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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
austräglich bis austreibung (Bd. 1, Sp. 1001 bis 1003)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) austräglich, fructuosus, quaestuosus (Haltaus 86): ob der anschlag nit genugsam oder austreglich erfunden wurde. reichsabsch. von 1501 §. 2; ein austräglich hulf. von 1518 eingangs;

[Bd. 1, Sp. 1002]


und ob wir, auf des gewinnenden theils anrufen, für austräglich ansehen. kammerger. ordn. von 1521. 31, 8; austräglichen rechtens. 33, 1; wol macht die tawf menschlichen geist lebentig, so vor der tawf tod gewesen, deszhalb aim ungetauften, als aim toden, kain ander sacrament oder arznei zeraichen noch auszträglich ist. Berth. v. Ch. s. 411; damit auf dem künftigen concilio deste förderlicher, statlicher und austreglicher von der neuen lere geratschlaget, was gut angenomen und was bös gemidden werde. Luther 2, 433b; austrägliche früchte. Lohenst. Arm. 2, 774; in einer sonst sehr austräglichen pfarre gesessen. Felsenb. 2, 9; weilen er verschiedene tüchtige subjecta in ein und anderes austrägliches amt vorzuschlagen genöthiget worden. 2, 42; wegen eines vacanten austräglichen schuldienstes. 2, 43; indessen weil ich nicht zweifle, dasz mir gott vermittelst meines sehr austräglichen pfarrdiensts den schaden gar bald wieder ersetzen wird. 2, 359; die schönsten und austräglichsten rittergüter. 4, 207; man gab mir ein amt, welches nicht ansehnlich, aber doch austräglich war. Rabener 2, 20; eine austrägliche pfarre. 3, 45; was für eine austrägliche erbschaft ist auf mich gefallen. Lessing 3, 63. heute sagt man einträglich.
 
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austräglichkeit, f. des amtes. Rabener 3, 37; zu gütlicher austräglichkeit. Haltaus 86.
 
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austragung, f. elatio funeris. Frischlini nomencl. 480.
 
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austramen, tigna disponere, sternere, balken, scheiter schichten, klaftern. s. tramen.
 
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austrampeln, exculcare frumentum, austreten.
 
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austrauer, f. luctus depositio, aufhören der trauer, verschieden von abtrauer, wie an höfen die zweite woche der trauer heiszt. sie ist in der austrauer, im letzten stadium der trauer, wo farben gewählt werden, die vom schwarzen zum hellen, bunten den übergang machen, wie violett, lila.
 
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austrauern, luctum deponere, elugere: nachdem Juda ausgetrauret hatte. 1 Mos. 38, 12; da sie aber ausgetrauret hatte, sandte David hin und liesz sie in sein haus holen, und sie ward sein weib. 2 Sam. 11, 27;

wann Bethseba getrauert aus.
H. Sachs III. 1, 88a;

die tochter Eliams, die Davids freundin war,
und, als sie ausgetraurt, ihm einen sohn gebar.
Hagedorn 2, 5;

junge witwen haben bald ausgetrauert.
 
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austräumen, exitum somnii videre, nnl. uitdroomen: den traum austräumen; er hat den traum des lebens ausgeträumt, hat ausgeträumt; es that mir sehr leid, dasz sie gestern den kurzen traum, den ich meinen freundinnen bereitete, nicht ganz austräumen konnten. Göthe an fr. von Stein 3, 439; es hat das jahr nun ausgeträumt (seinen winterschlaf, der frühling bricht an). Arnim schaub. 2, 216.
 
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austreffen, pertinere, conducere, ausschlagen, anschlagen: darbei wol zu ermessen ist, dasz viel krankheiten seind, so solcher magen halben kommen, die sie in falsche capitel gesetzt haben, und wenig betracht, wo es austreffe. Paracelsus 1, 60b.
 
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austreiben , expellere, ausjagen, nnl. uitdrijven.
1) leute, thiere aus dem land, garten, haus: und treib Adam aus und lagert fur den garten den cherubim mit einem bloszen hawenden schwert. 1 Mos. 3, 24; treibe diese magd aus mit irem son. 21, 10; bis das er seine feinde austreibe von seinem angesicht. 4 Mos. 32, 21; und er wird fur dir her deinen feind austreiben. 5 Mos. 33, 27; das vieh austreiben; morgens wann der hirt austreibt;

soldaten und der wein, wo die zu gaste kummen,
da ist gewalt und recht dem wirte bald benummen,
der wirt kan diesen zwar zum hause treiben aus,
jen aber räumen weg den wirt und auch sein haus.
Logau 1, 5, 28;

den rachegeistern überlass ich
dies haus, ein frevel führte mich herein,
ein frevel treibt mich aus.
Schiller 512b;

des pachters, den unser onkel zwar mit recht, aber doch, dünkt mich, mit ziemlicher härte austrieb. Göthe 21, 107; dasz der pachter eines unserer güter endlich wirklich ausgetrieben werden solle. 21, 199. nicht selten liegt der nachdruck mehr auf dem hinaus als dem heraus, z. b. die schweine austreiben meint zwar aus dem stall, aber vorzugsweise aufdie weide.
2) im n. t. kehrt häufig die vorstellung wieder von dem austreiben der teufel und geister aus dem leib der menschen: haben wir nicht in deinem namen teufel ausgetrieben? Matth. 7, 22; am abend aber brachten sie vil besessene zu im und er treib die geister aus mit worten. 8, 16; da baten in die

[Bd. 1, Sp. 1003]


teufel und sprachen, wiltu uns austreiben, so erleube uns in die herd säu zu faren. 8, 31; er treibet die teufel aus durch der teufel fürsten. 9, 34; so denn ein satan den andern austreibet. 12, 26 u. s. w. Ulfilas verdeutscht ἐκβάλλειν bald usdreiban, bald usvairpan, ahd. steht arwerfan oder ûʒarwerfan, ags. ûtâdrîfan, wie die vulg. stets ejicere hat. einem den hoffartsteufel austreiben; man sagt auch den teufel austreiben für recht austollen.

ja wie vil sehlen hat dein wöhr
den stolzen cörpern ausgetrieben?
Weckherlin 371.


3) man treibt oft ein nagel mit dem andern aus. Lehmann 58; die pende oben und unden uszdreiben. weisth. 3, 772 (unter pfand werden aber meistens thiere gemeint), vgl. 2, 256. 258. furcht ist nicht in der liebe, sondern die völlige liebe treibet die furcht aus. 1 Joh. 4, 18; die hitze treibt mir heftigen schweisz aus; man musz diese unarten des kinds beizeit austreiben; o thörichte weltliebe, deinetwegen liegt mein verstand gefangen, meine seele beschweret, meine andacht ausgetrieben. pers. rosenth. 2, 28; man nicht wol vermutete, dasz man solche von ihnen so lang getriebene oder gar angeborene laster austreiben könte. pers. reiseb. 3, 1; dieser wolredenheit, kraft welcher wir die bewegungen können ein- und austreiben. Schuppius 850; die diebsbande hat es nun bald ausgetrieben, man stellt ihr nach; einem seine mucken, grillen, thorheiten austreiben.
4) zuweilen steht austreiben für treiben, caelare, aus metall hervorarbeiten: das bildwerk ist schön ausgetrieben; in silber ausgetriebene kunstwerke. figürlich, es versteht dies kein mensch, der seinen wirkungskreis aus sich geschaffen und ausgetrieben hat. Göthe an Lavater 110.
5) intransitiv, austreiben wie treiben: die blume treibt schön aus; der schweisz treibt aus, dringt hervor;

für dem kunt mein jungfraw nicht bleiben,
das herz wolt ihr zum mund austreiben. froschmeus. I. 2, 3.

auch für aufhören zu treiben: der hochofen treibt aus, geht aus, verglüht.
 
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austreibung, f. expulsio: die austreibung der könige, der juden; nach austreibung der bösen geister.

 

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