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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ball bis ballenbinder (Bd. 1, Sp. 1090 bis 1092)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ball, m. pila, globus, ahd. pallo m. und palla f. (Graff 3, 93. 94) neben stoz (6, 736); mhd. bal balles m. und balle ballen m. (Ben. 1, 117b. 118a) neben stützel; nnl. bal pl. ballen; altn. böllr m., schw. bll, dän. bold. nhd. unterscheiden wir ball pila, globus, pl. bälle, von balle fascis, pl. ballen, und beide sind männlich, doch wurde auch von ball pila der gen. ballens, acc. ballen gebildet, des ballens spielen sagt Fischart Garg. 174a. 178a; da man des balln spielt. Alberus; alle ballen, die auf dis tach fallen, kan man mit eim wort uberausz schlagen. bienenk. 47b;

ich warf den ballen weg, womit ich spielte.
Göthe 10, 23.

Was die wurzel betrift, so ist das von Ben. 1, 117a vermutete bil bal bâlen geboln, anschwellen, aufspringen unerweislich

[Bd. 1, Sp. 1091]


und unnöthig, die bedeutung schwellen auch schon in dem verwandten belgen enthalten, dessen G, wie vorhin angemerkt wurde, aus J, folglich I hervorgieng. follis begegnet sich der lautverschiebung nach mit ball wie balg, und beiden liegt die vorstellung des schwellenden, geschwollnen zum grunde. pila hingegen, dessen kurzer vocal zum franz. bille stimmt, so wie pillula, tritt neben gr. πάλλα globus, von πάλλειν schwingen, drehen, treiben, lat. pellere. will man auch βάλλειν werfen heranziehen? dann käme βολή und βέλος, pilum speer mit langem i und unser pfeil in betracht, und die consonantverschiebung bietet genug anomalien dar, deren ausgleichung hier nicht weiter zu erörtern ist. unsere sprache läszt den ball sowol werfen als schlagen und treiben:

in des hant von Riuwental
warf diu stolze magt ir vinkelvêhen bal. MS. 2, 75b.
Ben. beitr. 440;

warf ich den bal in des hant von Riuwental. 454;

welches zuwerfen ein zeichen der gunst war. ob er sich des tags den ballen zu schlagen zu sehr erwermet hette. Bocc. 245b; ich hab aber noch ein übung des leibs, darab ich vil freud, kurzweil und lusts empfahe, den bal zutreiben. Petr. 23a;

als ich, in gesellschaft von titanen
mit Pelion und Ossa als mit ballen schlug.
Göthe 41, 137,

wo doch statt des zweiten als besser wie stände; den schlägel führen und damit den ball treffen. 6, 227; ohne schlägel und ball. 6, 228; ihre spiele, wie das mit ballen und schlägel, auf groszen rennbahnen. 6, 23; das maillespiel zu pferde, wo ballen und schlägel die grosze rolle zugetheilt ist. 6, 87. man sagt: den ball leiten, zurückschlagen, springen lassen; den geworfnen ball fangen. ebenso den schneeball werfen und fangen. s. schlagball, mhd. sleipal.
Bei dem spiel mit elfenbeinkugeln heiszt es: auf einen ball spielen, einen ball machen, den ball sprengen, versprengen, vollnehmen und schneiden. der ball läuft und verläuft sich.
Für die kugel der geschütze (franz. la balle, la boule, le boulet) bedienen wir uns des wortes ball selten:

der weg der ordnung, gieng er auch durch krümmen,
er ist kein umweg. gradaus geht des blitzes,
geht des kanonballs fürchterlicher pfad.
Schiller 336;

durchlöchert von kugeln war sein hut,
durch den stiefel und koller fuhren die ballen. 323a.

Oft aber bezeichnet ball den luftball, den augapfel (die pupille), und die kugel der planeten: luftfahrten mit aerostatischen bällen. Kant 5, 406; fallen ofters grosze feuerballen (feuerkugeln) von himmel. Schuppius 409; der erdball;

auf jedem landhaus unsers balles.
Gökingk 2, 139.

Bildlich: ball des schicksals, weil man die glücksgöttin auf einem ball darstellte, mhd. gelückes stützel. Renn. 18362; solche könige, die dem guten vertrauen aufhelfen, schlagen mit den armen des vertrauens den ball ihrer macht am allerweitesten. pers. baumg. 1, 6. spielball für spiel:

wer auf dem meer
des lebens nicht die stürme der begierden
bemeistern kann, ist ewger wellen ball.
Gotter 2, 259.


 
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ball, m. saltatio, chorea solennis, nach dem it. ballo, franz. bal, vgl. mlat. ballare, balare und gr. βαλλίζειν, die schenkel werfen, tanzen, dem vorausgehenden deutschen worte ball unverwandt, es sei denn, dasz man auch dieses auf βάλλειν leiten könne. ball = tanz kennen die wörterbücher des 16 jh., auch Henisch noch nicht, es scheint erst im 17 aufgekommen, Stieler 87 setzt es neutral an, zum unterschied von jenem deutschen ball, Frisch 1, 53c aber schon männlich. man sagt einen ball geben, anstellen, mitmachen, auf den ball gehen, einem ball beiwohnen, auf dem ball sein. in einzelnen zusammensetzungen musz der sinn ergeben, ob ball pila oder ball chorea gemeint ist, z. b. ballhaus.
 
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ball, m. latratus, sonus, laut, anschlag. weidmännisch, die rüden folgen auf den ball des finders, werden auf den ball gehetzt. Döbel 1, 102a.b; fleiszen sich scheutzlich zu schreien, verheben ire münd mit den tartschen, das der ball herwider gell, und dester grewlicher laute. Frank teutsch. nat. chron. 7a nach Tac. Germ. 3. s. DWB bellen.
 
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ballade, f. eigentlich tanzlied, wofür ehmals das bessere deutsche leich zu gebot stand.
 
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ballast, m. saburra, belastung, überladung des schiffes, dann überhaupt überflüssiges, was man wegwerfen kann.
 
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ballasten, ein schif beladen. auch nnl.
 
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bällchen, n. 1) kleiner ball, pila pasilla. 2) kleiner

[Bd. 1, Sp. 1092]


balle, fasciculus: ein bällchen feine leinwand. Rabener 3, 90. 3) kleiner tanz.
 
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bällchenatlas, m. geringer atlas, den man bällchenweise, in halben stücken verkauft.
 
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balle , m. fascis, globus,
1) ründung, erhöhung an hand und fusz der menschen und thiere (mit huf wie gespaltner klaue): spilten des handballens. Garg. 174a;

laszt vom ballen zum schopf mich sein.
Wieland 18, 137;

der schnitt gieng durch den ballen, gerade unter dem daumen. Göthe 19, 134; so ein pferd ihm selber auf die ballen (die innere fläche des hufs) tritt. Seuter 320; mhd. eʒ gie ûf den ballen. krone 19851; der edel hirsch zeigt ballen, die sau nit. weidspr. 200;

ein hirsch, der sich nicht wol befand,
blieb lange zeit daheim, die ballen auszuheilen.
Hagedorn 2, 30.


2) runder, schwellender bündel, fascis, sarcina: sein vatter und sein mter und alle seine freund schickten im vil brief, in ein ballen gebunden. Keisersb. sünden des mundes 70b; waarenballen, tuchballen, bücherballen, papierballen; ballen voll pfersich. Garg. 54a; wie sich die nebel zu ballen wälzen und an den bergwänden herab lenken. Bettine br. 1, 252. bildlich, der nimpt den ballen des reichthumbs mit sich aus der welt, der vor das zukünftige etwas beileget. pers. baumg. 2, 1.
3) den buchdruckern hieszen sonst ballen halbrunde lederkissen zum auftragen der schwärze, an ihre stelle treten jetzt walzen; den fechtern rundlich ausgestopfte spitzen des fechteisens; den tischlern der hintere runde theil des fausthobels.
 
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ballen , constringere, conglobare,
1) hand und faust ballen: der sultan gieng, die geballten hände auf den rücken verschränkt, mit ziemlich starken schritten auf und nieder. Wieland 8, 409; mit geballter faust. Pierot 1, 102. Gotter 1, 80. Klinger 1, 10;

die kalte teufelsfaust entgegen,
die sich vergebens tückisch ballt.
Göthe 12, 72;

könnt ihr den weiten raum
des himmels und der erde
mir ballen in meine faust? 33, 244.


2) schnee, nebel, wolken ballen sich: der schnee wird geballt, ballt sich, oder auch blosz ballt. ich ballte die wolken vom dunkeln meer her und zog sie über dich. Klinger 2, 225;

dem gläubgen müssen
selbst die wolken sich zu füszen ballen.
Platen 84;

und ballende sonnen rings.
Voss 3, 93,

die sich als kugeln bilden.
3) sich hervor ballen, empor drängen, erheben, auftreiben:

der hirsch und reh sein hörner krauset,
wenn die alten sind abgefallen
und die newen sich herfür ballen. froschm. 3, 3, 11.

Stalder 1, 127 hat das part. erballt für dick und fett, das heiszt doch aufgetrieben, angewachsen. auch das gewundene knäuel ballt, und der wurm knäuelt sich:

nahe liegt, zum knäul geballt,
des feindes scheuszliche gestalt.
Schiller 66.


4) der teig, das mus, die gehackte speise wird geballt, d. i. zu runden klöszen gebildet: der wölle machen ein morchenmus, der nem morchen und erwelle daʒ uʒ einem brunnen, und geballen (? geballet) uʒ eime kaldem waʒʒer und gehacket kleine, und tu eʒ denne in ein dicke mandelmilich. von guter speise s. 24 cap. 79, die vorschrift ist aber undeutlich
5) figürlich, die Franzosen wurden zu den jetzigen Franzosen durch eine längere als die benannte revolution oder umwälzung gebildet und geballt. J. Paul nachdämm. 69.
 
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ballenbinder, m. mercium consarcinator. Garg. 237b. Thurneisser archidoxa 11.

 

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