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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bandwirker bis bangartin (Bd. 1, Sp. 1101 bis 1104)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bandwirker, m. bandweber.
 
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bandwurm, m. taenia, dünner und langer wurm im eingeweide.
 
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bandzettel, m. der zettel des bandgewebes.
 
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bandzweig, m. viburnum: allerlei weiche stauden, bandzweig und weiden. Sebiz 31.
 
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bandzwitter, m. eine art zinnerz.
 
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baner, s. banier und banner.
 
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bang, anxius, pavidus, bange, anxie, ein der alten sprache abgehendes wort, denn das altn. bânga pulsare darf man kaum hinzu nehmen (s. nachher unter bangeln und bangen); auch die reinmhd. sprache kennt es nicht, nur das passional und der bei Haupt 2 abgedruckte Oswald:

nu was im alsô bange
von slâfe, der in betwanc. pass. 20, 19. K.;

nâch dem ist mir sô bange. Osw. 360;

im was leide und bange. 667;

zuo ver Spange,
nâch der ist dir sô bange. 962;

mir ist gewesen bange. cod. pal. 341

wird von Ben. 1, 84b nicht näher angezogen. in allen diesen stellen steht aber das adv., nicht das adj., wodurch die deutung erleichtert wird. denn jedesmal könnte man schreiben ange (anxie) und aus beange scheint bange verdichtet (wie erban, bleiben, blangen aus erbean, beleiben, belangen), folglich gehört bange zum goth. aggvus, ahd. enki, mhd. enge

[Bd. 1, Sp. 1102]


angustus. für das entsprechende adj. aber unterblieb die composition, denn sonst müste auch benge für beenge dem enge zur seite stehn. allmälich und erst später erzeugte sich nach dem adv. bange ein adj. bang, wobei die sprache, des verhalts von ange zu eng vergessen, der falschen analogie lange und lang folgte. Nicht anders begegnet nnl. bang als adj., kein beng, beeng; mnl. denkmäler weisen aber nur anghe, kein banghe. Aber von pang prae metu bei Wolkensteiner s. 122 setzt ein subst. ang voraus?
Auch den heutigen oberdeutschen volksmundarten mangelt bang oder tritt selten auf, Stalder, Schmid und Höfer kennen es nicht, Schmeller 1, 181. 182 hat es und ein verbum bangen (für bengen) aus MB. 14, 282 vom j. 1414. Dasypodius und Maaler wissen nichts von dem wort, Henisch 184. 185 führt es natürlich an, es war durch Luther häufig genug geworden.
Gleichwol bedient sich Luther immer nur des adverbs in der verbindung mit sein, werden, machen, thun und dem dat. der person: da furcht sich Jacob ser und im ward bange. 1 Mos. 32, 7; und Mose (dat.) ward auch bange. 4 Mos. 11, 10; das, wenn sie von dir hören, inen bange und weh werden sol fur deiner zukunft. 5 Mos. 2, 25; denn dem volk war bange. 1 Sam. 13, 6; es wird inen bang sein, wie einer gebererin. Es. 13, 8; und ist uns bange, das wir kaum odem holen. 26, 18; sihe umb trost war mir ser bange. 38, 17; im wird so angst und bange werden, wie einer frawen in kindsnöten. Jer. 50, 43; wie bange ist mir, das mirs im leibe weh thut. klagl. Jer. 1, 20; und seinen gewaltigen ward bange. Dan. 5, 9; da Judas sahe, das die feinde auf in drungen, ward im bang. 1 Macc. 9, 7; und sahe, das dem volk ser bang und angst war. 13, 2; aber ich musz mich zuvor teufen lassen mit einer taufe und wie ist mir so bange, bis sie volendet werde. Luc. 12, 50; und auf erden wird den leuten bange sein. 21, 25; da sahen sich die jünger unter einander an und ward inen bange. Joh. 13, 22; uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 2 Cor. 4, 8. ebenso in der redensart einem bange machen: denn das volk macht mir bang. 2 Sam. 14, 15; ich wil den leuten bange machen, das sie umbher gehen sollen wie die blinden. Zeph. 1, 17; zu der zeit wil ich alle rosse schew und iren reutern bang machen. Zach. 12, 4; es thut mir sehr bang, das ich nicht kan leiblich bei euch sein. Luther 5, 147.
Andere belege desselben adv. bis auf die heutige zeit sind:

wenn iemand dir wil machen bang.
Alberus 66b;

und ward dem armen thier so bang. 89b;

umb schuld thet im ein kaufman bang.
H. Sachs I, 411b;

denn alsbald ein auge sehr rot wird, so thut im das helle liecht wehe und bange. Bartisch 121; wem war bänger als mir? Schweinichen 1, 89;

müh ohn frucht macht allen bang.
Weckherlin 432;

schew dich nicht für seinen wafen,
ab welchen seinen feinden bang. 421;

es thut zwar heftig bange,
in diensten müssen sein.
Opitz 1, 240;

es thut mir bange, dasz ich noch der sprache nicht besser kündig bin. 2, 306;

das reisen macht mir bange.
Fleming 12;

der krieg, der aller welt bisher macht ängstlich bange.
Logau 1, 3, 80 s. 70;

die änderung vom warmen zum kalten hat mir viel bänger gethan. Lohenstein Arm. 1, 584;

die spötter thun mir freilich bange.
Günther 89;

der mir ewig bange thut. 378;

wirf, was dir bange thut, ins grab. 680;

thut ihm der abschied bange. 972;

es that mir zwar unerhört bange, aber was solt ich thun, ich wuste nirgend hin. Weise erzn. 79;

für Görgen ist mir gar nicht bange,
der kömmt gewis durch seine dummheit fort.
Gellert 1, 142;

o reden sie nicht so gleichgültig, es wird mir angst und bange dabei. 3, 164;

wie sich
der knoten, der so oft mir bange machte,
nun von sich selber löset.
Lessing 2, 336;

lasz dir doch nicht bange sein. 2, 352;

und ach, von ahndung neuer wonn euch immer bänger
um die beklemmten herzen wird.
Gotter 1, 177;

ich musz dem buben bange machen. 3, 506;

und doch war mir so bang ums herz.
Göthe 3, 31;

[Bd. 1, Sp. 1103]



immer ist dem herzen bang. 3, 33;

verlier ich ihn nur nicht, das eine macht mir bange. 7, 16;

nun ward mir bange. 19, 280;

bei gott, sie machen mir
ganz bange.
Schiller 266b;

mir ist ganz weh und bang, dasz unsre freude
in rauch aufgeh. 608b;

wenn du mir nur nicht so bang machtest! Klinger 1, 4; bange machen gilt nicht.
Allein im 17 jh. entsprang nun ein unorganisches adj., das sich im 18 noch allgemeiner verbreitete:

dasz kein halbfaulend aasz so grausam riechen kan,
wenn sich der bange stank bei heiszem tag erhebet.
Gryphius 1, 317;

war sie vorher erschienen,
erschien sie nur noch mehr und mit noch bängern mienen.
Gellert 1, 278;

bald schickt ein banges reich an ihn gesandten ab.
Hagedorn;

banger vor freuden und bebender stehn die hüter.
Klopstock Mess. 10, 221;

ich bin, das weist du, banger als damals. 14, 371;

der wilden flammen macht
mit loderndem geräusch die bange luft zertheilet.
Zachariä 1, 29;

den liebenden
ward enger und bänger von ahndung die brust.
Bürger 34b;

freund, welcher nordwind, schwarz vom gifte,
gieszt seines aushauchs bange düfte
auf deines lebens schönste zeit?
Gotter 1, 219;

zerrissen ist der bange schleier,
der unsern bund der welt entzog. 1, 287;

die bange nacht. 2, 234;

und drauszen hört man schon ein tausendstimmig heulen
mit wachsendem getön die bangen lüfte theilen.
Schiller 32a;

von dem dome schwer und bang
tönt die glocke grabgesang. 79a;

ihr seid todtenbleich, eure stimme ist bang und lallet. 137b; in dieser bangen stunde verläszt er uns. 193a;

der etikette bange scheidewand
ist zwischen sohn und vater eingesunken. 255a;

hab es nicht vermieden,
die bange stunde mit dir auszuhalten,
die man die letzte nennt. 299b;

sei meiner stimme nicht auf ewig gram,
wenn sie dir jetzt den allerbängsten schall
angibt, der je dein ohr durchdrungen. 576b;

gibt mir erläuterung über das bange räthsel des todes. 754;

so waschen sie die wunden ihm mit thränen.
ich spare meine für ein bängres sehnen.
Schlegel in Romeo 3, 2;

öfne meine bange kleine hütte.
Göthe 1, 250;

was auszen eng, was auszen bang,
uns macht es nicht beklommen. 3, 74;

die letzte, bangste krankheit. 16, 47; ein tragischer schauspieler, der in der probe taback schnupft, mache sie immer bange. 19, 187; ganz natürlich klagte ich ihm, was mich bange machte, und bemerkte nicht, dasz ich selbst das, was mich bange machte, wünschte und begehrte. 19, 288; wenn ich nur aus dieser bangen angst wäre! Klingers th. 3, 353.
Nach der historischen sprachentwicklung ist dies adj. bang ein widersinn, und so unstatthaft, als hätte man aus dem mit bange gleichbedeutenden adv. ange ein adj. ang ziehen wollen, da schon eng vorhanden war, dessen analogie auf beng, benge leiten müste, Bürgers enger und bänger bietet einen ungefühlten pleonasmus dar. das wollautende wort ist aber nun einmal durchgedrungen. seitdem es gilt, musz freilich auch an die stelle des organischen einem bange machen treten können einen bange machen, anxium reddere, und an die von mir ist bange, angor me occupat, ein ich bin bange, anxius sum. die beispiele lehren, dasz es auszer anxius, timidus zuweilen auch bedeutet metuendus, schrecklich, fürchterlich. die gesteigerten grade schwanken zwischen umlaut und unumlaut. zugleich aber hat, durch diese geschichte des worts, auch sein zusammenhang mit aggvus, enge, sich auszer zweifel gesetzt.
 
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bangart, bangert, m. entstellt aus baumgart, baumgarte, arboretum, viridarium, hortus. sonst auch bongart, bomgart. viele städte und dörfer am Rhein, Main, im Westerwald, auf der Rhön haben einen bangert und eine bangertsgasse.
 
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bangart, m. hortulanus, custos horti, campi: umb die zeit, wann man die nusz schwingt, hüteten des Grandgusiers unterthane, bangart oder bannwarter und sonst die nächst umbligend hirten derselbigen gegene der weingärten und reben,

[Bd. 1, Sp. 1104]


auf dasz die staren und sonst ires geschlechts vögel nit die trauben abfreszen. Garg. 197a; allen kühhirten, geiszhirten, bangarten, raupen, weingartnern und taglönern. 199a; die andere bangart und hirten. 198b; unsere hirten und bangart. 199a; die hirten und bangart des Grandgusiers. 199b; von den hirten, bangarten, wingartsknechten und nuszschwingern. 200a; wo kein bangart umbstehen, ist gut trauben abbrechen. groszm. 116. scheint aus dem französischen bangard, banard = messier entnommen, welches doch selbst seinen ursprung im deutschen bannwart, flurschütz findet.
 
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bangartfräulein, n. was das folgende: die meisterlosest under disen bangartfräwlin, ... fieng ein schön meistersangerisch liedlin in der jülgenweis (lilienweise) von diser victori an zu singen, dasz es ein lust zu hören war. Garg. 199a.
 
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bangartin, f. gärtnerin: sambt den bangartinen und hirtinen. Garg. 198b.

 

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