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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ba bis bachamsel (Bd. 1, Sp. 1055 bis 1060)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ba, ein ausruf verdrossenen, gleichgültigen, abweisenden staunens, in der älteren sprache nicht aufzuweisen (vgl. DWB beu), dem franz. bah, ah bah! nahe kommend, kaum nachgeahmt:

auch selbst der alte saget:
o tochter, nicht verzaget,
ich bin nicht ba und bu!
Voss 5, 189;

un gegen kind, gesind un fru,
da geit jümmer ba un bu! idylle 7, 92.

littauisch bedeutet ba allerdings, jawol.
 
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, das blöcken der lämmer und schafe ausdrückend.
 
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baar [bar], nudus, intectus, synonym mit nackt und blosz, ahd. par, mhd. bar, nnl. baar, ags. bar, engl. bare, altn. berr, schw. dän. bar. die heutige schreibung baar neben barfusz, barhaupt ist wie in heer und Hermann, hahn und Hanstein, doch setzen auch viele bar. leider geht uns die goth. form ab, sie würde vielleicht lauten basis, wozu der umlaut des altn. berr stimmt, oder basus, basvus, nach dem mhd. barwer brüste bei Frauenlob Ettm. s. 6 und irbarwen für irbaren im gedicht von dem gelouben 850. 1268. 1331. 2630. denn mit unserm bar in offenbar, lautbar u. s. w., mhd. bære, ahd. pâri, überhaupt mit der wurzel beran kann das baar nichts zu schaffen haben, auf S weisen auch sl. bos nudus, litt. basas, lett. baśś, selbst die lappische sprache, welche P für B setzt, gewährt puodsus nudus. also verhält sich das R in baar, wie in beere, goth. basi, ja zwischen basi und jenem basis, basus wäre verwandtschaft möglich, wovon mehr unter beere gesagt werden soll. zwar schränkt der heutige sl. und litt. sprachgebrauch bosy und basas ein auf barfusz, nudipes, und bos übersetzt Jes. 20, 5 ἀνυπόδητος, allein früher musz es allgemein nudus bedeutet haben, sonst sagte man nicht russ. na bosu nogu, auf bloszem fusz und hätte nicht gebildet bosonogii, böhm. bosonohy; entscheidend wird das lappische, nudus überhaupt ausdrückende wort.
Baar bedeutet uns
1) leibliche nacktheit und blösze. Cädmon läszt Adam und Eva im paradies sagen: vit hêr baru standað, unvered vædo, wir beide stehn hier baar und unbekleidet; so könnte auch

schön wie ein baarer engel.
Wieland 22, 169

zu nehmen sein für nacket, doch soll es nach 23, 321 ausdrücken manifestus, luculentus. Gewöhnlich wird die enthüllung einzelner theile des leibs gemeint, was die zusammensetzungen barhaupt, barfusz, barschenkel näher bezeichnen. der paro arm ist ahd. brachium exsertum, ein aus dem gewand hervorgestreckter, entblöszter; geirvörtur berar sind altn. papillae nudae. Laxd. saga s. 136; mhd. diu barn knie; arme und füeʒe wâren bar. Ben. wb. 1, 140b; sie wies ihre baaren zähne, bleckte die zähne;

mit iren schenklein get sie bar,
recht als sie waschen solte.
Uhland 57;

und flohe hinweg mit allem har,
da sasz der reuter kal und bar.
Waldis 1, 95;

sie rauft im aus die schwarzen har,
bisz im der kopf ward kal und bar. 3, 83;

ach, dasz doch, wie ich wünsch, mein herz euch bahr zu sehen (wäre)!
Weckherlin 746;

polsche pferde gehen baar, polsche leute gehn beschlagen.
Logau 2, 6, 13,

die pferde gehn ohne schuhe, hufeisen. houbetparî war ahd. calvitium, und kahl berührt sich oft mit baar.

das scheint doch wirklich sonnenklar,
ich geh mit zügen frei und bar,
mit freien, treuen blicken;
der hat eine maske vorgethan
Göthe 3, 161.

[Bd. 1, Sp. 1056]


man sagt, das baare (wie sonst das nackte) leben:

erbötig, sollt es auch ums bare leben gehn,
das abenteuer zu bestehn.
Wieland 18, 99. (dem selbst nichts übrig blieb als dieses nackte leben. 23, 44).


2) baar, auf die erde bezogen, kann dem zusammenhange nach meinen unbedeckt von wasser, schnee, gras, blumen. ahd. dar diu erda bar ist, dar ist sie oberôra demo waʒʒere. N. ps. 135, 6, aus dem wasser hervorgetreten. winters liegt die erde baar, wenn kein schnee auf sie gefallen ist (vgl. DWB barfrost). mhd. nu ist diu heide worden bar. MS. 2, 50b. die bare heide bei Möser p. ph. 1, 246 meint aber, wie das nnl. barre hei, den raum, wo das auge nichts als heide erblickt, wie nnl. de bare zee, wo man nichts als wasser, kein land sieht.
3) baar von schwert und waffen gesagt, bedeutet entblöszt: das baare, wie sonst das blosze, nackte schwert, das aus der scheide gezogne:

ir swert heten sie al bar,
diu siu an henden truogen. En. 6611;

done heten sie dehein andern pfant,
niuwan daʒ îsen alsô bar. Iw. 7222;

der ritter beleip bar. Krone 2874 ist gleichviel mit beleip blôʒ. 2888. 2904, ohne rüstung.
4) das baare geld, die baare münze, pecunia praesens, numerata, man könnte wieder auslegen: aus dem beutel gezognes, aufgezähltes geld, offen auf dem bret liegendes; auch die blanken thaler, wie es sonst heiszt, sind die blankenden, blinkenden. baar geld lacht; baar geld kauft; baar geld kauft wolfeil; baar geld ist gute waare; baar geld ist die losung; wer baar geld gibt, hat macht zu dingen; baren solt geben. Keisersb. hell. lewe 66a; baare bezahlung steht entgegen dem borgen; auch blosz baar (ohne geld): 100 thaler in baar;

und aufschlag machen in all wahr,
auf porg vil thewrer wann umb par.
H. Sachs I, 333b;

und man gab das geld bar uber denen, die da erbeiten (ἔδωκαν τὸ ἀργύριον τὸ ἑτοιμασθὲν ἐπὶ χεῖρας, vulg. dabant in manum). 2 kön. 12, 11; der gt alt etti hett sein siben pfenning geholt, die waren im also bar (ausgezahlt) worden. Frey garteng. cap. 40; etliche werden bahr bezahlet. Kirchhof mil. disc. 213;

wa sie dafür gab gut par gelt.
Weckherlin 810;

kaum so viel kahle mark baares geldes, dasz man darvon schwefelhölzer in die küche kaufen kan. Gryphius 1, 820;

da hast du baare funfzig thaler,
nur unterlasse den gesang.
Hagedorn 2, 68;

verheiszung, gegendienst, vielleicht was baarers noch.
Haller 113;

die tausend thaler musz ich baar und auf einem brete (haben). Gellert 3, 296; geben wir denn nicht unser baares geld dafür? Göthe 20, 145; es dauerte sie jeder baare pfennig, den sie aus der hand geben wollte. 22, 202. etwas für baares geld nehmen heiszt unbesonnen und ungeprüft lügen glauben, oder scherz für ernst halten: ungereimte meinungen und märchen, die für baares geld angenommen wurden. Wieland 19, 128; man glaubt leicht was man wünscht, Nicolai nahm in seiner unbefangenheit alles für baare münze. Fichte Nicol. leben s. 18. s. DWB bargeld, DWB barschaft.
5) baar für rein, lauter, ungefälscht: baare milch, blosze milch, nichts als milch; er soll schwarz brot essen und das baare wasser dazu trinken; sehen sie, das ist blanke, baare erfahrung. Bürger 179b, das liegt offen vor augen, ist lauter. Fischart sagt: dise haben gebeicht und gerewet (bereut) und ablasz bekommen, darumb werden sie also par (gereinigt) ins paradis fahren, wie die säns in sack. Garg. 207a. in den folgenden stellen ist mehr abstraction, doch liesze sich überall baar vertauschen mit offenbar oder lauter:

und was er andern nicht an baarer gunst erweist.
Hagedorn 1, 22;

sie halten dies vermutlich für baren eigensinn?
Wieland 5, 43;

und dazu kommt noch, dasz sie mirs für baare verachtung aufnehmen, wenn ich ihrer nicht gedenke. Wieland bei Merck 2, 140; baare, angeborne einfalt. Gotter 3, 302; das ist eine baare thorheit zu nennen. Göthe 2, 232; das ist baare hexerei. 11, 293; wenn sie nach entfernten und immer entferntern tropen haschen, so wird es baarer unsinn. 6, 105; diesen baaren unsinn der nachwelt zu empfehlen. 59, 292; das ist

[Bd. 1, Sp. 1057]


doch der baarste unsinn; ich schämte mich nur vorher, gleich meine reue so baar und offen zu zeigen. Tieck 11, 6.
6) die mhd. sprache verwendet bar, wie blôʒ, häufig für ledig und frei, mit gen. der sache; er ist wîser sinne bar; si ist alles valsches bar; eʒ tuot sorgen bar; ougen saffes bar (Ben. wb. 1, 141a); der dâ wirt guotes bar. jüngling 430. nhd. erfolgt die fügung seltner:

und aller ehren bar wär ich geblieben,
hätt euer mut die schmach mir nicht vergaumt (abgewehrt).
Wieland 18, 50;

so seis. wer von ergebung spricht an Östreich,
soll rechtlos sein und aller ehren baar.
Schiller 530a;

da kommt der immer meine freude war,
der jetzt mich machet aller freuden baar.
Tieck 2, 142;

so waren wir alles französischen wesens auf einmal baar und ledig. Göthe 26, 71. statt des gen. mit der praep. an:

wehr-lehr-nährstand, jeder stand hat sein eigen ehr in sich,
nim w. l. und n. weg, lehrt der name solches dich:
nur der herstand, der bisher andrer stände henker war,
hat bei ständen keinen stand, ist an ehr und namen baar.
Logau 2, 8, 21.


7) wie das baare geld ein bereites ist, setzt Keisersberg bar haben für bereit halten, in promptu habere: het ich auch also bar die geschrift wider ietlichs lasters anfechtung, ich bin aber nit gelert; ein unvernünftige antwurt, die hastu bar. post. 2, 83.
 
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baar in zusammensetzungen s. DWB bar.
 
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baare, f. nuditas, calvities. nach Adelung heiszt so in oberdeutschen mundarten ein nur mit gesträuch bewachsner, an hochstämmigen bäumen bloszer ort im walde, dann auch der barfrost: die baare verbrennt die saat, bei frost ohne schnee erfriert die saat. ob mit der ersten bedeutung das ahd. para, gau (z. b. in Albwines bara, Bertoldes bara), dies mit dem ahd. paro gen. parawes, wald, ags. bearo bearves zu verbinden sei, müssen weitere untersuchungen sichern. auch das lat. lucus war eine gelichtete, heilige waldstelle, paro könnte dem wortsinne nach den baumentblöszten, zum gottesdienst bestimmten waldraum bezeichnen. rv in bearves, parawes gliche der vorhin angeführten form erbarwen für erbaren.
 
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baare, feretrum. s. DWB bahre.
 
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bäbä, ein wort, womit die magd dem kinde wehrt, unreines, verbotnes anzurühren: das ist bäbä! pfui bäbä! (vgl. pfui äks). litt. babà, nicht mehr da, jau babà, ist schon weg.
 
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babbeln, babbern, s. DWB bappeln, DWB bappern.
 
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babe, f. vetula, anus. sl. baba, litt. boba anus, avia. diesen sinn darf man wol dem ahd. frauennamen Baba, wie dem mannsnamen Babo den von avus zutrauen. mhd. ist bâbe vetula. Reinh. 20. troj. kr. 14492; alde bâbe. pass. 395, 86, mehrmals in der Martina (Ben. 1, 75a). Oberlin aus einer Straszburger hs.: welcher keibe solte eime alten man und einre alten boben danken, dasz sie küsche sint? si enmügent doch nit mere. bairisch noch heute die bäben, die wabm, altes weib. Schm. 1, 141. nach Nemnich führt ein kraut, die osmunda lunaria, beim volk den namen: traut Babichen sieh mich an, was doch lieber Bärbchen bedeutet (Tobler 31b). Von alters her heiszt in denselben landstrichen auch ein gebäck oder kuchen babe, vielleicht nach der gestalt, die man ihm gab, oder weil ihn alte weiber zu essen pflegten, ein topfkuchen, scherbenkuchen, napfkuchen, aschkuchen (s. DWB asch, napf) in Schlesien werden geriebene baben verkauft, kugelhopfen;

ei dam himel is a laba,
nischt zu frassa als kucha und baba.
Hoffmanns schles. volksl. s. 314;

die bairische bäben ist aus semmelschnitten, milch und eiern gebacken, in Meiszen sagt man bäbe, aschkuchen. alles deutet auf slavischen namen und gebrauch. über das poln. und böhm. backwerk baba vgl. Linde 1, 38a. Jungm. 1, 56b.
 
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bach, m. f. rivus, torrens, von der wurzel backen (für bachen), coquere, wie torrens von torrere, brunne von brinnen, sot von sieden, welle von wallen, bullire, scatere, das warme entspringen, quellen, rinnen aus der erde bezeichnend. der verwandtschaft zwischen bach und πηγή wurde schon sp. 1051 gedacht. und η entspricht dem ablaut ô, uo, wie in φηγός, μήτηρ u. a. m. man darf beide, πηγή und bach, auch die kühlen deuten.
Zu erwägen für bach rivus bleibt
1) das wechselnde genus. bei Ulfilas, der χείμαῥος rinnô verdeutscht, mangelt das wort, ahd. pah pl. pechî, mhd. bach pl. beche, nhd. bach pl. bäche, altn. beckr, schw. bäck, dän. bäk, ags. becc, engl. beck sind alle männlich. doch weiblich

[Bd. 1, Sp. 1058]


vielleicht schon alts. beki, biki, bei Gerhard von Minden 2, 1. 3, 32 beke, in Schürens teutonista beeke, in der lex Frisonum Laubachi, wofür aber fluvius Loveke bei Pertz 2, 380; nnl. beek, was selten vorkommt. aus Lothringen, dem Mittelrhein, der Wetterau, Hessen, Thüringen zieht sich ein weibliches bach bis nach Schlesien. so schon im pass. K. 3, 67. 172, 97, in der livl. chronik, in Elisabeth (Diut. 1, 421) und in urkunden. Schwaben, die Schweiz, Baiern und die edle schriftsprache, auch Luther, halten das m. fest, bei Dasypodius und Pictorius m. Aber Keisersberg schwankt, in den sünden des munds heiszt es hintereinander 44b: und das waltwasser der bach, die da schnell lauft, ist gech für inen, darin sie kommen werden alle, die enteren vatter und mutter, das ist der gech bach ewiger verdamnis; 47b: da sie einest stnd ober dem bach weschen; und brösamlin 37d der erst bach, 38a der ander bach; unsicher omeisz 44d stot in ein bach; doch sind bekanntlich seine predigten von verschiednen aufgeschrieben worden. die krumme bach. weisth. 2, 208. das sie on schaden uber die bach kommen waren. Aimon (Simmern 1535) f 5a; was uber die bach geritten. f 5b; hat sich bei einer groszen bach gelägert. f 6a; wie er nahent bei der bach was. Fierabr. (Simmern 1533) g 2. nicht anders im übersetzten Petrarch, bald: wer könde einen brunnen nicht lieb haben, die weil er solchen lust nur aus dem bach, der daraus fleuszt, hat? 38a; bald aber: zerschmolzen und zusammen, gleich als von einer bach, gelaufen. 39b. durch eine bach hin nach der mülen eilends fuhr. Privatus verdeutschung des Remigius s. 281.
In der Wetterau gilt das wort auch heute nur weiblich, und Alberus sagt: wasser aus der bach in die wis leiten;

da schwam er durch die Erlenbach.
Alberus 19;

das stück fleisch fiel im aus dem maul
und fuhr die bach hinab behend. ebenda;

und plumbten in die bach hebend. 66;

die magd wusch tücher bei der bach. 147;

die katz durch die bach ziehen. Lehmann 128; jenseit der bach findet man auch leut. Agricola (bürtig aus Eisleben) spr. 16a. Burk. Waldis (ein Hesse), der sonst immer bach männlich setzt (1, 2. 4. 69. 96. 100. 2, 77. 83), läszt sich doch noch von einem f. beschleichen:

er pflügt den sand und mist die bach. 4, 95


Schlesische beispiele sind die häufigsten: hinter dem haus weg über die bach baun. Schweinichen 3, 222;

worzu dienet das studieren
als zu lauter ungemach?
unterdessen lauft die bach
unsers lebens, das wir führen,
ehe wir es inne werden,
auf ihr letztes ende hin.
Opitz;

als eine schnelle bach,
die alles was sie rührt, zeucht hinter sich hernach. 1, 11;

man soll, dasz uns der wein
nicht schaden bringen mag, ihm selber schädlich sein,
und bach darunter thun. 1, 59;

an dieser stillen bach, da kein Silvanus springet,
da keine nachtigall sich in die luft erschwinget.
Fleming 2;

so, freund, so geht es auch itzt meiner Hippocrenen,
der obzwar kleinen bach, doch lauteren und schönen,
die vor so helle flosz. 63;

ihr gratien geht vor, komm Sais, lust der sitten,
und Nais, schmuck der bach. 564;

dazwischen auch: sein trinken führt der bach. 73.

(er lauft) wie eine strenge bach, wenn sich die strömm ergieszen
und häuser, bäum und vieh hinführen in die see.
Gryphius 1, 11;

und jagt so hurtig nach,
als der geschwinde falk den tauben an der bach. 1, 55;

und wandt sich nach der schwarzen bach,
die Kidrons thal durchflossen. 2, 203;

der wol beredte mund, der gleich der stolzen bach
sich unverzagt ergosz. 2, 309;

der zorn ist eine volle bach,
ist aber trocken von gemach.
Logau 2, 3, 67;

wer stat des Bacchus ihm läszt lieben eine bach,
bleibt immer bei sich selbst und lescht viel ungemach. 2, 4, 93;

du schreibst von glut und flammen,
indem die trauerbach beschwemmet meine brust.
Hoffmannswaldau heldenbr. 80

aus dieser unerschöpften bach.
Günther 141;

an der schattenreichen bach. 287;

um unsre musenbach. 606;

[Bd. 1, Sp. 1059]


daneben: sage du verschwiegner bach. 302; ein tiefer silberbach. 1067. selbst Haller ahmt Opitzen das der Schweiz fremde f. nach:

dort wirft ein glänzend blat, in finger ausgekerbet,
auf eine helle bach den grünen wiederschein. s. 40 (48).

Joh. Gutslaf liesz zu Dorpt 1644 ein buch von der heiliggenanten bäche Wöhhanda ausgehen.
2) in den aus Opitz und Logau gehobenen stellen vom mischen der bach unter wein, vom trinken der bach statt wein hat bach die bedeutung von wasser, wie wir sie auch den wörtern brunne und quelle beilegen. des bachs trinken 1 kön. 17, 6 meint den bach Crith. meistentheils aber drückt bach das aus der quelle flieszende wasser, den flusz und strom aus: der helle, klare, tiefe, rauschende, plätschernde, rieselnde, murmelnde, zumal häufig der klingende, klingelnde bach, wie torrens ahd. chlinco, mhd. klinge hiesz und die ortsnamen Klingenbach, Klingelbach überall vorkommen. ebenso der gieszende bach, ahd. kioʒo, gioʒo, Gieszen = ze den gieʒen, ad rivulos; der dieʒente, tosende bach, ags. þeote.

wiegt ihn in schlummer der murmelnde bach.
Schiller 497a;

der bach rauscht hurlachei.
Wolkensteiner s. 33,

und hurlachei ist lärm, getöse. s. 65. 78. aber nicht blosz der kühle, kalte, frische bach, sondern auch der heisze und warme, wenn thränenbäche oder blutesbäche stürzen:

hiu ûʒ herten ringen den bluotigen bach. Nib. 2221, 2;

si holten ûʒ den helmen den heiʒ flieʒenden bach. 2225, 4;

daʒ im ein rôter bach
flôʒ ûʒ sînen ringen von Hartmuotes handen. Gudr. 1224, 2,

in welchen stellen bach wiederum mehr dem wasser selbst, als dem flieszen gleichsteht;

in manchem bach von blut, aus des feinds leib vergossen.
Weckherlin 626;

sie trauten, von empfindung warm,
sich ihres herzens tiefste schwäche
und mischten ihrer thränen bäche.
Gotter 1, 222;

der bach der thränen.
Gökingk 2, 158;

das herz des liebenden als geschiebe von thränenbächen fortgerollt und abgerundet. Göthe 6, 107.
3) aus der quelle springt der bach, zusammenrinnende bäche bilden einen flusz, zusammenrinnende flüsse einen strom: wer dem bächlein nachgeht, kommt zum brunnen; viel bächlein machen auch einen strom. doch wird dem bach schon heftigkeit und macht beigelegt: es bricht ein solcher bach erfür, das die drumb wonen, den weg daselbs verlieren, und fellt nider und scheuszt dahin von den leuten. Hiob 28, 4; und liesz beche aus den felsen flieszen, das sie hinab flossen, wie wasserströme. ps. 78, 16; aber bald wirt der brunn grosz und macht ein strengen bach. Frank weltb. 166a. selbst flüsse und ströme heiszen bach:

gefangen ausz dem Thonaw pach.
Schmelzl lobspr. 92.

Hierher gehört die formel, mit der man die gegenüber liegende seite eines flusses bezeichnete. wie es ahd. hiesz ennont Rînes, ennont Tuonowo (Graff 1, 600); mhd. ennent Rînes und ennent baches:

eins spils sie dâ begunden,
alsô man jensît Rînes tuot. GA. 2, 301;

sô man noch spulget hinnen und ennen. Diut. 3, 55;

mit speln, sam enents baches tuot. MS. 2, 193a;

ich bîte dîn anderhalp des bach.
Ulr. Trist. 1399;

enhalm des pachs und hie dishalm wasser. MB. 27, 175 (a. 1362); der hirt sol faren mit dem vihe uf die alt Dorkeimer bach in dem biesemonat, und sol stan gesset der bach naher Dorkeim mit sinem stabe. weisth. 1, 785 (vor 1530); lagert sich gen Raphon jenseit des baches (mehrere ausgaben lesen hier jenseit der bach). 1 Macc. 5, 37;

als man dan jenset Reines thut fastn. sp. 1179:

hie und auch da jenseit des bachs.
H. Sachs II. 2, 96c;

der man noch viel findt jenseits bachs
und auch herjesseits spricht Hans Sachs. II. 4, 88d;

der gest findt man viel jenseits bachs
und auch herjesseit spricht Hans Sachs. II. 4, 97d;

so bleibst ins alter von deiner jugend
sambt deinen brüdern jenseits bachs
sant Grobianus, so spricht Hans Sachs. IV. 3, 96a;

er kan dir doch nit geben mut,
wie man jenseit des wassers thut.
B. Waldis 4, 76.

[Bd. 1, Sp. 1060]


noch heute in Baiern enten bach und herenten; enten bach san a leut (Schm. 1, 69), bei Agricola, jenseit der bach findet man auch leut; nhd. überm bach wohnen auch leute. Simrock 677.
4) ein schlag in den bach bedeutet, was sonst auch ein schlag mit der ruthe ins wasser (weisth. 3, 311), vergebene arbeit, die gleich zerrinnt:

êst als ein slac in einen bach. MS. 1, 155b;

eʒ ist in einen bach ein slac. Winsbeke 35, 10;

daʒ ist als in die bach ein slag.
Haupt 2, 131;

wie man auch spricht zu aller frist,
wenn jemands (müh) vergeblich ist,
es ist nichts denn ein wasserschlagen.
Eyering 1, 19;

so viel als ein streich in das wasser. Abele gerichtsh. 2, 400; vgl. Méon 4, 137 ni pert que cops en eve.
5) unklar oder mehrdeutig ist die redensart in bach treten oder gehn:

si ist weder die erst noch die letzt,
die mit dem fusz in bach ist tretten. fastn. sp. 878, 4,

von einer dirne, die zu fall gekommen war. aber,

er geet mit eim fusz im bach.
Joh. von Morsheims spiegel des regiments. B. 3

meint etwas anderes, und in gutem sinn musz es stehn, wenn Frank in den spr. 2, 201b sagt: und gehört vil zu einer frommen frawen, nemlich, dasz sie nit allein mit dem einen fusz im bach geh, sondern ein lind herz habe. Fischart nennt unter den spielen no 142 eins: was geht auf dem kopf in bach? unverständlich heiszt es im unwürdigen doctor s. 637 bei einer prügelei: die stadtknechte sprungen hinaus und schlugen mit denen springstecken auf sie los, traten in bach, hieben und schlugen, dasz es eine lust war. und bald darauf: gieng mit dem bratspisz auf ihn los, stöszt ihn wider die stirne, dasz er rücklings in bach fiele, wann der spisz scharf gewesen wäre, hätte er sein letztes bekommen, nach dem stosz merket er den fehler, hub ihn aus dem bach auf, führte ihn ins hochzeithaus und bat ihn um verzeihung. von einem flieszenden bach ist gar keine rede, vielleicht aber die gosse oder rinne auf der strasze gemeint.
 
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bachamsel, f. sturnus cinctus, wasseramsel. an einigen orten die bachstelze.

 

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