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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
balsamtropfe bis bammen (Bd. 1, Sp. 1094 bis 1096)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) balsamtropfe, m. tausend balsamtropfen fremder thränen. J. Paul Hesp. 4, 100.
 
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balz, f. coitus silvestrium avium, nach Nemnich 1570 vox falconum ad coitum prurientium, gilt aber hauptsächlich von auerhahn, birkhahn, kranich, trappe, fasan, schnepfe. Stieler schreibt die balze oder pfalze, Döbel falz oder balz, Pärson pfalz. s. DWB auerhahnbalz und das folgende verbum.
 
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balzen, falzen, coire jungique, vom federwildbret, denn für die falken musz es erst bestätigt werden; das weidwerkbuch von 1582 hat es weder von falken noch anderm gevögel, bei wildem, uneszbarem, z. b. bei storch, rabe, sperling wird es nie gesagt. kein wörterbuch vor Stieler und Frisch überliefert den ausdruck, als frühster zeuge musz H. Sachs auftreten:

doch schaw auf des awerhannen falzen
und scheusz in, wenn er lang thut schnalzen.
I. 422d;

im geistlichen vogelgesang heiszt es nach Grieshabers ausg. s. 85:

der aurhan seiner hennen lockt,
wann er im falzen (in der brunst) ist.

neuere schriftsteller nehmen es für schreien: alle vögel balzten, klapperten und krächzten ihm beifall zu. Musaeus 2, 137.
Frisch 1, 246b denkt ans it. balzare springen, das bei welschen jägern mindestens denselben sinn, um entlehnt zu werden, gehabt haben müste. näher zu liegen scheint unser falzen plicare, striare, zumal für ahd. anafalz incus, ags. onfilt, engl. anvil mit B nd. ambolt, nnl. ambeeld, aanbeeld gesetzt wird. mhd. ist valz die schneide, klinge des schwerts (valz

[Bd. 1, Sp. 1095]


und ecke. Parz. 254, 13). Dagegen kommt in betracht, dasz man vom auerhahn und birkhahn in der balz auch krollen und krolzen sagt, krolzen aber sich zu krollen verhält wie schnalzen zu schnallen, folglich balzen zu ballen stringere. Jungmann 4, 606b verdeutscht das entsprechende böhm. tokati, tokowati krollen krolzen, balzen, falzen: tetřew hluchý toká, der taube auerhahn krolzt; tokugj tetřewowé, die auerhähne balzen. tok (sonst flusz, sturz) ist die balz. man dürfte das ags. bealcettan eructare, effundere, engl. belch heran ziehen, da krolzen, grolzen auch ructare ausdrückt. aber krollen ist sonst crispare, torquere, krolle cirrus, capillus contortus, und nun tritt hinzu, dasz ahd. balz (Graff 3, 114), mhd. balzer cirrus, coma, balzieren das haar kräuseln oder kämmen (Ben. 1, 82b) bedeutet, was einen obscoenen sinn von balzen vermitteln könnte. s. das folgende.
 
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balzer, m. in Östreich schelte für unruhige, ausgelassene kinder: du balzer du! ihr balzer wollt ihr nicht friede geben? ein balzer, prostibulum (vgl. DWB balg). Höfer 1, 54; in Schlesien:

so lasz ich darum mich in keine thränen ein,
und mag darüber nicht ein flennebalzer sein.
Günther 405;

blöckabalzer heiszt ein dorfschulze in Dan. Stoppens drama auf das namensfest der frau Anna Barbara Emrich, und engelbalzer zu Schweidnitz ein pfefferkuchen, auf dem ein engel ausgedrückt ist. man will deuten Balthasar, das freilich in Balzer gekürzt wird; doch jenes mhd. balzer cirrus, witbalzer schopf, zopf scheinen unmittelbar verwandt, obschon zur erklärung noch etwas abgeht.
 
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balzzeit, f. tempus coeundi, eine harte zusammensetzung, statt der man besser das einfache balz gebraucht, das auch für sich die zeit ausdrücken kann.
 
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bambele, n. cyprinus phoxinus, ein kleiner, lebhafter fisch, sonst auch DWB bachbambele, DWB das glatte bambele, pfrille, elritze genannt. Maaler 50a schreibt bambele, Henisch 179 bammele, bambele, pampele, Stalder 1, 128 bammele, bammeli, entweder von bammeln, bambeln agitari, wegen des fischleins rührigkeit, oder von bammen naschen? angesehen das er der stör, mörthunnen (thunfische) und hausen etlich legion auf einen schnitt nam, wie der baur die bambele, mülling und grundeln, da er sie für welschkraut asz. Garg. 43b. nach Stalder nennt man auch ein lebhaftes (oder genäschiges?) kind so, die ähnlichkeit des it. bambo, bambino und bambola docke, puppe mag zufall sein. an einigen orten heiszt bambele der auszerhalb der erde liegende (also unfeste, bewegliche) theil des weinsenkers, mit dem er am mutterstock hängt, pampelt. s. DWB bampel.
 
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bambs, m.? streich die salb warm darauf, ein leinin tuch darüber, und ein alten bambs darauf, so zeucht sich das aiter auf einen ort. Seuter 427. bei Stieler 90 ist bams, bems, pämps conglobatio foeda ex crinibus et adipe, bei Adelung bams, pl. bämse dickes, haariges fell am sattel, bei Schmeller 1, 285 pams balg = wams. hier soll das pflaster damit befestigt, geheftet werden. s. DWB bamsen.
 
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bamme, f. sonst geschrieben bämme, bemme. nach Stieler 90 litura, quidcunque pinguedine adipeve illinitur, zumal butterbrot, schnitte:

wenn die kinder nach dem sande greifen,
weil der hund die butterbamme nimmt.
Dan. Stoppe ged. erste samml. 129.

βάμμα, ἔμβαμμα tunke läge allzu nah und die angeführte deutung scheint ihm erst abgesehn, besser vergliche sich πέμμα, kuchen, backwerk und unser bammen, bampen, bamschen.
 
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bammeln, suspensum agitari, sonst bambeln, bampeln, pampeln, bäumeln: das band bammelt auf der erde; mit den füszen bammeln; am hohen baume bammeln; Danischmend und der kalender bemerkten sogleich, dasz unter den weibern ihres dorfs wenige waren, die nicht einen zierlich in musselin eingewickelten lingam am halse bammeln hatten. Wieland 8, 159; sieh, so liesz ich dem Bacchus den linken arm übers knie bambeln. Fr. Müller 165; die schwebende glocke erschallt, bammet (vgl. bimmeln):

wie anders, wenn der glocke bimbam bammelt,
drängt alles zur versammlung sich hinein.
Göthe 56, 31;

denn wir fühlen schon im schweben, schwanken, bammeln unergötzlich
unsere gliederchen. 41, 200;

bammelt erst die leichte waare,
dieser gleich ist am altare
neugeschlifnes beil bereit. 41, 220;

[Bd. 1, Sp. 1096]



wo des gefühles lippe stammelt,
ist schön die sterblichkeit verklärt.
ja ein biederherz wird hoch geehrt,
wenn zuletzt der schelm am galgen bammelt.
A. W. Schlegel.


 
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bämmeln, mulcere, vielleicht dem folgenden bammen verwandt. Hermes in Soph. reise 4, 367 schreibt pämmeln und hätscheln, dorloter.
 
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bammen, ligurire, naschen. Stieler hat aufbammen, aufessen; hineinbammen, hineinessen. s. DWB bampen.

 

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