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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
autsch bis axhosel (Bd. 1, Sp. 1045 bis 1046)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) autsch, interj. dolentis, ein kraftvoller ausruf bei empfundnem sinnlichen schmerz, fortgebildet aus au oder ach, ähnlich dem ätsch und hutsch für husch. denn man sagte ebenwol ausch: da druckt mir (der h. Franciscus sprichts) Christus seine wunden ein, mit solcher grausamer marter, das ich, so oft er mir eine wunden eindruckt, laut rief ausch ausch! o wehe! Alberus barf. münche Eulenspiegel no 558. Maaler 478c hat utsch! mit der schwächeren bedeutung von hem! welches Dasypodius verdeutscht durch botz, hei!
 
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autschen, autsch ausrufen.
 
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auwe, auweh, interj. dolentis, mehr für den inneren, geistigen schmerz, gegenüber jenem sinnlichen autsch. Luther, wie awe, bawen, frawe, hawen = aue, bauen, fraue, hauen, schreibt auch awe und verbindet es gern mit ja oder nein (wie es o ja, o nein, ach ja, ach nein heiszt): er sprach zu inen, awe ja, der herr sei mit euch (LXX ἔστω οὕτω, vulg. sic). 2 Mos. 10, 10; er schrei und sprach, awe mein herr, dazu ists entlehnt (LXX ὦ κύριε, vulg. heu heu heu, domine mi). 2 kön. 6, 5; awe mein herr (LXX ὦ κύριε, vulg. heu heu heu, domine mi). 6, 15; ists nicht fein? awe ja, ganz fein. Luther 3, 73; awe ja schöne folge. 3, 468b; awe wie wollen wir nu thun? 4, 155b; awe ja, ziehet hin und bawet. 4, 248b; awe, jetzt füle ich erst rechten glauben. 4, 323b; unser ungedult, klagen und awe schreien gefelt im wol. tischr. 209b; awe nein. 244b; die fügung erscheint aber auch bei andern, z. b. auwe nain es. Wirsung Cal. T 4b. oft folgt ein genitiv oder ein verbum:

auwe meines armen kopfs!
Uhland 715;

auwe, auwe, weh meiner hand!
Ayrer 377;

auwe, auwe meines herzen! 408b;

awe mir grawet. Wirsung S 1b; auwe, awe beichten! Z 4a. Das volk sagt: er ist recht im auweh, in der klemme; nun kommt er ins auweh.
Dies auwe, auweh entspricht dem mhd. ôwê und ouwê (gramm. 3, 293), hat aber in der heutigen schriftsprache etwas unedles, man sagt lieber oweh! bei den dichtern des 17 jh. erscheinen noch einzelne auweh, obschon oweh, ach weh vorherscht:

auweh! was bin ich doch als mein selbsteigner spott.
Fleming 621.

Seltsam ist, dasz Maaler 48c auwee und au auf frauen einschränkt: ein wort eines betrübten und erschrocknen weibs, au interjectio consternatae mulieris, was ihm Henisch 137 nachschreibt. Stieler 2458 führt neben oweh auweh an und bemerkt die thüringische aussprache auwich, sp. 62 ist ihm aber aue ja quasi vero. aubi, aubi ja und aubeia wurden oben sp. 598 angeführt. s. DWB auweih.
 
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auwehzen, auweh schreien, wie ächzen, ach rufen: wann er etwan sochet (seufzet) und auwehzet auf seinem bett, da er schmerzlich krank ligt. Geo. Scherer kunst und wundsegen für schieszen. Ingolst. 1595. E 4b.
 
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auweih, jüdische aussprache des auweh: auweih geschrien! au weih, au weih! ich bin ein betrogener mann, der stein ist falsch. Hebel 3, 146.
 
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auwinnen, eine weiterbildung des auwi und aubi: als er dieses noch redete, hörete ich ein geschrei under der truppe und grewliches rufen: ach wehe, helas, auweh, mordio, helfio, rettio, auwinnen auweh! Philander 1, 572; o mordio, mordio, helfio, kombt mir zu hülf, er schlegt mich zu tod. ach weh

[Bd. 1, Sp. 1046]


und ach weh, auwe und auwe, auwinnen auwe! 2, 351. daben ist an winn und we, wind und we (Schmeller 4, 109), so wie ans ahd. winnan ejulare (Graff 1, 876), mhd. winnen pati zu denken, so dasz in winnen ein imperativ gelegen sein könnte. vgl. DWB annen.
 
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awasel, m. caro morticina, esca, as, luder. schon in der lex Bajuv. 13, 4 heiszt es von einem getödteten thier: recipe animal, quod laesisti, quod nos auursum vocamus, mit den varianten auursan, auuorsan, auuarsan, auursam und nach einer Wiener hs. des 12 jh. auuasel. diese letzte und jüngste lesart stimmt zu dem im Schwabensp. 172 Wackern. 201 Laszb., so wie nochmals 179 Wackern. 213 Laszb. wiederholten ausdruck der awasel, awesel, awursel, mit var. awese, acc. awesen und daʒ aweʒ n. auch im sinne von cadaver und bezüglich auf 2 Mos. 21, 35, wo Luther das ass oder asz schreibt. Berthold von Regensb., gleichfalls auf diese bibelstelle blickend, setzt s. 94. 95 fünfmal der awehsel, und das Augsburger stadtbuch s. 27 der awasel; mit der neutralform ohne l zu stimmen scheint irslageniu aweisiu (wie für irslagenin aweisin zu lesen sein wird) occisa cadavera bei Notker ps. 62, 11. Schmeller 4, 16. 172 hat noch awas, abas.
Diese merkwürdigen aber schwierigen formen werfen licht auf zwei, sp. 6 und 36 vielleicht falsch erklärte wörter, aas und abersel. denn aas aus essen, goth. itan zu leiten, hat der analogie von esca und edere zum trotz sein bedenken, wie wenn es verkürzt wäre aus jenem awes, awas? noch deutlicher ergibt sich abersel als gleichbedeutend mit awersel und dem alten awarsan, aworsan cadaver, esca, luder und kann in den stellen bei Mathesius sehr wol einen zurückgesetzten, geplagten menschen meinen, den man noch heute ein aas oder luder nennen dürfte. dazu tritt eine neue stelle, in welcher abersel offenbar für lockspeise, luder genommen wird: disz abersel (die erzählte fabel vom sperling) schenke ich heut zur fasznacht. Schuppius 838. schwer aber ist es aworsan, abersel, awasel, awehsel, aweise, awêse, abas, aas untereinander auszugleichen und zu deuten.
 
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awawau, ein alter name des W: die Teutschen wissen gar nit, wie sie mit disem bchstaben dran sein, die ein wenig gelert sein, nennen in ein zwifach u. hie z Augspurg nennet man in in den teutschen schlen fast ungeheur als awawau, welchs ich gedenk auch zwei u sein, auf grobschwäbisch oder mehr wirtenbergisch au genennet. Val. Ickelsamer teutsche grammatica bl. B 1b. offenbar liegt die benennung vau = v, also vauvau, doppelt u zum grunde.
 
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ax oder achs, f. securis, goth. aqizi, ahd. achus, alts. acus, mhd. ackes (Ben. 6b), nnl. akse, altn. öx, schw. yxa, dän. ökse, gr. ἀξίνη, lat. ascia f. acsia von der wurzel ac, die in acies und im skr. ari waltet, vgl. aru, die scharfe, beiszende thräne. das heute angehängte t ist früher noch oft entbehrlich: z. b. greifen die thier an mit spieszen, pfeilen, achsen, krummen messern. Forer fischb. 88b; agkes, pl. egkese weisth. 3, 223; schidachs fastn. sp. 821, 24; Maaler 48c schreibt ax oder achs, Henisch scheidet axt securis von ax axis. vgl. Schm. 1, 25 äckes. s. axt.
 
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axe = achse, f. lat. axis:

wo um die axe nur des fleiszes
sich leben und gesundheit schwingt.
Gotter 1, 462;

erdaxe, himmelaxe. J. Paul kl. bücherschau 1, 203; axendrehung der himmelskörper. Brandes astron. 1, 122. am Waldstettensee ein Axenberg (von seinen scharfen ecken oder vom drehen der schiffe darum?), bei Schiller 540 in den groszen und kleinen Axen unterschieden; do si also frent bisz an Axen hin. Etterlin. Ebel schreibt Achsenberg und deutet falsch auf ächzen, weil die gefährliche schiffart an den steilen wänden angst einjage.
 
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axhosel, m. und f. manubrium asciae: kein marker soll hauwen einich grün holz zu bornen (brennen), dann was man mag mit einer achshoseln abeslagen. weisth. 1, 524; dorre holz und was sie mit eim axhosel mogen abegeslagen, daʒ megen sie holen. 1, 525. hosel ist blosz geraten und noch dunkel, könnte es für hasel, haselstock stehen, woraus man axtstiele machte?

 

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