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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bakenmeister bis baldanders (Bd. 1, Sp. 1080 bis 1084)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bakenmeister, m. der aufseher dabei.
 
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balbaum, m. salix: die gottsäligkeit gepflanzt wie ein balbaum neben einem bach. Frank verbütschiert buch vorr. *a. scheint das schwed. pil und nd. wilge.
 
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balbier, m. tonsor, für barbier, nach einem häufigen wechsel zwischen r und l, auch oft mit übergang des b in w, balwier, balwierer, wie z. b. H. Sachs IV. 3, 58b schreibt, balbierer Fischart im Garg. 100a, Ayrer fastn. 105b; Olearius im pers. rosenth. 8, 25; Logau 3, 6, 5; Schuppius 546. balbier steht bei Gellert 3, 349 und noch J. Paul anhang zu Tit. 2, 13. man hält heute barbier oder gar rasör für anständiger und meidet das deutsche scherer, bartscherer, bartputzer, wie andrerseits der begrif des scherers in den des baders und aderlassers übergieng: balbierer, welcher die ader schläget und verbindet. Olearius a. a. o. musz dem balbirer zahlen arzlohn. Ayrer a. a. o. litt. balbẽrus, lett. balbeeris, poln. balwiérz.
 
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balbieren, radere barbam: balbieren, klistieren und laxieren. Fr. Müller 2, 61; einen über den löffel balbieren; die bawren werden in diesem monat (juli) die wismet mit sensen

[Bd. 1, Sp. 1081]


balbieren. Fischart groszm. 111; einen trocken balbieren, belügen, anführen:

auf einen öden hof da ward mans füren,
man ward in (ihnen) allen zwahen
und tet in trucken balwieren.
Uhland 462;

man hat in (ihnen) trucken gschoren. 514,

denn die wörter des scherens, kämmens, waschens hatten früher den dat. der person neben sich; bruder wirst trucken balbiert. Fr. Müller 3, 36.
 
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balbiererin, f. tonstrix.
 
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balbiersgesell, m.
 
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balbierstube, f. Garg. 188b.
 
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balche, bälche, f. s. DWB belche.
 
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bald, celer, fortis, goth. balþs, ahd. pald (Graff 3, 108), mhd. balt, baldes (Ben. 1, 80) liber, liberalis, fidens, temerarius, aus dem begriffe der kühnheit und freiheit in den der frechheit, verwegenheit übergehend; ags. beald, engl. bold, nnl. boud, altn. ballr, schw. und dän. erloschen, in altdän. liedern noch bold, aber ins it. baldo, prov. bautz, altfranz. bauz, franz. baud eingegangen. eine menge eigennamen sind mit diesem bald zusammengesetzt. man darf das litt. baltas, lett. balts albus hinzunehmen, wie sich aus ἀργός weisz auch die vorstellung der schnelle entfaltete (oben sp. 579), ein zweig der alten Gothen hiesz Balthae (balþai, balþans), leuchtende, kühne, schöne, freie, tapfere, und diese ableitung macht möglich auch Paltar, altn. Baldr, den namen des lichtgottes zu vergleichen. die lingualis ist der wurzel fremd, wie in alt, kalt u. a. m. beide ballr und Baldr scheinen einer und derselben wurzel mit bâl rogus, folglich mit sl. paliti, planuti urere, plamen' lat. flamma, gr. φλέγειν und φλόξ. in der mythologie noch weitere ausführungen.
Seit dem 14 jh. beginnt der gebrauch des hochdeutschen adj. nachzulassen oder aufzuhören, doch werden hin und wieder noch beispiele auftauchen: vertröstete sie meiner balden widerkunft. Simpl. 2, 358, wofür wir heute sagen baldigen.
 
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bald, adv. mox, celeriter, je seltner das adj. geworden ist, desto häufiger gilt das adv., wie uns auch zu den gangbaren adv. sehr und gern das adj. ausstarb. goth. balþaba audacter, ahd. paldo, mhd. balde. dies volle balde erscheint zuweilen noch nhd.: der sehe das alles balde. Keisersb. sünden des mundes 37a; erhöre mich balde. ps. 143, 7; und sie sich balde ganz verloren. Micrälius a. P. 5, 369;

kömmt meine seele nicht balde wieder?
Fleming;

es ist nicht balde wahr, was der und jener spricht. 156;

der glücklich, siegreich balde wiederkehrt.
Göthe 16, 18;

die vögelein schweigen im walde,
warte nur, balde
ruhest du auch. 1, 109;

die sich balde
wie im holden zauberwalde
voller goldnen früchte beugen. 2, 25;

ich hoffe es soll balde bei ihnen anlangen. an Schiller 82; vom Harze werde ich nun balde die wichtigste suite beisammen haben. bei Merck 2, 242. Die comparation schwankt zwischen reinem vocal und umlaut: ich komme desto balder, baldest, aufs baldeste; ihr sollt es baldest hören; bälder. Wickram rollw. 28b; aufs bäldeste. Galmy 107; demnach ich etlicher freinden begehren desto bälder statt gegeben. Weckherl. vorr. zu d. weltl. ged.; auf das bäldest so si mochte. Bocc. 1, 270a. 2, 11b. 50a. 52b. 53a. 57a; aufs beldest so man kan. Petr. 191a; die weiber wachsen bälder dann die männer. Fischart groszm. 74; wann das wetter sich will verkehren, so empfindens die kranken am bäldesten. Paracelsus 2, 421c; welche fische du bälder wirst verkaufen können als haber und waizen. Schuppius 737; bälder schaden. 743; wäret ihr bälder gekommen; die kleider bäldest verfertigen; je bälder, je lieber. Wieland 4, 78. 87. 193. 205. ahd. erscheint paldôr und paldôst, mhd. beides balder und belder; baldest und beldeste. Ben. 1, 81b. Wichtiger ist es stellung und bedeutung des adv. zu erwägen.
1) mhd. balde geht nachdrücklich dem imp. voraus:

balde île, brinc dîn ors her an! Trist. 336, 32;

balde île, niht entwâle! Helmbr. 385;

balde gâ enwider! Trist. 270, 33;

er sprach zem boten, balde var! GA. 3, 718;

balde machet ûf! Ls. 3, 269;

balde eʒ mit mir wâge! MS. 2, 107a;

balde satelt uns diu pfert! myst. 115, 6; balde wartet! 163, 13. folgt ihm aber auch nach:

bint dir balde mîn trût gespil! MS. 2, 75a;

[Bd. 1, Sp. 1082]



ir entslieʒent balde mir daʒ gaden! ebenda;

rûme balde den hof! Morolt 581. 624;

strîch vil balde von mir! Karl 24b;

vliuch von hinnen balde! MSH. 3, 230c;

nu zeiget balde! Barl. 197, 24;

nu louf balde! Barl. 390, 7;

louf snel und balde,
daʒ dîn mîn trechtin walde!
louf balde und risch von dannen!
Stephan stoft. 2, 161;

stant balde ûf! Grieshaber 2, 2; bereite dich balde! 2, 147 noch lebhafter mit weglassung des imp.:

ûʒ mînen ougen balde!
Herb. 1959;

nâch dîner muoter balde! Wh. 160, 2;

wol balde zwêne knehte her! Trist. 74, 32;

nu wol her balde! 76, 29;

wol balde von der strâʒen! 402, 17;

balde hin ûf dînen wec! MSH. 3, 228a;

nu balde enwec! Barl. 11, 31;

balde nider von den rossen! roseng. 1722;

balde von mir sathanâs! vater unser 3868;

balde in den oven! myst. 108, 39; balde herre uweren gurtel! 120, 23; vil wunderlîchen balde in starke buoʒe! Berthold 75. 78. 80; in welchen fällen wir heute fort, gleich, schnell, augenblicks zu verwenden pflegen.
Nhd. ist das vorangehende adv. selten:

Spiegelglanz, bald sag an! fastn. sp. 907, 2;

bald stehe auf, fraw! Bocc. 1, 276b;

und ohne imp.: bald her! Stieler 827; fein bald! perge. 84;

bald für, und hilf mir auf den wagen.
H. Sachs III. 1, 112d;

öfter nachfolgend: wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald! ps. 103, 2; herr erhöre mich balde! 143, 7; fare nicht bald eraus zu zanken! spr. Sal. 25, 8; raube bald! Es. 8, 1; gehe aus bald auf die straszen! Luc. 14, 21; gehe bald hin und setze dich zu tische! 17, 7. wir sagen täglich: komm bald wieder! thu das bald! sprich dich bald darüber aus! man stellte aber auch, wenn kein imp. gesetzt ist, das bald in der rede gern voran, z. b. bald den jungen zurückzufüren befahl. Bocc. 1, 293a.
2) zeitlich aufgefaszt stoszen die vorstellungen bald, schnell, gleich aneinander, doch sind uns heute schnell und gleich stärker als bald, gleich ist stärker als schnell. gleich entspricht dem gr. εὐθύ, bald dem ταχύ, oder auch gleich dem franz. aussitôt, bald dem franz. bientôt, gleich dem engl. immediately, bald dem soon. gleich, den augenblick; bald, in wenig zeit. ich komme gleich will sagen auf der stelle, im augenblick, ohne verzug, ich komme bald kann auch ausdrücken in einigen stunden, tagen, wochen. ich verrichte es gleich, ungesäumt; ich verrichte es bald, in kurzer zeit. schnell bezeichnet unausgesetztes eilen, für die todten reiten schnell kann weder gesagt werden gleich noch bald (doch in zusammensetzungen behauptete bald noch länger den sinn der schnelligkeit). bald läszt frist zu, schnell nur kurze, gleich keine mehr. schnell und bald gestatten den zusatz von sehr, recht, gar: er wird sehr bald, recht schnell eintreffen; sehr gleich, recht gleich wäre unstatthaft zu sagen. das wetterglas fällt gleich, steht im begrif zu fallen; es fällt bald, wird in kurzem fallen. sprachen, die besser als unsere tempora unterscheiden, würden mit gleich das praesens, mit bald das futurum verbinden, wir aber haben kein bedenken beides zu sagen: er kommt gleich, wird gleich kommen; er kommt bald, wird bald kommen. lat. actutum redi, mox redibis.
3) früher und heute musz jedoch auch dem bald oft die bedeutung des gleich zugestanden werden, wie in den meisten unter 1 angeführten und manchen andern stellen:

du sollst zur arbeit dich bald mit dem tage wenden.
Opitz 1, 340;

du hast den wundermuth bald mit der milch gesogen,
bist zu der tapferkeit von kindheit an erzogen. 1, 10,

d. i. gleich mit dem tage, gleich mit der muttermilch; bald im anfang. Ayrer 1a. namentlich, wo man bald auch mit leicht vertauschen könnte: das ist bald gesagt, bald gethan; gleich gesagt, gleich gethan; leicht gesagt, leicht gethan;

dies hab ich bald gedacht.
Gellert 3, 307;

ich sterbe. das ist bald gesagt
und bälder noch gethan.
Göthe 12, 196;

ist bald gesagt. das thier hat auch vernunft,
das wissen wir, die wir die gemsen jagen.
Schiller 517a;

ist bald gesprochen, aber schwer gethan. 531a.

[Bd. 1, Sp. 1083]


In diesem sinn pflegte man ehmals bald auf nicht folgen zu lassen: dergleichen klagens und traurens in vil zeit nit bald von ainem sölchen, sunst standhaften und groszmütigen man gehört noch gesehen worden. Schwarzenberg 149; dasz seines gleichen nit bald in der welt war. Bocc. 1, 34a; todkrank genesen nit bald, sie werden dann todkalt. Fischart groszm. 75; ich darf aber darumb nicht bald aus dem französischen sagen approchiren u. s. w. Opitz poeterei 34;

es ist nicht balde wahr, was der und jener spricht.
Fleming 156;

der höchste blitzt nicht bald, dafern ihn jemand flucht.
Gryphius 1, 38;

ihr buhler seht euch für, es ist nicht bald zu trauen,
die jungfern welche from, die werden böse frauen.
Logau 2, 6, 72;

was einem, ist nicht bald auch einem andren recht,
sonst wer des herren fraw auch für des herren knecht. 2, zugabe 6;

und nicht bald, wenn der nechste fällt,
zu richten und zu schlagen.
Günther 22;

falschschwerens wissen wir sie nicht bald zu überweisen. Ayrer proc. 1, 9; weil die bauren nicht bald gemahlte häuser haben. Simpl. 1, 238. für dies nicht bald sagen wir heute nicht leicht oder nicht gleich.
4) bald für beinahe, nach den umständen, es fehlte nicht viel: die kugel hätte ihn bald getroffen; ich könnte bald eifersüchtig werden; bald hätte ich das gesagt; es dörft im bald geraten, wie dem guten man von Paris. Fischart bienenk. 141b; bald hätte das pferd hungern gelernt, wenn es nicht gestorben wäre; ein knabe, der bald ersoffen wäre. Lokmans fab. 25; ich hätte bald was gesagt (wo man derbes, bitteres zurückhält);

oft hat michs bald verdrossen.
Bürger 28b.

berührt sich mit der vorausgehenden bedeutung und läszt sich wiederum durch gleich oder leicht vertreten.
5) bald modo: ich mach bald anderst alle ding. H. Sachs I, 538b (s. baldanders); jetz auf die rechte, bald auf die linke seite des altars laufen. bienenk. 20a;

ich bin der götter spiel und kurzweil, ihr behagen,
und lustiger pallon, den immer himmel an
bald die bald jene faust, bald hin und her thut schlagen,
bis er wird athemlos und nicht mehr steigen kan.
Fleming 117;

sie wollen der sonnen den weg zeigen, erstlich durch den widder, bald durch den stier, dann durch die zwilling. Schuppius 534;

bald wünscht ich mir die eil, bald wünscht ich den verzug.
Gellert 3, 309;

ein domherr schöpft aus seiner pfründe
bald rothen und bald weiszen wein.
Hagedorn 3, 53;

der alte er wandelt nun hier und bald dort.
Göthe 3, 5;

und wölbt sich nicht das überweltlich grosze
gestaltenreiche, bald gestaltenlose? 3, 25;

triebst du doch bald dies bald das,
war es ernstlich, war es spasz? 3, 255;

da kämpft sogleich verworrene bestrebung
bald mit uns selbst und bald mit der umgebung. 3, 21;

will denn meine stube heute gar nicht leer werden? bald ist der da, bald jener, bald die, bald jene. Lessing 1, 272.
6) räumlich genommen würde, nach dem unter 2 angelegten maszstab, gleich unmittelbare nähe, bald geringe ferne ausdrücken: ich wohne gleich (hart, dicht) am ende der stadt, ich wohne bald am ende der stadt, nicht weit vom thor; der garten ist bald am dorf; eine kammer bald darneben. Opitz Arg. 2, 53;

fragt dich wer, was du (am grabstein) gelesen,
der nicht bald (nahe) dabei gewesen.
Logau 1, 10, 2.

wir sagen heute nahe, dicht, unmittelbar, nicht mehr bald.
7) von alsbald wurde oben sp. 259 gehandelt, sobald wird an seiner stelle näher besprochen werden. hierher gehört nur, dasz früher auch bloszes bald für sobald gesetzt wurde, z. b.

ich zitter und grüsselt mein blut,
bald ich nur hört die wolgemut.
H. Sachs V, 214b;

bald solches geschehen, machet sich u. s. w. Kirchhof mil. disc. 110. aufs bäldest so er mochte. Bocc. 1, 284a.
8) je bälder, je lieber = je eher, je lieber:

je bälder einer stirbet, je lieber ist er gott.
Fleming 132;

das verlangen zieht,
je bälder je lieber das herrliche schlosz zu erreichen.
Wieland 4, 78. 87. 193. 205.

eher als bald = auf das baldeste, schneller als schnell:

das denn, hat es gott versehen.
eh als balde kan geschehen.
Fleming 434.

[Bd. 1, Sp. 1084]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) baldanders, m. ein Proteus, dessen gestalt immer wechselt, ein Ἀλλοπρόσαλλος Simpl. 1, 592. 593 und H. Sachs I, 537. 538, der Baldanderst schreibt.

 

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