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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
auszerirdisch bis auszerthalb (Bd. 1, Sp. 1035 bis 1037)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auszerirdisch, überirdisch, quod supra terram est:

denn ein verdienst das auszerirdisch ist,
das in den lüften schwebt, in tönen nur,
in leichten bildern unsern geist umgaukelt.
Göthe 9, 185;

auszerirdische wesen nöthigt er (Shakspeare) seinem unternehmen zu dienen. 45, 119.
 
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äuszerlich, exterus, externus, nnl. uiterlijk, mhd. ûʒerlîch (pass. K. 320, 15), bei Keisersberg noch uszerlich, auszerlich, (has im pf. Bb 4d), bei Luther euszerlich: an den euszerlichen gescheften im hause gottes. Neh. 11, 16; wer wil sagen, was er verdienet, wenn mans euszerlich ansihet. Hiob 21, 31; wenn das herz traurig ist, so hilft kein euszerliche freude. spr. Sal. 14, 10; das reich gottes komt nicht mit euszerlichen gebärden. Luc. 17, 20; ob unser euszerlicher mensch verweset, so wird doch der innerliche von tag zu tage verneuert (goth. þauhjabai sa utana unsar manna fravardjada, aþþan sa innuma ananiujada). 2 Cor. 4, 17; da wir kinder waren, waren wir gefangen unter den euszerlichen satzungen. Gal. 4, 3; euszerliche heiligkeit. Ebr. 9, 1;

ein innerliches weib, ein äuszerlicher mann.
Logau 1, 10, 13;

wer an frömmigkeit kleiner und an reichthumb gröszer ist als der andere, der ist dem äuszerlichen ansehen nach zwar reich, aber in sich selbst arm. pers. rosenth. 7, 20; man betreugt die euszerliche sinn und betreugt ihren verstand, darnach man einem ein brill aufsetzt. Lehmann 106; wir können unsern kindern die äuszerlichen fehler des übelstandes nicht leichter abgewöhnen, als wenn wir ihnen solche vor den augen nachahmen. Rabener 1, 90; das herz bilden, ohne das äuszerliche zu verabsäumen. 6, 12; sorgfältige bildung des äuszerlichen. Gotter 2, xiv; die härte der seele bei äuszerlicher geschmeidigkeit und sanftmut. 3, 9; Saturn der äuszerlichste unter den wandelsternen. Kant 8, 260; bei dem hiesigen theater sind mehrere subjecte, die ein recht gutes äuszerliches haben. Göthe an Schiller 796; nach den natürlichen begriffen der äuszerlichen gerechtigkeit. Lichtenberg 3, 171. Man sagte früher sich äuszerlich stellen, sich fremd und kalt benehmen: stell dich auszerlich und dapferlich (fremd und derb). Keisersb. siben scheiden 7;

die landherrn die haben sich
gegen uns gstellt lang gar euszerlich.
Ayrer 165b;

der auserwelte held
sich gegen mir so euszerlich stellt. 168b;

er stellt sich gegen uns gar äuszerlich, infrequens est nobis. Steinbach 1, 51.
 
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äuszerlichkeit, f. mhd. blosz ûʒerkeit (pass. K. 400, 43): darumb ist dir not, das du in dich selber gekeret seiest und dich allain haltest, es sei dann ampts halb ausz gehorsame, da du gezwungen würst wider deinen willen z auszerlichait. so bis gehorsam und th das getreulich mit aufgehebtem herzen zu got, und eil allweg wider z dir selbs hinein, das geschicht laider nit, sonder si schen ergetzlichait in auszerlichait. Keisersb. has im pf. Aa 8b; sie lud mich manchen abend zu sich und wuste mich, der ich zwar gesittet war, aber doch eigentlich was man lebensart nennt, nicht besasz, in manchen kleinen äuszerlichkeiten zurecht zu führen und zu verbessern. Göthe 25, 62; wenn der dichter Ariosto seinem ihn ausscheltenden vater ergeben zuhört, so liegt die äuszerlichkeit des vaters wie des sohnes von jedem lächerlichen ab. J. Paul aesth. 1, 147; er hängt an äuszerlichkeiten

[Bd. 1, Sp. 1036]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auszermaszen, s. DWB auszer 2.
 
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auszermäszig, modum egrediens: ich schlosz aus ihren schriften mit völliger zuversicht auf einen auszermäszigen charakter. Fichtes leben 1, 181.
 
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äuszern , auszer sich geben, thun, ist gebildet von auszer wie nnl. uiten, ahd. ûʒôn von uit und ûʒ, mhd. sagte man ûʒeren, mnd. nach Ssp. 2, 62 üteren, engl. utter. es kommt meistentheils mit sich verbunden vor.
1) weidmännisch, das wild äuszerst sich, gleichsam thut sich aus dem holze, kommt zum vorschein; als wir auf der jagd waren, äuszerte sich kein wild. Steinbach 1, 51.
2) von andern dingen, die sich zeigen: die blattern äuszern sich, brechen aus; die gröszte verlegenheit äuszerte sich in der gesellschaft; ein betrug, ein verdacht äuszerte sich in diesem geschäft; eine gelegenheit äuszert sich;

als wenn beim amtsetat
ein minus sich statt plus geäuszert hätte.
Gökingk 2, 201;

ich schlief nicht, ich wachte nicht, ich schlummerte. ich vernahm alles was um mich vorgieng sehr deutlich, und doch konnte ich mich nicht regen, mich nicht äuszern. Göthe 11, 369; eine gleiche schwierigkeit äuszert sich. Kant 8, 22.
3) sich äuszern, sich aussprechen, ore prodere, mit worten zu erkennen geben: er hat sich dahin geäuszert; ich mag mich darüber nicht zu frühe äuszern; er äuszert sich so deutlich, dasz man ihn nicht misverstehen kann. auch ohne sich mit dem acc.: er äuszerte folgendes; er hat den wunsch geäuszert (ausgesprochen); er äuszert seine meinung stets unverholen; Forskaal hatte meinem vater geäuszert, dasz er wünsche. Niebuhr kl. schr. 1, 20. selten sich äuszern mit dem gen., in diesem sinn: überdem hat man noch nie gehört, dasz ein wegen mordes zum tode verurtheilter sich beschwert hätte, dasz ihm unrecht geschehe, jeder würde ihm ins gesicht lachen, wenn er sich dessen äuszerte. Kant rechtsl. 1798 s. 231.
4) äuszern mit persönlichem acc. ist ungewöhnlich: sondern euszert sich selbst und nahm knechtsgestalt an (ἑαυτὸν ἐκένωσεν, goth. sik silban uslausida, vulg. semetipsum exinanivit). Philipp. 2, 7. in anderm sinn: im marchieren äuszerten mich ehrliche weiber. Simpl. 2, 145, d. h. vermieden mich, enthielten sich meiner. Sehr häufig sagte man sich eines dinges äuszern = enthalten, abthun. mhd. wil er sich sîn ûʒern. Schw. sp.; mnl. wel he ir (der schädlichen thiere) sik üteren name (nach dem) scaden. Ssp. 2, 62; andere belege dieses sich äuszern abstinere für den rechtsgebrauch gibt Haltaus 83. welchs beides (cujus utriusque) der römisch bischof sich bisher geeuszert hat. Luther 1, 62a; so viel genanter doctor Martinus befunden würde, das er in einigem artikel geirret hette, so wöllen wir die ersten sein, die sich sein euszern. 1, 135b; das ir euch in dieser sachen euszert des christlichen namens und rhümens des christlichen rechtes. 3, 118b; das sie sich des meszhaltens aller ding euszern und enthalten. 3, 194; das die natur gewartet des, das sie nirgend sihet noch empfindet, und sich des euszere, das sie sichtlich empfindet. 3, 295; so ists auch kein fahr, das ir euch der unterthanen damit euszert, so ir die güter verkauft. 4, 318a; solche leut für keine Christen zu halten sind, die sich so lange des sacraments euszern und entziehen. 4, 428a; da ist hohe zeit, das sich alle frome Christen ir (der falschen lehre) euszern. 6, 178b; so müste er (gott) warlich zuvor sich seiner rechten gottheit euszern. 8, 3a; denn ich bei mir genzlich beschlossen, ich wolle mich hinfurt ewers hofs gar euszern. 8, 173b; werden wir gezwungen, den christlichen namen euch absagen und euer ganz zu euszern. Luthers br. 2, 355; haus und hof verlassen und sich der vorberhürten stück euszern. Melanchthon augsb. conf. im corp. doctr. chr. s. 9; das er darin nichts heimlichs fürgenommen, oder sich der leut geeuszert, sondern alles am liecht gehandelt. Melanchth. rede von herzog Ernsten, deutsch von Lauterbeck. Ff. 1563. s. 23; herzog Ott und herzog Albrecht euszerten sich solches krieges. Aventin 485;

ganz in aller demütigkeit
(hat Christus) sich geeuszert seiner gottheit.
H. Sachs II. 1, 56d;

wenn man mich hett zu gvattern gbetten,
zum kind und bei die tauf zu tretten,
euszert ich mich derselben leut.
B. Waldis 4, 69;

doch euszerst du dich meiner klag
ein antwort zu verleihen.
Weckherlin 86;

wer lebet, der nicht geht des bleichen todes bahn?
wer ist es, der sich selbst des grabes euszern kan?
Opitz ps. s. 172;

[Bd. 1, Sp. 1037]



im fall er ein gebot nun etwan ewig nennt,
bezeugt er, dasz er disz von jenen andern trennt,
so dasz es unrecht sich zu euszern dessen bürde,
bis er es, der es gab, auch selbst verendern würde. Hugo Grot. s. 381;

dasz gott sich äuszert der gewalt.
Lohenstein geistl. ged. 76, 1394;

dasz er sich meiner gesellschaft in etwas euszern müste. Philand. 2, 776; sobald sie aber wind bekamen, dasz der zaar mich im land zu behalten entschlossen, wurden sie alle zu stummen an mir, ja sie äuszerten sich auch meiner. Simpl. 1, 539; doch wollte ein solcher mensch sich der gesellschaft ganz euszern. Weise erzn. 395. Stieler 70 hat noch folgende beispiele: sich seiner gewalt euszern auf eine zeitlang; sich seines rechts euszern; sich der leute gesellschaft euszern; sich eines freundschaft euszern; ich werde mich nicht euszern (nicht enthalten) zu euch zu kommen; geeuszerte sachen, res separatae. Frisch 1, 43 sich eines äuszern, eines umgang meiden. später erlischt der gebrauch dieses worts, und theilweise an seine stelle getreten ist entäuszern w. m. s.
 
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auszerordentlich, extraordinarius: auszerordentliche gabe, ehre, liebe; auszerordentlicher festtag; auszerordentliches mitglied; ein auszerordentlicher gesandter; alles was mir von diesem auszerordentlichen manne bekannt geworden ist. Lichtenberg 4, 139.
 
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auszerordentlich, adv. extra ordinem, mirifice, eximie: auszerordentlich beliebt, gelehrt, erfreut, klein, schön.
 
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auszerren, evellere, ausreiszen, auseinander zerren, distrahere:

dem heisz ich auszerren alle sein adern. fastn. sp. 596, 15;

man musz dir dîe sel auszerren. 1093;

sie hatte schon ihre krause haarlocken ausgezerret. Simpl. 2, 541; die stolze noppel wuste ohndem nicht, wie sie das maul solte krumm genug auszerren. Weise erzn. 399; Wielands goldner spiegel ist ein ausgezerrter Uhsong. Weisze an Uz.
 
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auszersinnlich, quod in sensus non cadit.
 
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auszerthalb, foris, extrinsecus, mhd. ûʒerthalb. Nib. 1915, 1. B (wie innerthalben 1914, 4. 1915, 4); nhd. auszerthalb des gelobten landes. Keisersb. ausg. der Juden J 6; auszerthalb des landes. Wirsung Cal. h 2a; sie bleiben allzeit auszerthalb des krieges anheims. Frank weltb. 66a.

 

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