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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bangen bis banier (Bd. 1, Sp. 1104 bis 1105)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bangen , angere für beangen Henisch 185, 1, ganz entsprechend dem einfachen angen, und von dem vorausgehenden bangen tundere genau zu scheiden.
1) unpersönlich, mir bangt = mir ist bange: einer unter euch, dem vor der wage bangt? Wieland 23, 18; mir bangte für meine Amalie. Schiller 127b;

schon lange sinn ich, spricht er, was euch bange.
Platen 327.

tadelhaft der acc.: mich bangt vor einer unglücklichen auflösung. Niebuhr leben N. 1, 560.
2) persönlich, zagen, fürchten: tet mich pangen. Wolkenst. 37;

langen und bangen
in schwebender pein.
Göthe 8, 232;

wo eine stille seele den verlornen,
rasch abgeschiednen freund vergebens sich
zurückzurufen bangt und sich verzehrt. 9, 94;

ich lebe nur um wieder neu zu bangen. 10, 315;

was mein armes herz hier banget,
was es zittert, was verlanget,
weist nur du, nur du allein. 12, 189;

er lebe und lechze, bange und lebe! Klinger 2, 224.
3) sich bangen: die menschen scherzen und bangen sich an den lebensräthseln herum. Göthe an Schiller 796. vielleicht ist auch in der aus 9, 94 angeführten stelle das sich nicht auf zurückzurufen, sondern auf bangen zu ziehen.
4) bangen für verlangen, sich sehnen: schon gut, dasz er darnach zu bangen scheint. Wieland 22, 258. s. aus Göthe 8, 232.
5) bangen transitiv, bange machen, in furcht setzen: wenn du wüstest, dasz ich dadurch meinem gebangten herzen luft machte. Klingers th. 2, 141; was sonst gute, jetzt gebangte sinne sprechen. 4, 187. hierfür setzen einige bängen:

ach mich bängt die furcht.
Stolberg 14, 124;

Antonia, dein gürtel engt
sich bald und minder frei,
von unbekanntem weh gebängt
vollbringst dus mit geschrei. 2, 129;

höre, mutter, das flehn der gebängten
mütter! Theseus 202.

[Bd. 1, Sp. 1105]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bangenkraut, n. cicuta, conium maculatum. Dasypodius 301a. Maaler 50b; der (Socrates) hat müssen vom bangenkraut trinken. Schuppius 707. dunkler abkunft.
 
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banggefaltet: banggefaltete hände. Gotter 2, 65.
 
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bangig, wird nicht gesagt, und doch im folgenden wort vorausgesetzt.
 
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bangigkeit, f. anxietas, nnl. bangigheid, schon frühe üblich:

ach, ich vermag nicht lenger vor bangigkeit zu reden.
H. Jul. von Braunschw. Sus. 3, 4;

wird seine seelenqual durch bangigkeit vergnügt?
Gryphius;

sie starb in verzweifelten bangigkeiten. Bodmers Atreus 5, 6;

schwer lag auf mir des scheidens bangigkeit.
Schiller 346;

indem man die nachrichten des gewaltsamen vordringens in Österreich mit bangigkeit vernommen hatte. Göthe 32, 44; die bangigkeit, die man bei thieren (vor dem erdbeben) bemerkt. Kant 9, 33; furcht über einen unbestimmtes übel drohenden gegenstand ist bangigkeit. 10, 281; du willst aus liebender bangigkeit für mein entsinkendes leben nicht haben, dasz ich oft schreibe. J. Paul Hesp. 2, 114; sie leidet an bangigkeiten; bangigkeit der luft, gravitas caloris.
 
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bänglich, anxius, parumper anxius, sei nicht bänglich! ist schwächer als sei nicht bang, doch in andern fällen steht es diesem ganz gleich: nach einer gefahrvollen bänglichen jugend. Göthe 6, 195; doch schnell ergrif sie eine seltsame ahnung, ein freudig bängliches erzittern. 17, 140; er brachte einige stunden in einer bänglichen lage zu. 19, 222; ein gespräch, das wir aber, um unsere leser nicht mit unzusammenhängenden ideen und bänglichen empfindungen zu quälen, lieber verschweigen als ausführlich mittheilen. 19, 228; hiernach will ich denn nicht leugnen, dasz es in Lavaters seele gewissermaszen bänglich war. 48, 140; in der bänglichsten zeit, die je über Berlin geschwebt hat. Thümmels reisen 10, 246.

lieb ist das, doch ist sie bänglich,
wenn sie nicht kann widerstehn.
Rückert 385;

bängliches erwägen.
Schlegel in Richard 3 act 4, sc. 3.

beispiele des adv. mein herz noch bänglich klopft. Gotter 1, 267; sie rief daher bänglich, vater, vater! J. Paul Fibel 110.
 
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bänglichkeit, f. anxitudo:

was will diese bänglichkeit,
die dich so oft ergreift?
Wieland 32, 89;

sie zog ihren haushalt, ohne bänglichkeit, ins enge. Göthe 17, 177.
 
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bangsam, anxius, ein gutes wort, das mehr in gebrauch sein sollte: bangsame todtengrüfte. Lohenstein Arm. 1, 256;

so hol, so bangsam klingt die glocke.
Günther 622;

so blasz, so bangsam stille
sah ich nie deinen schein.
Schubart 2, 82 an den mond.


 
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bangsamkeit, f.
 
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bangvoll: arme, bangvolle mutter! Klinger 1, 288.
 
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banier, n. und f. signum, vexillum, panier, banner:

so wollen wir des heiligsten banier,
als deines sigs und unsers tempels zier
zu ewiger gedechtnus hoch aufhenken.
Weckherlin 80;

von reichem atlesz jeder segel,
von purem demant alle nägel,
von gold und seiden jedes seil,
mit perlein die banier verweben. 568;

haben das keiserliche banier, darin des keisers adler waren, aus der hand des keisers empfangen. Micrälius 2, 264. s. DWB banner.

 

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