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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bangig bis bankarmbrust (Bd. 1, Sp. 1105 bis 1110)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bangig, wird nicht gesagt, und doch im folgenden wort vorausgesetzt.
 
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bangigkeit, f. anxietas, nnl. bangigheid, schon frühe üblich:

ach, ich vermag nicht lenger vor bangigkeit zu reden.
H. Jul. von Braunschw. Sus. 3, 4;

wird seine seelenqual durch bangigkeit vergnügt?
Gryphius;

sie starb in verzweifelten bangigkeiten. Bodmers Atreus 5, 6;

schwer lag auf mir des scheidens bangigkeit.
Schiller 346;

indem man die nachrichten des gewaltsamen vordringens in Österreich mit bangigkeit vernommen hatte. Göthe 32, 44; die bangigkeit, die man bei thieren (vor dem erdbeben) bemerkt. Kant 9, 33; furcht über einen unbestimmtes übel drohenden gegenstand ist bangigkeit. 10, 281; du willst aus liebender bangigkeit für mein entsinkendes leben nicht haben, dasz ich oft schreibe. J. Paul Hesp. 2, 114; sie leidet an bangigkeiten; bangigkeit der luft, gravitas caloris.
 
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bänglich, anxius, parumper anxius, sei nicht bänglich! ist schwächer als sei nicht bang, doch in andern fällen steht es diesem ganz gleich: nach einer gefahrvollen bänglichen jugend. Göthe 6, 195; doch schnell ergrif sie eine seltsame ahnung, ein freudig bängliches erzittern. 17, 140; er brachte einige stunden in einer bänglichen lage zu. 19, 222; ein gespräch, das wir aber, um unsere leser nicht mit unzusammenhängenden ideen und bänglichen empfindungen zu quälen, lieber verschweigen als ausführlich mittheilen. 19, 228; hiernach will ich denn nicht leugnen, dasz es in Lavaters seele gewissermaszen bänglich war. 48, 140; in der bänglichsten zeit, die je über Berlin geschwebt hat. Thümmels reisen 10, 246.

lieb ist das, doch ist sie bänglich,
wenn sie nicht kann widerstehn.
Rückert 385;

bängliches erwägen.
Schlegel in Richard 3 act 4, sc. 3.

beispiele des adv. mein herz noch bänglich klopft. Gotter 1, 267; sie rief daher bänglich, vater, vater! J. Paul Fibel 110.
 
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bänglichkeit, f. anxitudo:

was will diese bänglichkeit,
die dich so oft ergreift?
Wieland 32, 89;

sie zog ihren haushalt, ohne bänglichkeit, ins enge. Göthe 17, 177.
 
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bangsam, anxius, ein gutes wort, das mehr in gebrauch sein sollte: bangsame todtengrüfte. Lohenstein Arm. 1, 256;

so hol, so bangsam klingt die glocke.
Günther 622;

so blasz, so bangsam stille
sah ich nie deinen schein.
Schubart 2, 82 an den mond.


 
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bangsamkeit, f.
 
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bangvoll: arme, bangvolle mutter! Klinger 1, 288.
 
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banier, n. und f. signum, vexillum, panier, banner:

so wollen wir des heiligsten banier,
als deines sigs und unsers tempels zier
zu ewiger gedechtnus hoch aufhenken.
Weckherlin 80;

von reichem atlesz jeder segel,
von purem demant alle nägel,
von gold und seiden jedes seil,
mit perlein die banier verweben. 568;

haben das keiserliche banier, darin des keisers adler waren, aus der hand des keisers empfangen. Micrälius 2, 264. s. DWB banner.
 
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bank, f. früher auch m. scamnum, ahd. panch, pl. penchî; mhd. banc pl. benke, f. und m.; alts. bank f. und benki n.; ags. benc, engl. bench; nnl. bank f.; altn. beckr m., schw. dän. bänk. das it. sp. banco, franz banc stammen aus dem deutschen, und sind einem dialect nachgebildet, der das wort männlich gebrauchte. ein goth. bagks wäre zu mutmaszen. auch die Russen, Polen, Böhmen nahmen männliches bank auf, die Letten benkis.
Höher in das etymon aufzusteigen fällt schwer, man hat πλάξ und planca verglichen, die zu planus, unserm flach gehören, schon darum hätte die tilgung des l bedenken; eher würde sich πήγνυμι, pango, pago, πῆγμα, im sinne des fügens, festigens hinzu halten lassen, und da wir oben bach aus πηγή und πήγνυμι leiteten, wäre anzuschlagen, dasz altn. beckr rivus und beckr scamnum völlig, auch im geschlecht

[Bd. 1, Sp. 1106]


übereintreffen. wie nun, wenn unser fach, das gerade für die wasserschwelle in flüssen gilt, auch die mangelnde F form darböte? mehr unter fach.
Mhd. überwog das m. (Ben. 1, 83), nhd. hat umgekehrt das f. allmälich das m. verdrängt, für welches hier einige belege zeugen sollen:

mich tregt manche schöne junkfraw
dem metzger z dem banke.
Uhland 33;

streck dich auf den bank.
Scheit grob. D 3;

ein ander sesz auf dem küssen und du auf dem bank. Paracelsus 2, 206; wann er auch sein verborgen liecht underm bank herfür bringt. Würtz pract. 299; die edle warheit under dem (l. den) bank mit füszen treten. Thurneisser magn: alch. 1, 84; wenn ihr anderst die warheit nicht undern bank stecken wöllet. Kirchhof wendunm. 264;

zuletzt fül einer undern bank,
dem andern ward die zung zu lang. Garg. 89a;

nun zuck den bank,
nun wirf den stul. 98b;

noch heute scheint in Schwaben und in der Schweiz das m. gangbar, Hebel sagt auf den bank, aber Keisersberg und auch Fischart schwanken: tröwen (drohen) im also uf den fleischbank. sünden des mundes 63b; man die sach uf die langen bank zeucht. 42a; die decreten beginnet man hinder die bank nach den mäusen zu werfen. bienenkorb 4b; unter den bank stecken. 13a; den wechselbank aussetzen. 45a; bei Luther ist das f. entschieden. dem gen. dat. sg. f. wurde aber im 16 jh. noch oft der umlaut gegeben, z. b. bei H. Sachs gesagt auf der bänk = mhd. benke.
Im allgemeinen bezeichnet nun bank eine erhöhung zum sitzen, lehnen, liegen oder stellen,
1) am häufigsten zum sitzen, was sich mit bett und stul, κλίνη berührt; bett und bank werden, gleich dem pferde, bestiegen, daher lat. scamnum für scadmnum von scando, scabellum für scamnellum: wer auf den bank wil steigen musz ein schämel haben. Keisersb. gunkel 7;

dâ sitz ich ûf dem schemel und er oben ûf der bank. MSH. 2, 112b.

bank und stul unterscheiden sich aber darin, dasz dieser nur für einen, jene meistens für mehrere nebeneinander eingerichtet ist; doch die kurze fuszbank dient auch nur den füszen eines einzigen. in der regel ist bank ein längeres bret, das auf beinen stehend sich um den tisch oder an wand und seite hinzieht, auf das man sich auch strecken und legen kann (faulbank, ruhebank). bänke werden aber zugleich vor dem hause und im freien von holz, stein oder rasen bereitet: steinbank, felsenbank. grasbank, rasenbank. die vertraulichste bank ist die um den tisch, welche tischgenossen und gäste zu mahl und trinkgelag vereinigt, und im hause ein recht auf bestimmten sitz und platz gründet. eheleute sind bankgenossen, gehören auf dieselbe bank, in dasselbe bett (alts. gibenkion, gibeddion). wie bei uns von der bierbank, ist in den ags. gedichten von ealobenc und meodobenc die rede. seinen kindern auf der bank sitzen, sich von ihnen ernähren lassen. der arbeitende sitzt auf seinem stul; auf schulbank, kirchenbank, ruderbank, bank der angeklagten sitzen ganze reihen: bank an bank gedränget sitzen. Schiller 58a. für die stellung mehrerer bänke finden bestimmte ordnungen statt, und es gibt eine höhere oder niedere, obere oder untere bank, herrenbank, fürstenbank, grafenbank; zumal in der schule heiszt es, eine bank hinauf! eine bank hinunter!; um éine bank rücken; wir sind alte freunde, saszen in der schule immer auf éiner bank zusammen, waren uns gleich, bankgenossen; würde der dritte nicht um ein paar bänke tiefer hinunter müssen? Göthe 29, 116; und ich habe Cramern geschmäht, dasz ich ihn mit Popen auf éine bank setze? Lessing 6, 226.
Im verlauf der zeit aber wechselten und hoben sich die sitten, was früher den herrn auszeichnete, wurde später dem knecht eingeräumt, nachdem sich der herr eine noch höhere stufe bereitet hatte. wer weisz, ob im ferneren alterthum der unterwürfige knecht nicht zu des auf der bank sitzenden herrn füszen, hinter der bank lag (vgl.andbahts s. 280)? allmälich wurde dem herrn ein stul und dem knecht die bank zu theil, der stul galt für vornehmer, die bank für demütiger:

ûf sînen stuol er in satzte,
ûf die bank er sich selber satzte.
'herre, ir tuot niht recht,
daʒ ir nider fallet also die knecht
ûf die harten benke.
Haupt 2, 94.

[Bd. 1, Sp. 1107]


Redensarten. unter der bank liegen, weggeworfen, verachtet, vernachlässigt liegen, wie ein knecht? wie eine werthlose sache: da wir sahen, dasz die schrift unter der bank lag. Luther 3, 337b; wie bisher bei inen die schrift unter der bank gelegen ist. 4, 282a; er (der pabst) leszt das evangelium unter der bank ligen. 4, 323a; das sie die heilige schrift verachten und unter der bank ligen lieszen. 5, 83a;

die frömbkeit leg unter der bank.
H. Sachs II. 2, 73b;

die tugent ligt unter der bank,
ist gleich von iederman veracht.
II. 2, 103b;

ich vorcht unter die penk
sei ich zujüngst gedigen. fastn. sp. 1386;

ja es hat die wissenschaft so gar lange zeit in dem christlichen Europa unter der bank gelegen, sich nicht eher hervorthun können. Hoffmannswaldau vorrede; dasz ich es endlich verachtete, und es unter der bank und ungedruckt wolte ligen lassen. Schuppius 462; dasz aber das justinianeische recht auch vorher nicht gänzlich unter der bank gelegen, ist oben erwiesen. Hahn 3, 161; denn wo ich neuerer zeit nur immer den Polo angezogen finde, so geschieht es sicherlich entweder nach Müllers ausgabe oder nach Bergerons übersetzung. Ramusio liegt unter der bank. Lessing 9, 216. unter die bank legen, schieben, beiseite legen, wegwerfen: das sie es ie nicht hinder sich werfen und unter die bank legen. Luther 4, 459b; solchs sollen wir nu mit allem vleisz treiben und wol ins herz bilden, den glauben zu erwecken und sterken, nicht also, wie bisher, aus dem wege setzen, oder eine weile unter die bank legen. 6, 177a;

man legt dich (die mode) nach sechs monden gleichwol
schon unter bänke.
Logau 2, zug. 76.

unter die bank stoszen: darumb ists inen fast not, die schrift zu lestern und zu schmehen, sie unter die bank stoszen und fürgeben, sie sei ein finster nebel. Luther 1, 374b; das man die bibel unter die bank gestoszen hat. 4, 143a; so sol man das evangelium recht unter die bank stoszen. 6, 13b. unter die bank stecken: das evangelium unter die bank gesteckt. 4, 334a; ob wol die sophisten (das evangelium) mit füszen getretten, unter die bank gesteckt, veracht und verdampt haben, noch ists blieben durch den, der daran gedenkt ewiglich. 5, 213b; die papisten wolten sich wol gern putzen und solche grewel unter die bank stecken. 5, 282b; das wir iederman trewlich gesagt haben und nichts unter die bank gesteckt. 5, 367b; wie itzt unsere geistlichen, die im ampt sitzen, und ist ihnen befohlen, das sie der christenheit fürstehen und offenlich leuchten solten mit ihrer lehre, so stecken sie es unter die bank. 5, 369b; wir prediger haben des von gott in unsern instructionen, das wir den leuten nichts unter die bank stecken und lautern wein einschenken. Mathesius 150b; ir habt jetzt s. Paul unter den bank gesteckt. Fischart bienk. 13a; der teufel wird all die prediger holen, welche umb schendliches genieszes willen verschweigen oder unter die bank stecken, was gott austrücklich zu reden befohlen hat. Schuppius 88; ich bin ein rechter bärenhäuter, dasz ich meine wahrhaftige reisebeschreibung, welche ich schon eine geraume zeit verfertiget gehabt, so lange unter der bank stecken lasse. Schelmufsky vorrede. unter die bank setzen: niemand aber zündet ein liecht an und bedeckts mit einem gefäsz oder setzet es unter eine bank (ὑποκάτω κλίνης, vulg. subtus lectum, goth. uf ligr). Luc. 8, 16. unter die bank stellen: welche ihre ehre und redlichkeit entweder an den nagel henken oder unter die bank stellen. Weise erzn. 462. unter, hinter die bank werfen: die decreten beginnet man hinder die bank nach den mäusen zu werfen. Fischart bienenk. 4b; es hett dann die röm. kirch .. das überig, was ir nit wol mund (mundet) unter die bank geworfen. 40b; doch merke ich wol, er wil die pfafferei unter die bank werfen und einen staatsmann herfür suchen. ped. schulf. 74; die schneider werfen tuchlappen unter die bank, in die hölle. unter die bank schmeiszen: sobald ich aus der schule kam, schmisz ich meine büchergen unter die bank. Schelmufsky 9. unter, hinter der bank hervor ziehen, hervor holen: noch musz dis alles heiszen, des Luthers evangelium unter der bank erfür gezogen. Luther 6, 13b; alte, unter der bank hervorgeholte einfälle. sich unter die bank senken, selbst erniedrigen:

du hast dich gleich dein leben lank
gesenht (so) allein unter die bank.
H. Sachs III. 3, 68a

[Bd. 1, Sp. 1108]


unter die bank jagen, von hunden entnommen, die man unter die bank weist, sich niederstrecken (se coucher) läszt:

es ist zwar guter rath mehr werth als grosz geschänke,
doch jagt das schenken oft das rathen unter bänke,
dasz an das schenken mehr als guten rath man denke.
Logau 3, 1, 13.

auf die bank, über die bank legen, schläge geben, von schülern oder sträflingen her entnommen: mit diesen worten hättet ihr verdienet, dasz ich euch ein wenig über die bank legte und euch gebe unum, verum bonum. Schuppius 791. s. DWB überlegen. von der bank fallen, sowol die ehliche treue verletzen, als unehlich geboren werden (s.bankert); er ist mit der dirne von der bank gefallen, hat sie auf die bank getragen (fastn. sp. 1416), hat mit ihr ein unehliches kind gezeugt. durch die bank, hintereinander, ohne unterschied:

rîche und arme durch die banc. Livl. chron. 943;

es wird alles durch die bank losgeschlagen; sie taugen alle durch die bank nichts; wir füttern alle durch die bank den tod, wenn wir essen und trinken. Hippel lebensl. 2, 452. sich zwischen zwein bänken niedersetzen, wie sonst zwischen zwein stülen. Sprichwörter: man musz den mantel nach dem wind henken, unter der bank und auf der bank sitzen können; unter der bank neidet man keinen; wer auf der bank schläft, den sticht weder feder noch stroh; wer unter die bank will, den stöszt man bald darunter; auf ungewischter bank ist gut finden (Hebel 33); trachte auf die bank, du kommst wol darunter; gedenke uf die bank und nit darunder. Petr. 12b; menschen gedenken auf die benke zur ruh. 79b; was auf der bank gemacht ist, das trachtet ans bret. Lehmann 155; was auf der bank gemacht ist, das ligt nicht gern darunter. Garg. 29b.
2) gerichtsbank, dingbank, schöffenbank. das alte gericht wurde durch vier bänke gebildet, daher heiszt es: binnen den bänken, den vier bänken, vor die vier bänke kommen, vor der gerichtsbank erscheinen. die bank wird gehegt, gebannt, gespannt, bekleidet, besetzt und geräumt; häufig in urkunden: da wir an gehegter bank saszen;

und wenn die bank nu, wie man pflegt,
wird statlich sein genug gehegt
von unserm herren.
Ringwald tr. Eckh. M 5a;

traurig stehn ... wie schälke für gehegter bank. M 6b;

die gehegten und ungehegten banken (falsch für bänke) der menschen. Hippel 6, 115. bei feierlicher ladung muste der schultheisz auf die bank treten und reden: wiset der scheffen und der lantman, daʒ der schultheisze sulle stehn uf die bank. weisth. 2, 213; so sal der schulteisze uf die bank treten und sal den morder heischen dri stunt. 2, 214. frist geben, das gericht aufschieben, aufschlagen läszt sich vielleicht als ein sinnliches schieben und zurückschlagen der gerichtsbänke fassen; wenigstens die redensart etwas auf die lange bank schieben musz, wie man sie auch näher deute, in den gerichten entsprungen sein: und das geschicht gar dick, besunder so einer nit hat der sach nachzekomen (arm ist und für den rechtsgang kein geld aufbringen kann) und man die sach uf die langen bank zeucht. Keisersb. sünden des munds 42a; er richt die sach uf den langen bank. post. 3, 70; man wiset in uf den langen bank (hält ihn hin). 3, 102; doch damit meine sache nicht in die lange bank komme, sondern in kurzer verhör abgehandelt werde. Gryphius 1, 859; wer einem willfertig zu sein zweifelt oder auf die lang bank schiebet. Lehmann 5; eine ausrede, vermittelst deren er die sach auf die lange bank schieben konnte. Simpl. 2, 127; er spielt die sachen in die lange bank hinaus. Weise erzn. 309; schob er es doch in die lange bänk, bis nichts daraus ward. 428; denn ich sehe, dasz sich in Wien die sachen sehr auf die lange bank ziehen. Lessing 12, 359. Das umgekehrte scheint etwas durch die bank schnellen, abfertigen, abweisen: wenn der herr wird gericht halten, so wird kein mensch an seine statt vermögen weder knecht noch rath einzustellen und also durch die bank zu schnellen. Ringwald laut. warh. 240. Auch nachdem die bänke längst durch stüle verdrängt waren, blieb noch die benennung einer adlichen und gelehrten bank: setzte man doch bei den höchsten reichsgerichten und auch wol sonst der adeligen bank eine gelehrtenbank gegenüber. Göthe 48, 71.
3) bräuten pflegte das alterthum eine ehrenstelle, brautstul oder brautbank zu bereiten, altn. brûðbeckr, brûðarbeckr, dän. brudebänk; bei andern öffentlichen anlässen und hochzeiten

[Bd. 1, Sp. 1109]


fehlte die bank eben so wenig. sänger und spielleute standen auf bänken und ihre lieder erschollen von der bank, vielleicht auch vor den bänken der kaufleute, woher die benennung bänkelsanger rührt; ein verbreiteter, beliebter gesang gieng durch die bänke und durch die straszen: dasz man dich wie ein gassenhauerchen auf allen bänken sänge. Fr. Müller 3, 204.
4) die vorstellung der bank übergehend in die des tisches. Maaler 50a setzt zu bank scamnum und abacus, Dasypodius zu abacus anrichte und rechenbank. wahrscheinlich braucht man noch heute bank und tisch in manchen fällen gleichbedeutig: geld auf die bank, auf den tisch zählen; die angerichtete speise auf die küchenbank oder den küchentisch setzen (hernach unter 6). mhd.

vone benche ze benche hieʒ man allûteren wîn scenchen.
Hoffmanns fundgr. 2, 35

kann übersetzt werden von bank zu bank oder von tisch zu tische. kaufleute und handwerker schlagen in straszen und auf plätzen ihre bänke auf, das sind tische und buden mit den ausgebreiteten waaren; zumal gilt es von bänken der metzger und becker. brotbänke bezeichnen den markt; die kraniche, meldet eine schlesische volkssage, sollen durch die brotbänke geflogen kommen, über den markt. thiere werden zur fleischbank, zur schlachtbank geführt. einem an die bank drohen, einen zur bank hauen, will sagen, einen öffentlich zerhauen, wie man fleisch haut, ihm seine ehre abschneiden, nichts gutes an ihm lassen: thü er es nit, so müsz im darausz gon, das er nit gern hab, tröwen im also uf den fleischbank. Keisersb. sünden des mundes 63b; die unnütze weschigen meuler, die die leute gerne zur bank hawen und austragen. Luther 4, 530b;

kan ich beide man und frawen
hinterrück zu der fleischbank hawen.
H. Sachs;

tregst dein bretspil mit in die bierheuser und hilfst darneben alle welt ausecken und zur bank hawen. Mathesius 130b; und hat mich redlichen uber die zungen springen lassen und zur bank gehauwen. Thurneisser nothg. ausschr. 2, 45;

thut seinen herren nicht beliegen,
haut auch denselben nicht zur bank
und nimpt fürlieb mit speis und trank.
Ringwald laut. warh. 311;

man sol seinen freund nicht helfen zur bank hawen.
so soltu nicht bei mann und frawn
in helfen zu der fleischbank hawn. 134;

und weil sie ihn nit hab gewehrt (gewährt),
hab er sie also zur benk ghauen.
Ayrer 270b;

Hebelfurk sprach, ir habt mich alle beide wol mitgenommen, dapfer an ehren angezogen und zur bank gehawen. Ayrer proc. 3, 1; nichts destoweniger wird der arme Machiavellus von männiglichen zu der bank gehauen. Schuppius 521; das spiel solchen personen, die in gesellschaften anders nichts, als den armen nechsten zur bank zu hauen wüsten, keineswegs zu verargen. ehe eines mannes 219. Wol alle städte des mittelalters hatten solche plätze mit bänken, man weisz aber, ohne weiteren zusatz nicht, ob brotbänke, fleischbänke, trödelbänke, wechselbänke gemeint sind: deswegen zog ich in ein gutes haus hinter den bänken (in una buona casotta drieto a' banchi). Göthe 34, 98; mein bruder war eines tages unter den bänken (era in banchi). 34, 139.
5) von der bank oder dem tisch des wechslers und spielers schreibt sich der it. ausdruck il banco, der franz. la banque, und bedeutet das von ihm den übrigen spielern entgegengesetzte geld, womit er bank hält, bank macht, so wie man die bank zu sprengen, zu brechen, ihn aus der bank zu heben sucht. allmälich aber meint es blosz ein groszes geldgeschäft und bank heiszt nicht nur die geldcasse, eine öffentliche casse, sondern auch das gebäude, in dem sie sich befindet. in dieser bedeutung bildet man den pl. banken, nicht bänke. von der bank aufstehen, bedeutete sie nicht länger halten können, bankrot werden (s.bankerot): der kaufmann, wann er von der bank aufstehet, glauben und credit verlieret, ist sicher vor räubern. Schuppius 408, das erklärt 'fallieren und aufstehen' unter aufstehen 10 sp. 748;

ich habe niedrig nie gespielt,
seit ich das spiel begonnen,
und wo dem feind die bank ich hielt,
da habt ihr stets gewonnen.
Rückert 208.


6) in der küche sind bänke zum aufstellen der töpfe, schüsseln, teller und zum anrichten der speise, hackbänke und waschbänke; in der stube bücherbänke zum stellen der bücher.

[Bd. 1, Sp. 1110]


der tischler hat seine hobelbank, der töpfer seine drehbank, der strohschneider seine hechselbank, zur flachsbereitung dient die hechelbank. wie hecheln und durchhecheln auch carpere, proscindere, lästern ausdrückt, sagt man ebenso durch die bank ziehen, z. b. bei Schuppius 535. in der schule die schandbank.
7) bank, erhöhung im wasser, untiefe: wasserbank, sandbank, eisbank, austerbank, perlenbank, muschelbank. die mutterpferde ziehen sich mit den füllen auf die höheren bänke zurück, welche inselförmig über dem seespiegel hervorragen. Humboldt ans. der nat. 1, 31.
8) bank in gebirg und felsen: kohlenbank, schieferbank; ob sich gleich der fels in lager und bänke theilt. Göthe 27, 23; nach marmorblöcken und bänken. 39, 79.
9) bank, jägern das strickholz, worüber netze gestrickt werden.
10) bank, brustwehr. über bank schieszen, wenn keine schieszscharten in der brustwehr sind.
11) figürlich, auf der spötterbank, narrenbank sitzen. nach ps. 1, 1. vgl. bärenhäuterbank.
 
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bankarbeit, f. arbeit, welche die handwerker auf ihrer bank, an ihrer werkstatt, nicht auszerhalb hauses, machen.
 
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bankarmbrust, n. tragula: da begab sichs, dasz Scipio mit einem bankarmbrust in ein hüft geschossen wurd. Rihel Liv. 284; liesz er sein haupt mit eim bankarmbrust in der feinden wagenburg hinein schieszen. Fronsp. 3, 257a. mnl. bancarmborst. Huydec. op Stoke 3, 316. 317.

 

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