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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
austrauer bis austrieb (Bd. 1, Sp. 1002 bis 1004)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) austrauer, f. luctus depositio, aufhören der trauer, verschieden von abtrauer, wie an höfen die zweite woche der trauer heiszt. sie ist in der austrauer, im letzten stadium der trauer, wo farben gewählt werden, die vom schwarzen zum hellen, bunten den übergang machen, wie violett, lila.
 
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austrauern, luctum deponere, elugere: nachdem Juda ausgetrauret hatte. 1 Mos. 38, 12; da sie aber ausgetrauret hatte, sandte David hin und liesz sie in sein haus holen, und sie ward sein weib. 2 Sam. 11, 27;

wann Bethseba getrauert aus.
H. Sachs III. 1, 88a;

die tochter Eliams, die Davids freundin war,
und, als sie ausgetraurt, ihm einen sohn gebar.
Hagedorn 2, 5;

junge witwen haben bald ausgetrauert.
 
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austräumen, exitum somnii videre, nnl. uitdroomen: den traum austräumen; er hat den traum des lebens ausgeträumt, hat ausgeträumt; es that mir sehr leid, dasz sie gestern den kurzen traum, den ich meinen freundinnen bereitete, nicht ganz austräumen konnten. Göthe an fr. von Stein 3, 439; es hat das jahr nun ausgeträumt (seinen winterschlaf, der frühling bricht an). Arnim schaub. 2, 216.
 
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austreffen, pertinere, conducere, ausschlagen, anschlagen: darbei wol zu ermessen ist, dasz viel krankheiten seind, so solcher magen halben kommen, die sie in falsche capitel gesetzt haben, und wenig betracht, wo es austreffe. Paracelsus 1, 60b.
 
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austreiben , expellere, ausjagen, nnl. uitdrijven.
1) leute, thiere aus dem land, garten, haus: und treib Adam aus und lagert fur den garten den cherubim mit einem bloszen hawenden schwert. 1 Mos. 3, 24; treibe diese magd aus mit irem son. 21, 10; bis das er seine feinde austreibe von seinem angesicht. 4 Mos. 32, 21; und er wird fur dir her deinen feind austreiben. 5 Mos. 33, 27; das vieh austreiben; morgens wann der hirt austreibt;

soldaten und der wein, wo die zu gaste kummen,
da ist gewalt und recht dem wirte bald benummen,
der wirt kan diesen zwar zum hause treiben aus,
jen aber räumen weg den wirt und auch sein haus.
Logau 1, 5, 28;

den rachegeistern überlass ich
dies haus, ein frevel führte mich herein,
ein frevel treibt mich aus.
Schiller 512b;

des pachters, den unser onkel zwar mit recht, aber doch, dünkt mich, mit ziemlicher härte austrieb. Göthe 21, 107; dasz der pachter eines unserer güter endlich wirklich ausgetrieben werden solle. 21, 199. nicht selten liegt der nachdruck mehr auf dem hinaus als dem heraus, z. b. die schweine austreiben meint zwar aus dem stall, aber vorzugsweise aufdie weide.
2) im n. t. kehrt häufig die vorstellung wieder von dem austreiben der teufel und geister aus dem leib der menschen: haben wir nicht in deinem namen teufel ausgetrieben? Matth. 7, 22; am abend aber brachten sie vil besessene zu im und er treib die geister aus mit worten. 8, 16; da baten in die

[Bd. 1, Sp. 1003]


teufel und sprachen, wiltu uns austreiben, so erleube uns in die herd säu zu faren. 8, 31; er treibet die teufel aus durch der teufel fürsten. 9, 34; so denn ein satan den andern austreibet. 12, 26 u. s. w. Ulfilas verdeutscht ἐκβάλλειν bald usdreiban, bald usvairpan, ahd. steht arwerfan oder ûʒarwerfan, ags. ûtâdrîfan, wie die vulg. stets ejicere hat. einem den hoffartsteufel austreiben; man sagt auch den teufel austreiben für recht austollen.

ja wie vil sehlen hat dein wöhr
den stolzen cörpern ausgetrieben?
Weckherlin 371.


3) man treibt oft ein nagel mit dem andern aus. Lehmann 58; die pende oben und unden uszdreiben. weisth. 3, 772 (unter pfand werden aber meistens thiere gemeint), vgl. 2, 256. 258. furcht ist nicht in der liebe, sondern die völlige liebe treibet die furcht aus. 1 Joh. 4, 18; die hitze treibt mir heftigen schweisz aus; man musz diese unarten des kinds beizeit austreiben; o thörichte weltliebe, deinetwegen liegt mein verstand gefangen, meine seele beschweret, meine andacht ausgetrieben. pers. rosenth. 2, 28; man nicht wol vermutete, dasz man solche von ihnen so lang getriebene oder gar angeborene laster austreiben könte. pers. reiseb. 3, 1; dieser wolredenheit, kraft welcher wir die bewegungen können ein- und austreiben. Schuppius 850; die diebsbande hat es nun bald ausgetrieben, man stellt ihr nach; einem seine mucken, grillen, thorheiten austreiben.
4) zuweilen steht austreiben für treiben, caelare, aus metall hervorarbeiten: das bildwerk ist schön ausgetrieben; in silber ausgetriebene kunstwerke. figürlich, es versteht dies kein mensch, der seinen wirkungskreis aus sich geschaffen und ausgetrieben hat. Göthe an Lavater 110.
5) intransitiv, austreiben wie treiben: die blume treibt schön aus; der schweisz treibt aus, dringt hervor;

für dem kunt mein jungfraw nicht bleiben,
das herz wolt ihr zum mund austreiben. froschmeus. I. 2, 3.

auch für aufhören zu treiben: der hochofen treibt aus, geht aus, verglüht.
 
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austreibung, f. expulsio: die austreibung der könige, der juden; nach austreibung der bösen geister.
 
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austrennen, solvere, solvendo eximere, durch auftrennen der naht herausnehmen: und da man den rock bracht, da het er zwen ermel, und der ein ermel war wie der, den sie het lassen austrennen. sch. und ernst cap. 23; schönheiten, die man zerstört, wenn man sie austrennt. Herder 1, 96.
 
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austreten , exculcare, nnl. uittreden.
1) trauben, ähren austreten, den saft aus den trauben, die körner aus den ähren treten; dasz ich ihm nicht die zähne austreten soll. Lessing 1, 513; könnt ich ihnen doch all das gehirn austreten, die dafür oder dawider schreiben. Lenz 1, 182.
2) calcando delere: ein funke fiel hier nieder, tritt ihn schnell aus!; man muste das feuer austreten (sofort ersticken). Göthe 18, 257; den speichel austreten: platsch, tritts aus! Garg. 154b; der pfütze das auge austreten (oben sp. 800); ein solchs honigswäffelin ihm auszutreten. Garg. 77b.
3) calcando excavare: die stufen austreten; die treppe ist ganz ausgetreten.
4) die schuhe austreten, sowol die engen weiter treten, als ganz vom fusz treten, ausziehen, ablegen: du hast nun die kinderschuhe ausgetreten; er meint immer, ich habe die kinderschuhe noch nicht ausgetreten. Bettine briefe 1, 310. einem andern die schuhe austreten, einem dicht nachtreten, nachfolgen, um seinen platz werben: Romanus so dem Stephano die schuch austrat (gegenpabst Romanus, der Stephan den 6 im j. 897 stürzte). bienenk. 213b; etlich tretten den einsiedlern die schuch aus und flechten korb. Garg. 185b; verleumbder die einem andern gern die schuh austreten. Kirchhof wendunm. 56a; besorgte, ich möchte ihm vielleicht die schuhe austretten, sahe mich derowegen mit neidigen augen an. Simpl. 1, 97; wer den ehrenberg erstiegen hat und die leiter nit nach sich zeucht, dem können die schuhe leicht ausgetreten werden. Lehmann 175. Fischart verzeichnet no 435 ein gesellschaftsspiel 'den schuch austretten'.
5) austreten hiesz auch geradezu aufspüren, attraper: kann er in dann im läger nicht austretten oder finden. Fronsp. 1, 5b; ir vermeint, ich wölte euch ewer lebtag an die Elicia und Arreusa geschmitt haben und ich werd euch kein andere austretten. Wirsung Cal. Z 3a; man findet vil leut, die weit und breit gereiset haben, bis sie ein ort ausgetretten, da sie möchten

[Bd. 1, Sp. 1004]


stille haben. Petr. 193a; es war unmöglich gnug vermögliche säugammen für in auszutretten. Garg. 110b, vgl. DWB ausgehen 8.
6) intransitiv, excedere, secedere: tredet uz und nemet den lantman zu uch! (vgl. DWB ausmahnen). weisth. 3, 488; der soldat muste austreten, aus dem glied treten; als Gotthart und Siegfrid an der hausthür stehend blieben, gieng eine compagnie studenten vorbei, unter denen zween waren, die unsere beide reisende kanten, dise traten aus (procedebant, traten aus dem haufen). unw. doct. 295; auf die an die mannschaft gerichtete frage, wer den gefahrvollen zug wagen wolle? traten alsbald drei kühne jünglinge aus (vor) und erklärten sich bereit; er ist ausgetreten, flüchtig geworden;

ich will gehn, austretten darmit.
H. Sachs III. 1, 22b;

aus dem zimmer, aus dem wagen treten: wann eine vornehme leiche sol begraben werden, so kompt ein mann endlich ins gemach, darin die trauerleute versamlet sind, und fragt, ob denen herrn und freunden geliebe auszutreten, dann es sei nunmehr zeit. Schuppius 633; woselbst der graf Carlsson aus dem wagen sprang und Eckarthen (am andern wagen zum aussteigen) die hand bot, der aber nach gemachter complimente selbst austrat (ausstieg). hebamme 10. es bedeutet dann auch entweichen, entfliehen (Haltaus 86. 87) und ausgetretene soldaten sind flüchtlinge, deserteurs. austreten, aus dem bund, aus der gesellschaft treten; ein ausgetretener mönch, der das kloster verlassen hat; dasz alle ordensgenosze, wann es ihnen geliebet, ungehindert möchten ab und austretten. Garg. 273b. austreten, im sinne von beiseits, über die schnur treten, bedeutet auch was auslatschen, auslecken, untreue begehn.
Das wasser tritt aus, über sein bett; der flusz tritt aus aufs feld und auf die wiesen; läszt der regen nicht nach, so musz der strom austreten;

seht der Rhein ist ausgetreten,
reiszt zu sich dies unglücksland.
Arnim schaub. 1, 240;

die galle ist ausgetreten und hat das blut entzündet.
 
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austreter, m. desertor. Haltaus 87.
 
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austreugen, austrocknen, Stieler 2326. vgl. DWB abtreugen und DWB austrocken.
 
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austrieb, m. 1) exactio: austrieb der herde, der schweine auf die weide; auch sobalden der hirt (die schweine) heimtreibet, ein jeder das seinige einthue, und bis zum austrieb im stall halten soll. Carber markordn. von 1657 art. 49; die schwein haben dis mit den schafen gemein, dasz ihnen der frühe austrieb und die mit thau befeuchtete weide ungesund ist. Hohberg 2, 308a. 2) austrieb heiszt am weinstock der sprosse im winkel der knospe, gemeinhin eberzähn genannt, w. m. s.

 

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