrer fastn. 17b.


 
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bardauz, ein ausruf wie klatteratatsch! paf! und ähnliche, plötzlichen knall und fall bedeutend, früher auch pordutz! perdutz!

und fiel bardauz! in schnee.
Gökingk 2, 220;

an einem hübschen morgen gibt er mit dem ellbogen seinem kameraden einen schub, und bauz, baradauz! liegt er am boden; perdutz! da lag es; pordutz! lag der bienstock auf dem boden. Simpl. 2, 336. lett. ist śpert wie der donner einschlagen, litt. spirdyti, spardyti stoszen, schlagen. vgl. das unter bar beigebrachte bardawe d. i. bardau.
 
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barde, m. poeta, des Strabo und Ammianus nachrichten von den keltischen barden waren längst bekannt, und auf altdeutsche dichter unanwendbar; die zusammenstellung des germanischen barditus oder baritus Tac. Germ. 3 mit jenen barden (vgl. oben unter bar), brachte im 18 jh. einen ungedeihlichen, bald wieder vorüber gegangnen bardenunfug hervor, der doch den ausdruck barde für dichter in unsere sprache eingeführt hat:

wenn du voll vaterlands
aus jenen hainen kommst, wo der barden chor
mit Braga singet.
Klopstock;

ja bei barden
wuchs ich mit dir in dem eichenhain auf;
ein barde hiesz aus frommer pflicht
ein ganzes heer von silben ringen.
Hagedorn 2, 55;

frommer barden chor.
Voss 3, 26;

wenn sich der barden sang
durch das hallende thal ergosz.
Stolberg 1, 6;

straszenbarden. J. Paul biogr. bel. 1, 156. man vgl. Göthe 33, 71—77.

 

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