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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bankwesen bis bannen (Bd. 1, Sp. 1113 bis 1115)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bankwesen, n.
 
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bankzahlung, f.
 
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bankzettel, m.
 
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bankzins, m. zins für bänke der becker und fleischer.
 
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bann, m. edictum, interdictum, proscriptio, ahd. pan pannes, mhd. ban bannes, ags. (ge)ban (ge)bannes, fries. bon bonnes, nnl. ban bans; altn. bann n., schw. bann, dän. band, in den lat. volksrechten und capitularien bannus, bannum. die formel der weisthümer verknüpft man und ban, bann und mann, z. b. 2, 145. 239. 250. 257. 288, was auf den uralten unterschied zwischen bannire und mannire, hegung des gerichts und ladung (capitul. bei Pertz 3, 85. 212. Baluze 1, 781. 792) zurückgeht. franz. prov. ban, it. sp. bando. von der wurzel hernach unter bannen. Bedeutungen,
1) bann ist dem geistlichen oder weltlichen richter und bannherrn zuständige gewalt und gerichtsbarkeit. so redet der Ssp. von des koninges ban.

[Bd. 1, Sp. 1114]



2) bann ist der bezirk, durch welchen die gewalt des bannherrn und richters sich erstreckt (s. DWB band 3). oft verbinden die weisthümer auch twinc und ban, zwing und ban, wie zwing für sich umfang und grenze eines gerichts bezeichnet (Haltaus 2188. 2189); dasz er dieser stadt zwing und bennen müszig gehe (ihr gebiet meide). Wickram rollw. 75. der bann zu Simmern, weisth. 1, 146 meint das gebiet, den kreis des dortigen gerichts, vgl. DWB bannmeile. in vielen stellen bezeichnet bann die geistliche diöcese, in andern den bezirk des weltlichen richters (Haltaus 93. 95), den gehegten umfang eines forstes oder waldes (s. DWB bannforst), zuweilen nur den jungen forst, welcher geschont, in welchen weder geschritten noch getrieben werden soll.
3) bann, das ausgesprochne, gebotne und verbotne, edictum, interdictum; der friede, in den land, wald, leute gesetzt werden, der aufruf des heers (heerbann).
4) bann, die gegen den säumigen erkannte strafe: bannos exigere. Gregor. turon. 5, 26; wette und bann auf einen schlahen. weisth. 3, 741; vorzugsweise verbannung aus dem gebiet, proscriptio, bei der kirche die excommunication, ausschlusz aus ihrer gemeinschaft. im mittelalter scheiden sich bann und acht so, dasz jener vom geistlichen, diese vom weltlichen richter verhängt wurde, auf den kirchenbann weltliche acht folgte. Ssp. 3, 63. Ms. 2, 255. Helbl. 8, 962 ff.

swer von dem banne in die æhte kumet. Amgb. 1a.b,

gebt daruber ban und acht. fastn. sp. 1000, 23.

ursprünglich und früher stand aber auch dem weltlichen gericht der bann zu. Es heiszt, in den bann thun, in den bann künden, den bann erkennen, aussprechen, verhängen, mit dem bann treffen, belegen, den bann zurücknehmen, aufthun, einen aus dem bann thun, lassen, im banne, unter dem banne sein, den bann halten, aushalten, brechen, übertreten:

wenn wir heut nit frölich fünden,
den wollen wir bis suntag in ban künden. fastn. sp. 678, 36;

die kinder Israel mügen nit stehen fur iren feinden, denn sie sind im bann, ich werde fort nit mit euch sein, wo ir nicht den ban aus euch vertilget. Jos. 7, 12; und welcher erfunden wird im bann, den sol man mit fewr verbrennen mit allem das er hat. 7, 15; und man wird drinnen wonen und wird kein bann mehr sein. Zach. 14, 11; das ich nicht kome und das erdreich mit dem bann schlahe. Mal. 4, 6; wer aber dawider handelt, der sol im bann sein. 1 Macc. 14, 45; so iemand in für Christum bekennete, das derselbe in bann gethan würde (goth. utana synagôgais vairþai). Joh. 9, 22; das sie nicht in den bann gethan würden (ei us synagôgein ni usvaurpanai vaurþeina). 12, 42; sie werden euch in den bann thun (us gaqumþim dreiband izvis). 16, 2; dermaszen, das selbs die keiser und könig, ja ganze länder in den bann erkant und für ketzer sind verdammt worden. Fischart bienenk. 12b; und solchs bei strafe des bannes oder harter gefengnus. 42a; müsten sie urfehde schwören, auf ihren schlössern ruhig zu bleiben und nicht aus ihrem bann zu gehen. Göthe 8, 82. 42, 106; soll ich mein ritterlich wort dem kaiser brechen und aus meinem bann gehen? 8, 140. 42, 410; er hat seinen bann gebrochen. 8, 145. 42, 194; und bat ihn Lersens bann aufzuthun. 42, 206.
5) abgezogenere anwendungen im sinne des fluchs, zaubers, der fessel, des verbots überhaupt, ohne dasz es vom richter ausgesprochen wurde, ergaben sich allmälich:

dein kalb bracht Israel in unglück, fluch und bann.
Kongehls lorbeerhain 1;

Kupido, das ist deine list,
der bist du, der du allzeit bist,
du hast mich nun in deinem banne.
Fleming 420;

warum auch must er beim empfange gleich
den bann um sie verbreiten!
Schiller 347a;

mir musz fortan ein neues glück beginnen,
denn dieses bannes kraft ist aus. 400b;

denn mit des bannes fluch bewafnet kommt
der Ungarn königin, die strenge Agnes. 549a;

denn auf dieser welt, wo keiner
die verdrieszlichkeit in bann
und die freud in erbpacht nehmen kann.
Gökingk 1, 133;

den bann über jemand ausgieszen. Gotter 3, 70; das schädlichste vorurtheil ist, dasz irgend eine art naturuntersuchung mit dem bann belegt werden könne. Göthe 23, 262; er wäre mit dem ganzen donner seines geometrischen bannes und mit aller gewalt der mathematik wider seinen feind aufgezogen. Kant 8, 120.

[Bd. 1, Sp. 1115]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bannbier, n. bier, nach dem bannzwang, an bestimmter stelle zu kaufen.
 
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bannbrief, m. literae continentes proclamationem desponsorum, franz. les bans: da stet einer am morgen uf die kanzel und verkündet die tag, darnach bringet er ein langen zedel, und verkündet die toden, und weret weisz wie lang, da verkündet man die banbrief, den blunder, und also get die stund hinweg, so lert man, so ist es usz. Keisersberg geistl. spinnerin M 1. sonst auch, was bannbulle:

der bannbrief liest er mir so vil.
Murner schelmenz. 6a.


 
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bannbrücke, f. Möser 1, 236.
 
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bannbulle, f. solemne decretum pontificis, ex quo aliquis coetu christianorum arceri jubetur.
 
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bänne, s. DWB benne.
 
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bannen , edicere, interdicere, prohibere, expellere, ahd. pannan, das praet. pîan nicht zu belegen, aber nach analogie des mhd. und ags. anzunehmen; mhd. bannen, bien; nhd. bannen, bannte; ags. bannan Beov. 148. praet. beonn. Kembles chartae 2, 387; altn. banna, bannaði; mlat. bannire, franz. bannir, it. bandire.
Soll man dies bandire interdicere, bando interdictum aus unserm binden herleiten, wie banda, bandiera, bandella ohne zweifel daher flieszen? wol dürfte der bann einem band vergleichbar sein, unser Winsbeke singt 53:

sun, fliuch daʒ dich iht binde ein bant,
daʒ ist gestricket in der maht,
daʒ du gebunden bist ze hant
vor gote in krefteclîcher âht.
daʒ bant ist der gediente ban.

nahe läge, bei hegung des bannwaldes an den seidenfaden des alterthums, bei den schranken des gerichts an die altn. vêbönd, heilige bande, zu denken. allein dem bando und bandum für bann geht in den älteren capitularien, volksrechten, z. b. dem ripuarischen, bannus und bannire voraus, das ahd. pintan pant steht von pannan pîan, das ags. bindan band von bannan beonn entschieden ab.
Doch die goth. sprache zeigt neben bindan vincire, bandi vinculum zugleich ein mit U gebildetes bandvjan innuere, significare, bandva, bandvô signum, womit Diefenbach 1, 298 glücklich unser bannen zusammen gestellt hat, und Luc. 20, 37 steht banvida für bandvida, aus banvjan ward ahd. bannan, aus vilvan ahd. wellan, NV, LV assimiliert in NN, LL. altn. blieb benda innuere, digito monstrare = bandvjan. die übergänge der begriffe sind leicht. band ist auch zeichen, die fahne ein zeichen, vexillum, signum militare. significare ist declarare, edicere, innuere, aus edicere entfaltete sich interdicere, prohibere. wie den buchstaben wird dem sinne nach bannum aus bandum und das it. bando mag sich auf langobardische, ostgothische aussprache stützen, die dem fränkischen bannus entgegentritt; das langob. glossar (Haupt 1, 550) hat bandum vexillum, gleich Paulus diac. 1, 20. Dasz der schwachen goth. und altn. form hier ahd. und ags. starke zur seite steht, ist auch sonst der fall und begründet keinen einwand; altn. finden sich benda und banna nebeneinander, beide aus binda entsprossen.
Wie nun, wenn uns jene alte formel der weisthümer 'bann und mann' zwei dunkle goth. unter sich ähnliche wörter mit aufhellen hülfe, bandva (oder bandvus) und manvi, d. h. wenn mannire nicht zu mahnen, monere gehörte, sondern zum goth. manvjan parare? davon kann näher erst unter dem worte mann die rede sein.
Bedeutungen von bannen,
1) ursprünglich hegen des gerichts, bannire, verschieden von mannire, ahd. daʒ mahal gipannan; doch verdeutscht die alte übersetzung der lex salica s. 105 auch einmal manniat durch gibannê statt gimenê. noch später heiszt es die bank bannen, wie sonst spannen, hegen: vor gebanneter bank erscheinen. Reutter kriegsordn. 53. bannen auch in späterer zeit vorladen, vor gericht fordern. Oberlin 90.
2) die tage bannen, sie zu feiertagen erklären: der herr sol nicht lehen rechten in den bannen tagen, die sind sunnentage und all gebannen feiertag. schwäb. lehnr. cap. 74 Senkenb., wo Laszb. cap. 9 und 130 gebunden tage liest. ebenso hat das schwäb. landr. 109. 113 Laszb. 91. 95 Wack. gebunden tage, der Ssp. 2, 10. 11. 66 gebundene dage, das Straszb. stat. 3, 193 hingegen gebannen virtage, nicht anders die Straszb. ordnung von 1399 gebannen firtag, eine andere hs. bei Oberlin 90 gebannen vasteltage. auch Keisersberg sagt: auf gebannen tagen, er haltet sein gebannen vastag. aus diesem

[Bd. 1, Sp. 1116]


sprachgebrauch geht deutlich die verwandtschaft zwischen bannen und binden hervor. es ist kein masz oder bescheidenheit da, als wenn wir die hend und augen und das maul (dahin wenden) alles, was in der schüssel ligt, zu nieselen, und zu erfüllen den lust, und die begir ist also daruf geheftet, dasz du nit achtest, gott geb es sei gebannen oder geboten (? tag), es sei fasten oder ostern. Keisersberg geistl. spinnerin p 4.
3) einen forst oder wald, ein gewässer bannen, sie für heilig und unverletzlich erklären, der gewöhnlichen benutzung entziehen; ebenso wurden einzelne bäume und das hohe wild in bann gethan. die heiligen wälder des heidenthums wandelten sich in vorbehaltene bannforste des königs, der herrn und der kirche.

sie werden kommen, unsre schaf und rinder
zu zählen, unsre alpen abzumessen,
den hochflug und das hochgewilde bannen
in unsern freien waldern.
Schiller 526a;

die bäume seien
gebannt, sagt er, und wer sie schädige,
dem wachse seine hand heraus zum grabe. 535a;

von solchen bäumen, die alter volksglaube für unverletzlich erklärte, meldet die sage allenthalben.
4) die müle, den wein bannen, einem müller und schenken das recht verleihen, dasz alle leute bei ihm malen und wein holen müssen: zu der müle ist ein ganzes dorf gebannt.
5) bannen, strafen: er ist gebannt, im bann, excommuniciert; einen in ewige gefengnis bannen. Bocc. 1, 258b.
6) bannen, verbannen, verweisen, verjagen: einen aus dem lande bannen. pers. baumg. 1, 5; furcht, freude, trauer bannen;

es bann ein strafgericht
die menschen ohne lieb in welten ohne licht.
Hagedorn 1, 45;

o jugend, holde führerinn,
bereite hier den sitz der fröhlichkeiten
und banne frost und eigensinn. 3, 100;

ob ihn sein schicksal zu den wilden,
an Zemblas nebelvollen strand,
in Zaras unwirtbaren sand
und auf des Atlas gipfel bannt.
Gotter 1, 450;

sie (die götter) hören mich nicht mehr, und bannen
mein flehn von ihrem thron. 2, 128;

ich kann die furcht nicht bannen. 2, 436;

seine tochter ins kloster bannen. 3, 41; den schlaf bannen. 3, 524;

nein in diese wüsteneien
sind wir ewig nicht gebannt.
Bürger;

in diesen eiskalten kreis gebannt. Klinger 11, 276; sie sagte (dem mahler), sie hoffe, er werde den heutigen kummer aus ihrem wirklichen gesichte wegmahlen und ihn blosz ins gemahlte bannen. J. Paul uns. loge 2, 105.
7) bannen, festhalten, zaubern, bezwingen: die geister bannen, schätze, teufel, schlangen bannen; dasz sie hingieng wie eine gebannete schlang und natter. Simpl. 2, 386; alte hunde sind bös zu bannen (wie bändig zu machen). Frank spr. 118; reichthumb haben adlers federn, sie lassen sich nit bannen. ebenda;

geh, du weist nun, was an Lethes strande
mich noch bannte,
schwarzer schiffer, stosz vom lande!
Schiller 134b;

er bannet das glück, es musz ihm stehen. 323;

gleich einem heilgen bilde,
daran der stadt unwandelbar geschick
durch ein geheimes götterwort gebannt ist.
Göthe 9, 96;

das flüchtge ziel, das hunde, ros und mann
auf seine fährte bannend, nach sich reiszt
der edle hirsch. 9, 249;

hinter den ofen gebannt
schwillt es wie ein elephant. 12, 69;

das schlosz war zugeschnappt und er stand gebannt. 17, 387; zerrbilder groszer männer sieht man in allen schulen und in den schulen nicht allein. man bannt sie auch in den historischen romanen für das erwachsne publicum. Klinger 12, 62; ich steige jetzt in diesen gebannten zirkel sicher vor euch und der hölle. Fr. Müller 2, 153; wäre alles gute nach Göttingen zu bannen. Heyne an Joh. Müller 187.

 

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