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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bannbrief bis bannerleute (Bd. 1, Sp. 1115 bis 1117)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bannbrief, m. literae continentes proclamationem desponsorum, franz. les bans: da stet einer am morgen uf die kanzel und verkündet die tag, darnach bringet er ein langen zedel, und verkündet die toden, und weret weisz wie lang, da verkündet man die banbrief, den blunder, und also get die stund hinweg, so lert man, so ist es usz. Keisersberg geistl. spinnerin M 1. sonst auch, was bannbulle:

der bannbrief liest er mir so vil.
Murner schelmenz. 6a.


 
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bannbrücke, f. Möser 1, 236.
 
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bannbulle, f. solemne decretum pontificis, ex quo aliquis coetu christianorum arceri jubetur.
 
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bänne, s. DWB benne.
 
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bannen , edicere, interdicere, prohibere, expellere, ahd. pannan, das praet. pîan nicht zu belegen, aber nach analogie des mhd. und ags. anzunehmen; mhd. bannen, bien; nhd. bannen, bannte; ags. bannan Beov. 148. praet. beonn. Kembles chartae 2, 387; altn. banna, bannaði; mlat. bannire, franz. bannir, it. bandire.
Soll man dies bandire interdicere, bando interdictum aus unserm binden herleiten, wie banda, bandiera, bandella ohne zweifel daher flieszen? wol dürfte der bann einem band vergleichbar sein, unser Winsbeke singt 53:

sun, fliuch daʒ dich iht binde ein bant,
daʒ ist gestricket in der maht,
daʒ du gebunden bist ze hant
vor gote in krefteclîcher âht.
daʒ bant ist der gediente ban.

nahe läge, bei hegung des bannwaldes an den seidenfaden des alterthums, bei den schranken des gerichts an die altn. vêbönd, heilige bande, zu denken. allein dem bando und bandum für bann geht in den älteren capitularien, volksrechten, z. b. dem ripuarischen, bannus und bannire voraus, das ahd. pintan pant steht von pannan pîan, das ags. bindan band von bannan beonn entschieden ab.
Doch die goth. sprache zeigt neben bindan vincire, bandi vinculum zugleich ein mit U gebildetes bandvjan innuere, significare, bandva, bandvô signum, womit Diefenbach 1, 298 glücklich unser bannen zusammen gestellt hat, und Luc. 20, 37 steht banvida für bandvida, aus banvjan ward ahd. bannan, aus vilvan ahd. wellan, NV, LV assimiliert in NN, LL. altn. blieb benda innuere, digito monstrare = bandvjan. die übergänge der begriffe sind leicht. band ist auch zeichen, die fahne ein zeichen, vexillum, signum militare. significare ist declarare, edicere, innuere, aus edicere entfaltete sich interdicere, prohibere. wie den buchstaben wird dem sinne nach bannum aus bandum und das it. bando mag sich auf langobardische, ostgothische aussprache stützen, die dem fränkischen bannus entgegentritt; das langob. glossar (Haupt 1, 550) hat bandum vexillum, gleich Paulus diac. 1, 20. Dasz der schwachen goth. und altn. form hier ahd. und ags. starke zur seite steht, ist auch sonst der fall und begründet keinen einwand; altn. finden sich benda und banna nebeneinander, beide aus binda entsprossen.
Wie nun, wenn uns jene alte formel der weisthümer 'bann und mann' zwei dunkle goth. unter sich ähnliche wörter mit aufhellen hülfe, bandva (oder bandvus) und manvi, d. h. wenn mannire nicht zu mahnen, monere gehörte, sondern zum goth. manvjan parare? davon kann näher erst unter dem worte mann die rede sein.
Bedeutungen von bannen,
1) ursprünglich hegen des gerichts, bannire, verschieden von mannire, ahd. daʒ mahal gipannan; doch verdeutscht die alte übersetzung der lex salica s. 105 auch einmal manniat durch gibannê statt gimenê. noch später heiszt es die bank bannen, wie sonst spannen, hegen: vor gebanneter bank erscheinen. Reutter kriegsordn. 53. bannen auch in späterer zeit vorladen, vor gericht fordern. Oberlin 90.
2) die tage bannen, sie zu feiertagen erklären: der herr sol nicht lehen rechten in den bannen tagen, die sind sunnentage und all gebannen feiertag. schwäb. lehnr. cap. 74 Senkenb., wo Laszb. cap. 9 und 130 gebunden tage liest. ebenso hat das schwäb. landr. 109. 113 Laszb. 91. 95 Wack. gebunden tage, der Ssp. 2, 10. 11. 66 gebundene dage, das Straszb. stat. 3, 193 hingegen gebannen virtage, nicht anders die Straszb. ordnung von 1399 gebannen firtag, eine andere hs. bei Oberlin 90 gebannen vasteltage. auch Keisersberg sagt: auf gebannen tagen, er haltet sein gebannen vastag. aus diesem

[Bd. 1, Sp. 1116]


sprachgebrauch geht deutlich die verwandtschaft zwischen bannen und binden hervor. es ist kein masz oder bescheidenheit da, als wenn wir die hend und augen und das maul (dahin wenden) alles, was in der schüssel ligt, zu nieselen, und zu erfüllen den lust, und die begir ist also daruf geheftet, dasz du nit achtest, gott geb es sei gebannen oder geboten (? tag), es sei fasten oder ostern. Keisersberg geistl. spinnerin p 4.
3) einen forst oder wald, ein gewässer bannen, sie für heilig und unverletzlich erklären, der gewöhnlichen benutzung entziehen; ebenso wurden einzelne bäume und das hohe wild in bann gethan. die heiligen wälder des heidenthums wandelten sich in vorbehaltene bannforste des königs, der herrn und der kirche.

sie werden kommen, unsre schaf und rinder
zu zählen, unsre alpen abzumessen,
den hochflug und das hochgewilde bannen
in unsern freien waldern.
Schiller 526a;

die bäume seien
gebannt, sagt er, und wer sie schädige,
dem wachse seine hand heraus zum grabe. 535a;

von solchen bäumen, die alter volksglaube für unverletzlich erklärte, meldet die sage allenthalben.
4) die müle, den wein bannen, einem müller und schenken das recht verleihen, dasz alle leute bei ihm malen und wein holen müssen: zu der müle ist ein ganzes dorf gebannt.
5) bannen, strafen: er ist gebannt, im bann, excommuniciert; einen in ewige gefengnis bannen. Bocc. 1, 258b.
6) bannen, verbannen, verweisen, verjagen: einen aus dem lande bannen. pers. baumg. 1, 5; furcht, freude, trauer bannen;

es bann ein strafgericht
die menschen ohne lieb in welten ohne licht.
Hagedorn 1, 45;

o jugend, holde führerinn,
bereite hier den sitz der fröhlichkeiten
und banne frost und eigensinn. 3, 100;

ob ihn sein schicksal zu den wilden,
an Zemblas nebelvollen strand,
in Zaras unwirtbaren sand
und auf des Atlas gipfel bannt.
Gotter 1, 450;

sie (die götter) hören mich nicht mehr, und bannen
mein flehn von ihrem thron. 2, 128;

ich kann die furcht nicht bannen. 2, 436;

seine tochter ins kloster bannen. 3, 41; den schlaf bannen. 3, 524;

nein in diese wüsteneien
sind wir ewig nicht gebannt.
Bürger;

in diesen eiskalten kreis gebannt. Klinger 11, 276; sie sagte (dem mahler), sie hoffe, er werde den heutigen kummer aus ihrem wirklichen gesichte wegmahlen und ihn blosz ins gemahlte bannen. J. Paul uns. loge 2, 105.
7) bannen, festhalten, zaubern, bezwingen: die geister bannen, schätze, teufel, schlangen bannen; dasz sie hingieng wie eine gebannete schlang und natter. Simpl. 2, 386; alte hunde sind bös zu bannen (wie bändig zu machen). Frank spr. 118; reichthumb haben adlers federn, sie lassen sich nit bannen. ebenda;

geh, du weist nun, was an Lethes strande
mich noch bannte,
schwarzer schiffer, stosz vom lande!
Schiller 134b;

er bannet das glück, es musz ihm stehen. 323;

gleich einem heilgen bilde,
daran der stadt unwandelbar geschick
durch ein geheimes götterwort gebannt ist.
Göthe 9, 96;

das flüchtge ziel, das hunde, ros und mann
auf seine fährte bannend, nach sich reiszt
der edle hirsch. 9, 249;

hinter den ofen gebannt
schwillt es wie ein elephant. 12, 69;

das schlosz war zugeschnappt und er stand gebannt. 17, 387; zerrbilder groszer männer sieht man in allen schulen und in den schulen nicht allein. man bannt sie auch in den historischen romanen für das erwachsne publicum. Klinger 12, 62; ich steige jetzt in diesen gebannten zirkel sicher vor euch und der hölle. Fr. Müller 2, 153; wäre alles gute nach Göttingen zu bannen. Heyne an Joh. Müller 187.
 
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banner, m. exorcista: ob es nu wol war ist, der bann ist zu fürchten, er sei recht oder unrecht, so ist doch allzeit des banners stand in gröszern fehrlichkeiten, denn des verbannten. Luther 1, 285a.
 
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banner, n. signum militare, vexillum, nach dem franz. bannière, it. bandiera, sp. bandera; einige schreiben banier, panier (s. oben), andere baner, paner; mhd. banier n. und f. ist die unter bannen vorgetragne identität des goth. bandvjan richtig, so würde aus bandva signum auch ein ahd. panna,

[Bd. 1, Sp. 1117]


mhd. banne folgen, statt dessen aber der ausdruck aus der romanischen sprache zurückempfangen wurde. mit goth. fana, ahd. fano, nhd. fahne steht bandva und bandum in keinem zusammenhang, wir verwenden aber banner ganz in der bedeutung von heerfahne und sagen das banner entfalten wie die fahne:

vortrager aller buben baner. fastn. sp. 1290;

denn aller orten läszt der Engelländer
sein sieghaft banner fliegen.
Schiller 448a.

Maaler 315a nennt paner 'das oberst fänle' und so kann auch banner für die hauptheerfahne genommen werden. der baner im deutschen kartenspiel enthielt, statt der heutigen zehn, das bild einer fahne mit angabe der farbe: die lieben kind, die macht man z baner, karnüffel und bäpst im karten, die scheubt man hinfür. Frank spr. 2, 28a;

sag demnach auf mein traw und glaub,
dasz dkartenbaner nicht beraub
die seel, weil auf dem baner sitzt
ein falk, der seine augen spitzt.
Birck doppelspiler 25.

im Simpl. 2, 411 den bahner anbringen soll wol heiszen diese zehn ausspielen?
Was ist aber das baner des sattels? wann auch die lange haar auf dem rucken und auch im baner des sattels von dem schwaisz zusammen gezogen worden, oder sonst ein hartes stainlin in dem baner zwischen dem haar ligt, und man darauf reit, so wird es in den rucken hinein getruckt. Seuter 417; nee das pergamen auf das paner des sattels, dasz es den schaden bedeck. 422.
 
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bannerflüchtig, vexillum deserens: ir seint noch viel im geistlichen stand, die im kampf der reinikeit nicht so bald bannerflüchtig werden und aus ungedult der anfechtung so künlich in unkeuscheit fallen, als du und deine schuler. (Paulus Amnicola) ein schnoptuchlin auf Luthers geifer und unlust. Dresden 1532 4. C 1. 2.
 
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bannerherr, m. baro, der ein eignes banner erheben kann, oder mit fremdem banner belehnt ist: ein markgraf aus der statt Ferrer, gar ein reicher, fürsichtiger und weiser mann und der heiligen kirchen panerherr (gonfaloniere della chiesa). Bocc. 1, 27a;

den edlen bannerherrn von Attinghaus.
Schiller 520.

der franz. name war banneret, Kilian hat nl. banerheere, banderheere und banrots, banrotse, was dem it. banderese, mlat. banderesius, bandarensis entspricht (Ducange 1, 564) und an unser bankrese gemahnt, in welchem doch ein K und niedrige bedeutung waltet. auch Schürens teutonista gibt banritz und banerheer, baro.
 
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bannerin, f. saga:

still, schwarze bannerin, du zaubrin schweig!
(fell, banning hag, enchantress, hold thv tongue!)
Schlegel in kön. Heinr. 6, act 5 sc. 3.


 
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bannerleute, pl. aufgebot zum banner.

 

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