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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bäckelchen bis backenfutter (Bd. 1, Sp. 1065 bis 1066)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bäckelchen, n. bäcklein, diminutiv von backe.
 
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backeltrog, m. was backtrog.
 
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backen , coquere, torrere, frigere, ahd. pachan, mhd. bachen (: machen, sachen), nnl. bakken, ags. bacan, engl. bake, altn. baka, schw. baka, dän. bage. bei älteren süddeutschen schriftstellern immer bachen, und noch heute so in Schwaben, Baiern, Östreich, erst Luther setzte backen durch, das so unhochdeutsch scheint, als macken, sacken für machen, sachen wäre; doch erscheint ausnahmsweise schon ahd. packan, bacchan (Graff 3, 24) und peccho, mhd. becke pistor. die organische flexion ist stark, ahd. puoch, mhd. buoch und buoc, nhd. buch und buk und überall mit dem part. gipachan, gebachen, gebacken; mnl. boek, nnl. bakte, altn. bakaði, schw. bakade, dän. bagede. Luther setzt neben backen noch buch 1 Mos. 19, 3; buchs (buk es) 1 Sam. 28, 24; buchen 2 Mos. 12, 39. das part. praet. steht in altbacken, frischbacken, neubacken, hausbacken ohne ge.
Diesem backen entspricht nun skr. patsch (pać), sl. peschtschi, praes. peku, kaum gr. πέσσω, später πέπτω, lat. pinso, welche beiden doch mehr das kneten und wirken des teigs ausdrücken. erwägt man, dasz im backen das weiche erhartet und dorrt, so kommen auch παγῆναι und pangere in betracht, wozu die unter 2 verhandelte bedeutung des anklebens, anfrierens stimmt. Die zwischen backen und patsch mangelnde lautverschiebung weist auf vermittelnden aspirierten anlaut, und das gr. φώγω, lat. focus, kochstätte, it. focaccia, ahd. fochanza (Graff 3, 441), serb. pogatscha, ags. foca, panis sub cinere pistus scheinen sich darzubieten. Die wandlung der auslautenden reinen gutturalis in skr. tsch, sl. schtsch gleicht der des hochd. bachen in backen = backian, ja dem bitsche batsche kuchen eines kinderreims bei E. Meier no 36. 37.
1) intransitives backen: das brot bäckt schon, ist im ofen, ist im backen; bäckt aus; der kuchen darf nicht zu lange backen.
2) zumal kleben, haften, starren, frieren, ganz wie παγῆναι: auch braucht er (gott) der sonnen nicht dazu (zum aufthauen), sondern es flegt nach der sonnen deste herter zu backen. Luther 5, 469b;

wach auf, Diebolt, hau Diebolt wach,
es ist morn auch ein nacht,
wach eh dirs ding ans leilach bach,
horch wie der han schon wacht. Garg. 249a;

das hembd ist mir in ars bachen. Frischlin 29; weil aber der junge herzbruder meinem obristen gar ins hembd gebacken war (nah am herzen lag). Simpl. 1, 426; so wärs unmüglich, dasz er dem gn. herrn in einer solchen bälde so hart ans herze backen können. 2, 300; es ist kalt, dasz es backt; es hat diese nacht gebacken = harte rinde gefroren, angesetzt;

so war ich übern Daubensee gerannt,
der, wie mein starrend blut, zu eis gebacken.
Werner 24 febr. 57;

das blutige hemd backt am arm, klebt fest. nnl. het zal dezen nacht een koekje bakken = stark frieren. vgl. DWB anbacken, DWB aufbacken.
3) transitives backen ist vorzugsweise brot backen, panem coquere: und sie buchen aus dem rohen teig, den sie aus Egypten brachten, ungesewrte kuchen. 2 Mos. 12, 39; was ir backen wolt das backet und was ir kochen wolt, das kochet. 16, 23; zwei webebrot von zwo zehenden semelmel gesewrt und gebacken. 3 Mos. 23, 17; das zehen weiber sollen ewr brot in einem ofen backen. 26, 26; und nam mel und knetets und buchs ungesewrt. 1 Sam. 28, 24; den man anzündet und brot dabei beckt. Es. 44, 15; ich hab auf den kolen brot gebacken und fleisch gebraten und gessen. 44, 19; besunder in dem land (unter den bauern) bachet iederman selber. Keisersb. omeisz 36d; buch alles brot, so sie bedorften. Wickram rollw. 87; das brot buch ich auch nie zu klein. H. Sachs I, 347; becken, die uber das geordnet gewicht bachen. Fischart groszm. 54; sieden, braten oder bachen. bienenk. 134a. Man sagt, das brot ist braun oder blasz, hart (knupperig) oder leise gebacken und letzteres wird auf einen verzärtelten menschen angewandt:

wie seit ir nur so leis gebachen,
ich musz mir gleich der abweisz lachen.
H. Sachs IV. 3, 21c;

[Bd. 1, Sp. 1066]



mein muoter bacht küchle,
bacht alle so braun.
E. Meier no 25;

so schaw alsbald zur selben zeit,
was für brot auf der tafel leit,
obs alt, obs new bachen sei,
ob auch gut semel sind dabei,
dann grob brot, schwarz gleichwie ein kol,
das schmeckt keim grobianer wol.
Scheit L 2;

buchen in heiszer asche. Simpl. 1, 39. er iszt sein letztes brot, sein henkersmahl, hat sein letztes hemd angezogen: mhd.

ern beiʒ dâ nâch niemer brôtes. Diemer 218, 15;

eʒ was ir jüngsteʒ maʒ. Helmbr. 1572;

νῦν ὕστατα δειπνήσειαν. Od. 20, 119;

ἀλλὰ προλέγω ὑμῖν, ὅτι τὸ ὕστατον πίεσθε τήμερον. Lucian. dial. meretr. 9; nun wo die frau auch rasend wird, so ist unser brot gebacken (ists um uns geschehen). Weise comöd. 158; das letzte brot ist dir gebacken. irrg. der liebe 218; dir ist dein brot gebacken!
4) kuchen backen: eile und menge drei masz semelmel, knete und backe kuchen. 1 Mos. 18, 6; und er macht inen ein mal, und buch ungeseurte kuchen und sie aszen. 19, 3; und solt semelmel und davon zwelf kuchen backen. 3 Mos. 24, 5; gerstenkuchen soltu essen, die du fur iren augen mit menschenmist backen solt. Ez. 4, 12; daraus bchen sie kchen. Keisersb. sünd. des munds 16b; es was ein frauw uf ein zeit, die die hostien het gebachen. 44a; schlugen ein friedmal an und buchen strauben und kuchlin. sch. und ernst cap. 153; buch ir ein pfannen mit eier, die asz sie aus. cap. 162; die alte buch zelten. Wickram rollw. 49b; wo solten sie küchlein bachen, so sie weder feuer, eier noch schmalz hetten? Fischart bienenk. 139a;

so musz man narren krapfen bachen.
H. Sachs III. 2, 51c.

(wil) ihm eier bachen auf dem kopf,
sie ihm einrühren mit dem schopf.
Birck doppelspiler 129.


5) fische, frösche, hähne backen, in teig oder mehl rösten: gebacken fisch und grün kraut darz. Keisersb. sünden des munds 11a; noch heute östr. gebachen hendl, bachhendl.
6) obst backen, dörren: gebackne äpfel, birnen, pflaumen:

wie zu dem braten backne pflaumen.
Tieck 1, 105.


7) stahl backen, das eisen glühen und in stahl verwandeln; steine, ziegel backen, s. backstein.
8) redensarten: ja verlasse dich drauf und backe nicht. Luther 5, 227b. 464a zu solchen, die gott versuchen, die hände in den schosz legen und meinen, alles werde ihnen ohne fleisz und arbeit zu theil werden;

wir sind von einem teig gebachen.
Scheit grob. B 2;

sie hat von allen menschensarten das scheuszlichste auf einen haufen geworfen und mich daraus gebacken. Schiller 105; wer weisz was er gebacken, das er nicht verthun kann. unw. doct. 579. nnl. hij heeft mij bedrogen, maar ik zal hem weer bakken; iemand ene pots bakken, einen streich spielen; backen und brauen geräth nicht allzeit wol; was einer nicht backt, das braut der andre.
 
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backenausschnitt, m. an hauben, hüten, perücken die länglichen, an die backen reichenden seitentheile.
 
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backenbart, m. nnl. bakbaard, die baarthaare auf den backen.
 
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backenbein, n. os zygomaticum, os malae, der rundliche knochen in den backen. s. DWB apfelbein:

so drück ich dir aufs backenbein
hübsch frischen, derben kus.
Fr. Müller 1, 287.


 
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backenbisz, m. admorsa gena, bisz in den backen.
 
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backenblase, f. sacculus buccalis, s. DWB backenwinkel.
 
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backenbüchse, f. kleines gewehr, das zum feuern an den backen gelegt wird.
 
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backendrüse, f. glandula buccalis.
 
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backenfutter, n. cibus, mundvorrat: und sobald ein dorf oder ort von den kriegsknechten ausgefressen, wechselten sie das ab für ein anders, da noch backenfutter zu finden. Kirchhof mil. disc. 215.

 

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