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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
auszergewöhnlich bis äuszern (Bd. 1, Sp. 1034 bis 1036)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auszergewöhnlich, ungewöhnlich, auszer der gewohnheit.
 
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auszerhalb, extra, praeter, extrinsecus, ahd. ûʒarhalb und ûʒarûnhalb (Graff 4, 884); mhd. ûʒerhalp mit dat. oder folgenden andern partikeln: ûʒerhalp der tür. Nib. 1915, 1; ûʒerhalp des mundes tür. Iw. 457; ûʒerhalp dem bürgetor. Iw. 6147; ûʒerhalp bî der want. Iw. 91; ûʒerhalb an der gesiht. Barl. 127, 41. Wie schon mhd. das nachfolgende der zweifelhaft läszt, ob ein gen. oder dat. f. gemeint sei, findet auch nhd. diese unsicherheit statt, z. b. auszerhalb der stad gegen mittag ein brunn war. Jud. 7, 6; auszerhalb der herberg. weisth. 2, 231 und man begreift, dasz im m. und n. gen. und dat. schwanken. Beispiele des dativs: auszerhalb dem ehestande. Melanchth. im corp. doctr. christ. 496;

dasz dich ein andrer hat beschlafen
auszerhalb deim mann.
H. Sachs IV. 1, 40a;

dieweil ich sonsten mit nichtes anders, auszerhalb meinem vater unser, e. gn. zu verehren habe. Ringwald tr. Eck. A 8a; ward ihm in der eil alles verdeckt auszerhalb eim fusz, welchen die sonn schwarz brannte. Garg. 172a; auszerhalb dem rechten. Opitz Arg. 2, 341; auszerhalb allen lastern. 2, 435; auszerhalb dem gefängnis. pers. rosenth. 7, 20; er führete ein eingezogen leben und machte sich auszerhalb seinem ampt und beruf mit niemand gemein. Schuppius 308; auszerhalb dem zirkel des privatlebens. Wieland 2, 236; muste diese praetur, ehe das tribunat auf sechs stellen gebracht ward, auszerhalb demselben sein. Niebuhr 2, 442. Belege für den seltneren gen.: an eim sondern ort auszerhalb der ungleubigen. Luther 3, 271; so jemand zum andernmal, doch auszerhalb einsteigens oder brechens gestolen hette. peinl. halsger. ordn. 161; alles auszerhalb des herzens. Opitz Arg. 2, 191; stirbst du auszerhalb des vatterlands. Petr. 215b; was auszerhalb des kreises unsrer sinne liegt. Wieland 3, 411. Da wo auszerhalb für ausgenommen gesetzt ist, wird ihm sogar, wie diesem, der casus des satzes selbst gelassen: aber die andern personen in der kirchen, auszerhalb die schulpersonen sollen graf Philipps und graf Hans George zu bestellen haben. Luthers

[Bd. 1, Sp. 1035]


br. 5, 795; auszerhalb den Gelanor. Opitz Arg. 2, 320; sie hatten keine einzige minuten zum spielen und spazieren, auszerhalb die jugend, welche mit ihrem praeceptor jedesmal eine stunde nach dem essen spaziereten. Simpl. 1, 531. Dies auszerhalb kann auch, wie auszer und auszerdem, die stelle vor conjunctionen einnehmen, z. b. auszerhalb dasz sie hörner und lange spitze ohren hatten. Philander 2, 2. s. DWB auszerthalb.
 
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auszerhalben, praeter, gleichviel mit auszerhalb: und auszerhalben meinem groszen herzensrisz und leiden hat es mir wol gegangen. Schweinichen 1, 62.
 
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auszerhäuslich, was auszerhalb dem hause geschieht: dasz ich in dieser ungerecht verkannten gesellschaft die einzige auszerhäusliche consolation geniesze. Mercks briefs. 1, 200; das leben der Griechen und Römer wurde mehr auszerhäuslich und unter der menge geführt. J. Paul friedenspredigt s. 30; auszerhäusliches vergnügen suchen.
 
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äuszerin, f. solitaria, eine frau, die sich vom umgang der leute zurückzieht. Stieler 70. s. DWB äuszerer.
 
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auszerirdisch, überirdisch, quod supra terram est:

denn ein verdienst das auszerirdisch ist,
das in den lüften schwebt, in tönen nur,
in leichten bildern unsern geist umgaukelt.
Göthe 9, 185;

auszerirdische wesen nöthigt er (Shakspeare) seinem unternehmen zu dienen. 45, 119.
 
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äuszerlich, exterus, externus, nnl. uiterlijk, mhd. ûʒerlîch (pass. K. 320, 15), bei Keisersberg noch uszerlich, auszerlich, (has im pf. Bb 4d), bei Luther euszerlich: an den euszerlichen gescheften im hause gottes. Neh. 11, 16; wer wil sagen, was er verdienet, wenn mans euszerlich ansihet. Hiob 21, 31; wenn das herz traurig ist, so hilft kein euszerliche freude. spr. Sal. 14, 10; das reich gottes komt nicht mit euszerlichen gebärden. Luc. 17, 20; ob unser euszerlicher mensch verweset, so wird doch der innerliche von tag zu tage verneuert (goth. þauhjabai sa utana unsar manna fravardjada, aþþan sa innuma ananiujada). 2 Cor. 4, 17; da wir kinder waren, waren wir gefangen unter den euszerlichen satzungen. Gal. 4, 3; euszerliche heiligkeit. Ebr. 9, 1;

ein innerliches weib, ein äuszerlicher mann.
Logau 1, 10, 13;

wer an frömmigkeit kleiner und an reichthumb gröszer ist als der andere, der ist dem äuszerlichen ansehen nach zwar reich, aber in sich selbst arm. pers. rosenth. 7, 20; man betreugt die euszerliche sinn und betreugt ihren verstand, darnach man einem ein brill aufsetzt. Lehmann 106; wir können unsern kindern die äuszerlichen fehler des übelstandes nicht leichter abgewöhnen, als wenn wir ihnen solche vor den augen nachahmen. Rabener 1, 90; das herz bilden, ohne das äuszerliche zu verabsäumen. 6, 12; sorgfältige bildung des äuszerlichen. Gotter 2, xiv; die härte der seele bei äuszerlicher geschmeidigkeit und sanftmut. 3, 9; Saturn der äuszerlichste unter den wandelsternen. Kant 8, 260; bei dem hiesigen theater sind mehrere subjecte, die ein recht gutes äuszerliches haben. Göthe an Schiller 796; nach den natürlichen begriffen der äuszerlichen gerechtigkeit. Lichtenberg 3, 171. Man sagte früher sich äuszerlich stellen, sich fremd und kalt benehmen: stell dich auszerlich und dapferlich (fremd und derb). Keisersb. siben scheiden 7;

die landherrn die haben sich
gegen uns gstellt lang gar euszerlich.
Ayrer 165b;

der auserwelte held
sich gegen mir so euszerlich stellt. 168b;

er stellt sich gegen uns gar äuszerlich, infrequens est nobis. Steinbach 1, 51.
 
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äuszerlichkeit, f. mhd. blosz ûʒerkeit (pass. K. 400, 43): darumb ist dir not, das du in dich selber gekeret seiest und dich allain haltest, es sei dann ampts halb ausz gehorsame, da du gezwungen würst wider deinen willen z auszerlichait. so bis gehorsam und th das getreulich mit aufgehebtem herzen zu got, und eil allweg wider z dir selbs hinein, das geschicht laider nit, sonder si schen ergetzlichait in auszerlichait. Keisersb. has im pf. Aa 8b; sie lud mich manchen abend zu sich und wuste mich, der ich zwar gesittet war, aber doch eigentlich was man lebensart nennt, nicht besasz, in manchen kleinen äuszerlichkeiten zurecht zu führen und zu verbessern. Göthe 25, 62; wenn der dichter Ariosto seinem ihn ausscheltenden vater ergeben zuhört, so liegt die äuszerlichkeit des vaters wie des sohnes von jedem lächerlichen ab. J. Paul aesth. 1, 147; er hängt an äuszerlichkeiten

[Bd. 1, Sp. 1036]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auszermaszen, s. DWB auszer 2.
 
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auszermäszig, modum egrediens: ich schlosz aus ihren schriften mit völliger zuversicht auf einen auszermäszigen charakter. Fichtes leben 1, 181.
 
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äuszern , auszer sich geben, thun, ist gebildet von auszer wie nnl. uiten, ahd. ûʒôn von uit und ûʒ, mhd. sagte man ûʒeren, mnd. nach Ssp. 2, 62 üteren, engl. utter. es kommt meistentheils mit sich verbunden vor.
1) weidmännisch, das wild äuszerst sich, gleichsam thut sich aus dem holze, kommt zum vorschein; als wir auf der jagd waren, äuszerte sich kein wild. Steinbach 1, 51.
2) von andern dingen, die sich zeigen: die blattern äuszern sich, brechen aus; die gröszte verlegenheit äuszerte sich in der gesellschaft; ein betrug, ein verdacht äuszerte sich in diesem geschäft; eine gelegenheit äuszert sich;

als wenn beim amtsetat
ein minus sich statt plus geäuszert hätte.
Gökingk 2, 201;

ich schlief nicht, ich wachte nicht, ich schlummerte. ich vernahm alles was um mich vorgieng sehr deutlich, und doch konnte ich mich nicht regen, mich nicht äuszern. Göthe 11, 369; eine gleiche schwierigkeit äuszert sich. Kant 8, 22.
3) sich äuszern, sich aussprechen, ore prodere, mit worten zu erkennen geben: er hat sich dahin geäuszert; ich mag mich darüber nicht zu frühe äuszern; er äuszert sich so deutlich, dasz man ihn nicht misverstehen kann. auch ohne sich mit dem acc.: er äuszerte folgendes; er hat den wunsch geäuszert (ausgesprochen); er äuszert seine meinung stets unverholen; Forskaal hatte meinem vater geäuszert, dasz er wünsche. Niebuhr kl. schr. 1, 20. selten sich äuszern mit dem gen., in diesem sinn: überdem hat man noch nie gehört, dasz ein wegen mordes zum tode verurtheilter sich beschwert hätte, dasz ihm unrecht geschehe, jeder würde ihm ins gesicht lachen, wenn er sich dessen äuszerte. Kant rechtsl. 1798 s. 231.
4) äuszern mit persönlichem acc. ist ungewöhnlich: sondern euszert sich selbst und nahm knechtsgestalt an (ἑαυτὸν ἐκένωσεν, goth. sik silban uslausida, vulg. semetipsum exinanivit). Philipp. 2, 7. in anderm sinn: im marchieren äuszerten mich ehrliche weiber. Simpl. 2, 145, d. h. vermieden mich, enthielten sich meiner. Sehr häufig sagte man sich eines dinges äuszern = enthalten, abthun. mhd. wil er sich sîn ûʒern. Schw. sp.; mnl. wel he ir (der schädlichen thiere) sik üteren name (nach dem) scaden. Ssp. 2, 62; andere belege dieses sich äuszern abstinere für den rechtsgebrauch gibt Haltaus 83. welchs beides (cujus utriusque) der römisch bischof sich bisher geeuszert hat. Luther 1, 62a; so viel genanter doctor Martinus befunden würde, das er in einigem artikel geirret hette, so wöllen wir die ersten sein, die sich sein euszern. 1, 135b; das ir euch in dieser sachen euszert des christlichen namens und rhümens des christlichen rechtes. 3, 118b; das sie sich des meszhaltens aller ding euszern und enthalten. 3, 194; das die natur gewartet des, das sie nirgend sihet noch empfindet, und sich des euszere, das sie sichtlich empfindet. 3, 295; so ists auch kein fahr, das ir euch der unterthanen damit euszert, so ir die güter verkauft. 4, 318a; solche leut für keine Christen zu halten sind, die sich so lange des sacraments euszern und entziehen. 4, 428a; da ist hohe zeit, das sich alle frome Christen ir (der falschen lehre) euszern. 6, 178b; so müste er (gott) warlich zuvor sich seiner rechten gottheit euszern. 8, 3a; denn ich bei mir genzlich beschlossen, ich wolle mich hinfurt ewers hofs gar euszern. 8, 173b; werden wir gezwungen, den christlichen namen euch absagen und euer ganz zu euszern. Luthers br. 2, 355; haus und hof verlassen und sich der vorberhürten stück euszern. Melanchthon augsb. conf. im corp. doctr. chr. s. 9; das er darin nichts heimlichs fürgenommen, oder sich der leut geeuszert, sondern alles am liecht gehandelt. Melanchth. rede von herzog Ernsten, deutsch von Lauterbeck. Ff. 1563. s. 23; herzog Ott und herzog Albrecht euszerten sich solches krieges. Aventin 485;

ganz in aller demütigkeit
(hat Christus) sich geeuszert seiner gottheit.
H. Sachs II. 1, 56d;

wenn man mich hett zu gvattern gbetten,
zum kind und bei die tauf zu tretten,
euszert ich mich derselben leut.
B. Waldis 4, 69;

doch euszerst du dich meiner klag
ein antwort zu verleihen.
Weckherlin 86;

wer lebet, der nicht geht des bleichen todes bahn?
wer ist es, der sich selbst des grabes euszern kan?
Opitz ps. s. 172;

[Bd. 1, Sp. 1037]



im fall er ein gebot nun etwan ewig nennt,
bezeugt er, dasz er disz von jenen andern trennt,
so dasz es unrecht sich zu euszern dessen bürde,
bis er es, der es gab, auch selbst verendern würde. Hugo Grot. s. 381;

dasz gott sich äuszert der gewalt.
Lohenstein geistl. ged. 76, 1394;

dasz er sich meiner gesellschaft in etwas euszern müste. Philand. 2, 776; sobald sie aber wind bekamen, dasz der zaar mich im land zu behalten entschlossen, wurden sie alle zu stummen an mir, ja sie äuszerten sich auch meiner. Simpl. 1, 539; doch wollte ein solcher mensch sich der gesellschaft ganz euszern. Weise erzn. 395. Stieler 70 hat noch folgende beispiele: sich seiner gewalt euszern auf eine zeitlang; sich seines rechts euszern; sich der leute gesellschaft euszern; sich eines freundschaft euszern; ich werde mich nicht euszern (nicht enthalten) zu euch zu kommen; geeuszerte sachen, res separatae. Frisch 1, 43 sich eines äuszern, eines umgang meiden. später erlischt der gebrauch dieses worts, und theilweise an seine stelle getreten ist entäuszern w. m. s.

 

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