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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bäckchen bis backenbüchse (Bd. 1, Sp. 1063 bis 1066)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bäckchen, n. s. bäcklein
 
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backe, m. gena, mala, ahd. pacho, später backo (Graff 3, 29), mhd. backe (Ben. 1, 76b), den übrigen dialecten abgehend und nnl. nur in der zusammensetzung bakbaard vorhanden. es scheint einer wurzel mit back rücke, bache mastschwein. backe ist der runde, dicke, feste theil des angesichts, wird aber auch von andern rundlichen erhöhungen gebraucht (s. 6), vgl. lat. bucca; einige verwenden backe weiblich, halten es wol gar für feiner, vornehmer, Maaler schreibt bagk m., viele backen.
1) synonyme. wange ist edler als backe, und geht nicht wie dieses in die bedeutung von kinnbacke maxilla über. man sagt essen ze beiden backen. Hätzlerin 277a; mit dem einen backen kaut er, und mit dem andern redt er. Lessing 1, 268; er hat sich beide backen vollgestopft; er nimmt die backen recht voll (redet prahlerisch, schwülstig); um die backen nicht so voll zu nehmen. Göthe 16, 246. in diesen fällen könnte nicht stehen wangen, ebenso wenig heiszt es kinnwange, wange eines apfels, obgleich umgekehrt apfelwange, apfelkinn für gena gesetzt wurde. heisze thränen rollten ihm über die wangen; sie weinet des nachts, das ir die threnen uber die backen laufen. klagl. Jer. 1, 2; die threnen der witwen flieszen wol die backen erab. Sir. 35, 18. den dualis (γένυε) musz beide umschreiben oder er bleibt unausgedrückt: arm und beide backen:

[Bd. 1, Sp. 1064]


den arm und beide backen. 5 Mos. 18, 3; deine backen stehen lieblich in den spangen. hohelied 1, 10; seine backen sind wie die wachsende wurzgertlin. 5, 13. in den noch lichten brand mit steifen backen blasen. Gryphius 1, 42; blas in zinken, spann die backen. Garg. 91b. ags. galt hleor, alts. hlear, mnd. lêr, engl. leer, mnl. lier für gena, ahd. hiufila, hiefela, was an ahd. hiofa, mhd. hiefe, die rothe frucht des weiszdorns mahnt. gerade so poln. jagoda erdbeere und wange, böhm. gahoda fragum, gahody genae, serb. jagoda fragum, jagoditze genae, russ. aber jagoda beere, jagoditze hinterbacken. Walther läszt rosen auf wangen scheinen und in schwed. volksliedern steht röd blommande kind (wange). wir sagen: rothe backen, blühende, frische wangen; üm ein paar rothe bäckchen, die mir jetzo nicht so sehr, als ehedessen blüheten. ehen eines mannes s. 386; rothbäckigte dinger = wangen. ebenda. rothbäckige äpfel. bleiche wangen, schw. blekblommande kind. grube in den wangen, grübchen im kinn, löchlin im backen Garg. 76a (mehr unter grübchen). glatte, volle wangen; volle, dicke, hangende, magere, hagere, eingefallene wangen; glatte backen hin seind. Petr. 180b; geschminkte wangen:

der glänzende betrug, der stirn und back auffrischet.
Gryphius 2, 26.


2) den backen oder die wange zum küssen darbieten, darreichen; den rechten backen zu küssen bieten. Garg. 68a; gib mir den backen, lasz dich von mir auf den backen küssen bei Spee ist aber bäcklein der kus, das mäulchen selbst geworden:

die bäcklein er mir klebet
auf meine wangen beid. trutzn. 50;

je mehr ich ihm der bäcklein gab,
und mehr und mehr thät küssen. 188 (204);

ich ihm die wänglein also gar
mit bäcklein ab wolt messen. 189;

und ihm von augen, stirn und hals
der bäcklein satt wolt prassen. 189 (205);

dir die letzte bäcklein heften
an die süsze wangen rund. 258.


3) backenstreich: schlug Micha auf den backen. 1 kön. 22, 24; haben mich schmehlich auf meine backen geschlagen. Hiob 16, 10; du schlegst alle meine feinde auf den backen und zerschmetterst der gottlosen zene. ps. 3, 8; und wer dich schlägt auf einen backen, dem biete den andern auch dar. Luc. 6, 29; wenn du ein künig an ein backen schlüegest, er hett dir das nicht für gt. Keisersb. sünden des munds 21b; so sich zimpt, das du deine kind magst mit rten houwen und dem bösen knaben eins an den backen geben, das er umb trümlet. 35b; wan dich einer an ein backen schlecht, schlag in nit widerumb. 61a; schlag in an ein backen, das er umb tromlet. 64a; schlägt es ihm unsanft zwischen back und ohr. Lessing 6, 510; mit einem sachten schlag auf den backen. unw. doct. 479, wofür wir auch sagen: auf die backen klopfen; in die backen kneipen; die backen streicheln (vgl. backenstreich);

er musz uns beidn die backen waschen.
Ayrer fastn. 21a.


4) kanstu mit einer stachel im die backen durchboren? Hiob 40, 21; durch die backen brennen, genam vel maxillam urere. rechtsalt. 709;

meinst ich hab dein tochter nit kendt,
die man hat durch die backen brendt?
H. Sachs III. 3, 13b;

so thut man mich durch backen brennen. IV. 3, 31c.

ein baggenbrennte conscienz bei Zwingli 1, 6 meint ein versehrtes, innerlich zerrissenes gewissen.
5) in die backen lügen, sich in die backen hauen, sich selbst ins gesicht schlagen: also müssen sie sich selbs ins maul beiszen und liegen in die backen, wissen gar nichts, was oder wie sie reden. Luther 2, 508b; aber der schwermergeist hewet sich hie selbst in die backen. 3, 439b; drumb müssen sie solchs sagen, das sie sich selbs in die backen hawen bis an die ohren hinan, das iederman ir lügen und büberei offenbar werden. 3, 527; heiszt das nicht sich fein in die backen gehawen und sich in der weisheit beschissen? 5, 290a; gott blendet sie also, das sie kein wort nicht setzen können, damit sie sich selbs nicht in die backen hawen und verraten. 5, 300a; trawen, hie solt ich mich wol selbs in die backen gehawen haben, dazu gefangen und geschlagen sein mit meinen eigen worten. 6, 154b.
6) backe wird angewandt auf andere runde und gewölbte erhabenheiten, s. DWB arschbacke (die andern backen = hinterbacken),

[Bd. 1, Sp. 1065]


kinnbacke, backe eines apfels, einer aprikose; backe am mieder, wulst zum anhängen der röcke (Schm. 1, 149); backe, polster am lehnstuhl; backe, das an einer wand oder einem bret als ansatz oder stütze befestigte holz; backe an messerklingen und vorlegeschlössern; backe am gewehrschaft. backen sind dem anatom erhabene theile des gehirns.
 
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bäckelchen, n. bäcklein, diminutiv von backe.
 
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backeltrog, m. was backtrog.
 
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backen , coquere, torrere, frigere, ahd. pachan, mhd. bachen (: machen, sachen), nnl. bakken, ags. bacan, engl. bake, altn. baka, schw. baka, dän. bage. bei älteren süddeutschen schriftstellern immer bachen, und noch heute so in Schwaben, Baiern, Östreich, erst Luther setzte backen durch, das so unhochdeutsch scheint, als macken, sacken für machen, sachen wäre; doch erscheint ausnahmsweise schon ahd. packan, bacchan (Graff 3, 24) und peccho, mhd. becke pistor. die organische flexion ist stark, ahd. puoch, mhd. buoch und buoc, nhd. buch und buk und überall mit dem part. gipachan, gebachen, gebacken; mnl. boek, nnl. bakte, altn. bakaði, schw. bakade, dän. bagede. Luther setzt neben backen noch buch 1 Mos. 19, 3; buchs (buk es) 1 Sam. 28, 24; buchen 2 Mos. 12, 39. das part. praet. steht in altbacken, frischbacken, neubacken, hausbacken ohne ge.
Diesem backen entspricht nun skr. patsch (pać), sl. peschtschi, praes. peku, kaum gr. πέσσω, später πέπτω, lat. pinso, welche beiden doch mehr das kneten und wirken des teigs ausdrücken. erwägt man, dasz im backen das weiche erhartet und dorrt, so kommen auch παγῆναι und pangere in betracht, wozu die unter 2 verhandelte bedeutung des anklebens, anfrierens stimmt. Die zwischen backen und patsch mangelnde lautverschiebung weist auf vermittelnden aspirierten anlaut, und das gr. φώγω, lat. focus, kochstätte, it. focaccia, ahd. fochanza (Graff 3, 441), serb. pogatscha, ags. foca, panis sub cinere pistus scheinen sich darzubieten. Die wandlung der auslautenden reinen gutturalis in skr. tsch, sl. schtsch gleicht der des hochd. bachen in backen = backian, ja dem bitsche batsche kuchen eines kinderreims bei E. Meier no 36. 37.
1) intransitives backen: das brot bäckt schon, ist im ofen, ist im backen; bäckt aus; der kuchen darf nicht zu lange backen.
2) zumal kleben, haften, starren, frieren, ganz wie παγῆναι: auch braucht er (gott) der sonnen nicht dazu (zum aufthauen), sondern es flegt nach der sonnen deste herter zu backen. Luther 5, 469b;

wach auf, Diebolt, hau Diebolt wach,
es ist morn auch ein nacht,
wach eh dirs ding ans leilach bach,
horch wie der han schon wacht. Garg. 249a;

das hembd ist mir in ars bachen. Frischlin 29; weil aber der junge herzbruder meinem obristen gar ins hembd gebacken war (nah am herzen lag). Simpl. 1, 426; so wärs unmüglich, dasz er dem gn. herrn in einer solchen bälde so hart ans herze backen können. 2, 300; es ist kalt, dasz es backt; es hat diese nacht gebacken = harte rinde gefroren, angesetzt;

so war ich übern Daubensee gerannt,
der, wie mein starrend blut, zu eis gebacken.
Werner 24 febr. 57;

das blutige hemd backt am arm, klebt fest. nnl. het zal dezen nacht een koekje bakken = stark frieren. vgl. DWB anbacken, DWB aufbacken.
3) transitives backen ist vorzugsweise brot backen, panem coquere: und sie buchen aus dem rohen teig, den sie aus Egypten brachten, ungesewrte kuchen. 2 Mos. 12, 39; was ir backen wolt das backet und was ir kochen wolt, das kochet. 16, 23; zwei webebrot von zwo zehenden semelmel gesewrt und gebacken. 3 Mos. 23, 17; das zehen weiber sollen ewr brot in einem ofen backen. 26, 26; und nam mel und knetets und buchs ungesewrt. 1 Sam. 28, 24; den man anzündet und brot dabei beckt. Es. 44, 15; ich hab auf den kolen brot gebacken und fleisch gebraten und gessen. 44, 19; besunder in dem land (unter den bauern) bachet iederman selber. Keisersb. omeisz 36d; buch alles brot, so sie bedorften. Wickram rollw. 87; das brot buch ich auch nie zu klein. H. Sachs I, 347; becken, die uber das geordnet gewicht bachen. Fischart groszm. 54; sieden, braten oder bachen. bienenk. 134a. Man sagt, das brot ist braun oder blasz, hart (knupperig) oder leise gebacken und letzteres wird auf einen verzärtelten menschen angewandt:

wie seit ir nur so leis gebachen,
ich musz mir gleich der abweisz lachen.
H. Sachs IV. 3, 21c;

[Bd. 1, Sp. 1066]



mein muoter bacht küchle,
bacht alle so braun.
E. Meier no 25;

so schaw alsbald zur selben zeit,
was für brot auf der tafel leit,
obs alt, obs new bachen sei,
ob auch gut semel sind dabei,
dann grob brot, schwarz gleichwie ein kol,
das schmeckt keim grobianer wol.
Scheit L 2;

buchen in heiszer asche. Simpl. 1, 39. er iszt sein letztes brot, sein henkersmahl, hat sein letztes hemd angezogen: mhd.

ern beiʒ dâ nâch niemer brôtes. Diemer 218, 15;

eʒ was ir jüngsteʒ maʒ. Helmbr. 1572;

νῦν ὕστατα δειπνήσειαν. Od. 20, 119;

ἀλλὰ προλέγω ὑμῖν, ὅτι τὸ ὕστατον πίεσθε τήμερον. Lucian. dial. meretr. 9; nun wo die frau auch rasend wird, so ist unser brot gebacken (ists um uns geschehen). Weise comöd. 158; das letzte brot ist dir gebacken. irrg. der liebe 218; dir ist dein brot gebacken!
4) kuchen backen: eile und menge drei masz semelmel, knete und backe kuchen. 1 Mos. 18, 6; und er macht inen ein mal, und buch ungeseurte kuchen und sie aszen. 19, 3; und solt semelmel und davon zwelf kuchen backen. 3 Mos. 24, 5; gerstenkuchen soltu essen, die du fur iren augen mit menschenmist backen solt. Ez. 4, 12; daraus bchen sie kchen. Keisersb. sünd. des munds 16b; es was ein frauw uf ein zeit, die die hostien het gebachen. 44a; schlugen ein friedmal an und buchen strauben und kuchlin. sch. und ernst cap. 153; buch ir ein pfannen mit eier, die asz sie aus. cap. 162; die alte buch zelten. Wickram rollw. 49b; wo solten sie küchlein bachen, so sie weder feuer, eier noch schmalz hetten? Fischart bienenk. 139a;

so musz man narren krapfen bachen.
H. Sachs III. 2, 51c.

(wil) ihm eier bachen auf dem kopf,
sie ihm einrühren mit dem schopf.
Birck doppelspiler 129.


5) fische, frösche, hähne backen, in teig oder mehl rösten: gebacken fisch und grün kraut darz. Keisersb. sünden des munds 11a; noch heute östr. gebachen hendl, bachhendl.
6) obst backen, dörren: gebackne äpfel, birnen, pflaumen:

wie zu dem braten backne pflaumen.
Tieck 1, 105.


7) stahl backen, das eisen glühen und in stahl verwandeln; steine, ziegel backen, s. backstein.
8) redensarten: ja verlasse dich drauf und backe nicht. Luther 5, 227b. 464a zu solchen, die gott versuchen, die hände in den schosz legen und meinen, alles werde ihnen ohne fleisz und arbeit zu theil werden;

wir sind von einem teig gebachen.
Scheit grob. B 2;

sie hat von allen menschensarten das scheuszlichste auf einen haufen geworfen und mich daraus gebacken. Schiller 105; wer weisz was er gebacken, das er nicht verthun kann. unw. doct. 579. nnl. hij heeft mij bedrogen, maar ik zal hem weer bakken; iemand ene pots bakken, einen streich spielen; backen und brauen geräth nicht allzeit wol; was einer nicht backt, das braut der andre.
 
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backenausschnitt, m. an hauben, hüten, perücken die länglichen, an die backen reichenden seitentheile.
 
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backenbart, m. nnl. bakbaard, die baarthaare auf den backen.
 
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backenbein, n. os zygomaticum, os malae, der rundliche knochen in den backen. s. DWB apfelbein:

so drück ich dir aufs backenbein
hübsch frischen, derben kus.
Fr. Müller 1, 287.


 
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backenbisz, m. admorsa gena, bisz in den backen.
 
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backenblase, f. sacculus buccalis, s. DWB backenwinkel.
 
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backenbüchse, f. kleines gewehr, das zum feuern an den backen gelegt wird.

 

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