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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bappeler bis bar (Bd. 1, Sp. 1120 bis 1121)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bappeler, m. nugator, babillard: solte ich mich nicht an diesem bappler rechen? Philand. 1, 277.
 
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bappeln, balbutire, garrire: fieng die buppe an zu schreien und zu babelen 'mamma, mamma'! gespenst 206; der knan und die meuder erwachten zum ersten, und indem jener kröchzete, diese aber mit ihm bappelt, wurden wir übrige allzusammen munter. Simpl. 2, 43; lieszen ihn stehen zu bappeln als lang er wolte. Frey garteng. baba ist der erste laut, den die kinder stammeln, von baba beginnt alles schwätzen und plaudern. baba mutter, papa vater, pappa brei.
 
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bappern, balbutire, was bappeln. Schmeller 1, 290 hat babbern, die lippen unverständlich bewegen: wann du si mit dem mund bepern sichst, so bis on zweifel, das si nit bete, sondern das si lugin ausrede. Wirsung Cal. R 4a;

es klappern und bappern und blappern schlankbeinichte störche.
Bircken Pegnitz schäferei 35;

er nam ein kreszling klein,
hielt ihn för sein maul von stund
und bappert mit ihm mit dem mund.
Eyring 1, 77.

man sagt auch, mit dem munde, mit den lippen vor frost beppern, was zu beben gehören könnte.
 
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bapst, babst,m. papa, mhd. bâbes, bâbest. bei Keisersberg steht bald bapst, bald babst, und Luther behielt die altgewohnte schreibung bei, wofür de Wette unbefugt in den briefen papst durchführt, das Luthern nie in die feder kam. dem papa thut ja das angehängte st viel gröszern eintrag als die media, die wir in fremden wörtern (der natürlichen lautverschiebung gerade entgegengesetzt) statt der tenuis annehmen. aus dem romanischen nom. li papes entsprang uns babes, welchem nach deutscher weise noch ein t zutrat.
 
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bäpstisch, papalis: kein bepstischer ablasz. Er. Alberus wider Jörg Witzeln mammelucken. B 6b.
 
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bapstthum, n.
 
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bapstthümchen, n. o du armes durftiges bapstumbchin! Alberus allda C 4a.
 
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bar, ablaut von bären, mhd. bërn, ahd. përan, goth. bairan; ob aber ein beleg für das einfache bar noch in das gebiet der nhd. sprache fällt? bären = ferre wurde durch tragen ganz verdrängt und nur gebären = parere dauert fort, das letzte bar tulit mag im 14. 15 jh. gesprochen worden sein, gebar peperit blieb geläufig, z. b. gelag und gebar. Bocc. 1, 290b d. i. lag nieder und brachte zur welt. auch das lat. fert ist bringt; parit bringt zur welt. s. DWB bären.
 
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bar, nudus, s. DWB baar.
 
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bar, ein nicht für sich, nur in verbindung mit einem vorausgehenden subst. oder verbum auftretendes adj., das goth. mangelt, ahd. pâri, mhd. bære, nnl. baar lautet, und von bären, mhd. bërn herrührt, wie das lat. fer oder ferus, gr. φόρος von ferre, φέρειν, was Ben. 1, 147a ohne grund leugnet, denn fruchtbar ist doch fructifer, καρποφόρος, mhd. tôtbære mortifer, mortiferus, θανατηφόρος. mannbar drückt aus nubilis, viripotens, quae virum fert, man hätte auch virifera bilden können. oft aber weichen die bedeutungen aus und bar läszt sich capax, aptus erklären, zumal in den erst später entsprungnen zusammensetzungen mit dem verbum: eszbar, trinkbar, aptus ad edendum, bibendum, edulis, potabilis.
Beachtenswerth ist die schon mhd. anhebende verkürzung des bære in ber: dankbar Bon. 22, 43. 47, 125; unahtber Berth. 75. 114; liupper bei Neidh. für liutbære; für valbære, dem fall, mortuarium unterworfen, setzt eine urk. von 1444 im cod. zaringobad. no 389 falber; kampher wunden sind kampfbare (Haltaus 1065). bekannt sind aus noch jüngerer zeit die semperfreien = sendbaren, sendpflichtigen und die schamperlieder, unzüchtigen, schandbaren gesänge; unterm volk

[Bd. 1, Sp. 1121]


hört man heutiges tages: der weg ist gangber, mit dankbrem herzen, kospre f. kostbare geschenke. chosperi stei, chappe hat Hebel s. 270. 294 und lustberkeit 262; dankperkeit fastn. sp. 1369. Melissus ps. K 8b setzt scheinbar, gestattet sich aber H 4b für scheinbarem

mit scheinbrem schmuk.

solchen wechsel zwischen baar und gekürztem bre, bren wissen sich niederländische dichter besser zu nutze zu machen:

en gy, o grijzen, die met vroeg besneeuwde hairen
de woeste drift bezuurt der onbedwingbre jaren.
Bilderdijk ziekte der gel. 1, 54;

Homer, onsterflijk licht van ongelijkbren gloed. 1, 72;

helaas! wat gruwbre reeks van onafzienbre kwalen
vertoont zich. 1, 85 u. s. w.

Auch im latein scheinen die häufigen wortbildungen auf bris, bra, brum wie celebris funebris, latebra, cerebrum entsprungen und verschoben aus feris fera ferum, mit ausgestosznem vocal: funebris funus ferens, lugubris luctum inducens, cerebrum quod in capite fertur, was man dann auch auf den nom. celeber, october, november erstreckte. wir sähen also in pario, fero und diesem bris die vollständige reihe PFB, wenn man nicht lieber das bris als älteste form ansetzen und ordnen will BPF.
Die üblichsten nhd. adj. auf bar sind: achtbar brauchbar dankbar dienstbar ehrbar fruchtbar furchtbar jagdbar kampfbar kostbar lohnbar mannbar schandbar schöffenbar sichtbar streitbar wandelbar wunderbar. mit dem verbum können sie leichter neu gebildet werden: brennbar denkbar dehnbar deutbar eszbar fahrbar haltbar kennbar lernbar lesbar genieszbar schmelzbar sühnbar tragbar theilbar trinkbar wohnbar, besonders wenn un vorausgeht: unabsehbar unbelohnbar unbezwingbar unausdenkbar unannehmbar. in offenbar, ahd. ofanpâri, mhd. offenbære ist das erste wort part. praet. und enthält eben die bedeutung von manifestus, detectus. in tragbar erscheinen tragen und bären nebeneinander und bar = pâri war an sich schon ferendus oder portabilis.
 
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bar, n. bezeichnete den meistersängern eine bestimmte art gesanges, über dessen beschaffenheit und ursprung wir noch keine genügende auskunft haben. H. Sachs V. 3, 413d, als er am schlusz seiner laufbahn über seine dichterische thätigkeit rechenschaft ablegt, gedenkt vor allem seiner in 53 jahren verfaszten meistergesänge

darin vil schriftlicher bar warn
aus alt und newem testament,

hernach 414b

in einer summa diser bar
der meistergesang aller war
eben gleich zwei und vierzig hundert.

nach dem Dresdner meistergesangbuch no 5 scheint bar oder par (wie sonst hort) ein groszer aus verschiednen tönen zusammengesetzter gesang (vgl. s. 166—176. 463. 802 dieser handschrift.) in einem älteren gedichte Regenbogens MSH. 3, 350a

ich lob ein meistersinger schôn,
der mir antwurt in disem dôn
ein guot barlin oder zwei ûʒ sînes herzen grunde.

in dem Colmarer liederbuch steht verzeichnet ein ander parthen und ein ander par (mus. für altd. lit. 2, 197), in einem liede (das. 225)

das sint XII barant töne.

'vil schoner, guter, maisterlicher gedicht par' heiszt es fastn. sp. 1270 und 'das gesilbent par' 1271, also deutlich n., der mangel des umlauts in barlîn weist auf bârlîn, folglich bâr; am nächsten zu liegen scheint das beim orgelspiel erhaltne baren, schnarren, gelinde und leise tönen, wovon auch die barpfeife, bärpfeife ein brummendes schnarrwerk den namen hat, man vergleiche fries. bere clamor, baria clamare und was sonst unter baren zusammengestellt ist. erwägt man nun dasz eine andere meistersängerische gesangsart von schallen schall hiesz, im vocab. a. 1482 pardawe (s. DWB bardauz), schallmei und parda nebeneinander gestellt ist und bei Isidor barto genus organi vorkommt (Ducange 1, 609b); so erklärt sich bar mit der nebenform barthen von selbst. barto, obgleich an βάρβιτον und bariton (βαρύτονος) mahnend, kann andern ursprung haben und es ist keine verwegenheit, des baritus oder barditus bei Tacitus hier zu gedenken, wenn auch der keltische name bard für dichter nichts damit zu schaffen hat, das fractum murmur objectis ad os scutis aber zum altn. barði clypeus (von berja pulsare) stimmen dürfte.

 

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